Spoilerfreier Ersteindruck nach Akt und Episode 1:
Zur Technik: Grafik ist solide. Vor allem die Zeiteffekte und Anomalien, in denen die Zeit stillsteht, sind unheimlich sexy und (Effekt)detailverliebt. Zudem gibt es endlich noch mal so etwas wie Physik: In der Zeit eingefrorene Körper und Objekte durch die Luft schieben ist fantastisch.

Dafür gibt es aber auch überall nachladende Texturen, unsaubere Kanten und ähnliche Detailschwächen. Hübsch, aber beileibe nichts Besonderes. Inszenierung ist einwandfrei. Für Remedy-Verhältnisse eine mehr als ordentliche MoCap-Arbeit, flüssige Übergänge zwischen Gameplay und "interaktiven Zwischensequenzen" und ich liebe die Erzählweise mit seiner Off-Stimme und ähnlichen Stilmitteln. Sound(design) und deutsche Synchro sind top.
Story: Geilo! Spricht mich unheimlich an. Zeitreisen, Zeitschleifen, unterschiedliche Zeitelinien. Da greifen sie sofort die zentralen Genreelemente auf und bauen damit eine verdammt vielversprechende Geschichte. Mein Interesse haben sie mit dem gelungenen Einstieg jedenfalls geweckt. Mag vielleicht kein
Inception oder
Interstellar sein, aber das ist in den ersten beiden Spielstunden bereits so viel besser als der ausgelutschte 08/15-Konflikt-Plot, den uns die meisten anderen Spiele vorsetzen. Hier hat man sich Gedanken gemacht. Ob sie es auch zu Ende gedacht haben, muss sich natürlich noch zeigen, aber der Ansatz stimmt schon mal.
Das Gameplay ist rund. Die ersten Zeitfähigkeiten fügen sich nahtlos ins temporeiche Gunplay ein. Spiele auf "Hard" und da braucht man sie auch. Ohne Zeitmanipulation geht da nur wenig. Da zeigt sich dann auch deutlich, dass Quantum Break eben kein Deckungsshooter ist. Man spielt es offensiv, hin zum Feind. Zeit einfrieren, dashen, das Magazin in den feindlichen Körper entleeren und wieder weg. Die Steuerung stimmt, die Waffen fühlen sich gut an und die Gefechte sind intensiv.
Das Leveldesign ist optisch schlicht, spielerisch aber sehr gut. Gibt verschiedene Ebenen und unterschiedliche Möglichkeiten, die Gegner zu umgehen, überall stehen obligatorische, aber dennoch sinnvolle Explosivfässer und die Abschnitte besitzen genau die richtigen Maße, um seine Fähigkeiten vernünftig einsetzen zu können.
Zwischen den Schießereien wird erstaunlich viel Story erzählt. Entweder durch die Off-Stimme, direkte Gespräche mit Charakteren oder, für einen Shooter, ziemlich viel Sammelkram, der aber nicht nur zum anschauen da ist, sondern auch nette Hintergrundinformationen liefert. Zu guter letzt gibt es dann noch den Antagonisten-Entscheidungs-Moment, der spielerisch an Life is Strange erinnert: Du wirst vor eine Entscheidung gestellt und darfst dir die jeweiligen Verläufe anschauen, bevor du einen Weg einschlägst.
Was folgt ist die Serie: Erinnert mich qualitativ an eine SyFy Produktion. Heißt: Ist natürlich kein
Game of Thrones, aber eben auch weit weg von den kläglichen Live-Action Versuchen, die in der Videospielvergangenheit unternommen wurden. Inhaltlich kann ich dazu noch wenig sagen. Die Ingame-Entscheidung wird in der Serie verdeutlicht und die Antagonisten werden weiter beleuchtet. Finde es vom Storytelling her sehr interessant und gut. Der drastische Wechsel von "90 Minuten interaktiver Action" zu "20 Minuten passivem Zuschauen" dürfte da wohl das größte Problem sein. Als Serienfan, vor allem von genau diesem Genre, nehme ich die Live-Action Sequenzen jedenfalls nicht als störend wahr. Im Gegenteil, die erste Folge hat Spaß gemacht und sich gut eingefügt.
So weit mein Eindruck. Technisch wahrlich keine Referenz, aber inhaltlich wie spielerisch bisher schlichtweg spannend und knackig. Ich hab Lust auf mehr.