Wir werden solange keine Lösung finden, wie uns soziale Berufe einen Scheiß wert sind. Seien es Erzieher*innen, Pfleger*innen, Sozialarbeiter*innen... you name it! In einer Gesellschaft, in der unverdrossen das unternehmerische Selbst beschworen wird, bekommt man eben keine Anerkennung, wenn man diese Berufe ergreift. Wie kann man sich selbst nur so unter Wert verkaufen? Wo sind denn da die Aufstiegschancen? Wie willst du dir jemals einen vernünftigen Urlaub leisten? Ein Auto? Ein Haus?
Die Entlohnung basiert eben nicht auf Leistung oder auf dem Nutzen für die Gesellschaft, der Markt bestimmt den Preis. Manager*innen, die Millionen für einen Sesselpupserjob kassieren, sind eben clever. Der Markt gibt das her. Also haben sie es sich verdient. Das wird doch überall und allerort vermittelt: schaut, was der Markt für euch breithält!
Dann ist es eben so, dass man an jeder verschissenen Uni WiWI und BWL studieren kann. Und das tuen die Lemminge ja auch fleißig. Wenn man soziale Arbeit studieren will muss man dafür eben nach Buxtehude oder Wasweißichwo. Und ist zudem ein Freak. Und wer will das schon sein? Überhaupt, soziale Arbeit studieren... was will man da groß lernen? Wie man die Oma von nebenan über die Straße geleitet?
Wie auch immer, ein Hoch auf unsere tolle Marktwirtschaft. Oh, Pardon, ich meine natürlich
soziale Marktwirtschaft. Das sozial kommt übrigens daher, dass die Spielregeln des Marktes eben auch für soziale Felder gelten. Dann muss eben die Unterbringung von geflüchteten Menschen auch nach den Gesetzen des Marktes funktioneren.
Hey, wir haben hier den viel zu geringen Betrag XY, den wir für die Unterbringung von geflüchteten Menschen aufwenden können. Welcher Vollidiot hat Lust die Scheißarbeit für diesen Scheißbetrag zu übernehmen? Niemand? Ach, doch, da hinten meldet sich
European Homecare. Alles klar, ihr habt den Job. Wie ihr mit diesen Budget noch mit Gewinn aus der Sache rausgehen wollt, ist jetzt nicht mehr mein Problem. Dann macht es halt, indem ihr überforderte Sozialarbeiter*innen für einen viel zu geringen Lohn anstellt. Und holt euch halt einen unterbezahlten Sicherheitsdienst ins Haus, dessen Mitarbeiter*innen ihre prekäre Situation an den geflüchteten Bewohner*innen auslassen, weil sie endlich mal Macht bekommen über Menschen, die sozial
noch weiter unter ihnen selbst stehen.
I don't give a shit. So funktiert das Spiel des Lebens.
Man könnte sich mal überlegen, ob es da nicht auch einen anderen Weg gäbe.
Oder man lehnt sich zurück und sagt:
Ich hoffe das es für sie bald besser wird.
Vielleicht reicht das ja auch!
Ich muss erst mal durchatmen.