Byzantium
Gemma Arterton und Saoirse Ronan in einem Film? Da geht dem MiXeR die Hose... ähm, das Filmliebhaberherz auf.

Fast 20 Jahre nach seinem Genreklassiker
Interview mit einem Vampir, nimmt sich Neil Jordan tatsächlich noch ein mal dem Vampirgenre an und erschafft ein melancholisches Blutsauger-Drama, voller emotionaler Bilder, interessanter Gesichtspunkte und zwei absolut überzeugender Hauptdarstellerinnen - leider hat er dabei eine mitreißende Geschichte vergessen. So spannend die Darstellung eines bereits 200 Jahre andauernden Lebens aus weiblicher Vampirsicht auf dem Papier auch klingen mag, bis auf wenige Ausnahmen, gibt es in
Byzantium nur arthouse-ige Selbstfindungsmomente, ungeschickt eingefädelte Liebesgeschichten und vorhersehbare Vergangenheitsbewältigungen.
Dennoch ist diese Generationen überdauernde Geschichte sehenswert, was vor allem an ihrer morbiden, melancholischen Atmosphäre liegt. Anstatt überkandidelter Teenieschwarm-Glitzer-Vampire (
Twilight) oder lässig-moderner Vampirnachbarn (
Fright Night), erzeugt
Byzantium ein eher klassisches, ruchloses Bild der Wiedergänger, ganz ohne überzeichneten Kitsch für die
Twilight-Generation. Wobei auch hier nicht auf eine Lovestory verzichtet wurde, welche zwischenzeitlich sicherlich ein wenig aufgesetzt wirkt, die an für sich aber gut funktioniert, weil sie einen nicht gerade unwichtigen Wendepunkt in der Mutter-Tochter-Beziehung darstellt. Diesbezüglich bin ich aber eh recht klassisch eingestellt: Eine Romanze gehört für mich einfach zu einer guten Vampirgeschichte dazu, stehen doch gerade diese mythologischen Gestalten für Eigenschaften wie Lust, Verführung und Sexualität.
Wo wir gerade beim Thema sind: Ja, Gemma Arterton ist heiß, verdammt heiß, läuft nicht selten in aufreizenden Kleidungsstücken umher, die ihre Weiblichkeit gekonnt untermalen und wickelt ihre männlichen Opfer mit ihren wohlgeformten Lippen um den hinterhältigen Vampirfinger. Grrr... Damit passt sie auch perfekt in die, ihr anscheinend auf den hübschen Leib geschriebene, Rolle der Verführerin und erzeugt einen wichtigen Gegenpol zu ihrer Filmtochter Saoirse Ronan. Diese ist, trotz ihres hohen Vampiralters, ein Kind bzw. eine junge Frau geblieben - schüchtern, einfühlsam, in gewisser Weise naiv und jungfräulich. Auch wenn es etwas unglaubwürdig erscheint, dass sie sich in zwei Jahrhunderten nicht weiterentwickelt hat, macht doch gerade ihr gegensätzlicher Charakter den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte aus, welche glücklicherweise weder Teenie-Kitsch, noch altbackenes Dracula-Monster-Klischee ist, sich zeitweise jedoch ein wenig übernimmt und auf der pseudo-bedeutungsschwangeren Stelle tritt. Immerhin besitzt das Drehbuch den Mut, mit dem Androzentrismus des Vampirmythos zu brechen und ihn aus einer erfrischend weiblichen Perspektive zu zeigen.
Byzantium ist ein "klassisch-modernes" Vampir-Drama. Irgendwo zwischen alten Tugenden (Hereinbitten muss man Vampire beispielsweise immer noch...) und zeitgenössischen Vampirinterpretationen (... Sonnenlicht vertragen die bleichen Zeitgenossen dafür ohne Probleme.). Damit auch sehr viel interessanter als die hippen, männlichen Hollywoodvampire, welche in den letzten Jahren auf der
Twilight-Erfolgswelle reiten und jungen Kinogängerinnen den Kopf verdrehen durften. Zeitweise etwas sperrig präsentiert und inhaltlich leider überraschend unspektakulär - der Comedian in mir würde jetzt sagen, dass der Story der Biss fehlt, höhö -, jedoch poetisch bebildert, tadellos gespielt und mit einigen durchaus sehenswerten Ansichten ausgestattet. Ansichten auf den Vampirmythos im Allgemeinen und auf Gemma.
7/10 Freudenhäuser
inkl. Arterton- und Ronan-Fanbonus, ohne wäre es eher 'ne 6 