Da ich mich intensiv mit den Kriegen der Menschheit beschäftige und ganz nebenbei auch noch Soldat bin mit 2 Jahren Erfahrung aus einer Kampfkompanie möchte ich nun auch etwas zu dem Thema beisteuern:
Wie Tommse schon richtig gesagt hat, kann man viele Dinge, die der Krieg mit sich führt, nicht in einem Spiel wiedergeben. Ein Beispiel:
Ich war im Winter 2008 auf einer Übung bei Dauerschneefall und Minus 25 Grad. Ich habe noch nie in meinem Leben so gefroren und mich so sehr irgendwoanders hingewünscht. Uns sind Kleidungsstücke in der Kälte zerbrochen, Waffen und Geräte haben den Geist aufgegeben. Der ständige Schneefall hat alles durchnässt und uns richtig mürbe gemacht. Dann mitten in der Nacht ständig Alarm: Raus aus dem warmen Schlafsack in die eisige Kälte, Waffe und Helm schnappen, durch Schneematsch und Eis kriechen, um dann eine Stunde in einem Loch am Boden zu liegen. Dazu wenig Verpflegung, die Getränke sind sofort gefroren, das Feuer ständig ausgegangen. Nachts muss man eine Stunde im Alarmposten liegen, ich hab da einmal so gefroren, dass meine Muskeln unkontrolliert gezuckt haben. Soetwas krasses hatte ich noch nie erlebt. Wie will man das in einem Spiel darstellen?? Wie? Denn das sind die wahren Schrecken des Krieges. Klar, es ist nicht schön, jemanden umzubringen. Aber das wirklich grausame (siehe z.B.) ist teils jahrelang von seiner Familie getrennt zu sein, in einem räudigen Zelt oder Loch zu hausen, bei wenig und schlechtem Essen, bei starker Hitze, Dauerregen oder Schnee. Wenn jede Bewegung weh tut, wenn man mehr blaue Flecken hat als alles andere, wenn der Rücken schmerzt, weil man entweder auf dem Bauch in einem Loch liegt oder mit 15 kg Gewicht am Körper steht, dann erfährt man die wahren Schrecken des Krieges. Da tut sich ja sogar ein Film schwer, dass darzustellen, wie soll das ein Spiel schaffen?
Kriegsfilme beschränken sich leider meistens darauf, zu zeigen, wie grausam die Ganze Gewalt und so ist. Dann werden möglichst viel Blut und schreiende Soldaten gezeigt und schon darf man sich Kriegsfilm nennen. Dabei ist das, was die gängigen Filme und Spiele wie Call of Duty uns als Krieg verkaufen völliger Schwachsinn. Kein Schwein rennt wie bei Call of Duty von einer feindl. Stellung zur nächsten und streckt dabei hunderte Feinde nieder. Das typische Feuergefecht lief und läuft so ab: Ich liege in meiner Stellung, der Feind hat sich einige hundert Meter vor mir in Deckung geworfen und dann beschießt man sich. Wenn man da jemanden tötet, kriegt man das womöglich nicht mal mit. In Afghanistan dauern Feuergefechte zwischen Bw-Soldaten in Gruppen-bis Zugstärke (12-40 Mann) gegen genauso viele oder etwas mehr Taliban bis zu 12 Stunden, und das obwohl die teilweise nur wenige hundert Meter auseinander liegen. Und warum? Weil kein Schwanz seinen Kopf so leichtsinnig aus der Deckung nimmt wie bei Call of Duty. Neu laden ist schließlich nicht drin. Aber keinem Spieler könnte man so ein Feuergefecht verkaufen...
Ein anderes Problem ist, dass der echte Krieg längst nicht so spektakulär ist wie das, was Spiele und Filme uns verkaufen wollen. Dass man keine dreihunderttausend Feinde tötet, habe ich schon angesprochen. Aber allein von den Effekten her:
Hat schon mal jemand eine Handgranatenexplosion gesehen? Ich denke, die meisten wären ziemlich enttäuscht. Man sieht einen (bei Tage kaum sichtbaren) Lichtblitz in Kugelform, das wars. Keine Erdfontäne, keine Feuerwalze, kein schwarzer Rauch. Nichts. Anderes Beispiel: Der berühmte Anfang von James Rayn: Die Projektile treten ins Wasser ein und töten unter Wasser die amerikanischen Soldaten. Schwachsinn! Die Deutschen haben mit 7,92 Kaliber geschossen, die Patronen haben eine Verdrängung wie Sau. Die richten unter Wasser gar keinen Schaden mehr an. Genauso wenig wie Menschen nach hinten wegfliegen und das Blut nur so aus ihnen herausspritzt, wenn sie getroffen werden. Wenn man nicht gerade die Halsschlagader trifft, spritzt gar nichts. Die Projektile sind so heiß, dass sie Ein- und Austrittswunde sofort versiegeln und die Blutungen nach innen gehen.
Leider wird man mit verminderter Spektakulariät niemanden hinter dem Ofen hervorlocken in einer Welt, in der jedes Spiel mit noch mehr und noch besseren Effekten wirbt.
Warum nicht eine Szene, wo man als Soldat (egal aus welchen Reihen) im Häuserkampf in ein Haus stürmt, ein Mann versucht seine Frau und Kinder zu schützen. Deine Kameraden töten den Mann und die Kinder und du musst / willst die Frau schänden. Alternativ kann die Frau ja auch getötet werden, bevor sie geschändet wird. Und das halt aus der Ego-Perspektive.
Gleiches Szenario, du als Spieler siehst, wie deine Kameraden das gerade tun und hast die Wahl, ob du sie aufhälst oder nicht. Die Konflikte innerhalb der Truppe, die dadurch entstehen.
So etwas in der Art gibt es bei Call of Duty World at War. Nicht mit dem schänden einer Frau, aber mit anderen Situationen: Beispielsweise findet man ein paar verwundete Deutsche. Der Vorgesetzte des Spieles befiehlt, diese zu erschießen, aber man kann sie auch verbluten lassen. Gibt auch ein paar ähnliche Situationen.
Was ich mir vorstellen könnte:
Man wird gameplay-technisch nie an den echten Krieg herankommen, aber man kann zumindest auf interlektueller Ebene weiterdenken:
Warum nicht mal einen deutschen Soldaten spielen, der 39 siegessicher nach Polen marschiert und dann über die Jahre feststellen muss, dass er vielleicht doch für die falsche Seite kämpft. Was, wenn man dem Spieler jederzeit die Wahl lassen würde, zu desertieren? Man könnte das Ganze so aufziehen, dass dem Spieler zusehendst unwohler wird, für das dritte Reich zu kämpfen. Und wenn der Spieler tatsächlich bis zum Ende durchhält und nicht desertiert hat, stellt das Spiel dem Spieler bewusst die Frage: Warum hast du das bis zum Ende mitgemacht? Nur eine Idee.
Außerdem könnte man sich in anderen Dingen dem Realismus annähern: Warum haben die Waffen in CoD nie Störungen. Warum hat der Spieler die Waffe IMMER im Anschlag. Versucht ihr mal, eine 5kg-Waffe über Stunden so zu halten. Warum wird immer noch suggeriert, dass jeder kleinste Baum eine Deckung darstellt und Projektile wie Stahlträger aufhält, wo doch allein das nicht sonderlich durchschlagkräftige G36 durch 30 cm Holz schlägt?