Zu den vielen Straftätern trotz hoher Strafen in den USA möchte ich noch einen Gedanken hinzufügen:
Man darf nicht vergessen dass in den USA viele Menschen weit unterhalb der Armutsgrenze leben... in vielen Ghettos in fast jeder Großstadt und ebenso in vielen ländlichen Gebieten. Meist ohne Bildung, ohne Aussicht auf einen Job, absolut perspektivenlos ohne einen Cent in der Tasche. Da gibt es nur einen einzigen Weg: Die Kriminalität. Hohe Strafen schrecken da einfach nicht ab, es fehlt die Alternative. Ganz im Gegenteil, grad innerhalb von Gangs gehört Knasterfahrung zum guten Ton. Und durch die Masse der Kriminalität gibts auch immer genug die lange damit durchkommen. Das wirkt zusätzlich als Anreiz.
Beschreibt ja recht gut, wie sich auch viele Ausländer hier fühlen. Nur hier soll auf einmal alles anders sein?
Hier kann ich genauso unterstellen, dass absolut relativiert wird.
Würde mir wünschen, dass die gleichen Erklärungsversuche für Kriminalität hier auch angewendet werden und nicht, weil es Flüchtlinge, Araber oder sonst was sind.
Du schreibst ja auch nicht explizit Afro-Amerikaner, obwohl es einen Großteil betrifft, weil du eben zwischen Mensch und Straftat unterscheidest. Und das fehlt mir in unserer Diskussion eben, dass immer unterstrichen werden muss, WER eine Straftat begangen hat.
Das ganze lässt sich in keinster Weise auf Deutschland übertragen. Es muss hier niemand, aber wirklich niemand hungern und auf der Straße leben. Unser Sozialsystem verhindert das sehr gut. Klar kann man sich auch hier über die Höhe und die Leistungen streiten, und wirklich gut lässt es sich evtl. nur mit Hartz4 auch nicht leben... aber man kann leben... man ist nicht darauf angewiesen kriminell zu sein.
Das ist kein gutes Argument, da Armut, Perspektivlosigkeit etc. auch sehr subjektive empfinden sind. Vom Gefühl her wird es recht ähnlich sein. Denn ich kann genauso sagen, dass ein armer Amerikaner im Ghetto immer noch deutlich mehr hat, als ein im Slum lebender Inder. Und das könnte man wieder weiterspinnen.
Du siehst, dass das Argument also so nicht greift im Sinne von: "Dein Leben könnte beschissener sein, also sei demütig und verhalte dich so".
Warum muss dann der Multimillionär noch Steuern hinterziehen? Gleiche Kerbe...
Von daher stimme ich zu dass höhere Strafen durchaus Sinn machen würden. a) zur Abschreckung und b) um einfach die Leute aus dem Verkehr zu ziehen.
Beispiel: Ich arbeite als Sozialarbeiter und betreue gerade einen 21 jährigen NeoNazi... seit er 15 ist begeht er Straftaten: Volksverhetzung, Körperverletzung, Bildung einer kriminellen Organisation ect. ect.. Im Moment laufen z.B. 8 Verfahren gegen ihn. Bisher ist er einfach nach dem Jugendstrafrecht immer mit Warnungen davongekommen... nix ernstes, und das bleibt auch erstmal so, weil das Jugendstrafrecht in seinem Falle wohl auch noch weiter angewandt wird. Das ist schlicht lächerlich...
Das lässt sich auf so ziemlich alle jugendlichen Straftäter, egal ob Deutsche, Ausländer oder Flüchtlinge so sehen... die deutsche Justiz ist da einfach viel zu sanft. Klar kann ich nicht einen Jugendlichen der mal Mist baut gleich wegsperren, aber spätestens wenn da mehrere Sachen auflaufen muss hart zugegriffen werden... anders nimmt das niemand mehr ernst... 2 Wochen Jugendarrest, Sozialstunden... das ist absolut Lachhaft.
Auch da mag das subjektive Empfinden so sein, dass höhere und härtere Strafen etwas bewirken. Hier verweise ich nochmal auf die von mir verlinkte Studie zu genau diesem Thema, bitte lesen.
Und woher will man wissen, ob der Nazi im Gefängnis "besser" geworden wäre? Vielleicht wäre er noch radikaler rausgekommen und wie sieht es dann mit der Sicherheit der Gesellschaft aus?
Viele, die wegen Kleinigkeiten eingesperrt worden sind bzw. Ersttäter sind nach ihrem Gefängnisaufenthalt erst zu richtigen Kriminellen geworden. Es ist doch lang und breit erwiesen, dass Gefängnis wenig bis keinen Nutzen hat. Wichtig sind Therapien, Resozialisierungsprogramme etc. pp.
Auch die Jugendgefängnisse sind total überfüllt, in Bayern ist so gut wie jedes voll, es wird neu gebaut und einige müssen auch in den Erwachsenenvollzug, da die Jugendstrafanstalten überfüllt sind.
Diese Strategie verfolgen eher z.B. die skandinavischen Staaten und dort gibt es eine geringere Anzahl an Gefängnisinsassen und Straftaten. Muss also doch was dran sein.