Am Montag Abend hatten wir alle etwas gemeinsam. Wir hatten die gleichen brennenden Fragen im Kopf. Ist es ein Terroranschlag? Ist der Täter ein Flüchtling? Ein Muslim? Also ein islamistischer Terrorakt?
Und schon endet der kurze gemeinsame Moment. Denn die Art, wie wir mit diesen Fragen umgehen, unterscheidet uns voneinander. Während die einen noch damit beschäftigt waren, zu hoffen, dass es kein islamistischer Anschlag war, erlaubten sich andere schon längst Antworten auf diese Fragen. Vor allem Muslime hierzulande machen sich innerlich wieder bereit für eine nächste Runde Schuldzuweisungen. Dabei ist bis dato weder geklärt, ob die Tat einen islamistischen Hintergrund hat, noch ob der Täter ein Flüchtling ist. Aber AfD und CSU machen einfach schon mal präventiv Merkels Flüchtlingspolitik verantwortlich. Wie können Menschen ernsthaft glauben, dass Terrorismus eine Regelmäßigkeit hat, ein Muster, das nur bestimmte Tätergruppen kennt? Wie können Menschen ernsthaft über dieFlüchtlinge oder die Muslime sprechen?
Ein Abend wie gestern zeigt, dass Terror viele Deckmäntel hat. Ankara: Ein Bewaffneter tötet den russischen Botschafter. Tatmotiv? Höchstwahrscheinlich Hass. Zürich: Ein Bewaffneter schießt in einem muslimischen Gebetsraum um sich, drei Männer werden schwer verletzt. Tatmotiv? Höchstwahrscheinlich Hass. Berlin: Ein LKW rast in einen Weihnachtsmarkt, 12 Tote, viele Verletzte. Tatmotiv? Höchstwahrscheinlich Hass.
Und wie reagieren viele Menschen darauf? Mit Hass. Ob aus Fremdenhass, Fanatismus oder Menschenhass. Ist das nicht absurd? Ist das nicht total krank? Terror will vor allem eins: Angst und Schrecken verbreiten. Die Gesellschaft spalten, Hass säen. Aber Terroranschläge werden nie Antworten auf komplexe Fragen geben. Sie werden immer schrecklich, sinnlos und hinterhältig sein. Sie werden nie die Komplexität von uns Menschen erklären.
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