Eigentlich war alles absehbar. Israel bombardiert die iranische Botschaft in Damaskus, tötet einen der wichtigsten Offiziere der "Revolutionsgarden" und kommt damit durch? Nein, selbstverständlich nicht. Es hat keine zwei Wochen gedauert, bis der Ayatollah in Teheran reagiert hat. Nach den nach wie vor geltenden Spielregeln des Nahen Ostens musste Irans Revolutionsführer Ali Chamenei zurückschlagen und das vermeintliche Gleichgewicht des Schreckens wiederherstellen. Also schickte er einen Schwarm von 300 Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen. Das war erwartbar, aber erhöht das Risiko eines regionalen Kriegs um das Vielfache.
Genau das war von Israels Regierung wahrscheinlich so beabsichtigt. Benjamin Netanjahu steht unter gewaltigem Druck. Im Gaza-Krieg hat seine Armee die Hamas auch im sechsten Monat nicht besiegt, gut die Hälfte der von den Terroristen am 7. Oktober entführten Geiseln vegetiert in Tunneln im Gaza-Streifen, auf den Straßen Israels rufen Demonstranten nach einer neuen Führung. Was käme da gelegener, als das Feuer auf die Islamische Republik zu lenken, in den Augen der westlichen Politik ohnehin der Erzbösewicht des Nahen Ostens?