Da das Spiel hier ja anscheinend sonst von so gut wie niemandem gespielt wird, schreibe ich nun ein wenig dazu. Habe es die Tage durchgespielt und bin etwas zwiegespalten. Zur Einordnung: "Deliver Us The Moon" fand ich ziemlich großartig, was vor allem an der atmosphärischen Inszenierung lag. Ganz allein auf der Mondbasis unterwegs zu sein, Rätsel lösen, die Geschehnisse lediglich anhand von Audiologs zu rekonstruieren und ansonsten der komplette Fokus auf's Gameplay hat mir ingesamt ausgezeichnet gefallen. Daher hab ich mich auf den Nachfolger durchaus gefreut.
Was bei "Deliver us Mars" sofort auffällt, ist der Wechsel im Erzählstil. Im ersten Teil hat die eigene Spielfigur nie geredet oder direkt mit anderen Figuren interagiert. Man war komplett allein und hat die Story ausschließlich über Audio- und Holo-Logs vermittelt bekommen. Dieser (vermutlich auch budgetbedingte) Kniff hat wunderbar zur dichten und einsamen Atmosphäre auf der verlassenen Mondbasis beigetragen. Im Nachfolger dagegen spricht die Hauptprotagonistin und ist direkt mit einer Gruppe von drei anderen Astronauten unterwegs. Gab es im ersten Teil so gut wie keinerlei Cutscenes, ist der zweite Teil praktisch voll davon. Ein Großteil der Story wird also auf deutlich klassischerem Wege erzählt. Man muss aber dazu sagen, dass man in den meisten Spielabschnitten trotzdem allein unterwegs ist, auch wenn die zahlreichen Funkgespräche die "Einsamkeitskomponente" des ersten Teils deutlich abschwächen. Das führt natürlich zwangsläufig zu der Frage, wie gut die Story ist. Zuerst sei gesagt, dass es sich hierbei um eine direkte Fortsetzung einer Storyline aus Teil 1 handelt. Allerdings mit einem deutlich persönlicheren Fokus, was mir teilweise dann doch etwas "too much" Familiendrama war. Hier hätte ich einen größeren, weniger persönlichen Ansatz besser gefunden. Zwar bleibt das Geschehen immer halbwegs interessant und am Ende war ich auch ausreichend committed, aber irgendwie wäre da gefühlt mehr gegangen.
Das eigentliche Gameplay ähnelt erwartungsgemäß dem ersten Teil, allerdings mit deutlich mehr Rätseln. Mit ein wenig Nachdenken sind diese allesamt gut lösbar, auch wenn es mit der Zeit etwas repetitiv wird. Allerdings gibt es zwei Dinge, wie mich beim Gameplay innerhalb kürzester Zeit hart genervt haben. Das ist zum einen die Dechiffriermechaniken bei gefundenen Holo-Logs. Die kann man nämlich nicht einfach abspielen, sondern muss sie zuerst im Rahmen eines Minispiels entschlüsseln. Die hier verwendete Mechanik ist jedoch maximal fummelig, nervig und imho komplett spaßbefreit. Hier wäre weniger durchaus mehr gewesen. Am störendsten ist jedoch die sehr eigenwillige und leider nicht besonders gut funktionierende Klettermechanik. Man klettert hier nämlich nicht wie in den meisten anderen Spielen weitgehend automatisch, sondern muss seine zwei Spitzhacken mit RT und LT ständig abwechselnd einzeln positionieren und immer einen Trigger gedrückt lassen. Vermutlich wollten die Entwickler mit dieser Mechanik die Beschwerlichkeit des Kletterns auf den Spieler übertragen, nur leider nervt das System nach kurzer Zeit einfach nur noch. Dazu kommt, dass Unsetzung leider recht ungenau und fummelig ist, was mich desöfteren hat fluchen lassen. Hier hätte man alternativ eine klassische, mehr oder weniger automatische Klettermechanik ala "Tomb Raider" oder "Assassins Creed" anbieten sollen. Zumal ich mich bei solchen Storyspielen nicht mit derart fummeligen Mechaniken rumschlagen möchte.
Ein weiterer diskussionswürdiger Punkt sind die Charaktermodelle. Ich bin mir nicht sicher inwieweit es ein Stilmittel sein soll, aber die Gesichter sehen größtenteils doch sehr seltsam und bescheiden aus. Man gewöhnt sich irgendwann daran, aber "hübsch" ist definitiv was anderes. Die Animationen sind zweckmäßig und bewegen sich in etwa auf dem Niveau von Teil 1. Schön dagegen wieder der sphärische Score, welcher bereits den ersten Teil ordentlich aufwertete.
Das klingt jetzt vielleicht alles negativer als es tatsächlich ist. Unter dem Strich hat mich das Spiel gut unterhalten und bis zum Schluss bei der Stange gehalten. Ein wenig mehr pollish hätte es aber schon vertragen können und vor allem die Klettermechanik ist ein ziemlicher Fail. Für Fans des ersten Teils aber durchaus zu empfehlen, auch wenn mir dieser dann doch besser gefallen hat.