Bin nun durch und wurde gut unterhalten.
Einerseits merkst du überall, dass Rocksteady dahinter steckt. Die Grafik und Vertonung, die Charaktere, Location und Präsentation. Das ist top. Sieht unglaublich gut aus und hat seine Höhepunkte definitiv in den Zwischensequenzen.
Am ehesten würde ich meine Spielerfahrung (also "wie" ich es gespielt habe) mit Injustice vergleichen. Ja, dem Beat 'em Up von Netherrealm. Ich bin nämlich nicht sonderlich gut in Beat 'em Ups und ich habe auch nicht mehr die Muße, mich da reinzuhängen. Aber Injustice (und auch Mortal Kombat) ist immer so geil inszeniert, dass ich einfach nur die Story erleben möchte. Also auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad durchgeprügelt, um den "Spielfilm" zwischen den Gameplayabschnitten zu sehen.
So ähnlich erging es mir auch bei Suicide Squad. Nur mit dem Unterschied, dass ich Shooter sehr gerne spiele und auch meinen Spaß mit diesen Abschnitten hatte.
Andererseits ist der GaaS Überbau vollkommen belanglos und teilweise sogar störend.
Der Loot ist weitgehend lahm. Standardwaffen mit verschiedenen werten. Wow. Hab 'ne ordentliche Sniper irgendwann in den ersten paar Spielstunden bekommen und bin mit der die ganzen 12 Stunden durchgerannt. Kein Grund zu wechseln (auf "normal"). Der Talentbaum verdient den Namen "Baum" nicht, denn eigentlich ist es ein Talent"strich". Entscheide dich nach dem Levelaufstieg zwischen "ab 50x Multiplikator macht deine Waffe 8% mehr Schaden" und "ab 40x Multiplikator erhöht sich deine Boostdauer um 5%". Wow. In einem Diablo kannst du dir richtige, spürbar unterschiedliche Builds zusammenbauen. Hier gibt es paar bunte Waffen und Fähigkeiten, deren Werte du eigentlich gar nicht wahrnimmst. Nach der Story bzw. im Endgame (ab Level 30) wird dann noch ein weiterer Talentbaum freigeschaltet, aber der ist mit seinen stapelbaren Verbesserungen sogar noch uninteressanter - die bewegen sich nämlich im 0,1er % Wertebereich.
Missionstypen sind GaaS-typisch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Zu Mission A gedüst, 50 Mutanten umgeholzt, fertig. Weiter zu Mission B, ein sich bewegendes Fahrzeug vor 40 Mutanten beschützt, fertig. Mission C wird bestimmt spannender: 60 Mutanten auf 'ner Riesenkanone umgeholzt, fertig. In den Hauptmissionen wird das lediglich durch eine Zwischensequenz gerahmt. Ich meine, in Shootern wie einem Gears of War holze ich auch nur Mutanten um, aber das ist motivierend, weil du dabei linear durch ein Setpiece geführt wirst und verschiedene Gegnertypen verschiedene Herangehensweisen erfordern usw. Wird hier zwar auch versucht, aber am Ende ballerst du einfach mit allem, was du hast, auf alles, was sich bewegt und erkennst dabei gar nichts mehr. Das ist zwischendurch schon etwas anstrengend. Sunset Overdrive zeigt wie man einen bunten, schnellen, auf Traversal bauenden Third-Person Shooter abwechslungsreich und übersichtlich umsetzt.
Leider sind tatsächlich auch die Auseinandersetzungen mit der Justice League ziemlich lahmarschig, was mich sehr enttäuscht hat. Die Zwischensequenzen vorher und nachher sind super. Machen tierisch Bock. Aber die Bosskämpfe an sich spielen sich quasi wie der Rest des Spiels: wirst in eine abgesteckte Arena geworfen und schießt so lange auf Supes & Co, bis sie umfallen. Das ist schon sehr antiklimatisch.
Wieso nicht so was wie der Sandman-Kampf in Spider-Man 2? Das ist auch Superheldenaction in einer Open-World, gar nicht so verschieden. Auch hier versaut es die Koop bzw. GaaS Blaupause. Eine geil inszenierte Verfolgungsjagt mit Superman durch Metropolis ist halt nicht drin, weil es nicht funktionieren würde, wenn Spieler 1 am Gartenzaun hängen bleibt, Spieler 2 irgendwelche Mobs am anderen Ende der Stadt erschießt und Spieler 3 noch sein 0,1% Schadensplus im Menü freischalten muss. Du kannst eine Koop Open-World einfach nicht so skripten wie eine Soloerfahrung oder ein lineares, räumlich begrenztes Koop-Level.
Gibt sogar ein, zwei lineare Level, aber die beschränken sich auf "gehen und Schalter drücken". Ist meistens sehr atmosphärisch, aber auch nicht mehr.
Es will unbedingt ein GaaS/Koop Game sein und schreibt das auch überall drauf. Aber es funktioniert leider nicht wirklich gut als GaaS/Koop Game.
Abgesehen davon, so negativ es sich jetzt auch anhört, hatte ich echt Spaß damit. Den ganzen oben geschilderten Blödsinn kann man nämlich ganz gut ignorieren. Hab nur die nötigsten Waffen und Upgrades angelegt und die ganzen Statistiken ansonsten links liegen lassen. Und das Coregameplay, das Gunyplay und Movement macht wirklich Laune. Es passt vielleicht nicht zur Vorlage, dass Harley Quinn sich hier wie Spider-Man fortbewegt, aber es fühlt sich super an und wenn man es ein mal gemeistert hat, gleitet man geschmeidig durch die hübsche Stadtkulisse und klatscht lila Mutanten um. Das ist schon nicht verkehrt. Als Belohnung gibt es dann noch eine schicke Zwischensequenz, toll geschriebene Charaktere und einige coole Momente.
Was mir an der Story jedoch nicht gefallen hat, ist, wie ich bereits vermutet hatte, der Multiversumsplot. Wie schon im MCU bringt so was einfach viel zu viel Unruhe und Blödsinn in die Story. Einen bodenständigeren Antagonisten und Handlungsverlauf hätte ich besser gefunden. Aber logisch, ein Multiversum passt natürlich wieder zum GaaS, da so regelmäßig neue Charaktere und Missionen aus den verschiedenen Dimensionen gezogen werden können. Inhaltlich ist es aber leider total schwachsinnig.
Vielleicht sollte man seine Erwartungshaltung einfach anpassen: erwartet ein DC Comic Crackdown mit Story. Kein Highlight, aber simple Superheldenaction mit Rocksteady Zwischensequenzen. Dann macht das durchaus Laune. Aber bitte erhofft euch keine Batman Arkham Fortsetzung.
Lustigerweise hat es sogar einen nahezu identischen Kritiker- und Userscore wie Crackdown 3.

Und so falsch liegt man mit diesem Vergleich auch nicht. Crackdown ist meiner Meinung nach vom Gameplay her pointierter und motivierender. Aber auch eindimensionaler und hat null Story. Suicide Squad ist hingegen viel zu überladen, hat dafür aber eine cool inszenierte Story.
Mir hat es gefallen. War gut. Nicht herausragend, aber gut. Ist halt schade, dass es ohne den GaaS-Stock, den sie sich zwischen die Beine geworfen haben, noch so viel besser hätte sein können.
Die Truppe hat mir sogar so gut gefallen, dass ich mir endlich mal Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn angesehen habe. Wow, was für ein grandioser Film! Meiner Meinung nach einer der besten DC Streifen des alten DC Filmuniversums. Kann man sich bedenkenlos geben, wenn man mehr Harley Quinn will.