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Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Solar, Strom und Wind werden für die meisten Menschen erst dann eine ernsthafte Option sein, wenn sie billiger und auch mindestens genauso bequem sind wie fossile Energieträger. Beim Strom bewegen wir uns aktuell in die komplette Gegenrichtung, der wird immer knapper und teurer. Und mit der Abschaltung unserer AKWs wird sich die Situation weiter verschärfen. Wie um alles in der Welt soll die für Elektroautos notwendige Infrastruktur zum einen versorgungstechnisch und zum anderen preislich für den Durchschnittskonsumenten verkraftbar betrieben werden? Das sehe ich aktuell einfach nicht. Und die Leute dadurch indirekt vom eigenen Auto abzubringen, geht wieder gegen den angesprochenen Lebensstandard. Auch wird man wohl kaum die Straßenränder mit Ladestationen zupflastern, damit Mieter ihre Elektroautos über Nacht aufladen können. Hier braucht es also auch eine logistische Lösung, welche man aber womöglich durch entsprechende Schnellladestationen (und hierbei meine ich wirklich "schnell" und nicht erst 30 Minuten warten) an Tankstellen erreichen könnte.

Thema Solar: Das ist ein schöner Gedanke für Häuslebauer, von denen es aufgrund der bekannten Entwicklungen auf dem Häusermarkt aber immer weniger gibt. Und bestehende Kraftwerke durch Solaranlagen ersetzen? Meines Wissens nach gibt es da ein Effizienz- und auch Speicherproblem. Lasse mich aber gerne eines besseren belehren.


PV und Wind sind schon (viel!) billiger, als Kohle, Gas und erst recht AKW, wenn man die Folgekosten mit einberechnet. Strom wird nicht teurer, weil PV und Wind ausgebaut werden. PV und Wind haben letztes Jahr ganz konkret einen noch stärkeren Anstieg des Börsenstrompreises verhindert. Mit Kosten zu argumentieren muss heißen: PV und Wind Zubau viel stärker erhöhen und den ganzen teuren Mist so schnell wie möglich aus dem Netz.

Strom wird langfristig tendenziell in einem halbwegs bezahlbaren Bereich sein, weil PV und Wind so wahnsinnig billig sind und man den ganzen anderen fossilen Krempel nicht mehr wie verrückt subventionieren muss. Frankreich, um mal ein Beispiel mit AKW zu nennen, hat einen recht günstigen Strompreis für Endkunden. Soweit so gut. Dummerweise kostet der Strom den Steuerzahler aber tatsächlich wesentlich mehr. Denn EDF, der Staatskonzern, macht seit Jahren Milliardenverluste (vgl. beispielsweise hier: https://www.spiegel.de/wirtschaft/u...erlust-a-8c6ff5bb-d2cd-4ead-81df-8d8368670655 ) und der französische Staat gleicht das aus. Und wer bezahlt das dem französischen Staat? Richtig, der Steuerzahler. Die EDF hat 2022 z.B. 279 TWh an Atomstrom erzeugt. 279 TWH vs. 18 Milliarden macht mal eben ~6,5 Cent pro Kilowattstunde. Eigentlich ganz nett (katastrophal!), wenn man sich überlegt, dass das allesamt uralte, abgeschriebene Reaktoren sind. Da haben wir natürlich nicht die ganzen weiteren, mehr oder weniger versteckten Subventionen mit eingerechnet. Z.B. würde keine Bank jemals ein AKW finanzieren (zumindest nicht zu bezahlbaren Zinsen), wenn nicht jedes einzelne Mal ein Staat (ob das nun Frankreich, UK, USA oder sonstwer ist) dahinter stehen und für die Summe garantieren würde. Und versichern muss man die Teile praktischerweise auch nur sehr bedingt. Die AKW kommen einfach in eine nette Tochtergesellschaft und wenn es dummerweise zum GAU kommt wird die abgewickelt. Bei Neckarwestheim ist das z.B. die EnBW Kernkraft GmbH.

Das Argument insbesondere gegen langsame Ladesäulen ist mir persönlich nach wie vor unverständlich. Es geht im wesentlichen um etwas überdimensionierte und mit einem etwas schickeren Stecker versehene... Steckdosen. Das wars. Da ist keine besonders riesige Magie dahinter. Das sieht man auch daran, wie günstig so eine Wallbox ist. Wer behauptet, dass wir daran scheitern werden hier auch für Mieter ohne eigenen Stellplatz eine Lösung zu finden (abseits der offensichtlichen, die es in vielen Gegenden jetzt schon gibt: einmal pro Woche 10, 15, 20 Minuten am Schnelllader zu stehen; z.B. beim Einkaufen), der braucht imo ein wenig Kreativität. Das ist keine Raketenwissenschaft. Es sind popelige, überdimensionierte Steckdosen.


Versteht mich nicht falsch: Grundsätzlich halte ich die Transition hin zu erneuerbaren Energieträgern auch für notwendig und sinnvoll, aber dies muss mit Augenmaß erfolgen. Das geht nicht mit der Brechstange, sondern braucht Zeit und entsprechende Technologien, die in Sachen Output und Kosten mit fossilen Energieträgern konkurrieren können. Ansonsten werden die Kosten für die Bürger derart hoch, dass es Akzeptanzprobleme geben wird.

Vor 20, 30 Jahren hätten wir diese Zeit noch gehabt, jetzt nicht mehr. "Augenmaß" heißt im Jahr 2023 die Energiewende so schnell wie irgend möglich umzusetzen, um den Planeten halbwegs lebenswert zu erhalten und auch Deutschland wettbewerbsfähig zu halten (vgl. z.B. die vielen News, dass Unternehmen sich bewusst Regionen mit viel Windkraft zur Ansiedlung aussuchen, weil sie grünen und billigen Strom wollen). Die Technologien haben wir, die Kosten sind im Griff, um den Rest (insbesondere Speicher) kümmern sich jede Menge kreative Köpfe während wir hier schreiben.


Und auch wenn dieses Argument nun niemand hier hören möchte und ich dafür wahrscheinlich gleich wieder in der Luft zerrissen werde: Deutschlands Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß beträgt mickrige 2%. Ob wir uns nun für eine sozial verträgliche Energiewende 10 Jahre mehr oder weniger Zeit lassen, macht für die weltweite CO2-Bilanz unter dem Strich keinen Unterschied. Es macht aber einen großen Unterschied für unser Land, was Akzeptanz und sozialen Frieden betrifft.

Einerseits hast du vollkommen recht. 2% machen keinen Unterschied. Andererseits ist das Argument einigermaßen simpel gestrickt und wohl so alt wie die Klimaschutzdebatte selbst. Was wäre wenn jeder so denken würde? Es gibt tatsächlich nicht viele Länder weltweit, die einen größeren CO² Ausstoß als Deutschland haben. Wir sind Nummer 6: https://www.co2online.de/klima-schuetzen/klimawandel/co2-ausstoss-der-laender/
Wenden wir das Argument also für alle Länder ab der Nr. 6 an, dann würden Länder mit einem globalen CO² Anteil von ~42% allesamt sagen, dass wir uns doch nun wirklich noch 10 Jahre mehr Zeit lassen können (um was abzuwarten!?). Das wird natürlich Konsequenzen haben. Die Inder z.B. werden sagen: Wenn ihr euch mehr Zeit lasst, dann lassen wir uns auch mehr Zeit, denn wir sind ein Entwicklungsland und ihr als hochentwickeltes Land habt keinen Bock - wir also erst recht nicht. Die Japaner werden sagen: Wenn die EU sich mehr Zeit lässt, lassen wir uns auch mehr Zeit. Und die Chinesen werden das gleiche tun und die USA auch und Russland... naja, ganz eigenes Problem.
Aus den 2% werden dann 100% und dann haben wir plötzlich ein Problem.

Und nur bevor das "China (macht doch nichts) Argument" kommt: Das ist falsch! China baut mehr PV zu, als jedes andere Land der Welt - mit weitem, gigantischen Abstand (~86 GW von ~203 GW weltweit in 2022; ~53 GW von ~136 GW in 2021). https://en.wikipedia.org/wiki/Growth_of_photovoltaics

Das Argument, dass wir doch nur 2% des weltweiten CO² Ausstoßes haben und es doch nun wirklich nicht so dringend ist, ist für ungefähr 2 Sekunden überzeugend. Danach fällt es in sich zusammen.
 
Ich bewundere dich echt dafür das du dir dafür so viel Zeit nimmst.
Das wichtigste ist IMO einfach das wir keine Zeit mehr für Kompromisse haben, mit unserem Planeten kann man nicht verhandeln wie mit einer anderen Politischen Partei. Und umso länger wir jetzt brauchen umso teurer wird das in der Zukunft.
 
Die Technologien haben wir, die Kosten sind im Griff, um den Rest (insbesondere Speicher) kümmern sich jede Menge kreative Köpfe während wir hier schreiben.

Nunja, das Speicherproblem ist Stand heute noch nicht gelöst, weshalb streng genommen noch ein wichtiger Teil der notwendigen Technologie fehlt. Die Stromkosten hat Deutschland eben nicht im Griff. Da muss ich nur auf meine Stromrechnung schauen. Und selbst wenn fossile Energieträger die Kostentreiber sind, können wir diese nicht einfach komplett durch erneuerbare ersetzen, weil Stand heute eben noch die (Speicher-)Technologie fehlt. Da drehen wir uns im Kreis. Außerdem: Wenn fossile Energieträger tatsächlich derart kostenineffizient wären, dann hätten wir da schon viel länger ein Problem mit dem Strompreis. Und das weltweit. Der starke Anstieg des Strompreises letztes Jahr kam vor allem deshalb zustande, weil Deutschland sich nicht mehr selbst versorgen kann und daher auf teure Stromimporte ausweichen musste. Was für sich allein genommen schon ein Armutszeugnis ist. Deutschland hat weltweit die höchsten Stromkosten, was uns derzeit auch wirtschaftlich mächtig auf die Füße fällt. Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Standorte aufgrund der hohen Strompreise und Steuern in's Ausland. Bei der Autobranche erleben wir eine regelrechte Deindustrialisierung.

Bezüglich des 2%-Arguments geb ich Dir dagegen recht. Wenn das am Ende alle sagen, ist auch nichts gewonnen. Nichts desto trotz funktioniert die Brechstangenmethode nicht. Das bekommst Du politisch irgendwann nicht mehr durchgesetzt wenn Du die Menschen nicht irgendwie auffängst.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das wichtigste ist IMO einfach das wir keine Zeit mehr für Kompromisse haben, mit unserem Planeten kann man nicht verhandeln wie mit einer anderen Politischen Partei.

In einer Gesellschaft mit so vielen Menschen können Dinge aber nicht einfach kompromisslos durchgesetzt werden. Schon garnicht in einer Demokratie. Das ist reine Wunschvorstellung und fernab der Realität.
 
Zuletzt bearbeitet:
Der Strompreis ist wirklich ein Knackpunkt, der muss, egal wie, einfach runter damit die Energiewende gelingt.
Das kuriose an der Diskussion ist ja das Erneuerbare Energie mit abstand am günstigsten ist. Es wird aber Lobby gesteuert so getan als wenn diese teuer und Fossile Energieträger und Kernenergie günstiger wären.
Daher führt sowohl Ökologisch als auch Ökonomisch kein Weg an den Erneuerbaren vorbei.
 
Das kuriose an der Diskussion ist ja das Erneuerbare Energie mit abstand am günstigsten ist. Es wird aber Lobby gesteuert so getan als wenn diese teuer und Fossile Energieträger und Kernenergie günstiger wären.
Daher führt sowohl Ökologisch als auch Ökonomisch kein Weg an den Erneuerbaren vorbei.

Das mag alles sein. Ändert nur nix daran, dass der Strompreis runter muss. So oder so.
 
Das kuriose an der Diskussion ist ja das Erneuerbare Energie mit abstand am günstigsten ist. Es wird aber Lobby gesteuert so getan als wenn diese teuer und Fossile Energieträger und Kernenergie günstiger wären.
Daher führt sowohl Ökologisch als auch Ökonomisch kein Weg an den Erneuerbaren vorbei.
so leicht ist es imo nicht. Die Erneuerbaren sind mit Abstand am Günstigsten ABER wir haben kein System zur Speicherung, keine Batterielager, keine Pumpspeicherkraftwerke in ausreichender Stückzahl, keine Elektrolyseanlagen zur Erzeugung von Wasserstoff und großen Mengen und und und..... so bringt uns der günstige Strom halt nix.

Gestern beim Lanz wurde noch erwähnt wie viel Windanlagen letztes Jahr wegen Überproduktion zeitweise stillgelegt werden mussten....
 
so leicht ist es imo nicht. Die Erneuerbaren sind mit Abstand am Günstigsten ABER wir haben kein System zur Speicherung, keine Batterielager, keine Pumpspeicherkraftwerke in ausreichender Stückzahl, keine Elektrolyseanlagen zur Erzeugung von Wasserstoff und großen Mengen und und und..... so bringt uns der günstige Strom halt nix.
Das ist richtig, und genau deswegen muss jetzt gehandelt und damit Investiert werden. Aber stattdessen werden sinnlose Scheindebatten wie bei den E-Fuels geführt.
Deswegen bin ich bei der Letzten Generation auch so Zwiegespalten. Da ich das Anliegen zu 100% verstehe und auch richtig finde, die Art und weise wie sie darauf Aufmerksam machen möchten aber evtl. doch eher schadet als hilft.
 
Das ist richtig, und genau deswegen muss jetzt gehandelt und damit Investiert werden

Man muss die Forschung dahingehend weiter intensivieren, mehr kann man derzeit leider nicht machen. So lange es die notwendige Technologie zur dauerhaften Speicherung nicht gibt, sind uns da ein Stück weit leider die Hände gebunden.

Deswegen bin ich bei der Letzten Generation auch so Zwiegespalten. Da ich das Anliegen zu 100% verstehe und auch richtig finde, die Art und weise wie sie darauf Aufmerksam machen möchten aber evtl. doch eher schadet als hilft.

Exakt so ist es. Das ist es auch was ich meinte. Durch deren kompromisslose und oftmals sogar illegalen Aktionen erreichen sie vielmehr, dass das Verständnis in der breiten Bevölkerung abnimmt, was nicht zuletzt den eigentlichen Zielen entgegenwirkt. In der Sache hat die letzte Generation ja nicht unrecht, aber der Zweck heiligt eben auch nicht die Mittel.
 
Man muss die Forschung dahingehend weiter intensivieren, mehr kann man derzeit leider nicht machen. So lange es die notwendige Technologie zur dauerhaften Speicherung nicht gibt, sind uns da ein Stück weit leider die Hände gebunden.

doch, man kann mit den vorhandenen Mitteln genug machen, man muss sich nur fokussieren. Deshalb, wie @DaMeep sagt, weg von Scheindebatten wie eFuels die Ressourcen rauben und nur für Flugzeuge etc. sinnvoll sind.
Hin zu Pumpspeichermöglichkeiten, Batterieparks und v.a. einem funktionieren bipolaren Ladesystem für E-Autos. das sind und werden riesige Kapazitäten sein die speichern und abgeben können und es könnte bei entsprechender Entlohnung eine Win-Win Situation für alle sein.



Exakt so ist es. Das ist es auch was ich meinte. Durch deren kompromisslose und oftmals sogar illegalen Aktionen erreichen sie vielmehr, dass das Verständnis in der breiten Bevölkerung abnimmt, was nicht zuletzt den eigentlichen Zielen entgegenwirkt. In der Sache hat die letzte Generation ja nicht unrecht, aber der Zweck heiligt eben auch nicht die Mittel.

Wobei es immernoch ziviler Protest ist, wenn Bauern mit ihren Traktoren ganze Autobahnen lahmlegen oder LKW Fahrer dies wegen des Spritpreises tun jammert auch keiner. Aber die Umwelt ist auch nicht so wichtig....
 
so leicht ist es imo nicht. Die Erneuerbaren sind mit Abstand am Günstigsten ABER wir haben kein System zur Speicherung, keine Batterielager, keine Pumpspeicherkraftwerke in ausreichender Stückzahl, keine Elektrolyseanlagen zur Erzeugung von Wasserstoff und großen Mengen und und und..... so bringt uns der günstige Strom halt nix.

Gestern beim Lanz wurde noch erwähnt wie viel Windanlagen letztes Jahr wegen Überproduktion zeitweise stillgelegt werden mussten....


Es ist immer wieder ganz wichtig, dass man das ganze ins Verhältnis setzt. Geschätzt wurden letztes Jahr 3 TWh an Windstrom abgeregelt. Das sind ~2,5% der gesamten Windstromerzeugung. Insgesamt gesehen ist das also gar nicht mal so viel :ugly:

https://www.marktundmittelstand.de/...i,der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft.

Und ein großer Teil dieses abgeregelten Stroms hätte nicht abgeregelt werden müssen, wenn der Stromtrassenausbau entsprechend erfolgt wäre. Nur sind da dummerweise unter anderem die netten Herren aus Bayern seit Jahren als Verhinderer aktiv. Stromtrassen? Sieht doch doof aus!

Das Problem wird größer werden, gar keine Frage. Aber die Forschung und Entwicklung schläft ja nicht und wesentlicher Grund warum massive Speichermengen noch nicht am Netz sind ist auch einfach der, dass sich das nicht rentiert. Es gibt die riesigen, billigen Überschüsse, die man mal eben günstig aufkaufen und zu anderen Zeiten teuer verkaufen könnte schlicht nicht in ausreichender Menge. Sobald sich das ändert, werden auch Anbieter an den Markt gehen und Speicher installieren, weil die schlicht Geld damit verdienen können.


Nunja, das Speicherproblem ist Stand heute noch nicht gelöst, weshalb streng genommen noch ein wichtiger Teil der notwendigen Technologie fehlt. Die Stromkosten hat Deutschland eben nicht im Griff. Da muss ich nur auf meine Stromrechnung schauen. Und selbst wenn fossile Energieträger die Kostentreiber sind, können wir diese nicht einfach komplett durch erneuerbare ersetzen, weil Stand heute eben noch die (Speicher-)Technologie fehlt. Da drehen wir uns im Kreis. Außerdem: Wenn fossile Energieträger tatsächlich derart kostenineffizient wären, dann hätten wir da schon viel länger ein Problem mit dem Strompreis. Und das weltweit. Der starke Anstieg des Strompreises letztes Jahr kam vor allem deshalb zustande, weil Deutschland sich nicht mehr selbst versorgen kann und daher auf teure Stromimporte ausweichen musste. Was für sich allein genommen schon ein Armutszeugnis ist. Deutschland hat weltweit die höchsten Stromkosten, was uns derzeit auch wirtschaftlich mächtig auf die Füße fällt. Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Standorte aufgrund der hohen Strompreise und Steuern in's Ausland. Bei der Autobranche erleben wir eine regelrechte Deindustrialisierung.

Bezüglich des 2%-Arguments geb ich Dir dagegen recht. Wenn das am Ende alle sagen, ist auch nichts gewonnen. Nichts desto trotz funktioniert die Brechstangenmethode nicht. Das bekommst Du politisch irgendwann nicht mehr durchgesetzt wenn Du die Menschen nicht irgendwie auffängst.


Das Speicherproblem wird dann gelöst werden, wenn es akuter wird. In 2030 werden wir wesentlich mehr Speicher brauchen, als heute, keine Frage. Nur weißt du was passieren wird - und darauf verwette ich meinen Account - es wird in 2030 auch wesentlich mehr Speicher geben als heute, weil es sich schlicht wirtschaftlich rentieren wird, Speicher aufzubauen und zu betreiben. Wenn PV alleine z.B. regelmäßig zwischen 11 und 15 Uhr 20, 30 GW mehr erzeugen wird, als insgesamt in Deutschland Bedarf herrscht, dann wird ein Teil davon ins Ausland zum verbrauchen gehen, ein anderer Teil in Pumpspeicher in Deutschland, ein weiterer in Pumpspeicher in Norwegen, ein weiterer in Batterien hier (ggf. bis dorthin auch Batteriespeicher in Autos; das Potenzial ist gigantisch) und noch ein weiterer bis dorthin vielleicht auch schon in synthetisches Methan (die teuerste und ineffizienteste Methode, aber immerhin besser als abregeln).


Der starke Anstieg des Strompreises letztes Jahr kam vor allem deshalb zustande, weil Deutschland sich nicht mehr selbst versorgen kann und daher auf teure Stromimporte ausweichen musste.

Das ist schlicht und ergreifend falsch. Der starke Anstieg des Strompreises kam vor allem deshalb zu Stande, weil ein verdammter wahnsinniger namens Putin es für eine super Idee hielt, ein souveränes Land zu überfallen und sich daraufhin der Gaspreis zwischenzeitlich verzwanzigfacht hat:

1. Die Endkundenstrompreise sind im vergangenen Jahr stark gestiegen, weil die Börsenstrompreise stark gestiegen sind. 2022: 23 Cent pro kwh, 2021: 9,3 Cent pro kwh, 2020 3 Cent pro kwh (2020 war durch Corona ausgesprochen günstig, 2021 in der zweiten Jahreshälfte bereits durch deutlich höhere Gaspreise, aber auch teilweise durch schlechte Erträge beim Wind beeinträchtigt). https://www.energy-charts.info/char...rtColumnSorting=default&interval=year&year=-1

2. Die Börsenstrompreise sind nicht nur in Deutschland stark gestiegen, sondern in ganz Europa.

3. Warum aber sind die Börsenstrompreise gestiegen? Merrit Order: Der "letzte" (teuerste Stromproduzent) bestimmt den Preis. Und wenn eine kwh Gas am Spotmarkt 30 Cent kostet, dann wird der Betreiber des Gaskraftwerks 30 Cent pro kwh + weitere Kosten haben wollen, um überhaupt zu produzieren. Und alle andere bekommen den selben Preis, auch wenn sie für viel weniger (AKW, Kohle) oder exorbitant viel weniger (PV, Wind) Kosten den Strom erzeugen können.

4. Deutschland hatte zu keiner Zeit (im Gegensatz z.B. zu Frankreich oder Italien) zu wenig Kapazitäten, um sich selbst zu versorgen. Es war aber schlicht zu gewissen Zeiten günstiger einen Teil des Stroms zu importieren, als ihn selbst zu erzeugen.

5. Deutschland hatte letztes Jahr - wie gefühlt seit Ewigkeiten - mehr Strom exportiert als importiert. Vgl. den folgenen Link, ggf. musst du den Importsaldo unten noch aktivieren; Importsaldo negativ = mehr Exporte als Importe: https://www.energy-charts.info/char...ear&year=-1&legendItems=011111111111011111110.
Und nur um damit auch gleich wieder aufzuräumen: Nein, die Exporte haben wir nicht verschenken müssen. Tatsächlich ist es seit Jahren so, dass sich die durchschnittlichen Exportpreise (pro mwh) und Importpreise ziemlich die Waage halten. Mal haben wir etwas mehr für die Exporte bekommen (z.B. 2021), mal etwas mehr für die Importe bezahlt (z.B. 2022). https://www.energy-charts.info/char...rval=year&year=-1&dataBase=trade_sum_euro_mwh

6. Deutschland hat schon immer, immer, immer Zeiten gehabt, in denen es netto Strom importiert hat und Phasen, in denen es Strom exportiert hat (genauso jedes andere Land in Europa, mit Ausnahme vielleicht von Italien - die importieren gefühlt schon immer massenhaft). Deswegen gibt es einen europäischen Strommarkt (seit Ewigkeiten). Es ist kein Bug, dass Land X oder Y mal zu viel oder zu wenig Strom produziert. Das ist ein Feature des Systems und wird auch in Zukunft noch viel helfen, um die Menge an Speichern zu reduzieren (es scheint, banal gesagt, nicht in ganz Europe gleichzeitig die Sonne, also wird einer Überschüsse haben und der andere Strom gebrauchen können).

7. Die mittlerweile erfolgte Reduzierung des Gaspreises hat sich auch schon wieder deutlich beim Strompreis für Neukunden niedergeschlagen: https://www.verivox.de/strom/stromp...preise für Neukunden liegen,Stand: 05.04.2023). Bei 34 Cent pro kwh inkl. Grundpreis kann man da also mittlerweile als Neukunde durchaus wieder kwh Preise von 30 Cent + Grundgebühr bekommen.
 
@Steffko sowas sollte man imo aber nicht (nur) den Anbietern überlassen sondern ganz massiv als Staat einsteigen. Stromversorgung ist imo Sache des Staates.

edit: und bei Dingen wie dem bidirektionalen Laden von E-Autos hätte der Staat bzw die EU schon lange Vorgaben machen müssen.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Steffko Hast Du eigentlich fachlich/beruflich irgendwie mit dem Thema zu tun? Ich finde Deine Beiträge jedenfalls sehr informativ und lese sie sehr gerne :)

Danke :)

Ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich bin mit PV zum ersten Mal ca. 2005 in Kontakt gekommen über einen Onkel, der irgendwann Mitte der 90er eine Anlage auf sein Dach geschraubt hat (Elektriker). Ich habe damals dann angefangen meinen Eltern tierisch auf die Nerven zu gehen, bis sie dann 2007 aufgegeben und eine PV Anlage auf ihr Haus installiert haben :D Sie waren damals aber noch nicht so richtig überzeugt (vor allem mein Vater) und hatten deshalb auch nur einen Teil der Dachfläche zubauen lassen. Und dann kam irgendwann 2010 mein Vater und meinte zu mir, dass ich mal Angebote einholen soll, damit der Rest vom Dach auch noch vollgemacht werden kann - das wäre ja schließlich eine super Sache. Gesagt, getan :headbang:PV hat mich damals wie heute fasziniert, gerade auf Dächern von Häusern. Ich dachte mir einfach (und denke immer noch), dass es doch absolut genial ist, dass so ein total unproduktives Dach, dass sowieso da ist, dafür genutzt werden kann, um (mittlerweile auch extrem kostengünstig) erneuerbaren Strom zu erzeugen. Ohne dass das irgendjemanden stört und ohne dass irgend eine zusätzliche Fläche versiegelt werden muss, Krach entsteht oder sonst irgend etwas negatives.

Seitdem hat mich dann neben PV auch mehr und mehr der Gesamtzusammenhang interessiert. Energiewende, PV + Windkraft, Wärmewende, Klimawandel, etc. Ich versuche viel zu lesen oder auch youtube zu schauen (Quaschning oder Lesch z.B.) und zu verstehen was da eigentlich so los ist. Ist also letztlich ein "Hobby" von mir. Und den "Siegeszug" von PV und Wind live mit zu erleben finde ich schon genial. Wenn man sich mal überlegt was z.B. ein Jürgen Großmann vor 10 Jahren von sich gegeben hat ("Großmann", "PV Förderung" und "Ananas" wird bestimmt tolle Resultate zu Tage fördern)... :ugly:
 
Jetzt muss ich da doch nochmal was zu schreiben: Ich bin mir nicht sicher wie genau Du "Reich" definierst, aber Dir ist schon klar, dass in Deutschland die 20% Top-Verdiener fast 75% der gesamten Lohn- und Einkommenssteuer sowie 99% des Solidaritätszuschlags zahlen?

Aber meine Vermutung ist, dass Dich derart sachliche Argumente eh nicht interessieren und es Dir nur darum geht, Deinen billigen Stammtischparolen zu fröhnen. Ist ja auch bequemer als eventuell mal nachzudenken. Das Deine "Reichen" eventuell auch was für ihren Wohlstand geleistet und gleichzeitig vielen anderen Menschen einen vernünftigen Lebensstandard durch die Schaffung neuer Jobs überhaupt erst ermöglicht haben, interessiert dabei vermutlich weniger. Natürlich gibt es wie überall auch Blutsauger und schwarze Schafe, aber mit derartigen Verallgemeinerungen gegen "die Reichen" zu poltern, zeugt nicht gerade von einer besonders differenzierten Sichtweise.

Was ist dein Punkt? Mehr Anerkennung für Reiche? Steuern für Reiche senken, sie zahlen schon zu viel? Die Einkommenssteuer ist ein schönes Beispiel. Sie belastet Geringverdiener fast gar nicht und wer viel verdient, zahlt mehr. Die starken Schultern usw. Das ist so gewollt, das ist der Sinn der Sache. Dafür kriegt man keinen Orden und sie verhindert offenbar auch nicht, dass man immer reicher wird. Und so muss es auch bei der Energiewende sein, wenn uns die Zeit davon läuft und das Geld knapp wird. Schließlich wird man in diesem Land sicherlich auch nur selten reich, ohne in irgendeiner Weise mit fossilen Brennstoffen zu tun zu haben.
 
Dieser "starke Schultern" Politikersprech ist genauso wie "sich ehrlich machen" und der ganze andere Shit. Wenn ich den Kram noch einmal hören muss würde ich es den Aussprechenden am liebsten in den Hals zurückstopfen :D. Die deutschen Steuereinnahmen werden in den nächsten zwei/drei Jahren wohl die 1 Billion Euro Grenze knacken. Zu wenig Geld hatte der Deutsche Staat in den letzten 50 Jahren nie, er hat es nur immer schlechter ausgegeben...
 
Wir wissen alle wie das endet :D

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