Die Ukrainer haben jetzt schon Kampfpanzer und die werden dann Stück für Stück auf die Neuen umsteigen. Bis die da sind, kann man auch noch ausbilden. Also ich sehe das mit dem "Zurechtkommen" nicht so problematisch. Die große Kriegswende sehe ich dadurch allerdings auch nicht. Ob die Infrastruktur für die ganzen Panzer (Challenger, Leo X, Leo Y, ABrams) vorhanden ist, steht auf einem anderen Blatt, aber das wird sich finden.
Natürlich wird sofort wieder Scholz kritisiert, dass er angeblich die USA "erpresst" hat, während jetzt Lufthauch aus Polen in Richtung Deutschland in der deutschen Presse abgefeiert wird, aber über diese seltsame Berichterstattung haben wir bereits gesprochen.
Wie sehe denn dein Lösunsgsvorschlag aus um diesen Krieg zu beenden?
Mir ist klar, dass das eher eine rhetorische Frage an den anderen User war, aber aufgrund des weiteren Hochgehen in der Eskalationsspirale antworte ich mal darauf. Das Problem ist im Moment nicht der fehlende Lösungsvorschlag, sondern die vielerorts gezeigte Ablehnung das Thema zu behandeln. Wie man in den letzten Seiten lesen kann, wird jeder Denkansatz jenseits von Waffenlieferung als (Beispielzitat) "Ist das die Alternative? Sich Russland anbiedern, oder direkt eingenommen werden?" abgetan. Angeblich wollen die Russen auch nicht verhandeln, daher gibt es keinen Verhandlungsversuch mehr. Aber selbst wenn das stimmen würde, dann muss man es trotzdem weiter versuchen und zwar jeden verdammten Tag. Man kann auch über theoretische Szenarien miteinander verhandeln und sollte wirklich das Randomevent "Putin weg" eintreffen, dann könnte man den Krieg deswegen vielleicht ein paar Tage früher beenden, anstatt erst bei null anzufangen. Leider wird das aber dadurch erschwert, dass heutzutage alles in die Öffentlichkeit gezerrt und dann zerrupft wird. Marcron wurde bei uns ja oft dafür kritisiert, dass er mit Putin telefoniert.
Bei uns wollen die ganzen Waffenlieferungsbefürworter nicht auf die Frage antworten, wie der Krieg enden soll. Da wird dann mit "das ist Sache der Ukraine" geantwortet, aber damit macht man es sich zu einfach. Viele NATO Staaten sind aufgrund von finanzieller, logistischer und militärischer Hilfe zu sehr involviert, als das man auf "nicht unsere Sache" pochen könnte. Daher ...
Das "Gemetzel" könnten die Russen durch einen Rückzug vom ukrainischen Territorium ganz schnell beenden.
... ist schnell gesagt und klingt gut, aber realistisch betrachtet haben sie dafür keine Veranlassung mehr, weil die Schotten Richtung Westen dicht sind. Ein Rückzug von der Krim wäre nicht nur für Putin eine erheblich Schmach, also selbst ein Ersatzmann würde das kaum freiwillig tun. Noch problematischer ist die vielerorts ausgeblendete Tatsache, dass ein territorialer "Sieg" der Ukraine - egal wie realistisch man den jetzt betrachtet - nicht automatisch den Krieg beenden würde. Wie eine militärische Rückeroberung der Krim aussehen soll, blendet man bei uns ebenfalls aus. Selbst (großes) falls das alles klappen sollte: Dann hat man eine Ukraine mit einer riesigen Grenze zu Russland und Belarus und aus Russland können jederzeit Raketen fliegen oder Artilleriebeschuss kommen oder Scharmützel gestartet werden.
Ohne irgendeine Art der Verhandlungslösung wird das Gemetzel militärisch nur dann enden, wenn man Moskau einnimmt. Das ist bei einer Atommacht allerdings unrealistisch und daher sind wir schnell wieder an dem Punkt, dass man nicht wirklich weiß, wie das enden soll. Und nein ... der Ukrainekrieg ist nicht vergleichbar mit dem Vietnamkrieg für die USA.
Ja, es wäre im Prinzip schlecht, wenn man Russland für einen Abzug irgendetwas geben würde und sei es eine Status Quo Krim mit weitehin vorhandenem Marinestützpunkt für Russland. Es wäre aber auch schlecht den Krieg ewig weiterlaufen zu lassen, weil Russland keinerlei Veranlassung hat sich komplett zurückzuziehen oder gar nichts mehr zu tun. In den ersten Wochen nach Kriegsbeginn war im Internet sogar von Reparationszahlungen von Russland die Rede, also eine weitere Bedingung für Frieden, obwohl schon die anderen schwierig genug sind.
Ich sehe die Zukunft im Moment eher pessimistisch, weil die derzeitige Rhetorik darauf hinausläuft, dass wir einen jahrelangen Krieg in der Ukraine haben werden, welcher beide Seiten erschöpfen wird. Die Ukraine und der Westen haben dabei aber auf Dauer viel mehr zu verlieren als Russland, weil es dort schon vorher eher naja war.