Unverhofft kommt oft. Angesichts der Spieleflut diesen Herbst durfte man damit rechnen, dass viele Toptitel darunter sein würden, sodass das größte Problem sein würde, wann man diese tollen Games alle spielen soll. Die Wahrheit war dann, jedenfalls für mich, erstaunlich nüchtern. Viele Spiele erwiesen sich als etwas speziell, manche als etwas einsteigerunfreundlich und den Rest hat UbiSoft versaut. Inmitten von 60 Euro teuren AlphaVersionen, RetourtenVeröffentlichungen, SeasonPasses und SportsFranchiseUpdates (die Autokorrektur wird mich wieder killen) erscheint dann klammheimlich ein 30 Euro BudgetTitel aus dem letzten Jahr, seinerseits ein Reboot/Remake eines Klassikers aus 1997. Die Erwartungshaltung war daher praktisch null. Umso größer die Überraschung.
Schattengewächs
Shadow Warrior beginnt mit dem Hauptcharakter, wie er zu seinem Einsatz fährt, dabei herzhaft mit grölend zu The Touch. Der Name unseres Helden lautet Lo Wang. Das Spiel nutzt ihn erwartungsgemäß zu jedem noch so billigen Schwanzwitz, den man sich nur vorstellen kann.
Wang soll im Auftrag seines Chefs Zilla ein Schwert erstehen, das Nobitsura Kage oder, falls unverkäuflich, es eben anderweitig besorgen. Die Verhandlungen verlaufen unrund und ehe sich Wang versieht, muss er sich neben angefressenen Yakuza mit aller Dämonen aus der Unterwelt herum ärgern.
„Die zweite Maus kriegt den Käse“
Was nach einer Story zum Wegwerfen klingt, wird später mit erstaunlichem Ernst durchgezogen. Wang verbündet sich früh mit einem Dämonen namens Hoji und die Kommunikation der beiden ist einer der größten Pluspunkte des Spiels über weite Strecken hinweg. Hoji und Wang sind das klassische Comedy Duo, mit dem großen Unterschied, dass es keinen straight man gibt. Im Grunde spielt man Castello and Castello.
Die gemeinsame Reise der beiden ist erstaunlich umfangreich und bietet 17 Kapitel zwischen 30 und über 60 Minuten (mit einer Ausnahme von ca. 10 Minuten), was eine Gesamtspielzeit von mehr als einem Dutzend Stunden verspricht, also zwei bis drei Call of Duty Kampagnen. Die herausragenden Synchronsprecher der beiden unfreiwilligen Companeros tun ihr Übriges, um die Geschichte spannend zu halten und das Mysterium um das mächtige Schwert, auf das es alle abgesehen haben und Hojis Verbannung bzw. dessen Rolle in dem Dämonenaufstand halten zusätzlich bei der Stange. Shadow Warrior wirkt dumm, aber je länger man spielt, desto mehr kommt man dahinter, dass die Stumpfheit vollkommen bewusst eingesetzt wurde und das Spiel im Ergebnis wesentlich cleverer ist als es sich verkauft. Pacing und Spannungsbogen sind absolut gekonnt in Szene gesetzt und die Charakterentwicklung wird sauber hergeleitet und glaubhaft verkauft. Dass ein Spiel, welches eine Hommage an die Egoshooter der 90er gedacht ist, eine der besseren Geschichten dieses Herbstes liefert, ist so beeindruckend wie tragisch.
„I'm Old School, you're pre school“ (Simpsons, irgendso'n Rapper)
Vorab kurz meine Einstellung zum Thema Old School. FUCK OLD SCHOOL!!!! In 99% der Fälle gibt es einen guten Grund, warum Gamemeachniken ausgestorben sind, eine Tatsache, die leider an den Entwicklern von The Evil Within komplett vorbei gegangen ist (neben der Fähigkeit ein Spiel, das kaum besser aussieht als der durchschnittliche PS3 Titel auf einer PS4 zum Laufen zu bringen ohne den sichtbaren Bildausschnitt um 50 % zu verkleinern). Es gibt jedoch gerade im Bereich der FirstPersonShooter einige Elemente, die durchaus früher besser waren. Waffenlimits, regenerierende Gesundheit, Linearität und verkürzte Games, alles Sachen, die uns Spiele wie Halo und Call of Duty eingebracht haben.
I need a bigger gun... and a shotgun... and a bow... and a flamethrower... you know what, I'll the SuperSize Package
Shadow Warrior bricht hiermit und gibt dem Spieler ein Waffenrad mit sämtlichen Waffen des Spiels, darunter eine SMG, Shotgun, Raketenwerfer und eine Armbrust mit einer explodierende Pfeilen. Jede Waffe hat eine sekundäre Funktion und weitere Upgrades, die man erwerben kann. Wang besitzt darüber hinaus ein Katana, welches weit mehr ist als ein Hilfsmittel für den Fall, dass die Munition ausgeht. Mit einer Vielzahl von Moves und Spezialattacken könnte man wohl locker 80 bis 90% des Spiels mit dem Schwert durchspielen und in nicht wenigen Fällen ist das Schneidewerkzeug sogar das erste Mittel der Wahl.
Wang verfügt ferner über eine Reihe von Spezialfähigkeiten (erwähnte ich, dass er einen Pakt mit einem Dämon geschlossen hat), die entweder offensiv oder defensiv eingesetzt werden können. Eine der wichtigsten Fähigkeiten dürfte die Heilung sein. Neben den üblichen MedKits kann Wang bis zu 80% seiner Gesundheit regenerieren. Während dieser Heilung kann er gleichzeitig sprinten, nachladen oder gar schießen. Gleichwohl ist Position auf dem Schlachtfeld dabei äußerst wichtig.
Die Waffen können sich ebenfalls sehen lassen. Die Shotgun ist eine der wuchtigsten Vertreter seiner Art überhaupt und die Armbrust ist mit ihren Granaten ebenfalls hervorragend für crowd control geeignet.
Zielen ist überbewertet, irgendwas trifft man immer
Shadow Wariror bietet einen AimAssist (Zielhilfe) an, die über weite Strecken nicht zwingend nötig, aber bei fliegenden Gegnern willkommen ist. Umgewöhnen müssen sich alle CoD und Battlefield Veteranen, da der linke Trigger für die sekundäre Funktion der Waffen reserviert ist. Man kann über Kimme und Korn zielen, hierzu muss man entweder den Stick drücken oder den Schusstrigger halb ziehen. Einen wirklichen Vorteil hat man hierdurch aber nur bedingt.
Gleichzeitig ist die Geschwindigkeit des Spiels extrem hoch und hat nichts mit Physik oder dem Gefühl von Trägheit zu tun. Wang fliegt förmlich durch die Kapitel. Dies ist angesichts der Gegnerhorden aber auch zwingend nötig.
Die Gegner reichen von kleinen Fußsoldaten über Minibosse bis hin zu gepanzerten Großmeistern. Schamane, die kleinere Gegner endlos spawnen, unsichtbare Gegner, Harpies, Schwertkämpfer und ein besonders nerviges gepanzertes Exemplar, welches nur von hinten verwundbar ist, sind nur ein Ausschnitt aus der Liste an Kanonenfutter, welches das Spiel auf euch hetzt, teilweise in verschiedenen Kombinationen. Nach jedem Gefecht erhaltet ihr eine Wertung. Mit erkämpften Karmapunkten lassen sich für Wang neue Fähigkeiten und Moves erwerben. Als zweite Währung stehen KI Kristalle zur Verfügung, die besondere Techniken freischalten oder verbessern.
Ramirez! Think for yourself for a change, will you please!
Die Locations sind nicht gerade open ended, aber doch deutlich größer als in den typischen modernen Vertretern. Backtracking und pathfinding werden groß geschrieben (erneut, diese Autokorrektur...). Letztlich leistet Shadow Warrior einen guten Job, wenn es darum geht, den Weg aufzuzeigen. Trotz fehlender Wegpunkte war ich nie wirklich länger verloren. Optional (per default eingestellt) kann man die nächste Tür oder den nächsten wichtigen Gegenstand blinken lassen. Für noch mehr Exploration kann man diese Einstellung entfernen, aber in Ermangelung einer Karte oder sonstiger Wegpunkte steht man ohne komplett ohne Anhaltspunkte da. Per Druck auf das Steuerkreuz lässt sich zwar das aktuelle Ziel ansehen, dieses ist aber nur bedingt hilfreich, da dieses Ziel zwar Wangs nächstes Ziel ist, nicht zwingend aber die nächste zu lösende Aufgabe des Spielers. Wenn es beispielsweise heißt, man solle Charakter X finden und ihm Gegenstand Z abnehmen, so kann es durchaus passieren, dass dieses Ziel gar nicht im aktuellen Kapitel, sondern erst im übernächsten erfüllt wird. Es beschreibt also mehr die nächste Stufe des Plots als die nächste Aufgabe des Spielers.
Ein Running Gag sind Siegel an Türen, die Wang durch Zerstören der farblich korrespondierenden Statuen entfernen muss. Das Spiel melkt diese Mechanik etwas zu sehr (O-Ton Wang: I'd rather be kicking ass than doing this stupid puzzle), aber nicht zu dem Punkt, dass es das Spiel zerstören würde.
Die Locations sind zudem extrem abwechslungsreich. Verschneite Festungen weichen asiatischen Tempeln, die sodann direkt in die Unterwelt führen. Viele der Innenareale sehen allerdings doch recht ähnlich aus.
You got the touch! - No, I don't!
Das Spiel ist außerdem voll von kleineren Gags, Anspielungen und Witzen, einige eher gelungen als andere. Die Glückskekse sind meistens Highlights und Spielautomaten mit anderen Games der Entwickler (wie Hard Reset, leider nicht spielbar) gehören ebenfalls zu den Dingen, die für ein Grinsen sorgen. Sorgen ist das Stichwort, die PS4 implementiert für verschiedene Moves das Touchpad. Die bereits angesprochene Heilung ruft ihr auf durch einen Wisch nach rechts, gefolgt von L2. Ähnlich nutzt ihr die Schwertspezialangriffe und einige magische Attacken. Der Erfolg kann variieren. Da ihr auch nach links, oben und unten wischen könnt, je für andere Moves, ist es zu leicht, versehentlich eine falsche Bewegung zu machen. Beziehungsweise das Spiel interpretiert einen Wischer nach rechts falsch weil ihr minimal nach oben abgerutscht seid. Es ist mehr als ärgerlich, wenn Wang sich dringend heilen muss, aber wiederholt einen Forcepush macht. Das Touchpad ist nur alternativ, die Moves lassen sich auch in Kombination mit dem linken Stick ausführen, aber ich fand diese Methode auch nur unwesentlich besser. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad (das Spiel setzt den default sogar auf casual!) ist das Spiel aber selten wirklich schwer, sodass diese Probleme nie zu einem Ableben geführt haben. Nach dem Abspann gibt es eine Endabrechnung, wie auch nach jedem Kapitel, sowie die Möglichkeit eines New Game +, welche ich definitiv nutzen werden.
Shadow Warrior sieht teilweise erstaunlich nett aus, wobei die Charaktere als sehr blockig am stärksten abfallen. Am meisten gefallen die Blut- und Goreeffekte während der Sound der Waffen den Spielspaß noch einmal verstärkt. Am wenigsten gefallen elendig lange Ladezeiten, die insbesondere beim Ableben die Frustration deutlich erhöhen. Zumindest gibt es ein Save-anywhere Feature, sodass man nicht auf die Checkpoints der Entwickler angewiesen ist.
Tritt aus seinem Schatten heraus
Shadow Warrior versteckt ein tiefes und interessantes Gameplay mit einem gelungenen Mix aus Nahkampf und verschiedenen Schusswaffen sowie eine interessante Hintergrundgeschichte hinter einer Fassade aus stumpfer Ballerei, Gore und unreifen Gags. Das Spiel beeindruckt mit seinem freien Auftreten abseits des AAA Blockbusters und macht Spaß lange nachdem das OldSchool Feeling des Tutorials abgeklungen ist. Die Technik ist nicht in Gänze auf der Höhe, aber Shadow Warrior weiß ganz genau, worauf es ankommt. Auf Spielspaß und Gameplay. Vor allen Dingen zeigt Shadow Warrior eines: Respekt vor dem Spieler. Shadow Warrior traut dem Spieler zu, den Weg aus dem Level zu finden ohne blinkenden Wegpunkt oder brüllenden schwarzen Sergeant mit „Follow“ Icon auf dem Kopf. Es ist ein Spiel ohne Buzzworte wie Coop oder Online, man benötigt keinen Season Pass, keinen OnlineAccount, keine CompanionApp oder sonstiges Kleingeld, um es zu genießen. Shadow Warrior bietet eine über zwölfstündige Kampagne mit vielen tollen Waffen, spaßigen Fights und einer gut, gleichwohl ohne ausufernden Videos inszenierten Geschichte, in der einzig und allein der Spaß am Videospiel im Vordergrund steht.
In der Gesamtschau macht das aus Shadow Warrior das beste Spiel des Herbstes 2014. Dies ist einerseits ein ehrliches Kompliment für einen sehr guten Shooter, gleichzeitig aber auch ein absolutes Armutszeugnis für die Industrie im ersten Jahr der achten Generation.
Schattengewächs
Shadow Warrior beginnt mit dem Hauptcharakter, wie er zu seinem Einsatz fährt, dabei herzhaft mit grölend zu The Touch. Der Name unseres Helden lautet Lo Wang. Das Spiel nutzt ihn erwartungsgemäß zu jedem noch so billigen Schwanzwitz, den man sich nur vorstellen kann.
Wang soll im Auftrag seines Chefs Zilla ein Schwert erstehen, das Nobitsura Kage oder, falls unverkäuflich, es eben anderweitig besorgen. Die Verhandlungen verlaufen unrund und ehe sich Wang versieht, muss er sich neben angefressenen Yakuza mit aller Dämonen aus der Unterwelt herum ärgern.
„Die zweite Maus kriegt den Käse“
Was nach einer Story zum Wegwerfen klingt, wird später mit erstaunlichem Ernst durchgezogen. Wang verbündet sich früh mit einem Dämonen namens Hoji und die Kommunikation der beiden ist einer der größten Pluspunkte des Spiels über weite Strecken hinweg. Hoji und Wang sind das klassische Comedy Duo, mit dem großen Unterschied, dass es keinen straight man gibt. Im Grunde spielt man Castello and Castello.
Die gemeinsame Reise der beiden ist erstaunlich umfangreich und bietet 17 Kapitel zwischen 30 und über 60 Minuten (mit einer Ausnahme von ca. 10 Minuten), was eine Gesamtspielzeit von mehr als einem Dutzend Stunden verspricht, also zwei bis drei Call of Duty Kampagnen. Die herausragenden Synchronsprecher der beiden unfreiwilligen Companeros tun ihr Übriges, um die Geschichte spannend zu halten und das Mysterium um das mächtige Schwert, auf das es alle abgesehen haben und Hojis Verbannung bzw. dessen Rolle in dem Dämonenaufstand halten zusätzlich bei der Stange. Shadow Warrior wirkt dumm, aber je länger man spielt, desto mehr kommt man dahinter, dass die Stumpfheit vollkommen bewusst eingesetzt wurde und das Spiel im Ergebnis wesentlich cleverer ist als es sich verkauft. Pacing und Spannungsbogen sind absolut gekonnt in Szene gesetzt und die Charakterentwicklung wird sauber hergeleitet und glaubhaft verkauft. Dass ein Spiel, welches eine Hommage an die Egoshooter der 90er gedacht ist, eine der besseren Geschichten dieses Herbstes liefert, ist so beeindruckend wie tragisch.
„I'm Old School, you're pre school“ (Simpsons, irgendso'n Rapper)
Vorab kurz meine Einstellung zum Thema Old School. FUCK OLD SCHOOL!!!! In 99% der Fälle gibt es einen guten Grund, warum Gamemeachniken ausgestorben sind, eine Tatsache, die leider an den Entwicklern von The Evil Within komplett vorbei gegangen ist (neben der Fähigkeit ein Spiel, das kaum besser aussieht als der durchschnittliche PS3 Titel auf einer PS4 zum Laufen zu bringen ohne den sichtbaren Bildausschnitt um 50 % zu verkleinern). Es gibt jedoch gerade im Bereich der FirstPersonShooter einige Elemente, die durchaus früher besser waren. Waffenlimits, regenerierende Gesundheit, Linearität und verkürzte Games, alles Sachen, die uns Spiele wie Halo und Call of Duty eingebracht haben.
I need a bigger gun... and a shotgun... and a bow... and a flamethrower... you know what, I'll the SuperSize Package
Shadow Warrior bricht hiermit und gibt dem Spieler ein Waffenrad mit sämtlichen Waffen des Spiels, darunter eine SMG, Shotgun, Raketenwerfer und eine Armbrust mit einer explodierende Pfeilen. Jede Waffe hat eine sekundäre Funktion und weitere Upgrades, die man erwerben kann. Wang besitzt darüber hinaus ein Katana, welches weit mehr ist als ein Hilfsmittel für den Fall, dass die Munition ausgeht. Mit einer Vielzahl von Moves und Spezialattacken könnte man wohl locker 80 bis 90% des Spiels mit dem Schwert durchspielen und in nicht wenigen Fällen ist das Schneidewerkzeug sogar das erste Mittel der Wahl.
Wang verfügt ferner über eine Reihe von Spezialfähigkeiten (erwähnte ich, dass er einen Pakt mit einem Dämon geschlossen hat), die entweder offensiv oder defensiv eingesetzt werden können. Eine der wichtigsten Fähigkeiten dürfte die Heilung sein. Neben den üblichen MedKits kann Wang bis zu 80% seiner Gesundheit regenerieren. Während dieser Heilung kann er gleichzeitig sprinten, nachladen oder gar schießen. Gleichwohl ist Position auf dem Schlachtfeld dabei äußerst wichtig.
Die Waffen können sich ebenfalls sehen lassen. Die Shotgun ist eine der wuchtigsten Vertreter seiner Art überhaupt und die Armbrust ist mit ihren Granaten ebenfalls hervorragend für crowd control geeignet.
Zielen ist überbewertet, irgendwas trifft man immer
Shadow Wariror bietet einen AimAssist (Zielhilfe) an, die über weite Strecken nicht zwingend nötig, aber bei fliegenden Gegnern willkommen ist. Umgewöhnen müssen sich alle CoD und Battlefield Veteranen, da der linke Trigger für die sekundäre Funktion der Waffen reserviert ist. Man kann über Kimme und Korn zielen, hierzu muss man entweder den Stick drücken oder den Schusstrigger halb ziehen. Einen wirklichen Vorteil hat man hierdurch aber nur bedingt.
Gleichzeitig ist die Geschwindigkeit des Spiels extrem hoch und hat nichts mit Physik oder dem Gefühl von Trägheit zu tun. Wang fliegt förmlich durch die Kapitel. Dies ist angesichts der Gegnerhorden aber auch zwingend nötig.
Die Gegner reichen von kleinen Fußsoldaten über Minibosse bis hin zu gepanzerten Großmeistern. Schamane, die kleinere Gegner endlos spawnen, unsichtbare Gegner, Harpies, Schwertkämpfer und ein besonders nerviges gepanzertes Exemplar, welches nur von hinten verwundbar ist, sind nur ein Ausschnitt aus der Liste an Kanonenfutter, welches das Spiel auf euch hetzt, teilweise in verschiedenen Kombinationen. Nach jedem Gefecht erhaltet ihr eine Wertung. Mit erkämpften Karmapunkten lassen sich für Wang neue Fähigkeiten und Moves erwerben. Als zweite Währung stehen KI Kristalle zur Verfügung, die besondere Techniken freischalten oder verbessern.
Ramirez! Think for yourself for a change, will you please!
Die Locations sind nicht gerade open ended, aber doch deutlich größer als in den typischen modernen Vertretern. Backtracking und pathfinding werden groß geschrieben (erneut, diese Autokorrektur...). Letztlich leistet Shadow Warrior einen guten Job, wenn es darum geht, den Weg aufzuzeigen. Trotz fehlender Wegpunkte war ich nie wirklich länger verloren. Optional (per default eingestellt) kann man die nächste Tür oder den nächsten wichtigen Gegenstand blinken lassen. Für noch mehr Exploration kann man diese Einstellung entfernen, aber in Ermangelung einer Karte oder sonstiger Wegpunkte steht man ohne komplett ohne Anhaltspunkte da. Per Druck auf das Steuerkreuz lässt sich zwar das aktuelle Ziel ansehen, dieses ist aber nur bedingt hilfreich, da dieses Ziel zwar Wangs nächstes Ziel ist, nicht zwingend aber die nächste zu lösende Aufgabe des Spielers. Wenn es beispielsweise heißt, man solle Charakter X finden und ihm Gegenstand Z abnehmen, so kann es durchaus passieren, dass dieses Ziel gar nicht im aktuellen Kapitel, sondern erst im übernächsten erfüllt wird. Es beschreibt also mehr die nächste Stufe des Plots als die nächste Aufgabe des Spielers.
Ein Running Gag sind Siegel an Türen, die Wang durch Zerstören der farblich korrespondierenden Statuen entfernen muss. Das Spiel melkt diese Mechanik etwas zu sehr (O-Ton Wang: I'd rather be kicking ass than doing this stupid puzzle), aber nicht zu dem Punkt, dass es das Spiel zerstören würde.
Die Locations sind zudem extrem abwechslungsreich. Verschneite Festungen weichen asiatischen Tempeln, die sodann direkt in die Unterwelt führen. Viele der Innenareale sehen allerdings doch recht ähnlich aus.
You got the touch! - No, I don't!
Das Spiel ist außerdem voll von kleineren Gags, Anspielungen und Witzen, einige eher gelungen als andere. Die Glückskekse sind meistens Highlights und Spielautomaten mit anderen Games der Entwickler (wie Hard Reset, leider nicht spielbar) gehören ebenfalls zu den Dingen, die für ein Grinsen sorgen. Sorgen ist das Stichwort, die PS4 implementiert für verschiedene Moves das Touchpad. Die bereits angesprochene Heilung ruft ihr auf durch einen Wisch nach rechts, gefolgt von L2. Ähnlich nutzt ihr die Schwertspezialangriffe und einige magische Attacken. Der Erfolg kann variieren. Da ihr auch nach links, oben und unten wischen könnt, je für andere Moves, ist es zu leicht, versehentlich eine falsche Bewegung zu machen. Beziehungsweise das Spiel interpretiert einen Wischer nach rechts falsch weil ihr minimal nach oben abgerutscht seid. Es ist mehr als ärgerlich, wenn Wang sich dringend heilen muss, aber wiederholt einen Forcepush macht. Das Touchpad ist nur alternativ, die Moves lassen sich auch in Kombination mit dem linken Stick ausführen, aber ich fand diese Methode auch nur unwesentlich besser. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad (das Spiel setzt den default sogar auf casual!) ist das Spiel aber selten wirklich schwer, sodass diese Probleme nie zu einem Ableben geführt haben. Nach dem Abspann gibt es eine Endabrechnung, wie auch nach jedem Kapitel, sowie die Möglichkeit eines New Game +, welche ich definitiv nutzen werden.
Shadow Warrior sieht teilweise erstaunlich nett aus, wobei die Charaktere als sehr blockig am stärksten abfallen. Am meisten gefallen die Blut- und Goreeffekte während der Sound der Waffen den Spielspaß noch einmal verstärkt. Am wenigsten gefallen elendig lange Ladezeiten, die insbesondere beim Ableben die Frustration deutlich erhöhen. Zumindest gibt es ein Save-anywhere Feature, sodass man nicht auf die Checkpoints der Entwickler angewiesen ist.
Tritt aus seinem Schatten heraus
Shadow Warrior versteckt ein tiefes und interessantes Gameplay mit einem gelungenen Mix aus Nahkampf und verschiedenen Schusswaffen sowie eine interessante Hintergrundgeschichte hinter einer Fassade aus stumpfer Ballerei, Gore und unreifen Gags. Das Spiel beeindruckt mit seinem freien Auftreten abseits des AAA Blockbusters und macht Spaß lange nachdem das OldSchool Feeling des Tutorials abgeklungen ist. Die Technik ist nicht in Gänze auf der Höhe, aber Shadow Warrior weiß ganz genau, worauf es ankommt. Auf Spielspaß und Gameplay. Vor allen Dingen zeigt Shadow Warrior eines: Respekt vor dem Spieler. Shadow Warrior traut dem Spieler zu, den Weg aus dem Level zu finden ohne blinkenden Wegpunkt oder brüllenden schwarzen Sergeant mit „Follow“ Icon auf dem Kopf. Es ist ein Spiel ohne Buzzworte wie Coop oder Online, man benötigt keinen Season Pass, keinen OnlineAccount, keine CompanionApp oder sonstiges Kleingeld, um es zu genießen. Shadow Warrior bietet eine über zwölfstündige Kampagne mit vielen tollen Waffen, spaßigen Fights und einer gut, gleichwohl ohne ausufernden Videos inszenierten Geschichte, in der einzig und allein der Spaß am Videospiel im Vordergrund steht.
In der Gesamtschau macht das aus Shadow Warrior das beste Spiel des Herbstes 2014. Dies ist einerseits ein ehrliches Kompliment für einen sehr guten Shooter, gleichzeitig aber auch ein absolutes Armutszeugnis für die Industrie im ersten Jahr der achten Generation.
