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Der Boulevardpresse Thread

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Hab ich ganz vergessen dass jeder selbst richter sein darf, gefährliche these übrigens.
Lieber Pil, was hat das mit selbst Richter sein zu tun? Kann ich Personen mit meinem persönlichen moralischen Urteil etwa ins Gefägnis bringen, eine Geldstrafe verhängen, jemanden freisprechen?
Ich habe nicht die Macht eines Richters, also habe ich auch nicht die Verantwortung eines Richtes, ganz einfach.
 
Lieber Pil, was hat das mit selbst Richter sein zu tun? Kann ich Personen mit meinem persönlichen moralischen Urteil etwa ins Gefägnis bringen, eine Geldstrafe verhängen, jemanden freisprechen?
Ich habe nicht die Macht eines Richters, also habe ich auch nicht die Verantwortung eines Richtes, ganz einfach.
Doch du kannst dadurch rufmord begehen, genau darum geht es gerade.

Was gilt als Rufmord?
Als üble Nachrede (§ 186 StGB) gilt die Verbreitung einer unwahren Tatsache, die einen anderen Menschen in der Öffentlichkeit schlecht macht. Eine Tatsache ist eine konkrete Sachlage, die man nachprüfen und beweisen kann. Auch wenn der Beschuldigte glaubt, dass er die Wahrheit sagt, kann dies eine üble Nachrede sein. Entscheidend ist, dass nachgewiesen werden kann, dass die Aussage wahr ist. Wird jemand des Rufmordes beschuldigt, muss der Beschuldigte nachweisen, dass seine Behauptung richtig war. Eine üble Nachrede wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft. Eine Verleumdung (187 StGB) begeht jemand, der - obwohl er es selbst besser weiß - eine nachweislich falsche Behauptung über einen anderen Menschen verbreitet, um so dessen Ansehen in der Öffentlichkeit zu beschädigen oder eine Tatsache behauptet, die die Kreditwürdigkeit einer anderen Person negativ beeinflusst. Wer eine Verleumdung begeht, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe rechnen. Falls Sie einer Rufschädigung zum Opfer gefallen sind, können Sie außerdem Schadensersatzansprüche geltend machen.

Gut zu wissen: Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass Tatsachen über andere Personen verbreitet werden dürfen, wenn man nachweisen kann, das die Behauptung nachweislich richtig ist. Außerdem dürfen Meinungsäußerungen immer verbreitet werden, da persönliche Meinungen weder wahr noch unwahr sein können.
 
Doch du kannst dadurch rufmord begehen, genau darum geht es gerade.
Also nach deiner Logik ist es doch erst Rufmord, wenn man dafür nach § 186 StGB rechtskräftig verurteilt wurde. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung :clown:

Aber ernsthaft: Herrn Mockridge steht es frei auf Verleumdung oder üble Nachrede zu klagen, so wie es dem vermeintlichen Opfer frei stand Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung zu stellen.

Aber zu sagen, dass man ihre Vorwürfe abseits der juristischen Auseinandersetzung (!!!) für glaubhaft hält, hat halt einfach Mal Nullkommanull mit Rufmord o.ä zu tun, das ist doch komplett absurd.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Anzeige wurde offenbar gar nicht zugelassen, aus Mangel an Beweisen kam es nicht zu einem Prozess. Er gilt deshalb juristisch als unschuldig und das ist auch vollkommen okay und im rechtsstaatlichen Sinne richtig so.

Vermutlich wird das auch mitunter ein Grund sein, warum er sich erst zu diesem Zeitpunkt äußert. Man sieht ja, welche Wirkmacht es hat sagen zu können, hey, das wurde juristisch geprüft und ihr habt es schwarz auf weiß dass ich unschuldig bin.

Man muss eben bedenken, dass hier jemand sich nach Monaten, teilweise Jahren das erste Mal öffentlich zu den Vorwürfen äußert. Luke Mockridge ist ein Medienprofi, wenn er es mit seinem lange vorbereiteten Statement nicht schaffen würde, die Sache nicht so darzustellen dass er damit die Sympathien auf seiner Seite hat, dann hätte er wahrscheinlich einfach weiter geschwiegen - das hat ja bislang auch ganz gut geklappt.

Die Message, dass sich da eine in Liebeskummer und emotionaler Verwirrtheit befindliche Ex-Freundin eine Lüge ersponnen hat, um es ihm heimzuzahlen, hat er erfolgreich gesetzt.

Das ist genau das, was er erreichen wollte und erreichen konnte. Mission Accomplished.

Wie gesagt, wenn man die andere Seite kennt, dann zeigt sich ein wesentlich differenzierteres Bild.
Im übrigen bleibt nicht nur an ihm etwas haften von dem Vorwurf, sollte dieser wirklich nur ersponnen und erlogen sein.

Das gleiche gilt andersrum für sie genauso. Angenommen es war so, wie sie es schildert (ich habe wie gesagt wenig Anlass das groß anzuzweifeln), dann muss sie ebenfalls mit den sozialen Folgen leben: zunächst einer toxischen Beziehung mit versuchter Vergewaltigung entkommen zu sein und im Anschluss auch noch als rachsüchtige Furie zu gelten.

allerdings kennst du ja selbst nur die eine Seite?

hat er wirklich versucht sie zu vergewaltigen oder wollte er „nur“ Sex und nach 2 mal nein hat er erst mit dem Versuch aufgehört? Denn theoretisch kann man Beides so sehen aber für Zweiteres so nen Shitstorm ernten zu müssen ist imo indiskutabel verwerflich.
 
Ich schreibe nicht alles dreifach und vierfach.
Wie gesagt, ich halte ihre Schilderungen über ihre toxische Beziehung für glaubwürdig, in diesen Erzählungen ist diese versuchte Vergewaltigung ein Puzzlestein, vielmehr geht es um eine über Monate wenn nicht gar Jahre (ich weiß nicht genau, wie lange die Beziehung ging) geführte Beziehung, die durch psychischen Druck und Missbrauch geprägt war.

Im Zuge ihres Aufarbeitungsprozesses hat sie vieles auch öffentlich erzählt, was ihr widerfahren ist. Sie hat als Podcasterin und medial stattfindende Person versucht Bewusstsein zu schaffen für das Thema toxische Beziehung und wie Auswege aus einer solchen Beziehung aussehen können, was Warnsignale sind, wie Betroffenen geholfen werden kann etc - übrigens immer unabhängig von der Person Luke Mockridge und ohne seinen Namen zu erwähnen. Hier einmal ein beispielhafter Artikel darüber: Sexualisierte Gewalt - Podcasterin Ines Aioli spricht über ihr schlimmstes Erlebnis (rnd.de)
Einen einstündigen Podcast habe ich bereits auf der vorherigen Seite verlinkt.

Der Gegenwind, den Luke Mockridge daraufhin auch öffentlich zu spüren bekommen hat, ist auch aber nicht alleine auf dem Vorwurf der versuchten Vergewaltigung begründet.
Er hat sich dazu entschieden, alle Berichte die seinen Namen beinhalten sollten - nicht von ihr, sondern von Dritten - über anwaltliche Drohungen zu unterbinden und monatelang geschwiegen. Nun hat er ein Statement veröffentlicht, mit dem er seine Fans glauben lassen möchte, dass ihm eine nicht zurechnungsfähige Ex-Freundin zu unrecht einer versuchten Vergewaltigung bezichtigt hat und nun zum Glück die Sache ein für alle Mal juristisch richtig gestellt wurde, er sich aber von diesem Schock erst Mal erholen müsste.

Ich meine auch, dass sie nicht die einzige Quelle dafür ist, dass Mockridges Charakter in Frage gestellt wird btw.
 
Ist halt irgendwie schwierig nach nur einem Statement (jetzt die von Mockridge) - zu einem Vorfall dessen Gegenseite man gar nicht kennt (weil nicht mitbekommen) - gleich von einer rachesüchtigen Frau und einem Opfer (Mockridge) zu sprechen.

Edit: Wäre andersherum natürlich genau so. (auf ein erstes Statement bezogen ohne großes Hintergrundwissen zu haben).
 
Klar ist das schwer, ich finde einfach das so ein Vorwurf unheimlich! schwer wiegt


ist es ja auch.
Aber wenn es jetzt nur danach ginge, dürften sich betroffene Menschen ja nun gar nicht mehr zu ihre Erfahrungen äußern/berichten.
Öffentlich nicht, und wenn es um Menschen mit gewissem Bekanntheitsgrad geht also schon mal gar nicht. Schon die bloße Anzeige wäre schwer weil "unheimlich! schwer wiegt".
 
Natürlich darf man sich äußern aber man muss doch verdammt gut aufpassen was man jmd. vorwirft. Mit so einem Vorwurf zerstört man idR ein ganzes Leben und das NUR mit dem Vorwurf……
 
Ines Aioli hat jahrelang über ihre Erfahrungen mit einer toxischen Beziehung geredet ohne zu erwähnen, dass es sich dabei um Luke Mockridge handelt. Auch von der versuchten Vergewaltigung hat sie bereits vor einigen Jahren berichtet ohne Mockridge damit in Verbindung zu bringen.
Die Verbindung wurde erst durch Dritte hergestellt. Und auch dann hat sie das nie bestätigt oder sich dazu geäußert. Eigentlich hat sie sogar ziemlich viel auf sich genommen ihn als Person nicht damit öffentlich in Verbindung zu bringen.
Auch wäre mir nicht bekannt, dass sie die Anzeige öffentlich gemacht hätte. Das hat erst Mockridge mit seinem Statement getan.
 
Aber warum redet man jahrelang darüber anstatt jmd. direkt anzuzeigen? Das hat für mich nen sehr faden Beigeschmack auch wenn sie nicht erwähnt hat wer es ist.

Imo müsste bei solchen Anzeigen verboten werden etwas öffentlich zu machen (auch wenn das natürlich praktisch unmöglich ist).

Aber ich stell mir das unheimlich schwer vor, wenn man ne intime Beziehung hat und dann der Vergewaltigung bzw. dem Vorwurf des Versuchs bezichtigt wird ausgesetzt wird und damit das ganze soziale Leben zerstört wird....

Natürlich gibt es genug wirkliche Vergewaltigungen (ich will in diesem Fall auch nichts Anderes unterstellen) aber es gibt imo kaum etwas Schlimmeres was man jmd. vorwerfen kann.
 
Also ohne die Situation genau zu kennen finde ich macht man sowas nur um gezielt eine Kariere zu zerstören. Vielleicht kennt noch jemand Andreas Türk. Da konnte man gut sehen wie sowas gehen kann.
 
Aber warum redet man jahrelang darüber anstatt jmd. direkt anzuzeigen? Das hat für mich nen sehr faden Beigeschmack auch wenn sie nicht erwähnt hat wer es ist.
Warum sie darüber geredet hat? Weil sie lange Zeit einen Podcast hatte, in dem sie zusammen mit einer Freundin/Co-Podcasterin über ihre sexuellen Erfahrungen gesprochen hat. Das war ihr Job. Weil es Teil des Verarbeitungsprozesses ist, über das Erlebte sprechen zu können. Um Awareness zu schaffen für die Opfer von toxischen Beziehungen und psychischer und sexueller Gewalt. Das alles könnten Gründe dafür sein.

Und zum Argument "warum bringt man sowas nicht sofort zur Anzeige" kann ich nur sagen: Informiere dich Mal über die Folgen von sexualisierter Gewalt und Vergewaltigungen und was das mit den Opfern macht. Es dauert mitunter Jahre um überhaupt zu verstehen, dass man Opfer einer Vergewaltigung geworden ist; weil man sich dafür schämt, weil man sich schmutzig fühlt, weil man die Situation versucht zu verdrängen. Oftmals besteht auch ein Machtverhältnis zum Täter bis hin zur psychisch-emotionalen Abhängigkeit. Gerade in einem juristischen Prozess muss man das eigene Trauma immer und immer wieder durchleben, diese Kraft zu sammeln dauert Jahre.

Allein den eigen Fall jetzt wieder in den Medien behandelt zu sehen und die Reaktionen darauf mitzubekommen wird für sie unheimlich schwer sein wenn man davon ausgeht, dass ihr all das widerfahren ist.
 
ich versteh alles was du meinst und anführst und teile es ABER sieh dir auch mal die andere Seite an. Die Seite der Menschen die beschuldigt werden und deren Leben NUR durch eine (vllt.) nicht haltbare Beschuldigung zerstört wird. Dass Metzelder medial zerlegt wird? Gerne, hat er verdient aber schau dir A.Türk, Kachelmann etc. an.....das kanns auch nicht sein.
 
Die Antwort kann aber auch nicht sein, dass man Opfern zum stillschweigen oder zum Maulkorb rät, Gerri.
Indem man Opfern verbietet weder zur Trauma Bewältigung noch als Heilungsprozess oder um Awareness zu schaffen öffentlich darüber zu sprechen.
(und nochmal: Ines Anioli hat Herrn Mockridge - in all den Jahren in den sie über ihre Erfahrungen berichtet - auch nie öffentlich beschuldigt)

Oder wie hier, jetzt auch schon mehrfach geschehen, sich dazu verleiten lässt Victim blaming (Täter-Opfer-Umkehr) zu betreiben:
- "Missgunst nach einer gescheiterten Beziehung"; "Vergewaltigung zu konstruieren"; "sollten sich was schämen"; "macht man sowas nur um gezielt eine Kariere zu zerstören"; bzw. indem man die Beweggründe von Opfern von sexualisierter Gewalt - ich kann es mir nicht anders als auf Grund purer Unwissenheit/ Ignoranz erklären - in Frage stellt "warum redet man jahrelang darüber anstatt jmd. direkt anzuzeigen?" stellvertretend bei anderen Opfern hört man dann auch mal ein "warum spricht sie erst jetzt darüber" oder ein "warum bringt sie das dann nicht früher (oder überhaupt) zur Anzeige?" ect.pp.

Und man sollte bei der ganzen Sache auch nicht vergessen, dass Opfer die sich zu diesem Thema äußern bzw. vor Gericht gehen, nicht selten selbst zur Zielscheibe von Ruf- und Schmutzkampagnen werden. Oftmals neben der vermeintlichen Vergewaltigung weitere Traumata im Verlauf erleben müssen. Angefangen bei den Zerwürfnissen im Privaten (Familie/Freunde/Bekannte), erneute Demütigung durch den Täter bzw. nicht selten auch durch Freunde und Familie des Täters (Verteidigungshaltung/Leugnen/Schuldumkehr), Niederlage vor Gericht (die zu 95% oftmals durch Mangel an Beweisen oder im Zweifel für den Angeklagten entschieden werden) und nicht selten auch durch Nachverurteilungen/Anfeindungen/Ausgrenzung im Privaten basierend auf der Urteilsbekundung (das Gericht gab dir nicht recht, daher hast du nicht recht).

Und um nochmal auf den Fall Kachelmann zu sprechen zu kommen.
Es konnte in seinem Fall weder Schuld noch Unschuld bewiesen werden. In der Urteilsverkündung steht nachdrücklich:
„Der heutige Freispruch beruht nicht darauf, dass die Kammer von der Unschuld von Herrn Kachelmann und damit im Gegenzug von einer Falschbeschuldigung der Nebenklägerin überzeugt ist. Es bestehen aber nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme begründete Zweifel an der Schuld von Herrn Kachelmann. Er war deshalb nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ freizusprechen.“
...
„Wir sind überzeugt, dass wir die juristisch richtige Entscheidung getroffen haben. Befriedigung verspüren wir dadurch jedoch nicht. Wir entlassen den Angeklagten und die Nebenklägerin mit einem möglicherweise nie mehr aus der Welt zu schaffenden Verdacht, ihn als potentiellen Vergewaltiger, sie als potentielle rachsüchtige Lügnerin. Wir entlassen den Angeklagten und die Nebenklägerin aber auch mit dem Gefühl, ihren jeweiligen Interessen durch unser Urteil nicht ausreichend gerecht geworden zu sein.
Bedenken Sie, wenn Sie künftig über den Fall reden oder berichten, dass Herr Kachelmann möglicherweise die Tat nicht begangen hat und deshalb zu Unrecht als Rechtsbrecher vor Gericht stand. Bedenken Sie aber auch umgekehrt, dass Frau X. möglicherweise Opfer einer schweren Straftat war.“

- Pressemitteilung vom 31.05.2011 - Freispruch für Jörg Kachelmann (Landgericht Mannheim)


Angesichts der hohen Dunkelziffer Betroffener von häuslicher und sexualisierter Gewalt und weil vor Gericht meist zu 95% für den Täter (im Zweifel für den Angeklagten) entschieden wird. Gilt meine vollste Solidarität erstmal überwiegend den etwaigen Opfern. Heißt im Umkehrschluss natürlich auch, dass ich potenziellen Tätern erstmal weniger Glauben schenke. Dass heißt aber nicht, dass ich mich deswegen automatisch zu einer Vorverurteilung des Täter (wenn es um Aussage gegen Aussage geht) hinreißen lasse oder mediale sowie gesellschaftliche Hetzkampagnen gutheiße. Das für sich ist ein ganz anderes gesellschaftliches Problem.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
ich versteh alles was du meinst und anführst und teile es ABER sieh dir auch mal die andere Seite an. Die Seite der Menschen die beschuldigt werden und deren Leben NUR durch eine (vllt.) nicht haltbare Beschuldigung zerstört wird. Dass Metzelder medial zerlegt wird? Gerne, hat er verdient aber schau dir A.Türk, Kachelmann etc. an.....das kanns auch nicht sein.

Der Mythos der falschen Beschuldigung (süddeutsche.de)

Wenn Frauen Männer der sexualisierten Gewalt beschuldigen, gibt es einen gesellschaftlichen Reflex. Anstatt den Anschuldigungen zunächst Glauben zu schenken, werden sofort Gründe und Motive bemüht, warum diese falsch sein könnten: Was, wenn der Sex einvernehmlich war, die Frau ihn am nächsten Tag aber bereut und deshalb eine Vergewaltigung daraus macht? Was, wenn die Frau von ihrem Partner betrogen oder verlassen wurde und ihm aus Rache eine Vergewaltigung anhängen will? Was, wenn sie einfach nur Aufmerksamkeit sucht?

Dass die Aussagen von Frauen so oft angezweifelt werden, liegt an einem wirkmächtigen Mythos, der die Falschbeschuldigung umgibt. Und den zu dekonstruieren überfällig ist.

Wer sich wissenschaftliche Studien und Artikel zum Thema Vergewaltigung und Strafverfolgung anschaut, merkt schnell, wie verzerrt die gesellschaftliche Wahrnehmung ist. Je nach Untersuchung, Land und politischer Weltsicht der Autoren variiert der Anteil der Falschbeschuldigungen an tatsächlich angezeigten Vergewaltigungen zwischen zwei und acht Prozent. Der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe setzt den Anteil der Falschbeschuldigungen in Deutschland bei drei Prozent an und beruft sich auf eine europaweite Studie zur Strafverfolgung von Vergewaltigung.

Es ist wichtig zu betonen, dass es hier nur um die tatsächlich angezeigten Übergriffe geht. Der mit weitem Abstand größte Teil der Vergewaltigungen wird gar nicht erst zur Anzeige gebracht. Die Dunkelziffer ist hoch. Eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2004 gibt an, dass in 85,7% der Fälle sexualisierter Gewalt die Polizei nicht eingeschaltet wird.

In Deutschland sind schätzungsweise gerade mal 3% der angezeigten Delikte sexualisierter Gewalt Falschanschuldigungen. Es werden jedoch nicht einmal 15% der tatsächlich verübten Taten angezeigt. Auf die Gesamtzahl der tatsächlich verübten Verbrechen sind das weniger als 0,5%, die auf Falschanschuldigungen verfallen.
Trotzdem wird vermeintlichen Opfern sehr oft unterstellt, dass die Vorwürfe eventuell gar nicht stimmen mögen. Das ist übrigens einer der Gründe, warum 85,7% der Verbrechen nicht angezeigt werden: Weil viele von Vornherein denken "mir wird am Ende ohnehin nicht geglaubt", und wenn der Fall im Interesse der Öffentlichkeit steht wird dein Leumund sogar medial in Zweifel gezogen.
Dem muss man erst mal gewachsen sein, die wenigstens sind das nachvollziehbarerweise.

Ich habe jetzt wiederholt versucht darzulegen, warum ich die berichteten Erfahrungen von Ines Aioli für glaubwürdig halte und sich meine Einschätzung dessen nicht durch die juristische Bewertung der zur Anzeige gebrachten versuchten Vergewaltigung (warum diese nicht angenommen wurde ist wenig verwunderlich, wenn man die Darstellung kennt) und schon gar nicht durch Mockridges Statement geändert hat.
 
ich versteh alles was du meinst und anführst und teile es ABER sieh dir auch mal die andere Seite an. Die Seite der Menschen die beschuldigt werden und deren Leben NUR durch eine (vllt.) nicht haltbare Beschuldigung zerstört wird. Dass Metzelder medial zerlegt wird? Gerne, hat er verdient aber schau dir A.Türk, Kachelmann etc. an.....das kanns auch nicht sein.
Die Karriere von beiden war und ist von beiden nachhaltig geschädigt.

Hier noch mal eine gute Aufarbeitung vom NDR

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Ist halt schon scheisse. Ich kann mal aus eigener Erfahrung mein Erlebnis schildern:

Ich war mit einem Freund auf den kanarischen Inseln. Wir sind damals im Alter von 17-19 gewesen. Er war damals wohl 17. Jedenfalls haben wir im Hotel zwei Frauen in unserem Alter kennengelernt und sind dann mal an einem Nachmittag in deren Zimmer gegangen (wurden eingeladen). Haben dort ein wenig getrunken, Kartenspiele gespielt und uns unterhalten. Naja jedenfalls nichts weltbewegendes gemacht. Dann ging die Kollegin auf den Balkon raus um eine Zigarette zu rauchen. Ich ging mit ihr und wir sind dann ca. 5-10 Minuten auf dem Balkon gewesen. Danach wieder hinein und wir haben weitergespielt. Gegen Abend sind wir in den Ausgang gegangen (ohne die Frauen). Wir hatten beide kein all zu grossen Interesse an denen und so verlief sich das ganze ein wenig und man ging dann einfach.

Am nächsten Tag wurde dann mein Freund von der Polizei abgeholt: Versuchte Vergewaltigung. Die Frau, mit welcher er für die 5-10 Minuten im Zimmer blieb hat ihn angezeigt. Ich wurde dann als "Zeuge" auch auf den Polizeiposten eingeladen. Er erhielt einen Anwalt sowie einen Übersetzer. Für uns als Teenies war das natürlich ein riesen Schock. Hatten keine Ahnung was man da machen muss bzw. soll. Jedenfalls haben wir dann Auskunft gegeben was passiert ist. Ich konnte nicht viel beitragen, da ich ja während der "Tatzeit" auf dem Balkon stand.

Jedenfalls wurde die Anzeige dann fallen gelassen, da das vermeintliche Opfer bei ihrer Einvernahme in Tränen ausbrach und sagte, dass gar nichts passiert sei und sie ihn einfach so angezeigt habe. Wohl weil bei ihnen nichts lief oder kein Interesse von seiner Seite da war. Quasi als Racheaktion eines Teenies.

War natürlich sein Glück, dass sie es so gestanden hat. Keine Ahnung wie das ausgegangen wäre, wenn sie es nicht zugegeben hätte. Da ist man als Mann halt schon sehr schnell mit einem Fuss im Gefängnis.

Und um es klar zu stellen: Vergewaltiger sollten meiner Meinung nach extrem heftig bestraft werden. Stärker als sie das zurzeit werden. Aber als Beschuldigter ist es auch nicht so lustig. Vor allem wenn nichts am Vorwurf dran ist.

Hat nur bedingt was mit Luke M. zu tun, aber dachte mal ich werfe das hier rein.
 
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