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Der Boulevardpresse Thread

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Uff. Ich arbeite (verwaltungstechnisch) für die (protestantische) Kirche und bin unter anderem für 16 Kitas zuständig. Solche Aussagen sind auch nicht besser als "alle Ausländer sind Kriminelle". Ist aber natürlich salonfähiger.
Kirche bewirkt auch vieles gutes. Leider geht das unter all der berechtigten Kritik dann immer unter. Trotzdem sind da nicht alle pädophil, sondern wollen wirklich auch Menschen helfen...

Ist doch aber auch wegen dem Zölibat hauptsächlich ein "Katholiken -Problem" oder nicht?
 
Jap die neuesten Untersuchungsergebnisse zeigen, dass das Zölibat hier eher weniger eine Rolle spielt.
Allerdings zeigt es auch, dass Kirche eben auch "nur" ein Schnitt durch die Gesellschaft ist. Aufgrund der Werte für die man stehen will wirkt das dann natürlich nochmal umso krasser. Aber ein Pädophilenverein ist man dadurch wenn dann genauso wie der Fußballverein nebenan. Zieht man da einen Schnitt durch die Mitglieder, würde man auf etwa die gleiche Quote kommen. Daher störe ich mich an der Formulierung von Gerri.

Was natürlich gar nicht geht ist das vorhalten von Informationen. Hier würde ich mir mal wünschen, dass wirklich aktiv versucht wird für Aufklärung zu sorgen und nicht nur scheinheilig zu sagen: ja ihr könnt ja alles haben, müsst nur danach fragen. Und diejenigen wissen zum Teil gar nicht, wonach sie fragen müssten...
 
Ich bezeichne die Kirche nicht als Pädophilenverein weil es dort Pädophile gibt sondern weil Pädophile institutionell geschützt werden.

Daher passen deine Vergleiche nicht und ich bleib bei der Aussage.

edit: ich erweitere das geschützt durch gefördert. Denn durch Versetzungen der Priester ohne deren Taten öffentlich zu machen fördert die Institution Kirche sogar Pädophilie.
 
Zuletzt bearbeitet:

Es fing an vor langer Zeit, mit der Industrialisierung, um genau zu sein, und der Reichsgründung von 1871. In rasendem Tempo wuchs Deutschland damals zu einer Weltmacht in Sachen Wirtschaft. In dieser Zeit entstand auch der Sozialstaat. Um den kostengünstig zu gestalten, lagerte der Staat Kernaufgaben an die Kirchen aus. Das Prinzip funktioniert noch heute. So reichen die Entgelte, die der Staat den Kirchen überweist, um Schulen, Kitas, Krankenhäuser zu betreiben, in der Praxis oft nicht aus. Der Fehlbetrag wird dann meist aus Kirchensteuermitteln kompensiert. Dadurch verdient der Staat doppelt: Einerseits finanziert die Kirchensteuer Aufgaben mit, die teurer kämen, wenn er sie selbst übernehmen würde – andererseits berechnet der Staat drei Prozent dafür, die Mitgliedsbeiträge der Kirchen zu erheben. Ein Spitzengeschäft also für den Staat, das bitte nichts gefährden soll. Oder mit den Worten von Konstantin von Notz, religionspolitischer Sprecher der Grünen: "Sollten die Kirchen Schulen, Kitas und Krankenhäuser irgendwann schließen müssen, hätte der Staat ein Problem: Er kann und wird den Wegfall dieser Leistungen nicht kompensieren können."

https://www.zeit.de/2023/19/staatsleistungen-kirchen-bundesregierung-stopp
 
Ja, damit dürfen wir uns dann rumschlagen. Wir tragen aber die Verantwortung und wollen den Kindern einen guten Start in ihr junges Leben ermöglichen. Und (hier darf man auch anderer Meinung sein) ein breiteres Angebot an verschiedenen Betriebsträgern ist denke ich förderlich, damit das Angebot auch entsprechend qualitativ hoch bleibt. Hier in RLP kosten Kita Plätze ab 3 nix. Wir verdienen also auch kein Geld damit. Jede Kirchengemeinde kostet eine Kita zu betreiben Geld. Und da sind die Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes noch nicht mit eingerechnet.

Genau das meine ich ja. Wenn sowas eh zu 95+% vom Land kommt, warum dann nicht direkt alles zahlen und dafür hat man dann nicht Dritte mit irgendwelchen willkürlichen Befugnisse aus dem vorletzten Jahrhundert (Streikrecht Kirchenmitarbeiter, Auswahl welche Schüler, ...)

Ich finde den Gedanken, dass der Staat selbst und ohne private Einflussnahme die Grundbildung bieten sollte, nicht so verkehrt.


Was meinst du mit der Staat treibt das Geld ein? Ja die Kirchensteuer wird über das Finanzamt eingezogen

Eben das. Die staatliche Verwaltung und die Eintreibung von privaten Mitgliederbeiträgen sollen bitte strikt getrennt werden. Das kommt uns für andere Zwecke jetzt auch nicht in den Sinn und ist einfach ein Relikt. (Ganz unabhängig davon, ob und wie das jetzt für wen vorteilhaft ist)


Und jeder kann jederzeit austreten

Bewusst eingetreten ist davon wahrscheinlich ca. niemand. Eigentlich sollte das auch erst ab 14, eher 16/18 möglich sein, wenn ich ehrlich bin.

Und dann musst du teilweise Monate auf einen Termin warten (u.a. auch gerade weil der Laden so viel Dreck am Stecken hat). Und das auch noch beim Amtsgericht (!), live vor Ort sein, musst schon fast Urlaub nehmen dafür. Wieder muss also die öffentliche Verwaltung involviert werden und Arbeitszeit in diesem Zusammenhang leisten...und derjenige darf auch noch ~30,- Euro dafür zahlen.

Die Hürde ist viel zu hoch. Wozu?
 
Lol Bei mir im Freundeskreis sind schon einige ausgetreten. Da hat keiner geklagt, was das für ein Aufwand sei. Bürokratie Deutschland bleibt halt Bürokratie Deutschland, ist auch bei der Kirche nicht anders. Und wie gesagt, wer von Geburt an drin ist, muss sich zunächst bei seinen Eltern beschweren. Die Kirche bietet lediglich das Angebot. Niemand muss getauft werden und erfährt wenn er es nicht macht auch keinerlei Nachteile mittlerweile. Wir nehmen alle Kinder egal welcher Herkunft und Konfession (oder eben keiner) in die Kitas auf.

Und zum finanziellen lies dir durch was Urgs gepostet hat. Das ist leider auch das, was einige Kommunen nicht kapieren. Die Kitas voll und ganz selbst zu schmeißen kommt sie teurer, als wenn es bspw die Kirche tut. Und das selbst wenn ihnen das Gebäude gehört und die Kirche nur die Betriebsträgerschaft stellt.
 
Lol Bei mir im Freundeskreis sind schon einige ausgetreten. Da hat keiner geklagt, was das für ein Aufwand sei.

Ich bin auch ausgetreten und es war wie oben beschrieben. Drei Leute der öffentlichen Verwaltung mussten mich insgesamt bedienen.

Und wenn deine Eltern dich zur Geburt als Vereinsmitglied bei Schalke registrieren, musst du auch nicht zum Amtsgericht (!), um aus der Nummer rauszukommen.


Und zum finanziellen lies dir durch was Urgs gepostet hat. Das ist leider auch das, was einige Kommunen nicht kapieren. Die Kitas voll und ganz selbst zu schmeißen kommt sie teurer, als wenn es bspw die Kirche tut. Und das selbst wenn ihnen das Gebäude gehört und die Kirche nur die Betriebsträgerschaft stellt.

Ja, dass es teurer wird, ist klar. Aber Einflussnahme und Kostentragung stehen in keinem Verhältnis.
Und wie gesagt bin ich dafür, dass die Grundbildung vom Staat kommen soll, egal ob es mehr Geld erfordert.

Es gibt auch den Verfassungsauftrag, dass die Staatsleistungen (wie gesagt von ALLEN bezahlt) für u.A. die Bischofsgehälter wieder abgeschafft werden.

Wirklich wohltätigen Zwecken wird ein extreem kleiner Teil des Kirchenhaushalts zugeführt. Wer wirklich da das "Gute" fördern will, sollte das wissen und kann halt sooo viel mehr erreichen mit seinem Geld und seiner Arbeit.

Selbst wenn ich gläubig wäre, wäre ich für eine tatsächliche Entflechtung von Kirche und Staat.

(Und das von @Gerri angesprochene widerliche Thema mit Vertuschung, tlw. nahezu Beihilfe, usw. ganz außen vor)
 
Willkommen im öffentlichen Dienst :D
Da geht vieles viel zu kompliziert.

Aber was meinst du denn mit Einflussnahme? Vllt sind wir hier ja der kleine gallische Kirchenbezirk oder du sprichst immer von den Katholiken, bei denen es insgesamt noch etwas oldschooliger zugeht.
Aber wir indoktrinieren die Kinder in den Kitas hier nicht. Das Angebot ist ja schon zu 95% das gleiche wie bei den kommunalen. Wir achten ja auch sehr darauf, dass wir ja alle gleich behandeln und Rücksicht auf die Bedürfnisse der Eltern nehmen (oder eben nicht wie zuletzt bei einem Vater, der sich darüber beschwert hat, dass den Kindern Schweinefleisch als pfälzer Kulturgut vorenthalten wird). Bei dir klingt das schon nach sektenähnlichen Zuständen.

Der einzige Unterschied ist halt dass man zum Beispiel an Weihnachten oder Ostern mal in die Kirche geht. Wer das nicht will darf sein Kind an diesen Tagen aber gerne auch selbst zu Hause betreuen...
 
@Crozzbow

Die Zahlen sind aber bei der katholischen Kirche DEUTLICH höher. Auch der Dunkelziffer-Faktor liegt laut Experten wesentlich höher.
ich hab die Ergebnisse jetzt nicht mehr genau im Kopf, ich dachte nur dass es prozentual kaum einen Unterschied gemacht hat.

Man darf (auch hier kann ich nur von der evangelischen Kirche sprechen) auch nicht vergessen: Wir sprechen hier von Missbrauchsfällen in der evangelischen Kirche. Das bedeutet nicht, dass hier NUR geistliche Personen gemeint sind. Untersucht wurden auch Fälle in den Presbyterien, die sich wiederum aus gewählten Mitgliedern zusammensetzen, die das ganze ehrenamtlich machen. Da ist also auch der Malermeister Müller dabei, wenn er sich als Presbyter hat wählen lassen und fließt in die Statistik mit ein. Deswegen sind die Zahlen auch nicht sooo verwunderlich, bilden sie eben auch zum Großteil einen Querschnitt unserer Gesellschaft ab.
Das soll das ganze aber natürlich nicht relativieren, sondern man soll es nur richtig einschätzen können. Die Fälle, in denen Geistliche dann auch noch gedeckt werden, sind natürlich dann der absolute Bodensatz von dem was geht. Denn schließlich versteht sich Kirche auch immer noch als "Schutzort" für alle, die Hilfe benötigen. Und diesen besonderen Schutzort dann so zu missbrauchen ist der absolute Wahnsinn und macht einen umso mehr fassungslos.
 
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