Der Threadtitel könnte nicht passender sein.
Wenn ich lese was hier für eine Scheiße vom Stapel gelassen wird könnte ich tatsächlich kotzen.
Können wir uns alle mal in Erinnerung rufen, wie diese Diskussion ihren Ursprung nahm? Es ging ursprünglich darum, dass in einem Getränkeladen Nazi-Symbolik offen zum Verkauf angeboten wurde.
Das ist in dem Sinne besorgniserregend, da weniger die Nazi-Symbolik das Problem ist als vielmehr die Nonchalance mit der sie zur Schau getragen wird. Es spricht schon Bände, dass es in diesem Land Gegenden zu geben scheint, in denen man sich als Nazi so sicher fühlen kann, dass man seine Gesinnung so offen austragen kann. Nicht am rechten Stammtisch im Hinterzimmer, nicht auf einer polizeilich geschützten Nazi-Demo. Nein, ganz offen in einem 'stinknormalen' Getränkemarkt.
Wenn das nicht Grund und Anlass ist, auf genau dieses strukturelle Problem hinzuweisen, darauf dass augenscheinlich ganze Gemeinden, Regionen, Strukturen so weit zum rechten Sumpf geworden sind, dass Nazi-Sein nicht mehr im Untergrund stattfindet sondern Nazis offen ihre Macht demonstrieren können.
Und an der Stelle ist es mit Sicherheit auch nicht falsch zu bemerken, dass es wenig überraschend ist, dass es sich dabei um eine Ortschaft in Ostdeutschland handelt.
Und was passiert dann? Jetzt kommt ernsthaft jemand um die Ecke, der meint es sei gerade jetzt der richtige Zeitpunkt darauf hinzuweisen, dass es in Ostdeutschland ja auch viele Linksextremist*innen gäbe und man doch bitte da keinen Unterschied machen solle und Gewalt ohnehin scheiße wäre.
Und schafft es damit eine seitenlange Diskussion in Gang zu bringen darüber, dass links wie rechts doch genau so schlimm sei.
Dazu ein paar Worte von mir.
Erstens, ich finde dass das KT und seine Moderation gut daran tun würde, sich mal mit rechten Trollstrategien auseinanderzusetzen und sich auf dieser Grundlage eine Moderationsstrategie zu überlegen, die dann konsequent angewendet werden kann um auch in Zukunft die Kontrolle über die Ausrichtung des Forums zu haben.
Ich nehme nämlich mit einiger Besorgnis zur Kenntnis, dass auch im KT diese Strategien immer öfter fruchten.
Es kann einfach nicht sein, dass wir mit einem aufstrebenden Rechtsextremismus eine massive gesellschaftliche Bedrohung haben, von der durch unsägliche Argumente abgelenkt und dessen Bedrohungspotential konsequent relativiert wird.
Wie sieht so etwas ganz konkret aus und warum ist gerade die Hufeisentheorie (grob zusammengefasst: Linksextremismus und Rechtsextremismus sind im Grunde genommen das Gleiche und sind deshalb gleichermaßen abzulehnen) so nützlich als rechte Argumentationsstrategie?
Am konkreten Beispiel sieht das so aus.:
Einfach mal das Hufeisen auswerfen, schon wird nicht mehr alleine über Rechtsextremismus als Problem gesprochen, sondern dank des breiten Konsens darüber, dass ja jeder Extremismus doof ist, kann man jetzt auch über Linksextremismus schimpfen.
Das ist auf so vielen Ebenen ein Problem.
- Es relativiert automatisch rechte Gewalt und verharmlost das Problem damit
- Es ist universell anwendbar. Sprich, das Hufeisen lässt sich immer anwenden, wenn rechte Gewalt auftritt
- Die Hufeisentheorie kommt so häufig zum Einsatz, dass viele Menschen die Gefahr linker Gewalt in der Regel überschätzen. Siehe auch hier, wo es @geckZ natürlich auch besonders perfide versucht: er behauptet hier (Berlin, Leipzig bzw. Ostdeutschland) gäbe es "genauso viele Linke Spinner" wie Rechte, was absolut keine Entsprechung in der Realität hat. Es gibt um ein vielfaches mehr rechte Gewalttäter*innen, das belegt auch jede Kriminalstatistik (gerne selber googeln, ansonsten liefere ich da später selbst was nach)
- Und der wichtigste Punkt als Argumentationsstrategie: Sie öffnet die Türe, um eine Diskussion zu kapern und eigene Themen setzen zu können. Das sieht dann z.B. so aus:
Das ist einfach nur noch rechte Propaganda. Da schafft es jemand in zwei Beiträgen, die Diskussion von einer offen zur Schau getragenen Nazigesinnung zu einer absoluten Bullshit-Aussage (sorry not sorry) zu lenken. Anti-Diskriminierungsgesetze erschweren die Polizeiarbeit? Ich meine, geht's noch?
Ich überspringe an der Stelle ganz viel, was mich in der nun
de-railten Diskussion noch so alles zur Weißglut gebracht hat und springe direkt zum ungeheuerlichsten Zitat der letzten Seiten:
Gestern wurde zum 75. Mal der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Ausschwitz gedacht und wir sind in der gesellschaftlichen Debatte an einem Punkt, wo jemand sich so äußern kann, ohne dass diese Aussage auf massivste Gegenwehr stößt.
Wenn uns die deutsche Geschichte eines gelehrt hat, dann das historisch nichts zu mehr verbrannter Erde und zu mehr millionenfachem menschlichen Leid geführt hat, als vermeintliche Land- und Heimatliebe.