Habe ca. 20 Stunden Spielzeit hinter mir und gebe mal ein Zwischenfazit ab.
Den Grafikstil finde ich sehr schön, besonders gelungen finde ich das Gegnerdesign und dessen detaillierte 2D-Sprites. Allerdings hat man es ein klein wenig mit modernen Effekten wie Tiefenschärfe, Partikeleffekten oder einigermaßen realistisch-aussehendem Wasser übertrieben, da sich das alles ein wenig mit dem Retrolook des Spieles beißt (vorrangig am TV, im Handheld-Modus eher weniger auffällig).
Ich hätte es bevorzugt, wenn man eine strikte Retro-Optik verfolgt hätte, was gleichzeitig auch technisch von Vorteil wäre, da das Spiel – so, wie es ist – nur in 720p und 30 fps läuft und ohne die modernen Komponenten bestimmt mehr drin gewesen wäre. Ist für mich insgesamt aber nur ein kleiner Makel und nichts weltbewegendes.
Das traditionelle Kampfsystem funktioniert sehr gut, ist schnörkellos und gleichzeitig mit vielen verschiedenen Skills der acht Spielbaren Charaktere auch nicht zu simpel und bietet Spielraum für individuelle Taktiken. Allerdings war es bei meinen letzten Bosskämpfen der Fall, dass diese extrem lange gedauert haben (auf jeden Fall über 30 min.). Damit hätte ich an sich kein Problem, wenn diese Kämpfe wenigstens durchgängig spannend gewesen wären. Es lief am Ende aber nur darauf hinaus, dass ich bereits eine funktionierende Taktik für mich entdeckt und diese viel zu lange wiederholt habe, bis der Boss dann irgendwann erledigt war. Das Kernproblem war eigentlich nur, dass die Bosse viel zu viel HP hatten. Und dabei war ich ohnehin schon überlevelt.
Da bringt es auch keinen frischen Wind in den Kampf, wenn die Bosse im Kampfverlauf wieder die gleichen Minions spawnen, die ich schon zu Beginn des Kampfes erledigt habe (das war bei bisher fast allen Bossen so), da ich ja bereits weiß, wie ich die effektiv aus dem Weg räumen kann. Weniger wäre hier mehr gewesen. Da hatte ich schon einige random battles, die wesentlich interessanter verliefen. Mit dem Schwierigkeitsgrad hatte ich bisher noch keine Probleme.
Der Soundtrack weiß ebenfalls zu gefallen und beinhaltet ein paar sehr nette Stücke. Gehört für mich nicht zum Besten, was das Genre zu bieten hat, aber dennoch wirklich gut. Nur die Kampfmusik finde ich eher unspektakulär.
Womit ich eindeutig am wenigsten zufrieden an Octopath bin, sind Charaktere und Story. Das Spiel wurde stark damit beworben, dass man sich anfangs einen der 8 Charaktere frei aussuchen und den Rest des Casts in beliebiger Reihenfolge rekrutieren kann, allerdings ist man für diese ungewöhnliche Auswahlfreiheit eines JRPG sehr starke Kompromisse engegangen, was die Geschichte an sich und die Dialoge der Charaktere angeht. Ein gemeinsamer roter Faden für den gesamten Charaktercast als Gruppe ist nämlich absolut nicht zu erkennen.
Stattdessen zieht jeder Charakter in seinem Storysegment völlig losgelöst vom Rest der Truppe sein eigenes Ding durch und interagiert hauptsächlich nur mit NPCs, die exklusiv in der jeweiligen Questline auftauchen, aber so gut wie nie mit dem Rest der spielbaren Charaktere, die aber doch immer wie im Schlepptau dabei sind. Abgesehen von 2-3 sehr kurzen und oberflächlichen Skits im Stil der Tales of-Reihe pro Storykapitel eines Charakters wechselt der gesamte Cast nämlich absolut kein Wort untereinander.
Dadurch wirkt es leider so, als würde die Party je nach Storykapitel abwechselnd aus einem richtigen Charakter und aus 7 random Charakteren bestehen, die nur für die Kämpfe dabei sind, anstatt dass man es mit einer harmonierenden Truppe aus Freunden oder Gleichgesinnten, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, zu tun hat… Wobei das nicht nur so wirkt, sondern auch so ist. Denn einen wirklichen roten Faden ist gibt es hier ja tatsächlich (bis jetzt) nicht. Den hat nur jeder Charakter für sich.
Das gelbe vom Ei sind die einzelnen Charaktergeschichten bisher übrigens auch nicht wirklich. Immer ganz nett, aber mehr auch nicht.
Das liest sich wahrscheinlich negativer, als ich es eigentlich meine. Spaß am Spiel habe ich durchaus, da mir Kampfsystem, Musik und Artstyle zusagen. Nur wird hier leider, so weit ich es bisher beurteilen kann, viel Potential verschwendet. Mir hätte es wesentlich besser gefallen, wenn man auf die Geschichte und Charaktere mehr Wert gelegt hätte. Von mir aus auch ganz klassisch mit festem Hauptcharakter und linearem Storyverlauf. Von der Wahl des Startcharakters hat man nämlich nicht sonderlich viel, da man ohnehin zu Beginn des Spiels zu allererst seine Zeit damit verbringt, den restlichen Cast zu rekrutieren.