Man bekommt es möglicherweise nicht direkt mit, aber unter jungen Männern grassiert eine neue Angst: die Sorge vor dem Dünnsein. Eine schlaksige Silhouette, schmale Schultern und Spargelbeine - das war bis in die frühen Nullerjahre die sozial akzeptierte Standardfigur von Jungs zwischen 15 und 20. Inzwischen wurde auf deutschen Schulhöfen dafür der Begriff "Lauch" eingeführt.
Ein "Lauch" bewegt sich im Respekt-Ranking unter Teenagern irgendwo zwischen Klassenclown und Versager. Wer etwas auf sich gibt, sollte hingegen eine "Kante" sein. Also breit. Eine Referenzgröße ist zum Beispiel "breiter als der Türsteher" (ein geflügeltes Wort, seit der Deutschrapper Majoe ein Album mit diesem Titel veröffentlichte, es landete auf Platz eins der Charts). Und wer nicht breit ist? Weil er zum Beispiel von Natur aus eher in Richtung Lauch tendiert oder gerade in der Stoffwechselhölle der Pubertät steckt? Der muss zumindest daran arbeiten.
Abseits der Schulhöfe beobachten auch Psychologen den Trend mit wachsender Faszination: Während es sich nämlich mittlerweile herumgesprochen hat, dass es unfein ist, über Körperlichkeiten von Frauen allzu explizit zu sprechen - Stichwort "Bodyshaming" - ist unter jungen Männern das Gegenteil zu beobachten. Der Körper ist zum wichtigsten Maßstab und Vergleichsobjekt geworden, ein neuer Standard hat sich etabliert: der hypermuskulöse Mann. Und zwar nicht mehr nur in der alten Nische der Bodybuilder, sondern überall in der westlichen Welt: Laut einer US-Studie finden normale junge Männer solche Körper am attraktivsten, die durchschnittlich 14 Kilo mehr Muskelmasse haben als ihr eigener.