Mittlerweile steht mein Rig in seinen Grundfesten zu Hause und ich bin richtig, richtig glücklich mit meinem neuen Equipment. Um mir ein abschliessendes Urteil bilden zu können, habe ich weder mit dem CSW V2 noch mit den HE-Pedalen genügend rumgespielt, aber für einen ersten Eindruck reicht es schon mal dicke:
Zuerst zum Rig selbst: Mein CSL ist einem modifizierten Motedis Expert Alu Rig gewichen. Modifiziert ist v.a. die komplette rechte Konsole, die dann noch verkleidet und die die Buttonbox integriert werden wird. Dann habe ich noch ein Plätzchen für den PC gezimmert und ein paar andere kleine Änderungen vorgenommen. Das Ganze ist wie Lego spielen für Grosse und macht irre viel Spass – es gibt auch echt coole Planungstools, wo man ohne grosse Kenntnisse draufloszeichnen kann und sich schliesslich eine Teileliste ausdrucken kann.
Wie hier im KT schon mehrfach zu hören war: Reicht der Platz, ist diese Art des Rigs wohl die Schlauste: Flexibel im (Um-)Bau, absolut Fix in der Konstruktion und – wenn man bei der Basis bleibt und einigermassen kostengünstig an eine Schale kommt – nicht wesentlich teurer als eine Fertiglösung. Von mir also einen uneingeschränkte Empfehlung. Wesentlich teurer wird es, wenn man zu modifizieren gilt, denn ausserhalb der gängigen Sets sind die Komponenten nicht mehr gleichermassen preiswert und gerade die Kleinteile können in der Summe wirklich teuer werden.
Die Schale ist ein Sparco pro 2000 und passt mir wie angegossen. Ist wirklich bequem (so bequem eine Schale eben sein kann) und ich liebe das Design. Nachteile liegen auf der Hand: Schwerere Jungs passen nur schwerlich (super Wortspiel…) rein, die Sitze sind recht teuer und – daran hatte ich gar nicht gedacht – man kommt schon wesentlich mehr ins Schwitzen als auf einem offneren, durchlässigeren Sitz. Gestern nach 2 Stunden auf dem Hockenheim beim SSB-Rennen hatte ich eine Dusche bitternötig – nötiger als jeweils zuvor auf dem „CSL-Sofa“.
CSW V2 vs. t500: Es fällt mir echt schwer zu vergleichen und dies, obwohl ich fast ein Jahr mit dem t500 unterwegs war. Kräftemässig vorerst nicht ganz einfach zu vergleichen, wie gross der Unterschied effektiv ist. Fahre ich mit dem GT-Rim, habe ich das Gefühl, die Kräfte seien vergleichbar mit denen, die mir das GTE 458 bot. Dass dies täuscht und primär der Grösse des Rims geschuldet ist (Fanatec GT-Rim 33cm vs. Thrustmaster GTE 28cm), wird einem schnell klar, wenn man das Formula Rim verwendet: Hier merkt man im Vergleich (gegen das Thrustmaster Ferrari F1 Wheel) bei ähnlich grossen Durchmessern deutlich mehr Unterschiede und sieht, dass die V2 doch merklich mehr Power hat - aber alles sicherlich in derselben Liga (anders als DD). Beim Formula Rim habe ich das FFB in AC z.B. sogar erheblich runtergeregelt. Beim GT-Rim bin ich mir noch nicht sicher, ob ich da allenfalls auf das Flat wechseln sollte: Das GT sieht fantastisch aus, fährt sich ebenso fantastisch – soweit so gut. Ich bin das Rim aber auch an einem OSW gefahren und dort fand ich es geradezu atemberaubend (auch wenn die abgeflachte Unterseite bei grossen Kräften und GT-Fahrzeugen mit verhältnismässig grossen Lenkwinkeln m.M.n. ein klarer Nachteil gegenüber komplett Runden Lenkrädern ist). Bei der Kombi V2-GT-Rim gehen aber selbst der V2 einfach etwas zu früh die Kräfte aus; ich denke, dass ist ähnlich wie mit dem BMW-Rim, wobei dies meines Wissens nach wenigstens noch einen Zacken kleiner ist. An und für sich gewöhnte man sich ja da dran und ich hätte an den verbliebenen Kräften überhaupt nichts auszusetzen. Jedes mal, wenn man aber auf das Formula wechselt, machen einem die kleinen Männlein im Kopf klar, wie viel mehr Reserve die Base bei kleineren Lenkrädern hätte.
On Track ist die Base für mich ein Traum: Wesentlich leiser als das t500 – v.a. die Lüfter –, was z.T. aber auch der Montage (Alu Rig statt CSL) geschuldet sein dürfte, kraftvoll, butterweiche Auflösung und v.a. sieht sie einfach verdammt gut au. Die wertigen Lenkräder liegen fantastisch in der Hand und die Wippen fühlen sich endlich richtig gut an (auch diejenigen des GTE sind gut, diejenigen des Ferrari F1 Rims jedoch ein Garaus). Zudem stehe ich einfach auf kleinere Gimmicks wie das schnell (und im Übrigen tadellos passende) Quickrelease ohne Schraubendreher, Sechskant-Schlüssel etc. Das alles vermittelt neben der schieren Kraft auch ein gutes Racefeeling und trägt zu meiner Begeisterung bei.
Dennoch bleibe ich dabei: Ob darüber hinaus jetzt so sehr die Unterschiede in den Nuancen des FFBs vorhanden sind (also abgesehen von Wertigkeit der Materialien und reiner Kraft)? Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht, wage es aber zu bezweifeln. Klar sind die Effekte etwas stärker, die Auflösung vielleicht etwas besser, sicherlich weniger Spiel in der Mechanik und vielleicht sind andere Menschen auch einfach etwas sensibler als ich... Trotzdem bleibt festzuhalten, dass eine Base - egal wie viel sie kostet - keine neuen Effekte zaubern kann, denn die kommen vom Game... Man muss die Wheels halt innerhalb der Clipping-Grenzen betreiben und die ist beim t500 halt tiefer als bei der V2. Dann sollten aber keine verschluckten Effekte vorhanden sein und die Unterschiede beschränken sich auf Kraft (merklich höher), Drehgeschwindigkeit (wohl vergleichbar) und halt das persönliche Feeling mit dem Equipment (haushoch überlege).
Deshalb: Ich bin sehr, sehr glücklich und bereue den Kauf der Base keine Sekunde, jedoch ist der Mehrwert rein bezogen auf das Vermitteln von Fahrgefühl gegenüber dem t500 gerade in Relation gesetzt zu den aktuellen Fanatec Preisen jetzt nicht so enorm, wie einem das hie und da verkauft wird. Da lassen sich vielleicht die einen oder anderen etwas zu sehr von der Optik und der allgemeinen Wertigkeit des Fanatec Equipments täuschen. Wenn man – wie ich – auf die edlen Materialien und das Rennsportfeeling im Rig steht, führt natürlich kein Weg direkt am Thrustmaster Plastik vorbei zu den edlen Fanatec-Materialien. Dies braucht einem aber kein Test zu erklären, da kann man einfach ein Bild anschauen und sich fragen, ob es einem die Mehrkosten wert ist oder nicht...
Was mich an der CSW V2 bisher als einziges wirklich stört, sind diese grässlichen Effekte, wenn man an den Lenkwinkelanschlag kommt: Da zieht sich bei mir innerlich immer alles zusammen und meine Zähne fangen an zu klappern. Konnte man das nicht entweder etwas subtiler einstreuen oder einfach einen einzigen harten Anschlag machen? Gibt es da eine Möglichkeit, das anders einzustellen? Zum Glück braucht man den Maximallenkeinschlag ja kaum je, aber das Feeling am Anschlag finde ich scheusslich und unpassend.
HEs... Ich habe sehr lange mit mir gerungen, ob ich mir diese Dinger (die Kleineren Pros) bestellen soll. Bauch sagte ja (und natürlich Indie...), Kopf sagte nein. Im Glauben, ich sei ein Kopfmensch hatte ich dann die CSP V2 bereits bestellt und bezahlt. Irgendwann während der üppigen Wartezeit dachte ich "ach was", habe die CSPs durch das Formula Rim ersetzt und mir die HEs aus Holland geordert. Mir ist die Heusinkveld Schmiede aber auch einfach total sympathisch. Wenn man da mal z.B. im VR-Forum mitliest, wie sich die zwei Jungs dort einbringen, wie der Support und v.a. die Produktpflege lange nach Verkauf noch läuft, so ist das einfach absoluter Wahnsinn. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich einen verjubelten Grossbetrag einer Unternehmung mehr von Herzen gegönnt habe, als in diesem Fall... Die Pedalen sind natürlich fantastisch, auch wenn ich noch vermehrt mit den mannigfachen Einstellmöglichkeiten werde herumexperimentieren müssen. Trotzdem bleibt natürlich auch hier, die Frage ob einem der Mehrwert zu herkömmlichen Pedalen mit Load Cell so viel wert sind. Rein von den verwendeten Materialien, den Detaillösungen, dem Support etc. schon – was das Feeling on track anbelangt demgegenüber nur, wenn man die hohen Bremskräfte wirklich braucht. Diese machen aber nur Sinn, wenn der Rest des Equipments auch etwas Kraftaufwand nötig macht, ansonsten wirkt das irgendwie albern.
Dann ist unschwerlich zu erkennen, dass da der Manu Shifter verbaut ist… Ausgeliehen zum Test von Indie – was heisst testen, ich weiss, dass dies der Shifter meiner Träume ist. Leider ist die Soundkulisse ähnlich brachial wie die erforderlichen Lenkkräfte. Das Alu-Rig verstärkt diese Effekte nochmals, woran auch eine geräuschdämmende Unterlage bei der Montage nicht wirklich hilft. Einzige eine komplett vom Rig entkoppelte Montage könnte da evtl. helfen, aber wenn ich – ja, ja Klugscheisser und so… - die heute in diesem Thread zum Besten gegebene Montage mit den Gewindestangen und Flügelmuttern nicht anwenden will, fällt mir da ehrlich gesagt keine schlaue Lösung ein: Der Shifter will wirklich bulletproof montiert sein, sonst hebelt man da den halben Raum mit rum – ich bin noch am evaluieren. Der TH8RS wird so oder so aber wieder ins Rig wandern, nur schon wegen dem H-Modus.
Alles in allem bin ich gerade unglaublich happy und freue mich auf kommende Racingstunden in meiner neuen feinen Stube. Ich habe noch viele Detaillösungen geplant, die natürlich hier dann auch wieder präsentiert werden. Ach ja, schneller geworden bin ich nicht, ich habe auch nicht das Gefühl, nun Fahrzeuge abfangen zu können, die mir zuvor in die Banden gekracht sind und Brot backen kann das neue Rig auch nicht – aber es gibt mir beim Racen einfach ein saugutes Gefühl und einzig und allein darum geht es mir in meinem Hobby; um wirklich richtig schnell zu sein, genügt anderes Equipment, da ich jedoch eh keine Zeit für viel Training habe, möchte ich mich bei meinen spärlichen Rennauftritten wenigstens gut fühlen, wenn die Racer von anderen Sternen an mir vorbeiziehen...