Stattdessen könnten sich Europäer und Amerikaner darauf verständigen, für russisches Öl künftig nur noch 50 Prozent des jeweiligen Brent-Preises oder auch einen Fixpreis von 50 Dollar je 159-Liter-Fass zu zahlen – je nachdem, was günstiger ist. Die Gefahr, dass Putin seine Flüssigware zu einem höheren Preis anderswo losschlägt, hält Ölexperte Galimberti für überschaubar.
Japan und
Südkorea würden sich einer solchen Preiskontrolle sofort anschließen, meint er. »China und Indien würden wahrscheinlich sagen, wir zahlen 51 Prozent. Aber die Lieferung nach Indien dauert zwei Monate, während es nach Europa zwei Wochen sind«, argumentiert er. Also: »Im Kern wäre Putin gezwungen, an Europa zu verkaufen.«
Ungefähr so stellt sich offenbar auch Yellen das vor. Der Hebel für das Preismodell könnten die Versicherungen sein, ohne die kein Ölfrachter übers Meer schippert, weil sich Unfälle schnell zu Milliardenschäden aufsummieren. Ihnen könnten verboten werden, Öltransporte oberhalb der Preisgrenze abzusichern. Da die meisten Schiffsversicherer in Europa sitzen, wären Exporte aus Russland ohne den Preisabschlag kaum mehr möglich.
Rund 95 Prozent der Haftung für Tankerschäden werden derzeit von der International Group of P&I Clubs in London organisiert. Dass sie diesen Hebel zu nutzen weiß, hat die EU schon gezeigt: Im jüngsten Sanktionspaket ist auch ein Versicherungsverbot für Transporte von russischem Öl an Drittstaaten vorgesehen. Putin könnte allenfalls versuchen, dieses Verbot über lokale Anbieter verbunden mit Staatsgarantien auszuhebeln.
Der Plan einer Preisobergrenze sei überzeugend, findet auch der Rohstoffhändler Pierre Andurand: »Mir fällt kein Nachteil ein.« Auch er bezweifelt, dass die energiehungrigen asiatischen Staaten Putin raushauen würden. »Warum sollen China und Indien darum kämpfen, teurer zu kaufen? Sie lieben ein Schnäppchen«, twitterte Andurand. Finanzministerin Yellen hat zudem die Möglichkeit von Sanktionen gegen Drittstaaten ins Spiel gebracht, die sich nicht an die Preisvorgabe der mächtigen USA halten. Ihr Plan ließe sich in das EU-Embargo einbetten, indem man jene russischen Exporte vom Embargo ausnimmt, die unter der Preisgrenze liegen. Dann würde das Öl weiter auf den Weltmarkt gelangen, aber Putin würde nicht einen derartigen Reibach machen wie bisher.
In Brüssel und Berlin scheint die Skepsis trotzdem groß. Die Deutschen hielten den Mechanismus für ziemlich kompliziert, berichtete die Finanzagentur Bloomberg. Vor allem aber scheint die Europäer eine andere Sorge umzutreiben: dass das zwischen 27 EU-Staaten mühsam ausgehandelte Sanktionspaket eine Überarbeitung nicht übersteht.