Was für eine merkwürdige Formulierung. Im Interview sagt Reisner:
Für die ukrainischen Truppen ist die Front überdehnt. Sie mussten wichtige Reserven Richtung Charkiw verschieben, als die Russen dort angegriffen hatten. [...] Mit dem Angriff auf Charkiw haben die Russen also faktisch einen Köder gelegt, den die Ukrainer geschluckt haben.
Wenn die Russen einen "Köder gelegt hätten" den die "Ukrainer geschluckt haben", bedeutet das in der deutschen Sprache, dass die Ukrainer auf irgendetwas hereingefallen sind, was die Russen geplant haben.
Aber was wäre denn für die Ukrainer die Alternative dazu gewesen, Reserven nach Charkiw zu verschieben, um dort die erneute russische Offensive aus dem Norden zu stoppen? Hätten die Ukrainer einfach nichts machen sollen und zulassen, dass die Russen auf die Stadt Charkiw vorrücken, die zweitgrößte Stadt der Ukraine?
Reisner widerspricht sich selbst, denn in der selben Antwort sagt er sogar selbst, die Ukrainer
mussten wichtige Reserven Richtung Charkiw verschieben. Nicht weil sie auf irgendeinen "Köder" der Russen reingefallen sind, sondern weil sie halt den russischen Angriff in Richtung Charkiw unterbinden
mussten.
Aus Sicht Russlands war die Aktion bei Charkiw ein massiver Fehlschlag. Der Plan war wohl tatsächlich entweder im Norden der Ukraine wieder Fuß zu fassen, eventuell sogar Charkiw einzunehmen, oder zu belagern oder aber zumindest ukrainische Reserven zu binden, damit an der Front im Donbass endlich ein Durchbruch gelingt.
Tatsächlich ist Russland weder bei Charkiw, noch im Donbass ein Durchbruch gelungen. Der russische Angriff im Norden ist bereits ein paar Kilometer nach der ukrainischen Grenze kläglich eingegangen und obwohl die Ukraine Reserven dorthin verschieben musste, um dies zu erreichen, ist Russland im Donbass dennoch kein Durchbruch auf der operativen Ebene gelungen.
Auch nach 2.5 Jahren Krieg kontrolliert Russland keinen einzigen der vier Oblaste die sie annektiert haben wollen vollständig.