@ MIIE:
Es gibt in unseren Gefilden wenige Gewaltverbrechen wie von dir beschrieben - das ist eine Tatsache, welche du wohl kaum bestreiten kannst. Die genannten Beispiele sind zwar real und brutal, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer solchen Tat zu werden, verschwindend klein. Die Medien tragen ihr Übriges dazu bei, dass heute jeder das Gefühl hat, an jeder Ecke warte ein böser Junge… Ja, deine Vorbringen sind zu einem Grossteil Schwarzmalerei, davon bin ich überzeugt. Gerade bei deinem eher düsteren Menschenbild sollte oberstes Gebot sein, dass möglichst niemand eine Waffe sollte zu Hause haben können.
Der Grossteil der Verbrechen sind Diebstähle und andere kleiner Delikte. Illegal? Auf jedenfall! Hart zu bestrafen? Natürlich! Genügend schlimm um deshalb erschossen zu werden? Never - auch nicht bei mir zu Hause. Nun verhält es sich aber so, dass Waffen äusserst gefährlich sind - dies wäre auch im Märchenland so. Es passieren immer Unfälle, Notwehrexzesse und - o.k. nicht im hypothetischen Märchenland - auch vorsätzliche Taten, welche halt ohne an Gefährlichkeit kaum zu übertreffende Schusswaffen nicht geschehen oder doch wenigstens milder ausgefallen wären. Auch das sind Tatsachen. Die einzige Möglichkeit, solche Dinge zu verhindern, besteht darin, die Waffen gar nicht Teil des Problems werden zu lassen und deshalb zu verhindern, dass die überall im Schrank rumstehen (Beispiel Schweizer Debatte zu den Sturmgewehren zu Hause…). Die Eigentumsgarantie oder die persönliche Freiheit können da wohl kaum als Gegenargument gebracht werden. Grundrechte werden täglich und überall eingeschränkt. Die Frage ist immer, welche Interessen höher wiegen. Wenn mir nun jemand plausibel machen will, dass das Interesse höher wiegt, einfach eine Waffe zu Hause zu haben (welche ich nicht gebrauchen darf), als das Leben all jener Unschuldigen und Schuldigen, die dadurch gefährdet werden (Unfälle, Notwehrexzesse, Verbrechen…), so verstehe ich die Welt nicht mehr. Nur weil ein ganz grosser rückständiger Teil der Amerikaner das so sieht, ist das noch lange nicht richtig.
Die Argumentation, dass - wenn jemand bei mir zu Hause einbrechen würde (und ja, ich habe Frau und Kind) - ich den evtl. auch über den Haufen schiessen würde aus Angst, Panik, Ärger oder gar Überzeugung vermag daran offensichtlich nichts zu ändern. Zum einen ist das Opfer (auch das potentielle) bekanntlich ein schlechter Richter, zum anderen sollte gerade einem solch bedrängten Menschen die Möglichkeit, mit einer gefährlichen Waffe falsch zu reagieren, genommen werden, wenn (siehe Eingang des Posts) der Waffeneinsatz in 9 von 10 Fällen nicht gerechtfertigt sein dürfte (die Heiligkeit der eigenen vier Wände muss definitiv Grenzen haben). Zudem haben über 90% der Menschen keine Ahnung, was im Rahmen der Notwehr gerechtfertigt ist (abgesehen davon, dass in Anbetracht der Gefahr für Leib und Leben i.d.R. auch von "Wissenden" keine vernünftige Entscheidung mehr getroffen werden dürfte).
Selbst eine einfache Nutzen-Schaden-Rechnung kann einem imo nicht ernsthaft zum Schluss bringen, dass eine Waffe zu Hause (oder gar auf der Strasse) Sinn macht, sofern ich sie nicht zu Hause brauche (Jäger, Polizist…). Von daher: Imo alle Waffen weg in die Schützenhäuser, Kasernen etc.