Prey (Disney+)
Prey? Nein, es ist keine Videospielverfilmung, sondern tatsächlich ein Prequel zu Predator. Wobei es jetzt kein direktes Story-Prequel ist, es geht also nicht um Arnie's Söldnertrupp, der den Dschungel mit Miniguns durchlöchert, sondern eine eigenständige Predator-Geschichte, die Mitte des 18. Jahrhunderts in den Nordamerikanischen Great Plains spielt und diesmal einen Comanchen Stamm mit Pfeil und Bogen gegen den blutrünstigen Alienjäger antreten lässt.
Und wisst ihr was? Das funktioniert hervorragend! Weil sich Dan Trachtenberg (10 Cloverfield Lane) glücklicherweise auf die Stärken der Predator Figur verlässt, anstatt ihn irgendwie als neumodischen Actionhelden der MCU Generation zu verkaufen. Heißt: Prey hat einen für heutige Sehgewohnheiten klassischen, fast schon langsamen Aufbau. Er nimmt sich Zeit für Charaktere, Schauplatz und Atmosphäre und lässt bis zur "Demaskierung" des Predators dann auch fast eine Stunde vergehen. Dieser feuert auch nicht gleich im erstbesten Moment sein gesamtes Waffenarsenal ab, sondern gibt seine tödlichen Fähigkeiten erst mit und mit preis. Und das ist fantastisch. Ein runder Spannungsbogen, der bis zum Finale immer weiter ansteigt und in seinen gut dosierten, blutigen Actionszenen regelmäßig fiese Spitzen setzt.
Ja, Prey ist auch angemessen blutig. Hier wird vor laufender Kamera das ein oder andere Körperteil entfernt. Aber nie lächerlich-übertrieben oder von irgendwelchen Bro-Sprüchen begleitet, sondern in seiner Erzählung bodenständig und glaubhaft. Anmerkung für unsere Tierfreunde: es werden auch einige Tiere getötet. Hauptthema des Films ist, wie es sich für einen Predator gehört, nämlich: Jagen - und zwar nicht nur Menschen. Der Predator muss, frisch auf der Erde eingetroffen, schließlich erst einmal herausfinden, wer überhaupt der stärkste, ihm angemessene Gegner ist und schlitzt sich daher von unten nach oben durch die Nahrungskette.
Oben angekommen, gibt es dann wie gesagt auch einige top gefilmte und vor allem spannend aufgebaute Actionszenen.
Der Predator sieht übrigens klasse und absolut stimmig aus. Ist in Bezug auf seine Bewaffnung nicht ganz so hochtechnisiert wie seine Film-Kollegen, macht aber trotzdem eine verdammt einschüchternde, dem Charakter würdige Figur. Ihm gegenüber liefert Amber Midthunder zudem eine grandiose One-Woman-Show ab.
Prey versteht meiner Meinung nach genau, was den Predator ausmacht und reiht sich deswegen ganz oben in der Franchise ein. Die beste und spannendste Alienjagd seit dem Erstling. Erfindet die Figur zwar nicht neu, bedient sich aber ihrer Stärken und erzählt eine altbekannte Geschichte vor unverbrauchtem Hintergrund. Comanchen gegen Predator? Beschte!
Wurde gestern Direct-to-Stream auf Disney+ veröffentlicht. Wer abonniert hat, kann ihn also gleich auf die Watchlist packen.
8/10 Trophäen