Ich tu mich halt schwer damit "die Leute" das entscheiden zu lassen was richtig und was falsch ist.
Was abgerissen, abgefackelt, etc werden kann. Grundlagen und Gesetze sollten halt bindend sein - für alle.
Warum pocht wohl ein Rassist auf Recht und Ordnung, wenn er nicht wüsste dass dieses Recht und diese Ordnung nicht genau den Rassismus legitimieren würden, den er verwirklicht sehen möchte? Man spricht nicht grundlos von
institutionellem Rassismus, eben weil Rassismus sich nicht auf (nur) individueller Ebene ereignet, sondern als gesellschaftliches Ordnungsprinzip maßgeblich durch gesellschaftliche Institutionen durchgesetzt wird.
Machbar ist das alles, ich bin halt nur generell jetzt nicht so ein Freund von "Selbstjustiz"
Ein Freund von Selbstjustiz sein ist das eine - ein Freund von Recht und Ordnung sein allein des Rechtes und der Ordnung wegen ist das andere. Im Zweifelsfall ist man damit ein Freund einer rassistischen Ordnung.
Und das führt uns zu einem ganz grundsätzlichen Problem:
Ich kenne den Hintergrund der Statue nicht genau, ich habe jetzt nur darüber gelesen und vorher noch nie etwas davon gehört. Aber aus einer "moralischen Überlegenheit" heraus oder "weil man das richtige vertritt" einfach zu machen wie und was man will - wie gesagt bin ich einfach kein Freund von.
Ich kenne den Typen nicht, ich kenne seine Geschichte nicht, ich hab nur gelesen es ist kontrovers, ich weiß auch gar nicht wie lange diese Statue da steht. Es gab aber wohl Gründe um sie anzufertigen und aufzustellen.
Statt eine kritische Haltung zu entwickeln, mit der man sich dann womöglich auch außerhalb der bestehenden (rassistischen) Ordnung positioniert, besteht deine Haltung darin dich unkritisch zu einer in jedem Fall zu wahrenden Ordnung zu bekennen.
Du schreibst, du weißt nicht was der Hintergrund der Statue ist, wer der Typ ist, was seine Geschichte ist, wie lange die Statue da steht etc.
Nehmen wir das mal als eine prototypische Haltung eines weißen Europäers, der sich nicht sonderlich für die kontinentale (geschweige denn nationale) Kolonialgeschichte interessiert - und überlegen dann wie vielversprechend der 'ordentliche' Weg ist eine solche Statue entfernen zu lassen. Ein derartiges Desinteresse der Mehrheitsbevölkerung an der Aufarbeitung der eigenen kolonial-rassistischen Vergangenheit verunmöglicht doch von vornherein auch nur irgendein Quorum; selbst auf lokaler Ebene, im Stadtradt, im Bauausschuss... was weiß ich wo das dann letztlich (nicht) entschieden wird.
Aus diesem Grund erscheint schließlich nicht nur die
Präsenz kolonialer Statuen und Denkmäler im öffentlichen Raum als rassistische Praktik, sondern auch die auf die Erhaltung von Ordnung ausgerichteten Prozesse und (Un-)Tätigkeiten, die eine solche Präsenz überhaupt nur ermöglichen.
Aber da gibts doch Gremien und Gerichte die darüber befinden und in unseren (!) Breitengraden vertraue ich erstmal denen die richtige Entscheidung zu treffen.
Es ist wie gesagt äußerst bequem solchen Gremien und Gerichten zu vertrauen, die in erster Linie Gesetze und Ordnungen durchsetzen und erhalten, von denen man selbst profitiert. Und zwar profitiert man genau so: ohne eigenes Zutun und man profitiert umso mehr, umso weniger man an den ordnungswahrenden Instanzen zweifelt.
Ich wundere mich nur, wie schnell manche die Rechtsstaatlichkeit aufgeben wollen und alles in die eigene Hand nehmen, wenn es ihren Werten und Vorstellungen entspricht und das eben unter dem Mantel der moralischen Überlegenheit rechtfertigt.
Aber aus einer "moralischen Überlegenheit" heraus oder "weil man das richtige vertritt" einfach zu machen wie und was man will - wie gesagt bin ich einfach kein Freund von.
Moral außerhalb vom Recht zu verorten ist natürlich auch etwas, mit dem sich rassistische Praktiken legitimieren lassen. Beispielhaft kann man dazu den
Völkermord an den Herero und Nama heranziehen, der von der Bundesrepublik Deutschland nach über hundert Jahren im Jahre 2016 nur dann zum ersten Mal als Völkermord anerkannt wurde, weil man das Recht auf seiner Seite wähnte:
"Die UN-Völkermordkonvention ist nicht rückwirkend anwendbar. Dennoch kann in einer historisch-politisch geführten öffentlichen Debatte die Definition nach der Völkermordkonvention als Maßstab für eine nicht rechtliche Einschätzung eines historischen Ereignisses als Völkermord dienen. Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass sich aus dieser historisch-politischen Verwendung des Begriffes ‚Völkermord‘ keine Rechtsfolgen ergeben."
(Dem selben Artikel ist zu entnehmen, dass die Bundesrepublik etwa zehn Jahre zuvor sehr darauf bedacht war, die Äußerung ihrer Bundesentwicklungshilfeministerin als "Privatmeinung" umzudeuten, als diese in ähnlicher Weise von 'Völkermord' sprach).
Und: nicht nur wird Moral so gebogen, dass sie zu unmoralischem Recht wird. Oft genug wird Recht schlicht und einfach gebrochen, Moral hin oder her:
UN: EU-Länder verletzen im Mittelmeer das Völkerrecht (sueddeutsche.de)
Und da sind wir wieder am Anfang meines Beitrags: was will man dagegen machen, wenn nicht mit einer antirassistischen Haltung gegen diese rassistische Ordnung vorgehen?