NieR: Automata
Hatte den Vorgänger damals wegen der sehr guten Kritiken hier im Forum gespielt und fand das Spiel gut, aber es hatte mich nicht so gefesselt wie einige andere User. Ich habe daher bei Automata ein paar Monate mit der Anschaffung gewartet, wollte jetzt aber doch sehen, wie sich die Zusammenarbeit mit Platinum auf das Spiel ausgewirkt hat.
Den Einstieg fand ich richtig hart. Ich hatte mich für den dritten der vier Schwierigkeitsgrade entschieden und bin dabei nie über die Shoot'em Up Sequenzen hinausgekommen (habe es sicher 2 Stunden versucht). Also habe ich Google bemüht und herausgefunden, dass ich nicht mal die Hälfte der Strecke bis zum ersten Speicherpunkt hinter mir hatte. Lernfähig wie ich bin wurde also der Schwierigkeitsgrad auf Normal heruntergeregelt und siehe da, ich bin direkt bis zum ersten Speicherpunkt durchgekommen

Ich habe bei diesem Titel auch an anderen Ecken erst spät die für mich passende Balance gefunden. Gerade bei den Kämpfen wollte sich bis zum letzten Drittel des ersten Durchgangs nicht das typische Gefühl eines Platinum Spiels einstellen, erst da hatte ich die für mich richtige Kombination aus Ausweichen, Nahkampf und Distanzangriffen gefunden.
NieR nimmt einen diesbezüglich aber auch nicht immer an die Hand, der Spieler muss also doch einige Kniffe selbst herausfinden. Ein weiteres Beispiel dafür war die Auswahl der Fähigkeiten, die über Chip Sets im Menü angepasst werden können. Auch da habe ich einige Zeit gebraucht, um diese meinem Spielstil anzupassen und herauszufinden, dass es Händler gibt, bei denen man die maximale Punkteanzahl für die genutzten Chips erweitern kann. Ich hatte zuerst vermutet, dass diese Punkte sich durch bestimmte Levelaufstiege erhöhen. Genau dieses selbst herausfinden hat aber Spaß gemacht, gefällt mir persönlich viel besser, als wenn einem zehnmal erklärt wird was jetzt genau zu tun ist.
Auch sehr unterhaltsam fand ich den Wechsel zwischen den Gameplayelementen. Im Fokus stehen zwar die Kämpfe in der 3rd Person Ansicht, im Laufe des Spiels kommen aber immer wieder Shootersequenzen mit den sogenannten Flight Units dazu und im zweiten Durchgang mit 9S kommen noch Hacking Sequenzen dazu, die mir nach einer Zeit auch Spaß gemacht haben. Vom Gameplay her ist Automata sicher nicht so ausgeklügelt wie die besten Vertreter der Platinum Spiele, ich fand es aber einen deutlichen Fortschritt zum ersten NieR.
Optisch ist der Titel aus meiner Sicht Mittelmaß, dafür lief es durchgehend flüssig was bei dieser Art Spiel auch ungemein wichtig ist. Die Kampfanimationen fand ich durchwegs gelungen und auch die Soundkulisse ist gut umgesetzt. Das Artdesign ist gut gelungen, gerade die Hauptcharaktere und einige Gegner fand ich diesbezüglich top. Die Spielwelt wirkt dafür teils relativ leblos, was aber die meiste Zeit auch zum Szenario passt. Herausragend ist der Soundtrack, da sind einige tolle Stücke mit dabei, die auch gekonnt eingesetzt werden.
Der Star des Spiels war für mich die Handlung. Die Charaktere 2B und 9S wirken am Anfang noch recht oberflächlich, entwickeln aber im Verlauf des Spiels immer mehr Tiefe. Im dritten Durchgang wird dann mit A2 noch ein weiterer interessanter Charakter genauer beleuchtet. Auch die Gegenspieler haben alle ihre Hintergrundstory mit unterschiedlichen Beweggründen. Es werden dabei einige philosophische Fragen behandelt, diese sind aber aus meiner Sicht überraschend bodenständig präsentiert. Man sollte das Spiel auf keinen Fall nach dem vermeintlichen Ende zur Seite legen. Nach dem ersten Durchgang mit 2B bekommt man noch ein typischen Videospielabspann präsentiert, wird aber nach den Credits schon darauf hingewiesen, dass man den neu generierten Spielstand laden sollte, um noch weiter ins Spiel eintauchen zu können. Danach folgt man der Handlung als 9S, wobei in etwa die Hälfte der Abschnitte für den Spieler komplett neu sind. Hier erfährt man einige neue Details, richtig in Fahrt kommt die Handlung dann aber erst wenn man sich an den dritten Durchgang heranmacht. Dieser knüpft direkt an den Abspann der ersten beiden Abschnitte an und bietet komplett neue Missionen und bringt die Reise auch zu einem wirklichen Ende, wobei auch das wieder von bestimmten Entscheidungen abhängt. Aus meiner Sicht sollte man auf jeden Fall Ende A, B und C (vielleicht auch noch D) gesehen haben.
Mir persönlich hat NieR: Automata besser gefallen als sein Vorgänger. Das dürfte aber stark vom persönlichen Geschmack abhängen. Ich kann hier jeden verstehen, der zum Beispiel mit den Charakteren nicht warm wird. Das Gameplay erfüllt seinen Zweck, stand für mich aber genauso wie die Technik nicht im Vordergrund. Für das tolle Erlebnis hat für mich die Handlung mit den aufgeworfenen Fragen und Antworten gesorgt. In dieser Form kriegt man das in Videospielen nicht oft präsentiert. Und nochmal der Hinweis, ladet unbedingt den Speicherstand nach dem "Druchspielen". Man klappert nicht klassisch nochmal die gleichen Missionen ab, sondern bekommt drei unterschiedliche Durchgänge präsentiert.