Map
Los Santos und Blaine County in V bilden zusammen die imposanteste Sandbox-Map, die mir je untergekommen ist. Stadtkulisse, Wüste & Natur, mehrere Berge und Gewässer sind outstanding. Das Feeling von 3 Städten, die mit Natur zusammenhängen und inhaltlich auf weniger Raum noch mehr Abwechslung bieten, kann V aber nicht übertrumpfen. Hätte V ebenfalls noch San Fierro & Las Venturas in selben Ausmaß wie Los Santos an Bord (was bei diesem Produktionsaufwand für immer ein feuchter Traum bleiben wird), wäre die Entscheidung einfach. 1:1 nach der ersten Runde, da Größe vs. Dreistadtkonzept beide auf ihre Weise Reiz ausüben.
Lebendigkeit/Details
Der Detailreichtum von V ist nicht übertreffbar. Alleine die klappernden Flipflops, die knisternden Motoren, die funktionstüchtigen Verdecke und dutzende weitere Kleinigkeiten stellen V eindeutig über SA. Dort wurde natürlich auch ein großartiges Feeling in den jeweiligen Städten geboten, aber V setzt neue Maßstäbe. Auch, was Atmosphäre bei Gewitter, Nacht, Sonnenuntergang und Nebel angeht. Wasserdarstellung (Wellen und Unterwasserwelt), Tierwelt und extrem dichter Verkehr setzen zusammen mit der Soundkulisse (vor allem bei vorbeifahrenden Zügen) den Schlussstrich. 2:1 für GTA V.
Fahrzeugauswahl
Hier nehmen sich beide wieder nichts. Beide haben eine homogene Mischung, alle Arten sind reichhaltig vertreten (Autos, Flugzeuge, Boote). Bei Geländewagen und Sportwagen ist V aber deutlich vorn, während SA den guten alten Stallion (mein Lieblingsauto in GTA) und ein paar mehr spezielle Fahrzeuge (wie Hotring Racer oder Monstertruck) zu bieten hat. Das sich Polizeifahrzeuge je nach Stadt (SA) oder LS/BC (V) unterscheiden, finde ich in beiden Spielen sehr geil. 3:2 für GTA V.
Fahrphysik
Garkeine Frage! Die von V ist wahnsinnig geil. Hier merkt man die Next-Gen- und IV-Gene, besonders die weichen Federungen im Gelände oder die behäbigen Muscle Cars bereiten Freude. Ein völlig anderes Level beim Lenkspiel, auch bei Flugzeugen. Motorräder und Seefahrzeuge fühlen sich aber in beiden gleich gut an. Alles in allem ist SA aber gnadenlos altbacken in dieser Kategorie. 4:2 für GTA V.
Individualisuerung
GTA V bietet unzählige Outfits und Klamotten, ist bei Haarschnitten und Bärten aber beschränkt. Das Skillsystem wirkt hier zudem etwas aufgesetzt. Es gab zwar auch wieder eine Mission, für die man besser seine Flugskills verbessern sollte, war aber kein Muss, wie noch bei der einen Tauchmission in SA. Überhaupt fand ich hier das dick/dünn mampfen, Sport treiben sowie Waffen und Attribute spürbar hochskillen sehr viel cooler als die von Anfang an definierten Charaktere in V. Nur noch 4:3 für GTA V.
Radio-Soundtrack
Hier scheiden sich ja sehr die Geister. Fakt ist aber, dass ich in SA auch nicht mehr Radiosender bzw. Songs genial fand, als jetzt in V. SA hat die Klassiker K-DST (Reggae), K-ROSE (Country) und Bounce FM (Funk), in V liebe ich Blue Ark (Reggae), Space 103.2 (Funk) und Rebel Radio (Country). Man erkennt, die Genres ähneln sich wie ein Ei dem anderen! Bei den restlichen Radiosendern fand ich immer nur ein paar coole Songs, sowohl in SA als auch V. Wegen der Gleichheit heißt es nun 5:4 für GTA V.
Missionen (Umfang/Highlights)
SA hatte round about 100 Storymissionen, V 69 (man kann die Raubüberfälle aber auch doppelt zählen, da sie komplett anders gespielt werden können). An Abwechslung und klassischen GTA-Missionen (wie das lange Fahren in ein neues Gebiet, Out-Of-The Map-Missionen oder spektakulär inszenierten Szenen) fehlt es keinem der beiden Spiele. Auch ein geplanter Raubüberfall ist SA nicht fremd, aber in V sind sie das Salz in der Missionssuppe, und zwar alle 6. SA hingegen hat das konzeptbedingte Flair, in einer Stadt zu starten und langsam aber sicher ganz San Andreas kennenzulernen. Stellt man beide Storystränge direkt gegenüber ist es sehr schwer zu sagen, wer hier der Sieger ist. V punktet noch bei der tadellosen und fließenden Inszenierung der Startsequenzen sowie Tonnen an Checkpoints. Nach dem Stöbern in der Missionsliste von SA entscheide ich jetzt aber, dass SA im Gesamtpaket noch etwas homogener und vor allem umfangreicher war, während V mehr auf gut gemachte Show und das Dreier-Gameplay setzt, was aber womöglich etwas weniger zeitlos ist. Daher jetzt 5:5.
Charaktere
Während in SA die storyrelevanten Charaktere geiler waren (wie z.B. CJ's Gang-Kollegen, The Truth, Wu Zi Mu oder Officer Tenpenny), fanden die besten Begegnungen in V meist neben der Story statt (Epsilonisten, Mary-Ann, Josh, Patrioten, Lester, Michaels Kinder). Bei den Hauptcharakteren hat V die Nase vorn. Michael Townley gefällt mir sehr und hätte alleine schon ein GTA tragen können, Trevor & Franklin sind aber sehr gute Ausgleichsventile, mit CJ wurde ich nie so warm, wie man jetzt denken könnte, da waren Tommy Vercetti oder Johnny Klebitz noch ganz andere Hausnummern. Es gleicht sich im Gesamten wieder ziemlich aus. Daher 6:6.
Story
Storytiefe ist in einem GTA ein ganz, ganz kleiner Bestandteil. Abwechslung und Design der Missionen sowie die Charaktere sind wesentlich wichtiger. Aber CJ's Weg vom Hood bis hin zum Las Venturas-Strip und wieder zurück blieb mir intensiver im Gedächtnis. Während ich Michaels Luschi-Dasein unter Pseudonym sowie seine Privatfehde mit Trevor sehr gut finde, wirken Franklins Ambitionen blass. In der Hauptstory an sich ging es ja auch mehr oder weniger nur um die Raubüberfälle und die launischen Fantasien des FIB. Also erstmals Führung für San Andreas, 7:6.
Nebenaktivitäten
Königsdisziplin in einem GTA? Vielleicht. SA wusste zu begeistern. Klassische Hupmissionen (Bürgerwehr, Feuerwehr, Sanitäter, Taxi, Zuhälter, Zug) ergänzten sich mit Kurierfahrten, dem RC Shop, Trucker- und Steinbruchmissionen sowie den beiden besten Aktivitätsarten in SA, Parkboy & Import/Export-Garage. 4 Arten an Fahrschulen (Auto, Boot, Motorrad, Flugzeug), Ganggebieteinnahme, Hotring-Events, Affären, Straßenrennen und einige Kleinigkeiten (wie Triathlon und Schießstand) kommen obendrauf. V bietet auch jede Menge. Die kompletten Freak-Missionen waren Klasse in Szene gesetzt und boten gute Abwechslung, waren aber teilweise sehr kurz. Dafür gibt es auch hier fahrzeugbasierte Missionen wie Taxi (+ Promi-Taxi), Kopfgeld- und Attentatsmissionen, Flugschule, Waffenschmuggel zu Luft & Land (die besten Nebenmissionen finde ich), Abschleppdienst sowie auch jede Menge Rennen. Auftrumpfen kann V aber bei Sportarten, Tennis, Golf und Jagd machen sehr viel Spass, Yoga oder Triathlon sind glaubwürdiger gemacht als in SA. Anrechnen kann man aber noch die dutzenden Random-Events wie Anhalter, Hinterhalte oder Diebstähle. Beiden gemeinsam sind aber Sammelaufgaben. Waren es in SA noch Graffitis und Hufeisen, sucht man in V Atommüll, Briefschnipsel oder Ufo-Teile. Monsterstunts, versteckte Pakete kommen bei beiden noch dazu. Was ist da jetzt geiler? Sehr schwer zu sagen, doch während viele Missionen und Sportarten in V nur einmalig Spass machen, spielte ich Bürgerwehr oder Parkboy in SA gefühlt ewig, und Import/Export-Garagen sowie die Fahrschulen waren etwas nachhaltig besonderes. Daher bekommt SA den Punkt hauchdünn zugesprochen, V gleicht es insgesamt nicht aus. 8:6 für SA.
Tuning
Ein Schlüsselelement beim Cruisen. SA bot solides Tuning, hatte noch Nitro & Hydraulik und man musste je nach Fahrzeugtyp eine bestimmte Werkstatt aufsuchen. V hingegen bietet mehr Tiefe bei der Gestaltung, es gibt unglaublich viele (schöne) Felgen, technisches Tuning mit unerwartet hohen Auswirkungen beim Handling sowie erstmalig die Möglichkeit, auch Motorräder gestalten zu können. Ein wenig schade finde ich, dass der klassische Pay & Spray sowie die Tuningläden wie "TransFender" nun zu Los Santos Customs zusammengelegt wurden. Das ist zwar im spielerischen Alltag bequemer, nimmt aber auch Charme vom Spiel. LS Customs wirkt jetzt nicht umsonst wie West Coast Customs, eine hippe Prunkwerkstatt aus dem echten Los Angeles. Was wiegt nun mehr? Eigenständiges Flair oder besseres optisches/technisches Tuning? Das Rockstar V wieder Tuning schenkte war natürlich überfällig, ich nutze dieses Feature in V sehr gerne und es enstehen sehr schöne Unikate, aber das Werkstatt-System und die Tuningmöglichkeiten, die in SA gewiss nicht schlechter waren, zählen doch noch mehr als die reine Optik. 9:6 für SA mittlerweile.
Immobilien
Bei diesem Punkt zählen alle kauf- und/oder betretbaren Gebäude in der Spielwelt, also Unterkünfte, Unternehmen und Geschäfte. SA hatte sagenhafte 31 Speicherhäuser zum Verkauf. Außerdem gab es 10 erwerbbare Unternehmen, die mit Nebenaktvitäten Hand in Hand gehen. Fastfood-Filialen und Shoppinggeschäfte waren auch zu Genüge vorhanden und betretbar. In V hingegen besitzt jeder Charakter seine eigene Bleibe, vorallem Michaels Villa hat es mir angetan, sehr liebevoll ausgearbeitet. Neue Unterkünfte sind nicht kaufbar, man erhält aber im Spielverlauf desöfteren mal neue Wohnungen. Mit seinem Geld kann man aber trotzdem auch hier wieder 10 Unternehmungen kaufen, die per Handy (P) mit Nebenmissionen wie Lieferung bringen, Flugblätter verteilen oder Ortschaft verteidigen verbunden sind. Viele dieser Minimissionen machen Spass, sind aber nur sehr kurze Intermezzi. Bei ausstaffierten Gebäuden nebenbei bietet aber V nur geringfügig mehr als SA und meistens sind diese auch noch storygebunden, Burgershot-Filialien sind z.B. nur reine Fassade. Alles in allem hat SA auch hier die Nase vorn, da das Geld aus den Immobilien von V im Grunde keinen wert hat, Speicherhäuser über die ganze Map verteilt (in Zeiten, wo es noch kein Handy gab) aber sehr wohl. Schon 10:6 für SA.
Gameplay
Dickster Pluspunkt für V neben der Spielwelt überhaupt. Besagte Fahrphysik, Gunplay (Free-Aim ftw), Spezialfähigkeiten, Cover-System, Charakter-Switch, aufrüstbare Waffen, jede Menge Checkpoints, Klasse Map und Orientierung, Quick-Save per Handy sowie ein brauchbares Nahkampfsystem treten SA gehörig in die Eier. Denn dieses funktionierte zwar in seinen Grundfesten, war aber hakelig und dank der fehlenden Komfortfeatures oft sehr frustrierend. "Fahrt überspringen" sowie einen Checkpoint in der Mitte der letzten Mission hatte es aber tatsächlich, wieso das nicht für alle Missionen übernommen wurde, weiß der Geier. In GTA V stirbt man hingegen im Free-Roam arg schnell und einen Ammu-Nation sucht man wegen der Weichspülung im positiven Sinne nur noch selten auf, dafür ist das Fahndungssystem mit autarken Sichtkegeln göttlich. SA gleicht es aber ETWAS mit dem coolen Jetpack, den klassischen 6 Sternen (V rationalisierte leider einen Weg) sowie dem schrittweisen Aufdecken der Map aus, das war in den klassischen GTA's (auch noch in IV) eine besondere Eigenheit. Seine Überlegenheit im Gesamtpaket unterstreicht V aber noch mit dem ultra-umfangreich ausgearbeiteten Ingame-Internet, dem handlichen Smartphone mit allen Kontakten und Benachrichtigungen sowie der Möglichkeit, willkürlich Leute grüßen zu können. 10:7 am Ende.