Muss mal ein paar Dinge loswerden, allem voran zur Personalie Hummels.
Dass er zuletzt sportlich nochmal ein absolutes Hoch erreicht hat, das auch eine Nominierung zur EM gerechtfertigt hätte, steht denke ich völlig außer Frage.
Auch kann ich verstehen, dass die Nicht-Nominierung für Hummels persönlich sehr enttäuschend ist, genauso kann ich nachvollziehen dass man ihm das auch als Fan gegönnt hätte.
Was mich aber absolut fuchsig macht ist, wenn jetzt davon gesprochen wird dass ja scheinbar das Leistungsprinzip nicht mehr gelten würde - sowohl bei Hummels, Goretzka, Brandt etc. auf der einen Seite, als aber auch bei z.B. Müller auf der anderen Seite.
Und da muss ich sagen: da wird das Leistungsprinzip ein bisschen missverstanden und zu eindimensional betrachtet.
Leistungsprinzip bei der Nationalmannschaft kann nicht bedeuten, dass von Länderspielperiode zu Länderspielperiode geschaut wird, wer im Verein die beste Leistung bringt und demnach im Kader (oder gar in der Startelf) der Nationalmannschaft stehen sollte. Leistungsprinzip bedeutet, dass sich die Spieler durch Leistung den Platz im Kader erarbeitet haben. Es würde doch das Leistungsprinzip geradezu unterlaufen, wenn es nur nach aktueller Form gehen würde und nicht nach einer dauerhaft erbrachten Leistung.
Dazu zu Hummels: ja, er ist in einer herausragend guten Form derzeit, aber manche Leute scheinen sich nicht allzu gut zu erinnern, wie Hummels Saison insgesamt - und insbesondere in der Nationalmannschaft - verlaufen ist.
Unter Nagelsmann war er bei dessen Debut dabei, hat bei den beiden Länderspielen in den USA in einem davon 63 Minuten gespielt. Auch in der nächsten Länderspielserie war er wieder dabei, hat wieder nur ein Spiel gemacht und zwar über 90 Minuten gegen Österreich. Das war bekanntlich der jüngste Tiefpunkt der zuletzt an Tiefpunkten überdrüssigen Nationalmannschaft.
Dass sich danach etwas ändern musste, kann man kaum von der Hand weisen. In der letzten - sehr erfolgreichen! - Länderspielserie war Hummels dann nicht dabei.
Ein Infekt hat ihn auch bei Dortmund aus der ersten Elf rutschen lassen, wo er anschließend einige Spiele auf der Bank verbringen musste. Aus dieser Zeit gibt es im Übrigen auch mehrere Meldungen über das unterkühlte Verhältnis zwischen Hummels und Terzic, weil Hummels dem Vernehmen nach alles andere als begeistert von seiner neuen Reservistenrolle gewesen sein soll.
Das führt mich zum nächsten Punkt. In der Nationalmannschaft formen Spieler einen Kader, die in ihren Vereinsmannschaften in aller Regel zum Stammpersonal gehören, in der Nationalelf mitunter allerdings die ungewohnte Rolle auf der Bank bekleiden müssen.
Das können manche Spieler besser akzeptieren als andere. Die Länderspiele im März waren wie gesagt sehr erfolgreich für die Nationalmannschaft und dort wurde auch in weiten Teilen eine Stammelf gefunden, die sowohl den Spielern als auch nach Außen klar so kommuniziert wurde. Tah und Rüdiger werden, sofern keine Verletzungen dazu kommen, die Stamminnenverteidigung bilden.
Darüber hinaus ist der Kader (23-26 Spieler) für ein Turnier so groß, dass hinten raus ganz andere Faktoren noch eine Rolle spielen können als die reine Leistung auf dem Platz (auch wenn ich glaube, dass es keinen Spieler in diesem Kader gibt, der sich seinen Platz nicht auch durch sportliche Leistungen verdient hätte). Da muss das Mannschaftsgefüge passen, da nimmt man dann lieber einen jungen Spieler mit, damit er Turniererfahrung sammeln kann (daher Pavlovic statt Goretzka z.B.) usw. usf.
Wenn man sich den Kader anschaut, dann gibt es nur zwei Neulinge, die im März nicht berufen wurden: Nübel und Schlotterbeck. Und das macht ja auch Sinn, weil die Generalprobe gegen die Niederlande und gegen Frankreich vorzüglich geklappt hat.
Und da greift dann auch das Leistungsprinzip: diese Spieler haben dort u.a. die Leistung gebracht, mit der sie sich nun die erneute Nominierung verdient haben.
Ist jetzt ein bisschen länger geworden, ich hoffe ich habe auf dem Weg nicht meinen roten Faden verloren.