Historie:
Erstmal zum Warmwerden, ein bisschen Historie um aufzeigen das der Klimawandel und alle Folgen draus kein neues unbekanntes Thema sind. Spoiler: Wenn wir die Lobbyarschlöcher von Exon mobil nicht hätten, müssten wir heute vermutlich nicht darüber diskutieren, denn in den guten 70iger Jahren waren wir da auf diesem Planeten schon weiter. Geschichtsstunde zu dem Thema findet sich in dem (wortwörtlich) ausgezeichneten Artikel der NY Times den ich jeden ans Herz lege:
https://www.nytimes.com/interactive/2018/08/01/magazine/climate-change-losing-earth.html
Kohleausstieg und Klimawandel sind eng verzahnt:
Nachdem wir warm sind, hier kam in der Diskussion auf das wir angeblich ewig brauchen, um die Energiewende und den Kohleausstieg zu vollziehen. Die beiden Themen sind in Deutschland sehr eng miteinander gekoppelt denn unsere Kohlekraftwerke sind ein extremes Problem und versauen unsere Klimabilanz ganz besonders
https://green-planet-energy.de/pres...ie-haelfte-des-deutschen-co2-restbudgets.html
„Fast die Hälfte der CO2-Menge, die Deutschland zur Einhaltung internationaler Klimaziele künftig maximal noch ausstoßen darf, würde nach heutigem Stand durch die Kohleverstromung bis zum Jahr 2038 verbraucht.“
d.h. ein späterer Ausstieg summiert sich und macht alles in Zukunft noch teurer.
Stand da Klimaziele? Ja, unfassbar die gibt es – das komische Ding aus Paris kennt ja jeder – oder? Mal daraus zitiert
https://de.wikipedia.org/wiki/Kohleausstieg
„Um die Ziele des 2015 in Paris beschlossenen Klimaschutzvertrages zu erfüllen, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen, ist weltweit ein Kohleausstieg bis etwa 2030 notwendig.“
Ok, wartet wird noch besser, denn Kanada hat da 2017 auf der UN-Klimakonferenz in Bonn(!) die
“Global Alliance to Power Past Coal”
https://en.wikipedia.org/wiki/Powering_Past_Coal_Alliance
vorgestellt,
„eine internationale Initiative, die sich für den weltweiten Kohleausstieg einsetzt. Ihr gehörten bei der Gründung etwa 20 Staaten an, darunter Kanada, Großbritannien, Italien, Frankreich und Mexiko. Ziel ist es, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dafür müssten die Industriestaaten bis ca. 2030 aus der Kohle aussteigen, der Rest der Welt bis 2050.
Deutschland gehört übrigens dazu, verstößt also grade mal mit Ansage bei den Zielen dieser Allianz! Frage:
warum sind wir da drin? Wer war 2017 an der Macht?
Antwort: Ja es sind dieselben die nun nicht müde werden zu sagen „geht nicht vor 2038“!
Ach, weil bestimmt einer wieder kommt und sagt „aber die grünen die haben doch auch 2038“ – nee ist eine Ente (Quak):
Ein Artikel aus 2017:
http://www.klimaretter.info/politik/nachricht/23278-gruene-wollen-kohleausstieg-bis-2030
„Vor dem Beschluss hatte es eine hitzige Debatte gegeben. Die Klimaexpertin Annalena Baerbock forderte: "Wir müssen radikaler werden!" Es sei die "historische Aufgabe" der Grünen, dafür zu sorgen, dass das Pariser Klimaabkommen eingehalten werde. Das Jahr 2037 als Kohleausstiegsdatum anzupeilen heiße, dass "die vollständige Dekarbonisierung rausgestrichen wird"
.
Es wurde sich auf 2030 geeinigt. Ich will die Grünen hier aber auch gerne mal bashen, dass deren Wirtschaftsflügel überhaupt so dreist war und die ursprünglich mal auf 2025 Ziellinie, heimlich auf 2037 drehen wollte, ist schon scheiße!
Aber egal, wir halten fest. Deutschland hat sich eigentlich verpflichtet den Kohleausstieg bis 2030 hinzubekommen, das zahlt auch extrem gut in unser CO2 Budget ein.
Nur halten wir uns nicht dran.
Ok, kann man sagen, ist doch nicht sooo schlimm, ist doch nur unser kleines Land. Ja, blöd nur das unser aller CO2 Abdruck eben nun mal extrem hoch ist:
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/klima-und-luft/klimawandel/27125.htm
„Deutschland ist für ungefähr 2,1 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich – das ist ziemlich viel für ein kleines Land wie Deutschland. Im internationalen Vergleich wird noch deutlicher, wie viel CO2 die Bundesrepublik ausstößt: Deutschland liegt im weltweiten Vergleich auf Platz 6, nichts worauf man stolz sein könnte, denn Deutschland stößt mehr CO2 aus als die meisten anderen Länder. „
Dabei berücksichtigt ist übrigens noch nicht der Anteil, den unsere Firmen in der verlängerten Werkbank China so erzeugen. Dann rücken wir sogar auf Platz 4 vor.
Wir sind derzeit weltweit auf Platz 23 im Ranking der „Energiewendeländer“, 2019 waren wir auf Platz 16… wir werden immer langsamer in der Energiewende, anstatt schneller.
Deutschland hat somit tatsächlich eine besondere Verantwortung, der Deutsche hat einen der fettesten CO2 abdrücke. Das Geld, das wir für die Energiewende brauchen WURDE, bereits verdient, denn der hohe co2 Abdruck bedeutet auch das hier Leute SEHR VIEL VERDIENT HABEN. Das ist vielleicht nicht du, vielleicht nicht ich, ABER ES WAREN DEUTSCHE (Unternehmen) und diese könnten nun mal ihren Anteil daran in Form von Vermögungssteuern, Körperschaftssteuern und Erbschaftssteuern zahlen!
Doch es ist ja alles soo teuer, wie teuer ist es eigentlich aus der Kohle auszusteigen?
Naja, so genau will es die Bundesregierung nicht sagen aber
so ca. 90 Mrd.
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/energiewende-was-kostet-der-kohleausstieg/23920412.html
Wow, viel Geld. Was kostet da eigentlich die Energiewende?
Satte 300-500 Mrd. (Quelle der Cicero Artikel zu dem ich noch komme)
Ach du Scheiße! – Joh, nur zur Erinnerung, die Kosten von 2 anderen „Großprojekten“:
- Finanzkrise 2008: Ca. 800 Mrd.
- Kosten der deutschen Einheit ca. 1,3-2 Billionen Euro
Da sind der Kohleausstieg und die Energiewende ja ein Schnäppchen dagegen. Für die beiden anderen Projekte war das Geld da, bei dem einen, das mit den Banken, sogar unfassbar kurzfristig.
Aber wir könnten ja auch einfach nichts machen und das mal rein von den Kosten (unabhängig der Toten) betrachten. Was sind die Kosten des Klimawandels für Deutschland?
https://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/klimawandel/38487/kosten-des-klimawandels
Der Artikel ist von 2013 – interessant dabei ist folgendes. In diesem Artikel werden die kosten bis 2050 auf 800 Mrd. Euro geschätzt. Wenn nichts getan wird, dann sogar 3 Billionen Euro. Doch ging man bei der Schätzung im Falle von Flutkatstrophen hievon aus:
„Durch Überflutungen und Hochwasser ist zusätzlich mit Immobilien- und Infrastrukturschäden von ca. zehn Milliarden Euro zu rechnen.“
– bis 2050!
Nun, dieses Jahr haben wir schon Flutschäden in Höhe von mehr als 30 Mrd. in Deutschland gehabt. Das dreifache dieser Schätzung und 2050 ist noch sehr weit weg.
https://wiki.bildungsserver.de/klim..._des_Klimawandels#Wie_hoch_sind_die_Kosten.3F
Weltweit ist es noch etwas schwieriger die Kosten für den Klimawandel zu ermitteln, was man aber machen kann ist nachzuschauen was da an Kosten seit 2000 aufgelaufen sind:
https://yaleclimateconnections.org/2021/09/can-the-economy-afford-not-to-fight-climate-change/
Inflationsbereinigt haben alleine die Schäden in den USA bereits 1,2 Billionen gekostet (F4&F5 Hurricanes). Die Flutkatastrophe hat mehr als 30 Mrd. an Schäden bei uns verursacht. Weltweit sterben Menschen auch an Hungersnöten ausgelöst durch die Dürren die Folgen des Klimawandels sind. Weltweit sind es seit 2000 geschätzt 3 Billionen Dollar an Schäden durch den Klimawandel.
Tja, zurück zum Kohleausstieg. Hier war ja die Frage nach umbauten wie Stromspeicher aufgekommen, die wir brauchen. Da gibt es ein nettes Video beim Lesch im ZDF:
https://www.zdf.de/wissen/leschs-kosmos/voll-geladen-neue-speicher-fuer-die-energiewende-100.html
Kleine Punkte daraus: Projekt Blue Battery aus Norwegen. Die Wasserkraftwerke und Stauseen können locker als Stromspeicher für Europa dienen.
Alte Kohlekraftwerke können zu „Salzspeichern“ umgebaut werden.
RWE schlägt selbst vor die Kohlekraftwerke gezielt durch Gaskraftwerke zu ersetzen, da diese günstiger, effizienter (neuer) und vor allem kurzfristig anfahren und stoppen können. Auch wenn Gaskraftwerke nicht Emissionslos sind, wären sie aber ein schritt in die entsprechende Richtung auf den Weg (selbst der BUND schlägt das in seinen Abschaltplan weiter unten vor).
Natürlich gibt es noch viel mehr, die Politik muss hier nur endlich mal IN DIE ZUKUNFT INVESTIEREN. Dazu passt aus dem Cicero Artikel (kommt gleich) – folgendes wie Arsch auf Eimer:
„Alternative Großspeichervarianten stehen zur Verfügung
… „Anstatt den Bau moderner Großspeicher zu fördern, zumindest diese gleich wie andere Technologien zu behandeln, wurden aufgrund mangelnder Logik und fehlender Vorstellungskraft der hierfür zuständigen Politiker und Ministerialbürokraten Energiespeicher doppelt mit Abgaben belastet, weil man sie sowohl als Verbraucher als auch als Energieerzeuger einstufte.“
Denk ich an Deutschlands Behörden in der Nacht….
Natürlich gibt es auch Abschaltpläne, wie vom BUND, mit weiteren sehr detaillierten Angaben:
https://www.bund.net/kohle/kohle-ausstieg/ „Bund abschaltplan kohle 2030“
Allerdings sollte ich mich gar nicht darüber aufregen, denn wenn ich den Leuten von RWE und Co. glauben kann/soll, dann kommt der Kohleausstieg 2030 bereits durch die Hintertür (Daumen drücken).
https://www.dw.com/de/deutschlands-...bis-2030-ein-schritt-zum-klimaziel/a-55717319
Wenn die Politik die dann nicht mit Subventionen stützt….
Ok, Kosten, Speicher, Verpflichtung alles soweit geklärt dann abschließend nochmal das
WARUM.
Uns läuft die Zeit weg! Das größte Missverständnis beim Klimawandel (dem selbst einige Klimaforscher erliegen) ist die Annahme der Welttemperaturanstieg würde linear verlaufen. Das tut er nicht, er verhält sich
progressiv.
Endlich verlinke ich mal den Artikel aus dem Cicero (ACHTUNG: Der macht echt miese Laune, Lesen nur auf eigene Gefahr).
https://www.cicero.de/innenpolitik/...om-stromkosten-kohlekraft-erneuerbare-energie
Daraus
„Erstaunlicherweise sind Intellektuelle oft „völlig taub“, wenn es um Fakten geht (Zitat: Harvard-Professor Steven Pinker). So geht die Klimaforschung immer noch davon aus, dass der Klimawandel im Gleichklang mit der weiteren Zunahme von CO2 auf der Erde linear zunimmt. Das heißt, man misst den CO2-Gehalt in der Luft, der beispielsweise zu einer Erwärmung der Welttemperatur von einem Grad Celsius geführt hat und nimmt dann an, dass die gleiche Menge CO2 zu einer weiteren Erhöhung der Welttemperatur von einem Grad Celsius führen wird. Hier irren sich die Klimaforscher, denn unsere Welttemperatur steigt nicht linear, sondern progressiv an. Deshalb ist selbst die Aussage von Klimaforschern, die davon ausgehen, dass sich der Klimawandel schon in rund zwölf bis fünfzehn Jahren nicht mehr umkehren lässt, Hoffnungsdenken.“
Eine große Rolle dabei spielen die Kipppunkte:
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3283.pdf
leichter:
https://climatescience.org/de/advanced-climate-climate-tipping-points/
Diese sind
UMUNKEHRBAR (zumindest für uns zu Lebzeiten). Wenn diese Kipppunkte eintreten, gibt der Klimawandel mal so richtig Gas. Erste Ansätze sehen wir derzeit live. Die langen Wetterlagen, die wir in diesem Sommer hatten, d.h. Regionen die sehr lange Hitze (Kanada, USA, Türkei, Griechenland) ausgesetzt sind, während andere vor Regen absaufen (Deutschland). Diese Wetterlagen entstehen durch das zusammenbrechen/Veränderung die Jetstreams. Eine eindeutige Folge des Klimawandels. Ein anderer ist der abtauende Permafrost in Sibieren, dabei wird Methan freigesetzt, welches noch stärker zur Erwärmung beiträgt.
Ein weiterer, die abtauenden Polkappen. Ist das Eis erstmal weg, verliert die Erde einen Teil seines Reflektionsschirms. Das Eis lenkt die Sonnenstrahlen zurück ins All, ist es nicht mehr da, wird der Planet noch mehr aufgeheizt.
Ein weiteres ist die Sättigung von CO2 im Meer. Das Meer selbst ist der größte CO2 Speicher und dieser ist fast voll. Wenn das Meer nichts mehr aufnimmt, dann geht es eben in unsere Luft.
Jeder dieser Kipppunkte wird schlicht gewaltige und dramatische Folgen für uns alle haben. Wollen wir es wirklich ausprobieren, ob man den noch ein Jahr „schieben“ kann, nur weil es der CDU grade nicht passt im Osten die Kohlekraftwerke abzuschalten? Was wenn dieser deutsche Anteil der Tropfen auf dem sehr Heißen Stein, pardon Erde ist?
WIR HABEN KEINE ZEIT MEHR UM HIER RUMZUSPIELEN. Es gibt keine Erde 2, kein Plan B, kein Roland Emmerich Archendingsbumssuperbombeerfindungsvirusirgendwas das uns dann mal rettet. Sind die Kipppunkte erstmal erreicht, nutzt uns auch keine magische „CO2 Absauge Technik“ (wo sich auch erstmal die Frage nach „woher kommt die Energie“ stellt).
Deswegen ist es auch absolut scheiß egal was es kostet, es ist wurscht, es gibt keine Option gegen das Handeln. Hier steht tatsächlich das Überleben unserer (und vieler andere) Spezies auf dem Spiel. Es ist mir absolut scheißegal, ob ich dann mehr Geld an Steuern zahlen muss. Es ist mir scheißegal, ob es mal heißt „Flugzeug nur noch mit Sondergenehmigung“, es ist mir Scheißegal, wenn ich mit Tempo 100 auf der Autobahn gurken muss. Alles ist besser als schlicht elendig zu verrecken und solche Bilder wie in diesem Sommer mit ansehen zu müssen. Ich habe Kinder und ich will das diese einfach nur Leben können!
Ok, was tue ich, was kann man tun (kam ja auch als Frage auf, auch wenn es ein klassischer derailing Versuch ist, antworte ich dennoch drauf)
Nun auch dazu zitiere ich einfach mal (Nabu):
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/klima-und-luft/klimawandel/27125.html
„Gut zu wissen: Fast alle Menschen können privat beim Klimaschutz punkten. Beispielsweise mit Ökostrom im Haushalt, weniger Autofahrten, weniger Fleischkonsum, Reisen mit der Bahn statt mit dem Flugzeug. Auch auf überwiegend regional erzeugte Produkte in Bioqualität zu setzen, dürfte für die meisten Menschen sogar ein Gewinn an Lebensqualität bedeuten und auch gesundheitsfördernd sein.
Für den wirklich großen Wurf stehen jedoch Politik und Wirtschaft in der Pflicht, kluge Klimaschutz-Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Wer also echten Klimaschutz will, muss seine Gewohnheiten hinterfragen und sowohl auf der Straße und auch natürlich an der Wahlurne mehr Klimaschutz einfordern.“
D.h. ich habe schon getan, ich habe gewählt, und zwar die Partei(en) die sich genau hier glaubhaft einsetzen und das schon seit mehr als 15 Jahren.
Ich zahle einen Haufen Steuern, den ich verdiene gut. Diese Steuern sollen bitte nicht dem dritten Erben von Hunsidunsi in den Arsch geblasen werden, sondern eben in entsprechende Kraftwerke, Speicher, Forschungen, Verkehrsausbauten.
Was mach ich noch?
Ich spende, z.b. bei
https://de.scientists4future.org/,
https://parentsforfuture.de/de/
(bei denen ist meine Frau auch aktiv dabei),
Ich passe meine Ernährung an, weniger Fleisch, mehr Veggie – und ja auch das kostet extra Geld.
Ich kaufe hauptsächlich regionales Obst, wenn Fleisch dann beim Metzger etc.
Wenn unser Kredit von der Heizungsmodernisierung (vor 4 Jahren) zum ende dieses Jahres ausläuft, nehme ich einen neuen auf, um das Thema Photovoltaik im nächsten Jahr anzugehen (lebe in Hessen, wird nicht gefördert, auch so ein Punkt).
Die Karre meiner Frau ist ein Hybrid und wird in den nächsten 2 Jahren durch eine Elektrokarre ersetzt.
Ich versuche meine Firma zu mehr Homeoffice zu bewegen (nach Corona).
Ich bzw. meine Familie machen eben all diesen „Hippiedippie Scheiß“ den Gutmenschen ebenso tun!
Last but not least:
Ich schreibe solche Texte!