Ich wollte auch noch meine Meinung zu "Chinese Zodiac" nachliefern.

Edit: Holy shit, das ist aber verflucht lang geworden
Dass Jackie Chan, trotz aller Fitness, in den letzten Jahren abgebaut hat, ist weder ihm, noch dem Publikum entgangen. Trotzdem bin ich als Jackie Chan Fan immer glücklich, wenn ich von einem neuen Projekt von ihm höre. Bei „Chinese Zodiac“ umso mehr, schließlich handelt es sich um zwei der kultigsten Filme, in denen er mitgespielt hat. Trotzdem, es sind 22 Jahre ins Land gegangen und dass Chan nicht mehr auf der Höhe seiner Zeit ist, hat er mit seinen letzten Filmen leider nur zu deutlich gezeigt. Damit meine ich nicht einmal die körperlichen Gebrechen, die den Meister plagen, sondern eher die Filmauswahl (oder sind meine Ansprüche mit den Jahren gestiegen?). Was Chan mit seinen letzten Filmen abgeliefert hat, kann man bestenfalls als schwankend bezeichnen. Mit „Stadt der Gewalt“ hat er gezeigt, dass er durchaus anspruchsvollere Filme drehen kann. „1911“ hingegen zeigte, dass die Rechnung nicht immer aufgeht. Das ist dann zu viel Pathos und Patriotismus auf einem Haufen. „Little Big Soldier“ war eine Rückbesinnung zu Chans Wurzeln, bei dem der Veteran die Bühne bereitwillig für die neue Generation frei gemacht hat. Ein gelungener Auftritt. Denselben Versuch unternahm man auch bei „Shaolin“, allerdings war es nicht unbedingt die beste Wahl, Popstar Andy Lau die meisten Kampfszenen zuzuschanzen. Dieses Auf und Ab könnte man gemütlich mit der Film-Vita der letzten Jahre durchführen.
Wie dem auch sei, das Bildmaterial zu „Chinese Zodiac“ sah vielversprechend aus. Zudem gibt es in jedem seiner Filme kleinere Highlights, in denen er seine Stärken ausspielt (ja, selbst in „The Tuxedo“). Die Hoffnungen, einen würdigen Nachfolger zur Kultreihe zu bekommen, kann man allerdings getrost begraben. Woran liegt es? An einer ganzen Menge. Zum einen wäre da einmal das Drehbuch, dass nicht nur holprig geschrieben, sondern auch noch chaotisch umgesetzt ist. Gerade zu Beginn springt man von einem Setting zum nächsten. Den roten Faden muss man mit der Lupe suchen. Die gesamte Handlung wird von irgendwelche technischen Finessen vorangetrieben, die irgendwo zwischen „Minority Report“ und „The Tuxedo“ angesiedelt sind. Zu futuristisch und zweckdienlich. Etwas bodenständiger hätte es ruhig sein können. Der Plot ist künstlich aufgebläht, unternimmt den Versuch epische Proportionen anzunehmen und gerät vollends ins Straucheln, als man versucht eine Message zu übermitteln. Weniger ist manchmal einfach mehr. Zudem kommt es zu hanebüchenen Geschehnissen und einigen platten Comedy-Momenten, die häufig einfach nur nerven. Richtig ätzend: Der Auftritt der Piraten inkl. Jack Sparrow Kostüm. Aber wer setzt schon viel Wert auf die Story bei Jackie Chan Filmen, nicht wahr? Am Ende dreht sich ohnehin alles um die Action. Doch dazu komme ich erst später.
Richtig verstörend empfand ich die Schauspieler. Chan war nie sonderlich begnadet, aber immer gut genug. Die Hauptrollen sind insgesamt auch ganz solide besetzt. Sobald man jedoch sein Augenmerk auf die Nebenrollen lenkt, wird man mit wirklich schlechten Leistungen konfrontiert. Negativ hervorzuheben sind Laura Weissbecker als Catherine und Alaa Safi als Vulture. Doch auch der Rest bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm. Und erneut müssen die Piraten als Tiefpunkt herhalten. Das Problem hatte ich damals schon mit „Mr. Nice Guy“ und hüben wie drüben hab ich die Erfahrung gemacht, dass die deutsche Synchronisation noch einiges herausholt. Hier kommt vermutlich dieselbe Frage auf, wie oben. Scheiß auf die Schauspieler, was ist mit der Action?
Dann mal ein paar Worte zur Action. Ja, die Action ist durchaus vorhanden, aber sie nimmt den kleinsten Spielraum ein. Als Chan-Fan wurde ich allerdings nur bedingt zufrieden gestellt. Der Auftakt ist solide und passt hervorragend in die Reihe rein, sorgt schon einmal für die richtige Stimmung. Die nachfolgenden, relativ kurzen Kampfszenen verteilen sich allerdings über die nächste Stunde des Films. Die Choreographie ist sauber, die Umsetzung gelungen, es fehlt jedoch an Akzenten und Besonderheiten. Erst in der letzten halben Stunde dreht „Chinese Zodiac“ wieder ein wenig auf. Im Kampf gegen Vulture und das Security-Personal schöpft Chan auch endlich wieder aus den Vollen und spielt seine Stärken gekonnt aus. Die Fights sind abwechslungsreich und Chan zeigt, dass er selbst mit fast 60 noch einiges in an Akrobatik hinlegen kann. Und selbstverständlich nutzt er wieder Alltagsgegenstände, um seinen Gegnern eins auszuwischen. Zweifelsohne das Highlight des Films. Erwähnenswert an dieser Stelle auch Zhang Lanxin, die wirklich gute Arbeit abliefert und sich in derselben Szene mit Caitlin Dechelle prügelt. Und dann wäre da noch die letzte Action-Sequenz. Diese ist die logische Fortsetzung der Windkanal-Szene aus „Mission Adler“. Doch ohne zu viel darüber zu verraten, nimmt sie Ausmaße an, die ein wenig an die längste Start- und Landebahn aus „Furious 6“ erinnern. Vom absolut unglaubwürdigen Ende mal ganz zu schweigen. Unterm Strich bleibt zu sagen, dass die Action den Film nicht tragen kann, weil man es auch nie darauf anlegt.
Wer noch weiterlesen möchte, hier dann noch ein paar abschließende Sätze zu Regie und Schnitt. Chan macht denselben Fehler wie viele seiner hochangesehenen Regisseur-Kollegen. Er verwendet die Möglichkeiten der neuen Technologien nicht als Hilfsmittel, sondern lässt die Technologie den Film diktieren. Das ist immer eine schlechte Wahl. Fällt umso stärker ins Gewicht, wenn die Technik zudem nicht ganz ausgereift ist. Insgesamt ist das sicherlich nicht das größte Manko des Films, es fällt allerdings auf. Chan ist ohnehin eher jemand, der weiß, wie man Action-Szenen inszeniert und seine Stärken weniger bei der Handlung hat. Das merkt man auch recht deutlich bei „Chinese Zodiac“. Die Geschichte ist keineswegs komplex, doch Regie und Schnitt machen es dem Zuschauer unnötig schwer, dem Konstrukt zu folgen. Ironischerweise hat man auch bei den Action-Szenen ab und an Probleme den richtigen Rhythmus zu finden. Die meiste Zeit sind einfach zu viele Figuren unterwegs, zwischen denen hin- und hergesprungen wird. Entsprechend unübersichtlich wird das Szenario. Sobald man die Anzahl der Teilnehmer drastisch reduziert, macht die Action auch deutlich mehr Spaß. Der Schnitt hilft Chan allerdings auch, ein respektable Leistung im Action-Bereich abzulegen, denn das Alter sieht man Chan leider deutlicher an.
Fazit
„Chinese Zodiac“ ist, leider, der „Indy 4“ der „Armour of God“-Reihe. Zu viel technischer Schnickschnack, zu wenig Besinnung auf Chans Stärken. Einzig in den letzten 30 Minuten blitzt noch einmal etwas von Chans Können auf. Allerdings zu wenig, um aus dem Film einen würdigen Nachfolger zu machen. Für Fans immer noch einen Blick wert, allerdings muss man sich wohl langsam von der Vorstellung verabschieden, dass Jackie Chan noch einmal einen letzten Kracher abliefert.
Ich schwanke zwischen 5,5/10 und 6/10 inkl. Jackie Chan Bonus, tendiere aber tatsächlich eher zur schwächeren Wertung.