Anita Hill, eine schwarze Juraprofessorin, die für Thomas gearbeitet hatte, beschuldigte ihn der sexuellen Belästigung und präzisierte das in haarsträubendem Detail vor dem Justizausschuss. Thomas dementierte alles, er
bezeichnete die Vorwürfe als »High-Tech-Lynchmord«.
Der Vorsitzende des Ausschusses war der demokratische Senator
Joe Biden. In einem politischen Deal mit der anderen Seite erlaubte er, dass die Republikaner Hill als Stalkerin verleumdeten, und beendete die Anhörungen, ohne weitere Zeuginnen anzuhören, die Hills Anschuldigungen gestützt hätten. Thomas' Bestallung wurde knapp bestätigt – obwohl er sich darum drückte, zum Verfassungsrecht auf Abtreibung Stellung zu nehmen, das der Supreme Court 1973 mit demselben Urteil beschlossen hatte, das er jetzt einkassierte, 49 Jahre später. »Biden ließ zu, dass ein Lügner, ein Perverser und ein Sexbelästiger in einen Richterposten auf Lebenszeit erhoben wurde«,
empörte sich die Kolumnistin Maureen Dowd, die damals für die »New York Times« über das Anita-Hill-Drama berichtet hatte.