Steffko
Erbsenzähler
Solar, Strom und Wind werden für die meisten Menschen erst dann eine ernsthafte Option sein, wenn sie billiger und auch mindestens genauso bequem sind wie fossile Energieträger. Beim Strom bewegen wir uns aktuell in die komplette Gegenrichtung, der wird immer knapper und teurer. Und mit der Abschaltung unserer AKWs wird sich die Situation weiter verschärfen. Wie um alles in der Welt soll die für Elektroautos notwendige Infrastruktur zum einen versorgungstechnisch und zum anderen preislich für den Durchschnittskonsumenten verkraftbar betrieben werden? Das sehe ich aktuell einfach nicht. Und die Leute dadurch indirekt vom eigenen Auto abzubringen, geht wieder gegen den angesprochenen Lebensstandard. Auch wird man wohl kaum die Straßenränder mit Ladestationen zupflastern, damit Mieter ihre Elektroautos über Nacht aufladen können. Hier braucht es also auch eine logistische Lösung, welche man aber womöglich durch entsprechende Schnellladestationen (und hierbei meine ich wirklich "schnell" und nicht erst 30 Minuten warten) an Tankstellen erreichen könnte.
Thema Solar: Das ist ein schöner Gedanke für Häuslebauer, von denen es aufgrund der bekannten Entwicklungen auf dem Häusermarkt aber immer weniger gibt. Und bestehende Kraftwerke durch Solaranlagen ersetzen? Meines Wissens nach gibt es da ein Effizienz- und auch Speicherproblem. Lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
PV und Wind sind schon (viel!) billiger, als Kohle, Gas und erst recht AKW, wenn man die Folgekosten mit einberechnet. Strom wird nicht teurer, weil PV und Wind ausgebaut werden. PV und Wind haben letztes Jahr ganz konkret einen noch stärkeren Anstieg des Börsenstrompreises verhindert. Mit Kosten zu argumentieren muss heißen: PV und Wind Zubau viel stärker erhöhen und den ganzen teuren Mist so schnell wie möglich aus dem Netz.
Strom wird langfristig tendenziell in einem halbwegs bezahlbaren Bereich sein, weil PV und Wind so wahnsinnig billig sind und man den ganzen anderen fossilen Krempel nicht mehr wie verrückt subventionieren muss. Frankreich, um mal ein Beispiel mit AKW zu nennen, hat einen recht günstigen Strompreis für Endkunden. Soweit so gut. Dummerweise kostet der Strom den Steuerzahler aber tatsächlich wesentlich mehr. Denn EDF, der Staatskonzern, macht seit Jahren Milliardenverluste (vgl. beispielsweise hier: https://www.spiegel.de/wirtschaft/u...erlust-a-8c6ff5bb-d2cd-4ead-81df-8d8368670655 ) und der französische Staat gleicht das aus. Und wer bezahlt das dem französischen Staat? Richtig, der Steuerzahler. Die EDF hat 2022 z.B. 279 TWh an Atomstrom erzeugt. 279 TWH vs. 18 Milliarden macht mal eben ~6,5 Cent pro Kilowattstunde. Eigentlich ganz nett (katastrophal!), wenn man sich überlegt, dass das allesamt uralte, abgeschriebene Reaktoren sind. Da haben wir natürlich nicht die ganzen weiteren, mehr oder weniger versteckten Subventionen mit eingerechnet. Z.B. würde keine Bank jemals ein AKW finanzieren (zumindest nicht zu bezahlbaren Zinsen), wenn nicht jedes einzelne Mal ein Staat (ob das nun Frankreich, UK, USA oder sonstwer ist) dahinter stehen und für die Summe garantieren würde. Und versichern muss man die Teile praktischerweise auch nur sehr bedingt. Die AKW kommen einfach in eine nette Tochtergesellschaft und wenn es dummerweise zum GAU kommt wird die abgewickelt. Bei Neckarwestheim ist das z.B. die EnBW Kernkraft GmbH.
Das Argument insbesondere gegen langsame Ladesäulen ist mir persönlich nach wie vor unverständlich. Es geht im wesentlichen um etwas überdimensionierte und mit einem etwas schickeren Stecker versehene... Steckdosen. Das wars. Da ist keine besonders riesige Magie dahinter. Das sieht man auch daran, wie günstig so eine Wallbox ist. Wer behauptet, dass wir daran scheitern werden hier auch für Mieter ohne eigenen Stellplatz eine Lösung zu finden (abseits der offensichtlichen, die es in vielen Gegenden jetzt schon gibt: einmal pro Woche 10, 15, 20 Minuten am Schnelllader zu stehen; z.B. beim Einkaufen), der braucht imo ein wenig Kreativität. Das ist keine Raketenwissenschaft. Es sind popelige, überdimensionierte Steckdosen.
Versteht mich nicht falsch: Grundsätzlich halte ich die Transition hin zu erneuerbaren Energieträgern auch für notwendig und sinnvoll, aber dies muss mit Augenmaß erfolgen. Das geht nicht mit der Brechstange, sondern braucht Zeit und entsprechende Technologien, die in Sachen Output und Kosten mit fossilen Energieträgern konkurrieren können. Ansonsten werden die Kosten für die Bürger derart hoch, dass es Akzeptanzprobleme geben wird.
Vor 20, 30 Jahren hätten wir diese Zeit noch gehabt, jetzt nicht mehr. "Augenmaß" heißt im Jahr 2023 die Energiewende so schnell wie irgend möglich umzusetzen, um den Planeten halbwegs lebenswert zu erhalten und auch Deutschland wettbewerbsfähig zu halten (vgl. z.B. die vielen News, dass Unternehmen sich bewusst Regionen mit viel Windkraft zur Ansiedlung aussuchen, weil sie grünen und billigen Strom wollen). Die Technologien haben wir, die Kosten sind im Griff, um den Rest (insbesondere Speicher) kümmern sich jede Menge kreative Köpfe während wir hier schreiben.
Und auch wenn dieses Argument nun niemand hier hören möchte und ich dafür wahrscheinlich gleich wieder in der Luft zerrissen werde: Deutschlands Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß beträgt mickrige 2%. Ob wir uns nun für eine sozial verträgliche Energiewende 10 Jahre mehr oder weniger Zeit lassen, macht für die weltweite CO2-Bilanz unter dem Strich keinen Unterschied. Es macht aber einen großen Unterschied für unser Land, was Akzeptanz und sozialen Frieden betrifft.
Einerseits hast du vollkommen recht. 2% machen keinen Unterschied. Andererseits ist das Argument einigermaßen simpel gestrickt und wohl so alt wie die Klimaschutzdebatte selbst. Was wäre wenn jeder so denken würde? Es gibt tatsächlich nicht viele Länder weltweit, die einen größeren CO² Ausstoß als Deutschland haben. Wir sind Nummer 6: https://www.co2online.de/klima-schuetzen/klimawandel/co2-ausstoss-der-laender/
Wenden wir das Argument also für alle Länder ab der Nr. 6 an, dann würden Länder mit einem globalen CO² Anteil von ~42% allesamt sagen, dass wir uns doch nun wirklich noch 10 Jahre mehr Zeit lassen können (um was abzuwarten!?). Das wird natürlich Konsequenzen haben. Die Inder z.B. werden sagen: Wenn ihr euch mehr Zeit lasst, dann lassen wir uns auch mehr Zeit, denn wir sind ein Entwicklungsland und ihr als hochentwickeltes Land habt keinen Bock - wir also erst recht nicht. Die Japaner werden sagen: Wenn die EU sich mehr Zeit lässt, lassen wir uns auch mehr Zeit. Und die Chinesen werden das gleiche tun und die USA auch und Russland... naja, ganz eigenes Problem.
Aus den 2% werden dann 100% und dann haben wir plötzlich ein Problem.
Und nur bevor das "China (macht doch nichts) Argument" kommt: Das ist falsch! China baut mehr PV zu, als jedes andere Land der Welt - mit weitem, gigantischen Abstand (~86 GW von ~203 GW weltweit in 2022; ~53 GW von ~136 GW in 2021). https://en.wikipedia.org/wiki/Growth_of_photovoltaics
Das Argument, dass wir doch nur 2% des weltweiten CO² Ausstoßes haben und es doch nun wirklich nicht so dringend ist, ist für ungefähr 2 Sekunden überzeugend. Danach fällt es in sich zusammen.
PV hat mich damals wie heute fasziniert, gerade auf Dächern von Häusern. Ich dachte mir einfach (und denke immer noch), dass es doch absolut genial ist, dass so ein total unproduktives Dach, dass sowieso da ist, dafür genutzt werden kann, um (mittlerweile auch extrem kostengünstig) erneuerbaren Strom zu erzeugen. Ohne dass das irgendjemanden stört und ohne dass irgend eine zusätzliche Fläche versiegelt werden muss, Krach entsteht oder sonst irgend etwas negatives.