JohnnyWohlfahrt
Lotterleben braucht keinen Masterplan.
Ein Artikel von mir, den ich ursprünglich mal für SEGA ON geschrieben habe.
Virtua Fighter 3tb (Dreamcast)
[yt]http://www.youtube.com/watch?v=fDXspme1mbE[/yt]
Jede Konsole braucht einen Toptitel zum Launch, sonst kann sie nämlich am ersten Tag bereits wieder die Koffer packen. Sega spendierte den Japanern im November 1998 – und später auch Amerika und den Zockern in hiesigen Gefilden – etwas ganz besonderes: Virtua Fighter 3 für zu Hause! Aber nicht nur irgendeinen Aufguss aus der Spielhalle, sondern ein gegenüber dem Original gehörig verbessertes Stück Software. Das „tb“ im Titel steht für Team Battle, und so soll es nach dem Spielstart auch kein Geheimnis bleiben, dass man bei AM2 besonderen Wert auf gerade diesen Spielmodus gelegt hat. Sobald man nach Drücken der Starttaste in den Hauptbildschirm von „Virtua Fighter 3tb“ gelangt steht die Auswahl automatisch auf „Team Battle Mode“. Normalerweise ist es üblich, hier die Vorauswahl „Arcade Mode“ vorzufinden, aber genau diesem wurde im ersten Beat’em Up-Meisterwerk für Segas Dreamcast weniger Beachtung geschenkt, während er in anderen Keilereien für gewöhnlich das Herzstück darstellt. Klar, es gibt ihn! Aber für die Entwickler lagen die Prioritäten woanders.
Dennoch möchte ich zunächst auf den „Normal Mode“ eingehen, aber keine Bange: Was großartiges und revolutionäres gibt es da gar nicht zu erzählen. Jeder, der schon mal bei einem Prügelspiel Hand an einen Controller gelegt hat, der weiß, wie so etwas abläuft. Man wählt einen der zur Auswahl stehenden Recken, entweder nach Sympathie für den virtuellen Hampelmann oder dem ihm zugewiesenen Kampfstil, wartet den Ladebildschirm ab und liefert sich nach und nach harte Schlagabtäusche mit den gegnerischen Kämpfern, bis man letztlich vor dem ungemütlichen Obermotz steht – und das jeweils in einer dem Leben und der Geschichte des Gegenübers gerecht werdenden Umgebung. Auch „Virtua Fighter 3tb“ macht hier keine Ausnahme. Ihr wählt aus anfangs zwölf virtuellen Kraftpaketen euren Liebling und macht Euch auf die Socken. Habt ihr den „Normal Mode“ mit dem von Euch ausgewählten Charakter beendet, seht ihr die Credits, haut einem aus Buchstaben bestehenden Männchen gehörig was vor die Mütze um Euren Namen in die Highscore-Liste einzutragen und... Game Over! Was? Game Over? Kein Abspann? Nicht direkt, es gibt ein sogenanntes „Ending Movie“, das beim erstmaligen Absolvieren des Normal Modes im „History Mode“ abgelegt wird, jedoch gilt dieses Filmchen für alle Chraktere. Bei jedem Erfolg im Spiel habt ihr also die Möglichkeit Euch neue Filmchen freizuspielen, nur keine individuellen Abspannsequenzen. Aber auch bevor Ihr überhaupt das erste Mal gekämpft habt gibt es im History-Modus bereits was auf die Augen: Ihr könnt Euch einen Rückblick auf die bisherigen Virtua Fighter-Episoden ansehen, für Nostalgiker sicherlich zusätzlich interessant. Die japanische Version von „Virtua Fighter 3tb“ beinhaltete anfangs übrigens eine zweite GD-Rom, mit der Beschriftung „Project Berkley“. Darauf befindet sich ein Trailer zu einem Spiel, das bis dahin in der Gerüchteküche als „Virtua Fighter RPG“ die Runde machte – und später dann zu „Shenmue“ wurde. Danach gibt es ein Interview mit Yu Suzuki, der jeden seiner größten Meilensteine hintereinander vorstellt. Für Sammler sicherlich nicht uninteressant.
Das Kampfverhalten der Charaktere aus dem Virtua-Fighter-Universum ist gewohnt genial! Das in meinen Augen beste 32-Bit-Prügelspiel profitiert in der Fortsetzung in besonderem Maße vom technischen Fortschritt. Die Bewegungsabläufe sind realistisch, die individuellen Kampfstile abwechslungsreich und fordernd und die Charaktere und die Kampfareale sehen klasse aus. So prügelt Ihr Euch in einer Tempelanlage, auf der obersten Plattform eines Wolkenkratzerrohbaus, auf dem Dach einer Lagerhalle, am Strand, in einer U-Bahn-Station einem traditionellen japanischen Dojo oder einer riesigen Eingangshalle eines Palastkomplexes. So beeindruckend das klingt, die Grafik bleibt durchgehend allerdings relativ schlicht. Bombastische Special-FX bei komplizierten Monstermoves sucht Ihr vergeblich, auch beim finalen Kampf gegen den goldglänzenden „Dural“ ist der einzige wirkliche Grafikeffekt ein krachendes Gewitter. Die Entwickler haben „Virtua Fighter 3tb“ einen höchst realistischen Anstrich verpasst und sämtlichen überflüssigen Schnickschnack gestrichen. Andere Beat’em Ups leben von aufwändig inszenierten Specialmoves, die Virtua Fighter-Serie konnte auch in der Vergangenheit bereits gut darauf verzichten und sich voll auf ein anspruchs- und gehaltvolles Kampfsystem stützen.
Wird man bei manch anderem Beat’em Up durch das wirre Drücken der Actionbuttons kurioserweise desöfteren sogar mit Erfolg gekrönt schiebt das Virtua Fighter-Kampfsystem dem einen Riegel vor. In diesem Kampfspiel ist es außerordentliches Glück, wenn man durch bloßes „Button-Smashing“ einen Kampf als Sieger beendet. Um die unzähligen Spezialattacken zu erlernen empfehle ich tatsächlich mal einen Blick in das Handbuch. Die Kämpfer haben jeweils ein individuelles Charakterprofil und beherrschen einen bestimmten Kampfstil perfekt. Wrestling, Kung-Fu, Sumo – „Virtua Fighter 3tb“ bietet für jeden Geschmack etwas. Die restliche Steuerung ist einfach gehalten: Mit der B-Taste umkreist ihr Euren Gegner in den dreidimensionalen Raum hinein, während Ihr mit Y gnadenlos reinstiefelt und mit X der Konkurrenz Euren neuesten Fausttanz vorführt. Mit den Schultertasten verändert Ihr die Kameraperspektive und könnt somit einen Kampf auch aus der Ego- oder Vogelperspektive bestreiten. Unverständlicherweise lässt sich „Virtua Fighter 3tb“ nicht mit dem Analog-Stick des Dreamcast-Controllers steuern, was mich im Vergleich zu anderen 3D-Beat’em Ups ein wenig überraschte.
Neben dem „Normal Mode“ und dem „Practice Mode“, zu dem glaube ich keine weiteren Worte nötig sind, haben wir also noch den eingangs erwähnten und hochgepreisten „Team Battle Mode“ vor uns. Ihr wählt hier anfangs drei Kämpfer Eurer Wahl aus und das Spiel wirft Euch direkt in den ersten Kampf. Auffällig ist sofort, dass sowohl bei Euch als auch beim gegnerischen Energiebalken alle drei Namen eurer auserwählten Haudegen und der von der CPU generierten Gegnern vorzufinden sind. Verliert Ihr nun eine Runde kommt Euer nächster Kandidat an die Reihe. Habt ihr mit allen drei gewählten Charakteren verloren ist der Team Battle-Mode für Euch gelaufen und ihr dürft per Continue die Runde wiederholen. Den Gegner habt ihr geschlagen, wenn ihr seine drei generierten Recken besiegt habt. Dieser Spielmodus ist sehr fordernd, aber höchst spaßig. Mit dem History-Modus von „Soul Calibur“ kann dieser zwar meines Erachtens bei Weitem nicht mithalten, aber obwohl es sich bei beiden Titeln um Kampfspiele handelt, ist es in meinen Augen schon fast, wie Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen. Der eine mag es so, der andere nicht. „Virtua Fighter 3tb“ haut genau in diese Kerbe. Eine flotte Runde zwischendurch ist mit diesem Spiel einfach nicht drin und einen Kumpel zu einer schnellen Partie einladen ist auch nicht so einfach. Hat man das Kampfsystem nämlich perfektioniert hat ein Neuling keine Chance mehr und müsste sich wirklich erst einmal selbst damit befassen, da hilft auch auf die Schnelle der Training-Modus nichts. „Virtua Fighter 3tb“ stellt dennoch eine Referenz dar, denn kein anderes Spiel vermittelt mit einer solch perfektionistischen Veranlagung den waffenlosen Kampf in einem Beat’em Up.
Virtua Fighter 3tb (Dreamcast)
[yt]http://www.youtube.com/watch?v=fDXspme1mbE[/yt]
Jede Konsole braucht einen Toptitel zum Launch, sonst kann sie nämlich am ersten Tag bereits wieder die Koffer packen. Sega spendierte den Japanern im November 1998 – und später auch Amerika und den Zockern in hiesigen Gefilden – etwas ganz besonderes: Virtua Fighter 3 für zu Hause! Aber nicht nur irgendeinen Aufguss aus der Spielhalle, sondern ein gegenüber dem Original gehörig verbessertes Stück Software. Das „tb“ im Titel steht für Team Battle, und so soll es nach dem Spielstart auch kein Geheimnis bleiben, dass man bei AM2 besonderen Wert auf gerade diesen Spielmodus gelegt hat. Sobald man nach Drücken der Starttaste in den Hauptbildschirm von „Virtua Fighter 3tb“ gelangt steht die Auswahl automatisch auf „Team Battle Mode“. Normalerweise ist es üblich, hier die Vorauswahl „Arcade Mode“ vorzufinden, aber genau diesem wurde im ersten Beat’em Up-Meisterwerk für Segas Dreamcast weniger Beachtung geschenkt, während er in anderen Keilereien für gewöhnlich das Herzstück darstellt. Klar, es gibt ihn! Aber für die Entwickler lagen die Prioritäten woanders.
Dennoch möchte ich zunächst auf den „Normal Mode“ eingehen, aber keine Bange: Was großartiges und revolutionäres gibt es da gar nicht zu erzählen. Jeder, der schon mal bei einem Prügelspiel Hand an einen Controller gelegt hat, der weiß, wie so etwas abläuft. Man wählt einen der zur Auswahl stehenden Recken, entweder nach Sympathie für den virtuellen Hampelmann oder dem ihm zugewiesenen Kampfstil, wartet den Ladebildschirm ab und liefert sich nach und nach harte Schlagabtäusche mit den gegnerischen Kämpfern, bis man letztlich vor dem ungemütlichen Obermotz steht – und das jeweils in einer dem Leben und der Geschichte des Gegenübers gerecht werdenden Umgebung. Auch „Virtua Fighter 3tb“ macht hier keine Ausnahme. Ihr wählt aus anfangs zwölf virtuellen Kraftpaketen euren Liebling und macht Euch auf die Socken. Habt ihr den „Normal Mode“ mit dem von Euch ausgewählten Charakter beendet, seht ihr die Credits, haut einem aus Buchstaben bestehenden Männchen gehörig was vor die Mütze um Euren Namen in die Highscore-Liste einzutragen und... Game Over! Was? Game Over? Kein Abspann? Nicht direkt, es gibt ein sogenanntes „Ending Movie“, das beim erstmaligen Absolvieren des Normal Modes im „History Mode“ abgelegt wird, jedoch gilt dieses Filmchen für alle Chraktere. Bei jedem Erfolg im Spiel habt ihr also die Möglichkeit Euch neue Filmchen freizuspielen, nur keine individuellen Abspannsequenzen. Aber auch bevor Ihr überhaupt das erste Mal gekämpft habt gibt es im History-Modus bereits was auf die Augen: Ihr könnt Euch einen Rückblick auf die bisherigen Virtua Fighter-Episoden ansehen, für Nostalgiker sicherlich zusätzlich interessant. Die japanische Version von „Virtua Fighter 3tb“ beinhaltete anfangs übrigens eine zweite GD-Rom, mit der Beschriftung „Project Berkley“. Darauf befindet sich ein Trailer zu einem Spiel, das bis dahin in der Gerüchteküche als „Virtua Fighter RPG“ die Runde machte – und später dann zu „Shenmue“ wurde. Danach gibt es ein Interview mit Yu Suzuki, der jeden seiner größten Meilensteine hintereinander vorstellt. Für Sammler sicherlich nicht uninteressant.
Das Kampfverhalten der Charaktere aus dem Virtua-Fighter-Universum ist gewohnt genial! Das in meinen Augen beste 32-Bit-Prügelspiel profitiert in der Fortsetzung in besonderem Maße vom technischen Fortschritt. Die Bewegungsabläufe sind realistisch, die individuellen Kampfstile abwechslungsreich und fordernd und die Charaktere und die Kampfareale sehen klasse aus. So prügelt Ihr Euch in einer Tempelanlage, auf der obersten Plattform eines Wolkenkratzerrohbaus, auf dem Dach einer Lagerhalle, am Strand, in einer U-Bahn-Station einem traditionellen japanischen Dojo oder einer riesigen Eingangshalle eines Palastkomplexes. So beeindruckend das klingt, die Grafik bleibt durchgehend allerdings relativ schlicht. Bombastische Special-FX bei komplizierten Monstermoves sucht Ihr vergeblich, auch beim finalen Kampf gegen den goldglänzenden „Dural“ ist der einzige wirkliche Grafikeffekt ein krachendes Gewitter. Die Entwickler haben „Virtua Fighter 3tb“ einen höchst realistischen Anstrich verpasst und sämtlichen überflüssigen Schnickschnack gestrichen. Andere Beat’em Ups leben von aufwändig inszenierten Specialmoves, die Virtua Fighter-Serie konnte auch in der Vergangenheit bereits gut darauf verzichten und sich voll auf ein anspruchs- und gehaltvolles Kampfsystem stützen.
Wird man bei manch anderem Beat’em Up durch das wirre Drücken der Actionbuttons kurioserweise desöfteren sogar mit Erfolg gekrönt schiebt das Virtua Fighter-Kampfsystem dem einen Riegel vor. In diesem Kampfspiel ist es außerordentliches Glück, wenn man durch bloßes „Button-Smashing“ einen Kampf als Sieger beendet. Um die unzähligen Spezialattacken zu erlernen empfehle ich tatsächlich mal einen Blick in das Handbuch. Die Kämpfer haben jeweils ein individuelles Charakterprofil und beherrschen einen bestimmten Kampfstil perfekt. Wrestling, Kung-Fu, Sumo – „Virtua Fighter 3tb“ bietet für jeden Geschmack etwas. Die restliche Steuerung ist einfach gehalten: Mit der B-Taste umkreist ihr Euren Gegner in den dreidimensionalen Raum hinein, während Ihr mit Y gnadenlos reinstiefelt und mit X der Konkurrenz Euren neuesten Fausttanz vorführt. Mit den Schultertasten verändert Ihr die Kameraperspektive und könnt somit einen Kampf auch aus der Ego- oder Vogelperspektive bestreiten. Unverständlicherweise lässt sich „Virtua Fighter 3tb“ nicht mit dem Analog-Stick des Dreamcast-Controllers steuern, was mich im Vergleich zu anderen 3D-Beat’em Ups ein wenig überraschte.
Neben dem „Normal Mode“ und dem „Practice Mode“, zu dem glaube ich keine weiteren Worte nötig sind, haben wir also noch den eingangs erwähnten und hochgepreisten „Team Battle Mode“ vor uns. Ihr wählt hier anfangs drei Kämpfer Eurer Wahl aus und das Spiel wirft Euch direkt in den ersten Kampf. Auffällig ist sofort, dass sowohl bei Euch als auch beim gegnerischen Energiebalken alle drei Namen eurer auserwählten Haudegen und der von der CPU generierten Gegnern vorzufinden sind. Verliert Ihr nun eine Runde kommt Euer nächster Kandidat an die Reihe. Habt ihr mit allen drei gewählten Charakteren verloren ist der Team Battle-Mode für Euch gelaufen und ihr dürft per Continue die Runde wiederholen. Den Gegner habt ihr geschlagen, wenn ihr seine drei generierten Recken besiegt habt. Dieser Spielmodus ist sehr fordernd, aber höchst spaßig. Mit dem History-Modus von „Soul Calibur“ kann dieser zwar meines Erachtens bei Weitem nicht mithalten, aber obwohl es sich bei beiden Titeln um Kampfspiele handelt, ist es in meinen Augen schon fast, wie Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen. Der eine mag es so, der andere nicht. „Virtua Fighter 3tb“ haut genau in diese Kerbe. Eine flotte Runde zwischendurch ist mit diesem Spiel einfach nicht drin und einen Kumpel zu einer schnellen Partie einladen ist auch nicht so einfach. Hat man das Kampfsystem nämlich perfektioniert hat ein Neuling keine Chance mehr und müsste sich wirklich erst einmal selbst damit befassen, da hilft auch auf die Schnelle der Training-Modus nichts. „Virtua Fighter 3tb“ stellt dennoch eine Referenz dar, denn kein anderes Spiel vermittelt mit einer solch perfektionistischen Veranlagung den waffenlosen Kampf in einem Beat’em Up.
Rating
9/10
9/10