Holocaust-Leugner fordern Sonderbehandlung
Die Vogelgrippe hat auch einen Vorteil
"Auf Rügen, wo vergangene Woche bereits mit der vorbeugenden Keulung ... begonnen wurde, setzen die Veterinäre bisher auf die nagelneue Containeranlage des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Hier pumpen die Helfer zunächst Kohlendioxid in einen Stahlcontainer. Wenn die CO2-Konzentration 80 Prozent erreicht, werfen sie das lebende Geflügel durch zwei Luken im Containerdeckel. ( ... ) Mit der Anlage können die Helfer ... pro Stunde 5000 bis 7000 Hühner ... vergasen." (Der Spiegel, 9, 2006)
Spätestens jetzt, wo seit Wochen im Zusammenhang mit der Vogelgrippe über den durchgeführten und geplanten Massenmord an Millionen von Tieren berichtet wird, müßte die Leugnung des Tier-Holocausts genauso verpönt und verboten sein wie die Leugnung des Menschen-Holocausts. Daß dies nicht der Fall ist, hängt vielleicht auch mit einer Parallele zwischen dem Tier- und dem Menschen-Holocaust zusammen - der hemmungslosen sprachlichen Manipulation:
So, wie die Nazis Juden und andere "Volksschädlinge" nicht ermordeten, sondern einer "Sonderbehandlung" zuführten, werden auch die Tiere heute nicht umgebracht, sonden "gekeult", was irgendwie harmloser klingt. Schopenhauer spricht in diesem Zusammenhang zu Recht von der "Diversität der Worte", die die "Identität in der Sache" verstecken soll.
Aus Sicht der Tiere sind diese "Keulungen" allerdings vielleicht weniger negativ, als man zunächst annehmen könnte: Sie würden ja in jedem Fall bald umgebracht werden, ihre Hinrichtung wird lediglich vorgezogen! Ob das Töten im Rahmen von Sondermaßnahmen grausamer ist als die übliche Schlachtung, ist schwer zu sagen: Die gebotene Eile spricht dafür, die größere öffentliche Aufmerksamkeit dagegen.
Und damit sind wir beim Vorteil der Vogelgrippe: Was seit Jahrzehnten im Verborgenen stattfindet – der tägliche Massenmord an wehrlosen Wesen –, geschieht nun im Lichte der Öffentlichkeit. Dies birgt zumindest die Chance in sich, daß einige Menschen darüber nachzudenken beginnen, ob sie weiter an diesem Massaker beteiligt sein möchten.