Tuchel ist im Verein nicht gut gelitten. Verfolgte man die Medienberichte der letzten Wochen, dann hat Tuchel mit falschen Karten gespielt und zwar schon länger. Seine Aussagen zu Kuba und Subotic, sein Zurückrudern in der Vertrauensfrage, sein Streit mit Mislintat, Aussagen zum Isak-Transfer, die Kapitänsfrage im Winter eröffnet, nur um dann zu bestätigen, dass Schmelle Kapitän bleibt. Von seiner fragwürdigen Kommunikation mit Sahin vor dem Finale mal ganz zu schweigen. Wenn man die Reaktionen/Aussagen der Mitspieler zur Nichtnominierung von Sahin betrachtet, kommt man nicht umher anzunehmen, dass nicht nur sportliche Gründe für die Ausbootung Sahins angeführt wurden. Auch Mor bekam den Tuchel zu spüren und durfte bei Schrey unwürdige Extraschichten schieben. Bei Tuchel kam er irgendwann kaum noch zum Zuge. Das alles rumorte in den Medien und wurde uns aus unterschiedlichen Quellen bestätigt. Thomas Tuchel hat sich keine Freunde im Verein gemacht, im Gegenteil. Seine umstrittene Art eckte häufig an. Das ist nicht per se schlecht, weil ein bisschen Klopp-Oase wohl raus musste, aber Tuchel scheint deutlich über das Ziel hinausgeschossen zu sein, gerade in Bezug auf Mannschaft und Vorgesetzte. Die Außendarstellung von Tuchel steht also in einem unglaublichen Gegensatz zu der Wahrnehmung seiner Person im Verein. Bei Watzke genau das Gegenteil. Er wird kritischer in der Öffentlichkeit gesehen, als es im Verein der Fall ist. Das kann man sehr gut an den Reaktionen der Spieler, von Zorc und Rauball ablesen. Hier herrscht ein breites Vertrauen.
Fehler und ein richtiges Ende
Die internen Querelen waren lange bekannt. Tuchel hat sich wohl wie die Axt im Walde verhalten, durfte aber zunächst weiterhacken, weil Watzke ihm Zeit gab und sich auch vor ihn stellte (siehe erwähntes Interview). Der Erfolg gab Tuchel Recht und Watzke sah keine Veranlassung, diesem Erfolg durch eine Entlassung Einhalt zu gebieten. Hier liegt wohl der Hund begraben: Die Trennung von Thomas Tuchel ist völlig richtig für den Verein. Watzke handelt absolut korrekt und opfert den kurzfristigen Erfolgs-Tuchel für eine langfristige Basis des Vereins. Wie sehr die Spaltung bereits vorangeschritten ist, kann man wunderbar an der Fanszene ablesen: Es gibt klare Lager für Tuchel und für Watzke. Tuchel mag ein talentierter und erfolgreicher Trainer sein. Trotzdem muss er gehen, weil er dem Verein vermutlich langfristig geschadet hätte. Das hat Watzke erkannt und entsprechend gehandelt. Was man kritisieren muss, ist allerdings der scheinbar zu späte Zeitpunkt und die unwürdige Art und Weise.