U
Urgs
Gast
Es geht doch nichts über solch ein schönes Klischeedenken: Ossis sind alle negativ eingestellt, ständig am Meckern und Jammern, und rechtsradikal sind sie auch noch... bla, bla, bla. Ich kann diesen Unsinn nicht mehr hören oder lesen.
Was ich besonders unangenehm finde, wie oft diese in den Reportagen gerne ihren Frust äußernden Menschen sich auf 1989 beziehen und auf die Überwindung der DDR. Die DDR wurde von einer kritischen Masse überwunden, die sich mutig auf Montagsdemonstrationen für ihre Rechte einsetzte. Es war aber dennoch eine Minderheit. Der nationalistische Pöbel, der heute Angst hat, dass seine ach so wertvollen Steueropfer an Flüchtlinge verschenkt werden, die sich und ihren 12-köpfigen Familien davon vergoldete Zähne machen lassen, die, die heute Wir-sind-das-Volk gröhlen gemeinsam mit echten Rechten, hätten damals auch noch weitere 40 Jahre in der DDR verbracht. Das sind die frustrierten Leute, die heute billigend in Kauf nehmen, dass Faschisten Regierungsverantwortung bekommen und sich selbst einreden, es wäre alles nur von den Systemmedien verdreht. Nein, das sind nicht alles Rechtsradkale. Es ist viel schlimmer. Frei nach Bonhoeffer, Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Man muss sich vor dieser Menge viel mehr fürchten als vor der Minderheit der echten Nazis.
edit:
Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit.
Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich
bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das
Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem
es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen
die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch mit
Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen
nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen,
brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen
wird der Dumme sogar kritisch, und wenn sie unausweichlich
sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseite
geschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum
Bösen restlos mit sich selbst zufrieden, ja, er wird sogar gefährlich,
indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist
dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber
dem Bösen. …
Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere
Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art einen
großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. …
Das Wort der Bibel, das die Furcht Gottes der Anfang der
Weisheit sei (Sprüche 1, 7), sagt, daß die innere Befreiung des
Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige
wirkliche Überwindung der Dummheit ist.
Das ganze Bonhoeffer-Zitat. Umgebracht von den Nazis.
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