Ich würde vielleicht mal täglich für ein paar Minuten die Kiefermuskulatur und den Nacken massieren, den kompletten Bereich um das Ohr herum (gibt gute YouTube-Videos dazu). Gerade weil dort viele Nervenbahnen und die Durchblutung vieler Partien durchläuft, kann ein verspannter Nacken/Kopfbereich ziemlich vieles auslösen, von Ohrgeräuschen, Kopfschmerzen bis sogar Zahnschmerzen. Mein Tinnitus damals ist z.B. auch durch extreme Verspannungen und stundenlanges PC-Hocken bis tief in die Nacht entstanden. Mittlerweile ist der aber weg und mein Körper hat ihn auch komplett ausgeblendet.
@crawltochina
Es ist natürlich immer von Fall zu Fall, von Person zu Person, und von deren Alltag und Umständen abhängig, deswegen gibt es für diese Erkrankung auch kein Wundermittel, und mein Ratschlag basiert auch nur aus meiner Erfahrung heraus und was man so von anderen mitbekommt. Und vielleicht wurde dir das vom Arzt und anderen Leuten auch schon oft gesagt. Aber der Körper hat die Fähigkeit diese Ohrgeräusche auszublenden. Das funktioniert genau so wie dein Körper bzw. Gehör tagtäglich Umgebungsgeräusche ausblendet, die nicht im Fokus deiner aktuellen Tätigkeit ist.
Also wenn du z.B. an einer viel befahrenen Straße wohnst bzw. dort hinziehst, ist die Lautstärke am Anfang ungewohnt, aber mit der Zeit blendest du das Rauschen aus. Oder du unterhälst dich im Restaurant mit jemandem und um dir herum reden zig andere Leute, aber dich stört es nicht. Dieses Ausblenden der Ohrgeräusche geschiet allerdings auf psychischer und viel intimerer Ebene, du must dich selbst dazu bringen diese Geräusche als Nebensache zu akzeptieren. Was natürlich nicht heißen soll, dass andere Behandlungen zu vernachlässigen sind.
Als ich meinen Tinnitus hatte gab's fast überall noch Röhrenfernseher, auch in meinem Zimmer. So eine Röhre macht ein permanentes Geräusch wenn sie an ist (eigentlich jedes elektronische Gerät). Als Kind hab ich in meinem Kinderzimmer sogar gehört wenn meine Eltern im Wohnzimmer den Fernseher angeschaltet haben. Je älter man wird desto schlechter wird das Gehör bezüglich hoher Frequenzen, aber man blendet auch immer mehr aus. Jedenfalls als ich meinen Tinnitus hatte war ich die erste Zeit so fixiert auf dieses Piepen im Ohr, dass dadurch das Geräusch der Bildröhre um ein Vielfaches verstärkt wurde. Man reagiert überempfindlich auf diese Geräusch weil man sich in sie hineinsteigert, und Hineinsteigern ist halt wirklich die falsche Richtung.
Man darf nicht verzweifeln, oder sofort beim Aufwachen runterziehen, weil es immer noch surrt und piept. Man muß sich immer wieder (auch gedanklich) ablenken, innerlich kurz sagen "Fick dich, du Pfeife!" wenn's mal wieder stärker wird, aber am besten gar nicht beachten, damit leben und als Alltag hinnehmen und die Geräusche immer weiter in den Hintergrund drängen. Aber auch nicht sofort wieder in Panik verfallen wenn sie plötzlich wieder stärker werden. Beim Schlafen vielleicht im Hintergrund leise etwas hören (was mit Familie oder Partner natürlich komplizierter ist), Hörspiele oder Podcasts, gerade so laut das man sich darauf konzentrieren kann, und dazu einschlafen.
Aber wie gesagt, das ist jetzt nur was mir geholfen hat, plus natürlich der Umstellung auf mehr Sport und weniger nächtelangem Kauern vor dem PC, weniger Zucker und Junkfood, weniger Stress und generell einer positiveren und entspannteren Lebenseinstellung.