Kommentar auf Spiegel Online bzgl. der Studie, dass anscheinend 20% der Viertklässler nicht richtig lesen und schreiben können.
http://www.spiegel.de/politik/deuts...r-die-neue-klassengesellschaft-a-1183282.html
Auszug:
Es mag die Alleinerziehende geben, die vor Sorge weder ein noch aus weiß, und deshalb abends zu müde ist, um noch ein Buch zur Hand zu nehmen. Aber das erklärt nicht die Zahl der Zehnjährigen mit gravierenden Leseschwächen.
Dass der Arme manchmal vielleicht auch deshalb arm ist, weil er faul ist oder vom Alkohol verblödet, ist ein Gedanke, der in unserer auf sozialen Ausgleich bedachten Gesellschaft als so anstößig gilt, dass er nicht zugelassen werden darf. Ich habe kein Verständnis für Eltern, die ihre Kinder vor die Glotze setzen und sich lieber mit dem Handy beschäftigen, anstatt ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen. Man sagt so schnell entschuldigend: Ach, die armen Hascherl am sozialen Rand, die wissen es nicht besser. Doch sie wissen es besser. Sie sind nur zu bequem oder zu gleichgültig, um entsprechend zu handeln. Auch in Teilen Asiens sind sie bettelarm, und trotzdem nutzen sie dort jede Gelegenheit, die sich ihnen bietet, ihren Kindern etwas beizubringen.
Provokante Aussage, aber ich geh da ein Stück weit mit. Folgendes basiert jetzt rein auf persönlichen Erfahrungen und ist nicht allgemeingültig:
Ich kenne auch einige sozial Schwache (sagt man so?), und da ist es tatsächlich so, dass die Kinder ständig vor dem TV oder Handy sitzen. Da wird morgens um 6 schon der Fernseher angemacht, damit die Eltern ihre Ruhe haben. Nach dem Kindergarten oder Schule sowieso. Erst letztens war ein Kind bei uns Übernachtungsgast, und das war völlig fasziniert von den unzähligen (Kinder-)Büchern, die bei uns rumliegen. Sowas kannte es nicht. Auch, das vorgelesen wird, war dem völlig unbekannt. Dafür konnte es mir genau sagen, wann welche Kinderserien im Fernsehen kommen. Wir sind keine Super-Familie und auch nicht überdurchschnittlich gebildet, nicht falsch verstehen. Ich lese meinen Kindern auch nicht stundenlang vor, aber die Bücher sind als "beschäftigungsangebot" einfach da, und sie werden auch gerne genutzt. Und natürlich wird auf jedenfall vor dem Schlafen gehen eine Geschichte gelesen. Unsere Kinder dürfen auch Fernsehen gucken. Aber eben kontrolliert, zu festen Zeiten und nur, wenn vorher alles andere erledigt ist. Das ist alles mühsam, und man muss immer wieder "Kämpfe" mit den Kindern austragen. Es kostet Zeit.
Bei besagten Familien (auch Verwandtschaft) heisst es immer, Bücher wären angeblich so teuer. Aber das stimmt einfach nicht. Vieles kann man gebraucht und teilweise auch umsonst bekommen, und Kinder müssen nicht immer das neueste, beste, funkelnste Buch haben. Das Lieblingsbuch unserer Kinder ist ein völlig zerfleddertes, uraltes DDR-Märchenbuch meiner Frau. Das kann ich (und die Kinder) mittlerweile auswendig, das hab ich schon x-mal mit Tesa geflickt, und trotzdem holen sie es immer wieder hervor.
Geld ist da einfach keine Ausrede. Das ist pure Bequemlichkeit, wenn ich mein 4jähriges Mädel CandyCrush spielen lasse. Dann muss ich mich nicht mit ihm beschäftigen und hab meine Ruhe.
Mit dem Essen isses ähnlich. Immer wieder höre ich, wenn man nicht viel Geld hat, bleibt einem nichts anderes übrig als den letzten Schrott im Discounter zu kaufen. Man könne seine Kinder ja gar nicht gesund ernähren. Das ist Bullshit.
Man kann vielleicht nicht alles Bio kaufen, oder in den Fair Trade Laden gehen (können wir auch nicht), aber man kann trotzdem z.B. Obst kaufen, dazu Haferflocken und sich morgens mal 5 minuten in die Küche stellen und den Kindern ein Müsli selbst zubereiten. Man muss nicht ständig Cornflakes geben. Auf Dauer ist selber machen sowieso günstiger, daher verstehe ich das Argument eh nicht.
Ich geb dem Fleischhauer aus eigener Erfahrung also recht, das ist eher Bequemlichkeit und Faulheit, und liegt nicht am geringen Einkommen. Jetzt mal ganz steil gesagt: Leute, die weshalb auch immer keine Arbeit haben, haben doch umso mehr Zeit, sich um die Kinder zu kümmern.
Heute Morgen im Kindergarten kam das Kind, welches bei uns vor kurzem übernachtet hatte, mit nem McDonalds Smoothie als (einziges) Frühstück an, sowas regt mich dann auf und daher musste das jetzt einfach mal raus.
