Habe gestern nach den Tagesthemen noch die 15-minütige Kurz-Doku über Karl gesehen. Der Mann dachte manchmal etwas sprunghaft und sprach schnell. Und man muss auch über seine Aussagen gerne selbst erst nachdenken, um sie zu verstehen. Wenn man dann nicht den gesamten Kontext mitbekommt (durch eventuelle Schnitte in Berichten über ihn oder redaktionelle Kürzungen), stehen seine Aussagen durchaus etwas isoliert und dadurch plakativer da.
Bei Jogginghosen sorgt das für ein gewisses Amüsement, beim Thema Flüchtlinge ist das eine heikle Sache. Ich habe seine Aussage zu letzterem Thema nicht mitbekommen und damit auch kein Wissen über den Kontext, als er diese Aussage getätigt hat. In dem TV-Nachruf gestern war aber zu erkennen, dass rassistisches Gedankengut gar nicht zu ihm passen dürfte. War er doch schon von Kindesbeinen an jemand, der anders war, sich anders gekleidet hat, "lange" Haare hatte.
Dazu abschließend auch eine Anekdote aus dem TV-Beitrag: Karl erzählt, wie der Zahnarzt der Familie mal zum jungen Karl meinte, er solle sich doch die Haare schneiden (Muss Ende der 40er, Anfang der 50er gewesen sein). Daraufhin habe seine Mutter dem Zahnarzt die Krawatte entrissen und ihn gefragt: "Wieso soll mein Sohn sich die Haare schneiden? Sind Sie etwa immer noch Nazi?" Damit hat seine Mutter Karl sehr imponiert.