Es ist so eine Sache mit Filmumsetzungen. Oft fehlt das Geld und vor allem die Zeit, um ein gutes Spiel zu produzieren, denn das Game muss zum Kinostart im Handel sein. Da wird die Standardengine ausgepackt und der Filmheld auf die Packung geklatscht und schon hat man einen Hit. Dass die Qualität in der Regel mies ist, merken zwar die Kritiker an, aber den gemeinen Käufer interessiert das nicht und schon hat sich die Lizenzsoftware wieder rentiert und zum nächsten Film gibt es die nächste Gurke. Mal sehen, ob Das Bourne Komplett (im Folgenden Bourne) es besser macht.
Ich will Damon wieder haben!
Doch halt, handelt es sich hier überhaupt um einen Filmumsetzung? Von Matt Damon und Franka Potente ist nichts zu sehen und die Handlung des Films wird nicht wirklich 1:1 nachgespielt. So meinen dann auch die Entwickler, dass sie sich eher an den Büchern orientieren. Hm… andererseits ist die Musik die original Filmmusik, die Kampfszenen sind den schnellen Schnitten der Filme nachempfunden und viele Szenen kennt man aus den Streifen wieder. Natürlich ist Bourne eine Filmumsetzung. Allerdings hat es den Vorteil, dass es erst auf den Markt kommt lange nachdem die Filme schon günstig auf DVD erhältlich sind. Hat man sich also die Zeit genommen, dem Material gerecht zu werden?
Wie gesagt wird Jason Bourne nicht von Matt Damon dargestellt. Statt dessen übernimmt nun Nathan Drake aus Uncharted die Hauptrolle. … Ernsthaft, vergleicht mal die Bilder, das ist er! Marie sieht ihrer Filmvorlage dagegen schon viel ähnlicher. Natürlich ist ein Jason Bourne als Charakter größer als der Schauspieler, der ihn darstellt, aber wenn man nur die Wahl hat zwischen dieser seelenlosen Version und dem charismatischen Damon, dann fällt die Wahl leicht.
Wer bin ich? Du bist Bourne. Ok, tschüss.
Das Spiel erzählt im groben Rahmen die Handlung des ersten Films (Die Bourne Identität) nach. Dabei beginnt es mit dem Attentat auf Wambosi, das ihr nun vollständig erlebt und hat die wichtigsten Szenarien wie die Schweiz und Paris im Angebot, es fehlt aber die eigentliche Wambosi Handlung im Spiel und auch die Hotelszene ist MIA. Dazu gesellen sich spielbare Flashbacks, die Jason in früheren Missionen zeigen, aber diese haben genau Null mit der Handlung zu tun. In diesen muss Bourne meist ein Ziel eliminieren, zum Glück für den Spieler handelt es sich ausschließlich um Kriminelle der höheren Kategorie, sodass man nie in die Zwickmühlen kommt wie, sagen wir, der Film-Bourne. Charaktere werden praktisch gar nicht eingeführt und viele Schlüsselszenen aus den Filmen werden im Schnellverfahren abgehandelt. Die geniale Konfrontation aus dem Ende des ersten Films ist hier auf ein, zwei Stichworte reduziert, Nicky Parsons hat man ganz weggelassen und auch Ward Abbot scheint so wichtig doch nicht gewesen zu sein. Die Videosequenzen fühlen sich an wie Rückblenden wie sie zu Beginn von US TV Serien gern verwendet werden. Alles wichtige soll eben schnell in eine Minute gepresst werden, damit der Zuschauer noch mit kommt. Selbst das aber reicht hier nicht, wer die Filme nicht kennt, wird kaum etwas verstehen und wer sie kennt, wird sich über die fehlende Liebe zum Original ärgern. Es ist keine nacherzählte Story, aber auch nichts eigenes. Nichts Halbes, nichts Ganzes, vieles dem Fan schon bekannt, das Neue nicht relevant: Nein, diese Geschichte wird man sich nicht noch lange erzählen.
Exkurs: Cinematic und Gameplay
Cinematic gameplay heißt das Stichwort, das immer wieder aufgegriffen wird. Dabei haben manche Entwickler leider nicht verstanden, was das eigentlich heißt. Beim Spielen soll der Spieler das Gefühl haben, er spiele einen Film. Soweit so erstrebenswert, aber die Betonung liegt auf Gameplay. Eben das muss sich kinoreif anfühlen. Es genügt nicht, auf eine Stunde Spielzeit 55 Minuten Videosequenzen zu packen (Schönen Gruß an Metal Gear Solid). Ein gutes Beispiel war James Bond Everything or Nothing, das sich extrem spektakulär und abwechslungsreich gespielt hat. Cinematic gameplay heißt in der Praxis dann vor allem sehr lineares Gameplay und viele Scriptevents, gern auch mal mit QuickTimeEvents. Bourne bietet all das.
Das dritte Element
Aufgeteilt in drei Gameplayelemente bewegt ihr euch in den abwechslungsreichen Szenarien streng linear von Punkt A nach Punkt B und erledigt Gegner. Bourne steuert ihr immer aus der Perspektive der dritten Person. Zwei Waffen kann er gleichzeitig tragen und sich seiner Feinde erwehren. Per Druck auf die A Taste kann er hinter Kisten oder ähnlichem in Deckung gehen, rechtzeitig hervor luken und einen schnellen Kopfschuss landen. Blindes Feuern beherrscht er aber ebenso wenig wie eine Hechtrolle von Deckung zu Deckung. Alles sehr rudimentär. Immerhin aber könnt ihr die Schulternansicht wechseln und die Waffe zwecks besserer Bewegung auch wieder ganz einstecken. Zielhilfe in Form von Autoaim gibt es nicht, aber das Fadenkreuz färbt sich schön rot, wenn ihr den Gegner im Visier habt. Eine Hilfe gibt es nur in der Form des Bourne-Instinkts, der den Cursor auf den nächsten Feind oder das nächste Ölfass legt und gleichzeitig Ziele und Feinde kurzfristig markiert. Auf den beiden höheren Schwierigkeitsgraden aber ist diese Hilfe limitiert. Das Zielen ist etwas hektisch geraten, eure Feinde vertragen sehr viele Kugeln, auch schon auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad, Kopfschüsse werden nicht immer gezählt und der vollkommene Verzicht auf Bluteffekte erschwert die Trefferresonanz. Am Ende haben wir Shooterpassagen, die streng nach Schema F ablaufen und die wir in der Form in dieser Konsolengeneration in jedem ThirdPersonShooter mindestens gleich gut und meist sogar besser gesehen haben. Was ist aus den guten alten ThirdPersonShootern geworden, in denen die Helden keine feigen Weicheier waren, die sich hinter Wänden und Schränken verstecken mussten, sondern sich einfach mit der Knarre im Anschlag durch die Feindesheere durchgemäht haben?
Blockblockblock, Konter, Prügel!
Kommt ihr einem Gegner zu nahe oder seid ihr ohne Waffe unterwegs, geht es in den Nahkampf. Mit einer Taste zum Blocken (die dafür lediglich gehalten werden muss) und zwei Angrifftasten, die nur Dreier-Kombinationen erlauben, ist das auf klassische Duelle ausgelegte Kampfsystem ebenfalls mehr als nur rudimentär. Durch erfolgreiche Treffer allerdings baut ihr Bournes Adrenalinleiste auf. Sowie diese voll ist, könnt ihr mit der B Taste einen so genannten Takedown ausführen. Diese Spezialmanöver bringen eure Gegner schnell und spektakulär zu Boden wie man es aus den Filmen kennt. Das Schöne ist, dass ihr nutzen könnt, was ihr wollt. Bewegt euch zur Wand und Bourne klatscht seinen Gegner an eben diese. Geht nah an eine Reling auf einem Boot und Bourne schickt den Mann schwimmen. Oder schnappt euch ein Buch, einen Feuerlöscher, einen Stift… Bourne nutzt alles als Waffe. Und so nutzt ihr die Standardangriffe auch nur als Mittel zum Zweck, der da lautet: Baut Adrenalin auf! Ebenfalls könnt ihr mit euren Schusswaffen übrigens Takedowns ausführen, wenn eure Leiste voll ist. Das Kampfsystem ist simpel, aber das gezielte Nutzen der Umgebung macht tatsächlich Spaß und es sieht brachial aus. Der Stil der Filme wird hier voll eingefangen und trotz oder gerade dank der Anspruchslosigkeit kann man den meisten Spielspaß aus den Takedowns ziehen. Dabei sind es die langen, epischen Bosskämpfe, die mit ihren verschiedenen Takedowns und Phasen die Highlights des Spiels stellen.
Darf ich vorstellen, Rudi. Rudi Mentär.
Dann wäre da noch eine Autofahrt, die die Verfolgungsjagd aus dem erstem Film imitieren will. Sie schafft es nur leidlich, da das Setting hier extrem eingeschränkt ist. Wie soll man gescheit fahren, wenn es nur einen Weg gibt, den man nehmen kann und alle anderen mit durchsichtigen Begrenzungen abgesperrt sind? Dass die Fahrphysik des Autos keine ist kommt erschwerend hinzu. Immerhin bricht der (unzerstörbare!) Mini nicht aus und ist schnell und leicht zu lenken. Immer noch besser als der Pseudorealismus, auf den auch die Entwickler von Actiontiteln in letzter Zeit immer öfter setzen (Ja, GTA IV, unter anderem bist du gemeint). Mit Adrenalin könnt ihr hier die Zeit kurzfristig verlangsamen, aber auch das hilft nicht immer, dem Gegenverkehr auszuweichen. Zum Glück gibt es hier nur die eine Stelle und weitere Fahrten werden euch erspart.
Drücken Sie Z auf Ihrer Tastatur, damit der Test weitergeht! Zu spät!
Wie war das noch? Lineares Gameplay? Check! Scriptereignisse? Check! QuickTimeEvents? Jup, in Minutenabständen werdet ihr aufgefordert, eine eingeblendete Taste zu drücken, um das Spiel am Laufen zu halten. Nachdem QTEs so oder so nicht unbedingt zu den anspruchsvollsten Gameplayelementen zählen ist in Bourne an vielen Stellen zusätzlich ihre Existenzberechtigung fraglich. Wieso kann ich nicht selber bremsen, dann rückwärts fahren und das Auto drehen? Das geht in Grand Theft Auto, wieso nicht hier? Noch schlimmer ist, dass die Stellen, an denen Bourne ein Scharfschützengewehr benutzt, QTEs sind. Nein, ihr könnt nicht selber zielen und schießen, Gott bewahre. Diese Szenen laufen ab wie Railshooter. Andernorts gar seht ihr nur eine Videosequenz, wie Bourne völlig ohne euer Zutun zwei Feinde sowie den feindlichen Helikopter ausschaltet. Wieso können die Spieler das nicht selber machen? Es zeigt sich mal wieder, dass die Entwickler zwar coole Ideen für Szenarien hatten, dann aber nicht wussten, wie sie den Spieler das ausführen lassen sollten. Es wird behauptet, dadurch sei das Spiel interaktiv, aber das muss mal klar gestellt werden.
Exkurs: Inter und Aktiv
Interaktiv heißt, der Spieler nimmt aktiv Einfluss auf das Medium. Siehe Wing Commander III. In einer Szene hattet ihr die Wahl, einem Verräter zu folgen oder aber es nicht zu tun. Habt ihr euch für die Rache entschieden, hat dies einem Kollegen das Leben gekostet. Habt ihr dagegen den Befehlen des Captains gehorcht, so musstet ihr dem Verräter in der letzten Mission gegenüber treten. Ähnlich in Wing Commander IV, wo ihr die Möglichkeit hattet, eine Basis zu zerstören oder einen anderen Weg zu wählen. Diese Entscheidungen hatten erheblichen Einfluss auf die Story der Spiele und auf den Ausgang. DAS ist interaktiv. In Bourne drückt ihr nur eine Taste, damit die vorgefertigte Videosequenz zu Ende läuft. Andernfalls bricht sie ab. Das ist NICHT interaktiv. Ihr könnt nichts ändern oder beeinflussen. Entweder läuft die Szene weiter so wie die Macher sie auf die Disc gepresst haben oder das Spiel ist zu Ende. Genauso gut könnt ihr die Filme auf DVD ansehen und in kritischen Szenen wahllos Tasten auf der Fernbedienung drücken, damit der Film nicht zurück zum Anfang der letzten Szene wechselt. So kann man sogar das Spiel simulieren, wenn man die Bourne Filme in den DVD Player einlegt und dann Tasten auf seinem Controller drückt. Fantasie ist alles.
Technik Original: 80 % Technik dt. Fassung: 60 %
Weniger Fantasie braucht man, um die Umgebungen wieder zu erkennen. Die Entwickler haben einen guten Job darin gemacht, die Szenen des Films grafisch 1:1 umzusetzen. Regeneffekte, Explosionen und viel Abwechslung in den Leveln können gefallen. Schön ist der hohe Grad der Zerstörbarkeit, der zwar nicht an Stranglehold ranreicht, aber dennoch die Umgebung lebendig macht. Deckung kann zerstört werden, in der Bibliothek fliegen Bücher und Seiten und Museen sind um einige Attraktionen ärmer, wenn Bourne einen Besuch abgestattet hat. Grandios sind die vielen Animationen bei den Takedowns und die spektakulären Ableben eurer Feinde. Letztere gilt für die deutsche Fassung wohl nur begrenzt, da hier die Ragdollphysik fehlt. Daher ist die Grafik der deutschen Fassung ein gutes Stück schlechter als die des Originals. Auch im Original hätten wir uns etwas mehr Blut gewünscht. Ohne Blut sehen die Sterbeanimationen zu sehr nach Theater aus als danach, dass man gerade ein Projektil durch einen menschlichen Körper gejagt hat. Unschön fallen ein paar Clippingfehler und einige seltsame Kamerapositionen auf und wie bereits erwähnt, fällt die Fahrszene in Paris sehr negativ auf. Alles in allem aber kann man sich das Spiel durchaus ansehen.
Aber auch akustisch darf man sich nicht beschweren. Die Musik kommt direkt aus dem Film, besser könnte sie also nicht sein. Die Waffen könnte etwas schärfer und lauter klingen, fallen aber auch nicht zu sehr ab. Stark und brachial sind die Sounds bei den Takedowns. Kiefer brechen, Knochen knacken, Schultern kugeln aus… jedenfalls wenn ihr das Original einlegt, denn in der deutschen fehlen diese Effekte schon wieder. So ist also auch der Sound schlechter. Das hat mal wieder jemand ganz toll hingekriegt. Die Sprachausgabe ist zwar vernünftig, aber fällt im Vergleich zu Damons Darbietung im Film ganz klar ab. Man hat seine Performance im Kopf und vergleicht automatisch. Ohne wirklich schlecht zu sein schafft es das Spiel aber nicht, die Stärke des Films beizubehalten. Das gilt für die deutsche Synchronisation in gleicher Weise.
Abfall fällt ab? Fällt das noch zu?
Nicht vergessen wollen wir das ekelhaft aufdringliche Product Placement des Spiels. Keine zwei Meter könnt ihr laufen ohne ein Werbeplakat zu sehen. Nicht, dass das Game dadurch auch nur einen Cent billiger würde. Das gibt einen Stern Abzug. Was dem Spiel den Rücken bricht, ist hingegen der Umfang. Grad mal vier bis fünf Stunden dauert das Vergnügen und man ist durch. Wiederspielwert geht trotz Achievements und Extras gegen Null. Und Achievements, die den Spieler belohnen, der das eine Spielelement, was Bourme vom 08/15 Game abhebt (die Takedowns) NICHT benutzt, zeigen, dass die Entwickler wieder mal keine Ahnung hatten, was den Spaß ihres Games ausmacht.
Fazit: Der Film war länger, oder?
Bourne macht Spaß, ganz klar. Eine sehr flotte Inszenierung, viele coole Momente im Spiel, lange, harte Fights in abwechslungsreichen Missionen, die dazu noch gut aussehen, das klingt doch alles toll, oder? Sicher, dummerweise verhindert das Game durch eine Vielzahl Macken eine höhere Wertung. Die Story ist nur noch als dahin gerotzt zu bezeichnen, viel Potential wurde aus dem Fenster gekippt. Zusammenhangslose Standardmissionen werden episodenartig in das Grundgerüst der Rahmenhandlung des ersten Films gepresst. Während die Schusswechsel grad noch so funktionieren, sich aber durch nichts positiv vom Standard-Cover-ThirdPersonShooter dieser Generation abheben und eher noch durch die leicht hakelige Steuerung beim Zielen abfallen, sind die Nahkämpfe etwas zu simpel geraten und werden nur durch die herrlichen und zahlreichen Takedowns gerettet. Über die Fahrt in Paris bedecken mir mal den Mantel des Verdreschens (frei nach Yosemite Sam). Dazu der viel zu knappe Umfang und wir müssen vom Kauf ganz dringend abraten. Für Bournefans oder Freunde kurzweiliger Action aber ist ein Ausleihen geradezu Pflicht.
Ich will Damon wieder haben!
Doch halt, handelt es sich hier überhaupt um einen Filmumsetzung? Von Matt Damon und Franka Potente ist nichts zu sehen und die Handlung des Films wird nicht wirklich 1:1 nachgespielt. So meinen dann auch die Entwickler, dass sie sich eher an den Büchern orientieren. Hm… andererseits ist die Musik die original Filmmusik, die Kampfszenen sind den schnellen Schnitten der Filme nachempfunden und viele Szenen kennt man aus den Streifen wieder. Natürlich ist Bourne eine Filmumsetzung. Allerdings hat es den Vorteil, dass es erst auf den Markt kommt lange nachdem die Filme schon günstig auf DVD erhältlich sind. Hat man sich also die Zeit genommen, dem Material gerecht zu werden?
Wie gesagt wird Jason Bourne nicht von Matt Damon dargestellt. Statt dessen übernimmt nun Nathan Drake aus Uncharted die Hauptrolle. … Ernsthaft, vergleicht mal die Bilder, das ist er! Marie sieht ihrer Filmvorlage dagegen schon viel ähnlicher. Natürlich ist ein Jason Bourne als Charakter größer als der Schauspieler, der ihn darstellt, aber wenn man nur die Wahl hat zwischen dieser seelenlosen Version und dem charismatischen Damon, dann fällt die Wahl leicht.
Wer bin ich? Du bist Bourne. Ok, tschüss.
Das Spiel erzählt im groben Rahmen die Handlung des ersten Films (Die Bourne Identität) nach. Dabei beginnt es mit dem Attentat auf Wambosi, das ihr nun vollständig erlebt und hat die wichtigsten Szenarien wie die Schweiz und Paris im Angebot, es fehlt aber die eigentliche Wambosi Handlung im Spiel und auch die Hotelszene ist MIA. Dazu gesellen sich spielbare Flashbacks, die Jason in früheren Missionen zeigen, aber diese haben genau Null mit der Handlung zu tun. In diesen muss Bourne meist ein Ziel eliminieren, zum Glück für den Spieler handelt es sich ausschließlich um Kriminelle der höheren Kategorie, sodass man nie in die Zwickmühlen kommt wie, sagen wir, der Film-Bourne. Charaktere werden praktisch gar nicht eingeführt und viele Schlüsselszenen aus den Filmen werden im Schnellverfahren abgehandelt. Die geniale Konfrontation aus dem Ende des ersten Films ist hier auf ein, zwei Stichworte reduziert, Nicky Parsons hat man ganz weggelassen und auch Ward Abbot scheint so wichtig doch nicht gewesen zu sein. Die Videosequenzen fühlen sich an wie Rückblenden wie sie zu Beginn von US TV Serien gern verwendet werden. Alles wichtige soll eben schnell in eine Minute gepresst werden, damit der Zuschauer noch mit kommt. Selbst das aber reicht hier nicht, wer die Filme nicht kennt, wird kaum etwas verstehen und wer sie kennt, wird sich über die fehlende Liebe zum Original ärgern. Es ist keine nacherzählte Story, aber auch nichts eigenes. Nichts Halbes, nichts Ganzes, vieles dem Fan schon bekannt, das Neue nicht relevant: Nein, diese Geschichte wird man sich nicht noch lange erzählen.
Exkurs: Cinematic und Gameplay
Cinematic gameplay heißt das Stichwort, das immer wieder aufgegriffen wird. Dabei haben manche Entwickler leider nicht verstanden, was das eigentlich heißt. Beim Spielen soll der Spieler das Gefühl haben, er spiele einen Film. Soweit so erstrebenswert, aber die Betonung liegt auf Gameplay. Eben das muss sich kinoreif anfühlen. Es genügt nicht, auf eine Stunde Spielzeit 55 Minuten Videosequenzen zu packen (Schönen Gruß an Metal Gear Solid). Ein gutes Beispiel war James Bond Everything or Nothing, das sich extrem spektakulär und abwechslungsreich gespielt hat. Cinematic gameplay heißt in der Praxis dann vor allem sehr lineares Gameplay und viele Scriptevents, gern auch mal mit QuickTimeEvents. Bourne bietet all das.
Das dritte Element
Aufgeteilt in drei Gameplayelemente bewegt ihr euch in den abwechslungsreichen Szenarien streng linear von Punkt A nach Punkt B und erledigt Gegner. Bourne steuert ihr immer aus der Perspektive der dritten Person. Zwei Waffen kann er gleichzeitig tragen und sich seiner Feinde erwehren. Per Druck auf die A Taste kann er hinter Kisten oder ähnlichem in Deckung gehen, rechtzeitig hervor luken und einen schnellen Kopfschuss landen. Blindes Feuern beherrscht er aber ebenso wenig wie eine Hechtrolle von Deckung zu Deckung. Alles sehr rudimentär. Immerhin aber könnt ihr die Schulternansicht wechseln und die Waffe zwecks besserer Bewegung auch wieder ganz einstecken. Zielhilfe in Form von Autoaim gibt es nicht, aber das Fadenkreuz färbt sich schön rot, wenn ihr den Gegner im Visier habt. Eine Hilfe gibt es nur in der Form des Bourne-Instinkts, der den Cursor auf den nächsten Feind oder das nächste Ölfass legt und gleichzeitig Ziele und Feinde kurzfristig markiert. Auf den beiden höheren Schwierigkeitsgraden aber ist diese Hilfe limitiert. Das Zielen ist etwas hektisch geraten, eure Feinde vertragen sehr viele Kugeln, auch schon auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad, Kopfschüsse werden nicht immer gezählt und der vollkommene Verzicht auf Bluteffekte erschwert die Trefferresonanz. Am Ende haben wir Shooterpassagen, die streng nach Schema F ablaufen und die wir in der Form in dieser Konsolengeneration in jedem ThirdPersonShooter mindestens gleich gut und meist sogar besser gesehen haben. Was ist aus den guten alten ThirdPersonShootern geworden, in denen die Helden keine feigen Weicheier waren, die sich hinter Wänden und Schränken verstecken mussten, sondern sich einfach mit der Knarre im Anschlag durch die Feindesheere durchgemäht haben?
Blockblockblock, Konter, Prügel!
Kommt ihr einem Gegner zu nahe oder seid ihr ohne Waffe unterwegs, geht es in den Nahkampf. Mit einer Taste zum Blocken (die dafür lediglich gehalten werden muss) und zwei Angrifftasten, die nur Dreier-Kombinationen erlauben, ist das auf klassische Duelle ausgelegte Kampfsystem ebenfalls mehr als nur rudimentär. Durch erfolgreiche Treffer allerdings baut ihr Bournes Adrenalinleiste auf. Sowie diese voll ist, könnt ihr mit der B Taste einen so genannten Takedown ausführen. Diese Spezialmanöver bringen eure Gegner schnell und spektakulär zu Boden wie man es aus den Filmen kennt. Das Schöne ist, dass ihr nutzen könnt, was ihr wollt. Bewegt euch zur Wand und Bourne klatscht seinen Gegner an eben diese. Geht nah an eine Reling auf einem Boot und Bourne schickt den Mann schwimmen. Oder schnappt euch ein Buch, einen Feuerlöscher, einen Stift… Bourne nutzt alles als Waffe. Und so nutzt ihr die Standardangriffe auch nur als Mittel zum Zweck, der da lautet: Baut Adrenalin auf! Ebenfalls könnt ihr mit euren Schusswaffen übrigens Takedowns ausführen, wenn eure Leiste voll ist. Das Kampfsystem ist simpel, aber das gezielte Nutzen der Umgebung macht tatsächlich Spaß und es sieht brachial aus. Der Stil der Filme wird hier voll eingefangen und trotz oder gerade dank der Anspruchslosigkeit kann man den meisten Spielspaß aus den Takedowns ziehen. Dabei sind es die langen, epischen Bosskämpfe, die mit ihren verschiedenen Takedowns und Phasen die Highlights des Spiels stellen.
Darf ich vorstellen, Rudi. Rudi Mentär.
Dann wäre da noch eine Autofahrt, die die Verfolgungsjagd aus dem erstem Film imitieren will. Sie schafft es nur leidlich, da das Setting hier extrem eingeschränkt ist. Wie soll man gescheit fahren, wenn es nur einen Weg gibt, den man nehmen kann und alle anderen mit durchsichtigen Begrenzungen abgesperrt sind? Dass die Fahrphysik des Autos keine ist kommt erschwerend hinzu. Immerhin bricht der (unzerstörbare!) Mini nicht aus und ist schnell und leicht zu lenken. Immer noch besser als der Pseudorealismus, auf den auch die Entwickler von Actiontiteln in letzter Zeit immer öfter setzen (Ja, GTA IV, unter anderem bist du gemeint). Mit Adrenalin könnt ihr hier die Zeit kurzfristig verlangsamen, aber auch das hilft nicht immer, dem Gegenverkehr auszuweichen. Zum Glück gibt es hier nur die eine Stelle und weitere Fahrten werden euch erspart.
Drücken Sie Z auf Ihrer Tastatur, damit der Test weitergeht! Zu spät!
Wie war das noch? Lineares Gameplay? Check! Scriptereignisse? Check! QuickTimeEvents? Jup, in Minutenabständen werdet ihr aufgefordert, eine eingeblendete Taste zu drücken, um das Spiel am Laufen zu halten. Nachdem QTEs so oder so nicht unbedingt zu den anspruchsvollsten Gameplayelementen zählen ist in Bourne an vielen Stellen zusätzlich ihre Existenzberechtigung fraglich. Wieso kann ich nicht selber bremsen, dann rückwärts fahren und das Auto drehen? Das geht in Grand Theft Auto, wieso nicht hier? Noch schlimmer ist, dass die Stellen, an denen Bourne ein Scharfschützengewehr benutzt, QTEs sind. Nein, ihr könnt nicht selber zielen und schießen, Gott bewahre. Diese Szenen laufen ab wie Railshooter. Andernorts gar seht ihr nur eine Videosequenz, wie Bourne völlig ohne euer Zutun zwei Feinde sowie den feindlichen Helikopter ausschaltet. Wieso können die Spieler das nicht selber machen? Es zeigt sich mal wieder, dass die Entwickler zwar coole Ideen für Szenarien hatten, dann aber nicht wussten, wie sie den Spieler das ausführen lassen sollten. Es wird behauptet, dadurch sei das Spiel interaktiv, aber das muss mal klar gestellt werden.
Exkurs: Inter und Aktiv
Interaktiv heißt, der Spieler nimmt aktiv Einfluss auf das Medium. Siehe Wing Commander III. In einer Szene hattet ihr die Wahl, einem Verräter zu folgen oder aber es nicht zu tun. Habt ihr euch für die Rache entschieden, hat dies einem Kollegen das Leben gekostet. Habt ihr dagegen den Befehlen des Captains gehorcht, so musstet ihr dem Verräter in der letzten Mission gegenüber treten. Ähnlich in Wing Commander IV, wo ihr die Möglichkeit hattet, eine Basis zu zerstören oder einen anderen Weg zu wählen. Diese Entscheidungen hatten erheblichen Einfluss auf die Story der Spiele und auf den Ausgang. DAS ist interaktiv. In Bourne drückt ihr nur eine Taste, damit die vorgefertigte Videosequenz zu Ende läuft. Andernfalls bricht sie ab. Das ist NICHT interaktiv. Ihr könnt nichts ändern oder beeinflussen. Entweder läuft die Szene weiter so wie die Macher sie auf die Disc gepresst haben oder das Spiel ist zu Ende. Genauso gut könnt ihr die Filme auf DVD ansehen und in kritischen Szenen wahllos Tasten auf der Fernbedienung drücken, damit der Film nicht zurück zum Anfang der letzten Szene wechselt. So kann man sogar das Spiel simulieren, wenn man die Bourne Filme in den DVD Player einlegt und dann Tasten auf seinem Controller drückt. Fantasie ist alles.
Technik Original: 80 % Technik dt. Fassung: 60 %
Weniger Fantasie braucht man, um die Umgebungen wieder zu erkennen. Die Entwickler haben einen guten Job darin gemacht, die Szenen des Films grafisch 1:1 umzusetzen. Regeneffekte, Explosionen und viel Abwechslung in den Leveln können gefallen. Schön ist der hohe Grad der Zerstörbarkeit, der zwar nicht an Stranglehold ranreicht, aber dennoch die Umgebung lebendig macht. Deckung kann zerstört werden, in der Bibliothek fliegen Bücher und Seiten und Museen sind um einige Attraktionen ärmer, wenn Bourne einen Besuch abgestattet hat. Grandios sind die vielen Animationen bei den Takedowns und die spektakulären Ableben eurer Feinde. Letztere gilt für die deutsche Fassung wohl nur begrenzt, da hier die Ragdollphysik fehlt. Daher ist die Grafik der deutschen Fassung ein gutes Stück schlechter als die des Originals. Auch im Original hätten wir uns etwas mehr Blut gewünscht. Ohne Blut sehen die Sterbeanimationen zu sehr nach Theater aus als danach, dass man gerade ein Projektil durch einen menschlichen Körper gejagt hat. Unschön fallen ein paar Clippingfehler und einige seltsame Kamerapositionen auf und wie bereits erwähnt, fällt die Fahrszene in Paris sehr negativ auf. Alles in allem aber kann man sich das Spiel durchaus ansehen.
Aber auch akustisch darf man sich nicht beschweren. Die Musik kommt direkt aus dem Film, besser könnte sie also nicht sein. Die Waffen könnte etwas schärfer und lauter klingen, fallen aber auch nicht zu sehr ab. Stark und brachial sind die Sounds bei den Takedowns. Kiefer brechen, Knochen knacken, Schultern kugeln aus… jedenfalls wenn ihr das Original einlegt, denn in der deutschen fehlen diese Effekte schon wieder. So ist also auch der Sound schlechter. Das hat mal wieder jemand ganz toll hingekriegt. Die Sprachausgabe ist zwar vernünftig, aber fällt im Vergleich zu Damons Darbietung im Film ganz klar ab. Man hat seine Performance im Kopf und vergleicht automatisch. Ohne wirklich schlecht zu sein schafft es das Spiel aber nicht, die Stärke des Films beizubehalten. Das gilt für die deutsche Synchronisation in gleicher Weise.
Abfall fällt ab? Fällt das noch zu?
Nicht vergessen wollen wir das ekelhaft aufdringliche Product Placement des Spiels. Keine zwei Meter könnt ihr laufen ohne ein Werbeplakat zu sehen. Nicht, dass das Game dadurch auch nur einen Cent billiger würde. Das gibt einen Stern Abzug. Was dem Spiel den Rücken bricht, ist hingegen der Umfang. Grad mal vier bis fünf Stunden dauert das Vergnügen und man ist durch. Wiederspielwert geht trotz Achievements und Extras gegen Null. Und Achievements, die den Spieler belohnen, der das eine Spielelement, was Bourme vom 08/15 Game abhebt (die Takedowns) NICHT benutzt, zeigen, dass die Entwickler wieder mal keine Ahnung hatten, was den Spaß ihres Games ausmacht.
Fazit: Der Film war länger, oder?
Bourne macht Spaß, ganz klar. Eine sehr flotte Inszenierung, viele coole Momente im Spiel, lange, harte Fights in abwechslungsreichen Missionen, die dazu noch gut aussehen, das klingt doch alles toll, oder? Sicher, dummerweise verhindert das Game durch eine Vielzahl Macken eine höhere Wertung. Die Story ist nur noch als dahin gerotzt zu bezeichnen, viel Potential wurde aus dem Fenster gekippt. Zusammenhangslose Standardmissionen werden episodenartig in das Grundgerüst der Rahmenhandlung des ersten Films gepresst. Während die Schusswechsel grad noch so funktionieren, sich aber durch nichts positiv vom Standard-Cover-ThirdPersonShooter dieser Generation abheben und eher noch durch die leicht hakelige Steuerung beim Zielen abfallen, sind die Nahkämpfe etwas zu simpel geraten und werden nur durch die herrlichen und zahlreichen Takedowns gerettet. Über die Fahrt in Paris bedecken mir mal den Mantel des Verdreschens (frei nach Yosemite Sam). Dazu der viel zu knappe Umfang und wir müssen vom Kauf ganz dringend abraten. Für Bournefans oder Freunde kurzweiliger Action aber ist ein Ausleihen geradezu Pflicht.

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