JohnnyWohlfahrt
Lotterleben braucht keinen Masterplan.
Auch ein Testbericht für das SEGA ON-Magazin, der allerdings später dann nie verwendet wurde.
Sega Rally 2 (Dreamcast)
[yt]http://www.youtube.com/watch?v=TyAJGwgS3rc[/yt]
Im Gegensatz zu den Japanern, die nach Veröffentlichung der Dreamcast-Konsole noch einige Zeit auf „Sega Rally 2“ warten durften, konnten wir Dreamcast-Fans in europäischen und amerikanischen Gefilden vom Erstverkaufstag an loslegen. Gut, wir haben im Vergleich noch fast ein Jahr auf die Konsole gewartet und mussten auch den ersatzlos gestrichenen Onlinemodus hinnehmen, aber was lässt man sich nicht alles gefallen, wenn man gerade dabei ist eine jungfräuliche nagelneue Dreamcast aus der Verpackung zu pellen. Da „Sega Rally“ schon auf dem Saturn zu meinen absoluten Lieblingstiteln gehörte wanderte das Sequel neben Sonic Adventure und Virtua Fighter 3tb auch in meine persönliche 128-Bit-Startaufstellung. Doch eines muss ich gleich vorweg sagen: Ich war von „Sega Rally 2“ nicht so beeindruckt, wie es noch beim Vorgänger der Fall war.
Bei „Sega Rally 2“ handelt es sich um einen waschechten Arcade-Racer, der Simulationsgehalt ist minimal. Das ist im Prinzip kein Problem für mich - ganz im Gegenteil: Was den virtuellen Rallysport angeht, bin ich eigentlich sogar eher auf der Seite der Rally-„spiele“, denn im Gegensatz zu den auf Realismus getrimmten Rally-„simulationen“ bleibt ein recht einsames Rennen gegen die Uhr erspart: Ihr tummelt Euch mit insgesamt 16 Fahrzeugen auf Rennstrecken, auf denen verschiedene Anforderungen an Fahrer und Fahrzeug gestellt werden und erkämpft Euch wacker die Spitzenposition. So variiert der Untergrund von Rundkurs zu Rundkurs und reicht von schlichtem Asphalt über Kopfsteinpflaster, Kies und Schlamm bis hin zu Schnee und Eis.
Grafisch ist „Sega Rally 2“ ein zweischneidiges Schwert. Vom Grundsatz her beeindruckte der Racer 1999 mit Grafik, die um Klassen besser war als die von PlayStation und Nintendo64 gewohnte. Die Strecken sind klasse designt und auch abseits der Piste gab es einiges zu sehen. Flora, Fauna, Tiervegetation und Zuschauer, die Schnappschüsse vom Renngeschehen samt Blitzlicht auf einem Erinnerungsfoto festhalten. Beim Durchfahren von Schlamm und Pfützen spritzt das Schmutzwasser in alle Richtungen. Doch nach einer Weile fielen stark auftretender Grafikaufbau und mehr als seltene Einbrücke in der Framerate sehr störend auf. „Sega Rally 2“ war auch einer der wenigen Toptitel, die per WindowsCE-Technologie auf die Sega-Konsole portiert wurden. Meist traf dieses Schicksal nur kleinere, unwichtigere Spiele oder Spiele, die technisch nicht sonderlich aufwendig waren. Warum bei einem höchst wichtigen Titel, wie „Sega Rally 2“ WindowsCE zum Einsatz kam und keine perfekte Anpassung an die Dreamcast-Hardware vorgenommen wurde, ist mir bis heute noch schleierhaft. Einen 60Hz-Modus suchte man bei der PAL-Version von „Sega Rally 2“ ebenfalls vergebens. Dicke PAL-Balken und ein deutlich spürbarer Geschwindigkeitsverlust gegenüber der japanischen Version mussten vom Spieler hingenommen werden. Zumindest hat man sich im Hause Sega nicht lumpen lassen, was den Umfang des Spieles angeht. Für die Heimkonsole hat man die Automatenversion noch einmal gehörig aufgebohrt. Der sogenannte „10 Year Championship“ fesselt ungeheuer lange vor die Konsole. Ihr wählt eines von anfangs neun Fahrzeugen und beginnt damit Eure Karriere. Bei der Auswahl der virtuellen Flitzer hat Sega auf original lizensierte Fahrzeuge zurückgegriffen. Euch lachen also im Auswahlbildschirm keine Fantasiewagen oder dem Original ähnlich sehende Plagiate an, sondern ihr habt die Auswahl aus original Rallyfahrzeugen der Fabrikate Peugeot, Lancia, Subaru, Mitsubishi oder Toyota, um nur mal ein paar zu nennen. Es gibt es bei „Sega Rally 2“ aber noch weitere Fahrzeuge, die freigespielt werden können. Ein kleines Gimmick am Rande: Obszöne und schmutzige Worte als Fahrerkürzel werden, AM-typisch, durch harmlose Kürzel ersetzt. So ist eine Fahrerkarriere unter dem Pseudonym „ASS“ nicht möglich. Vor jedem Rennen habt ihr die Möglichkeit Euch genaue Informationen über die als nächste zu absolvierende Rennstrecke einzuholen und stimmt dementsprechend Eure Fahrzeugeinstellung ab. Da es sich ja, wie eingangs bereits erwähnt, um einen Arcade-Racer handelt sind diese natürlich bei Weitem nicht so umfangreich, wie in einer Rallysimulation, erstrecken sich aber immerhin von Wahl zwischen manueller oder automatischer Gangschaltung und Einstellungen am Zahnradverhältnis über Radaufhängung, Steuerung und Bremsen, bis hin zur Wahl des Reifentyps. Als kleines Bonbon könnt ihr Euch zudem noch entscheiden, ob Euer Beifahrer, der während des Rennens besondere Vorkommnisse auf der Strecke und Kurven ansagt und Euch über deren Extreme oder ggf. auch Harmlosigkeit informiert, nicht vielleicht lieber durch einen weiblichen Fahrgast ersetzt werden soll. Habt ihr alle Einstellungen vorgenommen geht es direkt ins Rennen. Keine Qualifikation, keine Trainingssessions, kein Probefahren für die Telemetrie – „Sega Rally 2“ wirft Euch mitten ins Geschehen.
Ihr startet auf der letzten Position, was hier Startplatz 16 darstellt. Auffällig ist sofort, dass Ihr vollkommen alleine startet. Die gegnerischen Fahrzeuge sind mit einigem Zeitabstand bereits auf der Strecke unterwegs und ihr habt nun die müßige Aufgabe Euch Etappe für Etappe an den Führenden heranzuarbeiten. Die Position, die Ihr Euch in der einzelnen Etappe erkämpft ist in der nächsten Eure Startposition. Habt Ihr also in den ersten Etappen keine großartigen Erfolge zu verbuchen, wird es später immer schwerer noch realistische Chancen auf einen Gesamtsieg zu haben. So Arcade-lastig, wie das gesamte Spieldesign, ist allerdings auch das Fahrverhalten der Boliden gestaltet. Kurven werden, im richtigen Moment „angebremst“ einfach per Drifting erledigt und grobe Patzer, wie Kollisionen mit der Konkurrenz, ungebremste Ausbrüche in die Streckenbegrenzung, oder Schaltfehler bedeuten noch lange nicht, dass Ihr keine Chance mehr habt. Auch auf ein Schadensmodell wurde vollkommen verzichtet. Je nach Art des Untergrunds variiert zwar der Schwierigkeitsgrad, doch während man anfangs vielleicht noch ein Wenig mit dem Kampf gegen die Uhr und dem Erreichen des nächsten Checkpoints kämpft, meistert man nach etwas Einübung eigentlich jede Hürde, die „Sega Rally 2“ einem stellt. Ein langweiliges nach Hause fahren des ersten Platzes ist aber dennoch nicht gewährleistet, denn die Konkurrenz schläft nicht. Wer irgendwann der Meinung ist das Spiel an seine Grenzen getrieben zu haben, hat außerdem die Wahl zwischen drei Schwierigkeitsgraden.
Im „Arcade Mode“ gilt es, genau wie in der Spielhalle, einfach nur als erster die Ziellinie zu überqueren. Zunächst habt Ihr aber beim Arcade Mode die Möglichkeit Euch zwischen einem Championship-Modus oder einem Practice-Modus zu entscheiden. Letzterer ist aber eigentlich nur dazu da, Strecken noch einmal besonders gründlich zu erkunden. Nur der Championship-Modus bringt Euch von Rundkurs zu Rundkurs. Hier wählt Ihr anfangs aus spärlichen neun Fahrzeugen euren Lieblingsboliden und könnt bis auf manuelle oder automatische Gangschaltung keinerlei Einstellungen an Eurem Fahrzeug vornehmen. Das Spiel gibt Euch nach und nach die Strecken vor, das Prinzip des bereits erörterten „10 Year Championship“ bleibt aber das gleiche. Es ist Euch unmöglich sofort auf Platz eins vorzufahren. Etappe für Etappe kämpft Ihr Euch weiter nach vorne und ein verpasster Checkpoint bedeutet für Euch ein gnadenloses Game Over. Habt Ihr Euch aber wacker gehalten wird Euer Sieg mit einem Fest gefeiert und Euer Bolide erstrahlt im Scheinwerferlicht auf einem Podest direkt an der Riviera. Im „Time Attack“-Modus wählt Ihr frei eine der sechs Grundstrecken und habt dann bei jedem einzelnen Rundkurs die Möglichkeit eine von drei Streckenmodifikationen zu spielen, die sich in Sachen zurückzulegende Distanz und Schwierigkeit noch einmal unterscheiden. Lediglich die Strecke „Riviera“, die in den anderen Spielmodi die finale Etappe darstellt, verfügt über keinerlei Modifkationen. Ihr könnt entweder drei Runden um die Bestzeit buhlen oder es in einem „Free Run“ auf unbestimmte Zeit versuchen.
Nachdem wir uns nun ausführlich mit der Spielmechanik von „Sega Rally 2“ beschäftigt haben, bleibt eigentlich nur noch der Sound übrig: Die Motorengeräusche klingen meines Erachtens ganz gut, was mich allerdings in den Wahnsinn trieb ist das nervige Gedudel, das einem während des Rennens und beim Durchqueren der Spielmenüs wie Sirenengesang verfolgt. Hier empfehle ich den direkten Gang ins Optionsmenü, um der Ohrenvergewaltigung ein kurzes und schmerzloses Ende zu bereiten – Ihr tut Euch damit nur selbst einen Gefallen. Die Steuerung der Fahrzeuge während der Rennen ist sehr gut und genau zum Spielprinzip passend. Ich persönlich war nie ein Freund der Konsolenlenkräder, „Sega Rally 2“ unterstützt sie aber dennoch und gibt Euch die Möglichkeit das analoge Steuerinstrument genau zu kalibrieren. Darüber hinaus kann „Sega Rally 2“ per VGA-Box auch am Monitor betrieben werden und mit dem ebenfalls unterstützten Vibration Pack spürt Ihr jede Kollision oder Bodenwelle am eigenen Leib.
Das im Gesamten recht durchwachsene Gesamtergebnis wird zusätzlich noch durch den anfangs angekündigten, aber dann doch wegrationalisierten Online-Modus getrübt. In Japan war es für bis zu vier Spieler gleichzeitig möglich sich bei „Sega Rally 2“ über das serienmäßige Dreamcast-Modem zu duellieren. So sollte es eigentlich auch in Europa sein, doch es kam anders. Es war mit Dreamcast doch nicht von Anfang an möglich Onlineduelle abzuhalten, es war lediglich möglich Bestzeiten auf einen Sega-Server zu laden. Die Entscheidung, keinen vollwertigen Onlinemodus zu integrieren wurde von Sega erst relativ spät bekannt gegeben. Und zwar so spät, dass selbst das deutsche Offizielle Dreamcast-Magazin in seiner Erstausgabe noch davon sprach, dass Rasereien über die Telefonleitung möglich sind. Auch eine damals von Sega angekündigte erweiterte Online-Version des Titels wurde in unseren Gefilden nie nachgereicht. Die einzige Möglichkeit, die Euch bleibt, ist sich einen menschlichen Gegner zu organisieren und im „2-Player Battle“ gegen ihn anzutreten.
Sega Rally 2 (Dreamcast)
[yt]http://www.youtube.com/watch?v=TyAJGwgS3rc[/yt]
Im Gegensatz zu den Japanern, die nach Veröffentlichung der Dreamcast-Konsole noch einige Zeit auf „Sega Rally 2“ warten durften, konnten wir Dreamcast-Fans in europäischen und amerikanischen Gefilden vom Erstverkaufstag an loslegen. Gut, wir haben im Vergleich noch fast ein Jahr auf die Konsole gewartet und mussten auch den ersatzlos gestrichenen Onlinemodus hinnehmen, aber was lässt man sich nicht alles gefallen, wenn man gerade dabei ist eine jungfräuliche nagelneue Dreamcast aus der Verpackung zu pellen. Da „Sega Rally“ schon auf dem Saturn zu meinen absoluten Lieblingstiteln gehörte wanderte das Sequel neben Sonic Adventure und Virtua Fighter 3tb auch in meine persönliche 128-Bit-Startaufstellung. Doch eines muss ich gleich vorweg sagen: Ich war von „Sega Rally 2“ nicht so beeindruckt, wie es noch beim Vorgänger der Fall war.
Bei „Sega Rally 2“ handelt es sich um einen waschechten Arcade-Racer, der Simulationsgehalt ist minimal. Das ist im Prinzip kein Problem für mich - ganz im Gegenteil: Was den virtuellen Rallysport angeht, bin ich eigentlich sogar eher auf der Seite der Rally-„spiele“, denn im Gegensatz zu den auf Realismus getrimmten Rally-„simulationen“ bleibt ein recht einsames Rennen gegen die Uhr erspart: Ihr tummelt Euch mit insgesamt 16 Fahrzeugen auf Rennstrecken, auf denen verschiedene Anforderungen an Fahrer und Fahrzeug gestellt werden und erkämpft Euch wacker die Spitzenposition. So variiert der Untergrund von Rundkurs zu Rundkurs und reicht von schlichtem Asphalt über Kopfsteinpflaster, Kies und Schlamm bis hin zu Schnee und Eis.
Grafisch ist „Sega Rally 2“ ein zweischneidiges Schwert. Vom Grundsatz her beeindruckte der Racer 1999 mit Grafik, die um Klassen besser war als die von PlayStation und Nintendo64 gewohnte. Die Strecken sind klasse designt und auch abseits der Piste gab es einiges zu sehen. Flora, Fauna, Tiervegetation und Zuschauer, die Schnappschüsse vom Renngeschehen samt Blitzlicht auf einem Erinnerungsfoto festhalten. Beim Durchfahren von Schlamm und Pfützen spritzt das Schmutzwasser in alle Richtungen. Doch nach einer Weile fielen stark auftretender Grafikaufbau und mehr als seltene Einbrücke in der Framerate sehr störend auf. „Sega Rally 2“ war auch einer der wenigen Toptitel, die per WindowsCE-Technologie auf die Sega-Konsole portiert wurden. Meist traf dieses Schicksal nur kleinere, unwichtigere Spiele oder Spiele, die technisch nicht sonderlich aufwendig waren. Warum bei einem höchst wichtigen Titel, wie „Sega Rally 2“ WindowsCE zum Einsatz kam und keine perfekte Anpassung an die Dreamcast-Hardware vorgenommen wurde, ist mir bis heute noch schleierhaft. Einen 60Hz-Modus suchte man bei der PAL-Version von „Sega Rally 2“ ebenfalls vergebens. Dicke PAL-Balken und ein deutlich spürbarer Geschwindigkeitsverlust gegenüber der japanischen Version mussten vom Spieler hingenommen werden. Zumindest hat man sich im Hause Sega nicht lumpen lassen, was den Umfang des Spieles angeht. Für die Heimkonsole hat man die Automatenversion noch einmal gehörig aufgebohrt. Der sogenannte „10 Year Championship“ fesselt ungeheuer lange vor die Konsole. Ihr wählt eines von anfangs neun Fahrzeugen und beginnt damit Eure Karriere. Bei der Auswahl der virtuellen Flitzer hat Sega auf original lizensierte Fahrzeuge zurückgegriffen. Euch lachen also im Auswahlbildschirm keine Fantasiewagen oder dem Original ähnlich sehende Plagiate an, sondern ihr habt die Auswahl aus original Rallyfahrzeugen der Fabrikate Peugeot, Lancia, Subaru, Mitsubishi oder Toyota, um nur mal ein paar zu nennen. Es gibt es bei „Sega Rally 2“ aber noch weitere Fahrzeuge, die freigespielt werden können. Ein kleines Gimmick am Rande: Obszöne und schmutzige Worte als Fahrerkürzel werden, AM-typisch, durch harmlose Kürzel ersetzt. So ist eine Fahrerkarriere unter dem Pseudonym „ASS“ nicht möglich. Vor jedem Rennen habt ihr die Möglichkeit Euch genaue Informationen über die als nächste zu absolvierende Rennstrecke einzuholen und stimmt dementsprechend Eure Fahrzeugeinstellung ab. Da es sich ja, wie eingangs bereits erwähnt, um einen Arcade-Racer handelt sind diese natürlich bei Weitem nicht so umfangreich, wie in einer Rallysimulation, erstrecken sich aber immerhin von Wahl zwischen manueller oder automatischer Gangschaltung und Einstellungen am Zahnradverhältnis über Radaufhängung, Steuerung und Bremsen, bis hin zur Wahl des Reifentyps. Als kleines Bonbon könnt ihr Euch zudem noch entscheiden, ob Euer Beifahrer, der während des Rennens besondere Vorkommnisse auf der Strecke und Kurven ansagt und Euch über deren Extreme oder ggf. auch Harmlosigkeit informiert, nicht vielleicht lieber durch einen weiblichen Fahrgast ersetzt werden soll. Habt ihr alle Einstellungen vorgenommen geht es direkt ins Rennen. Keine Qualifikation, keine Trainingssessions, kein Probefahren für die Telemetrie – „Sega Rally 2“ wirft Euch mitten ins Geschehen.
Ihr startet auf der letzten Position, was hier Startplatz 16 darstellt. Auffällig ist sofort, dass Ihr vollkommen alleine startet. Die gegnerischen Fahrzeuge sind mit einigem Zeitabstand bereits auf der Strecke unterwegs und ihr habt nun die müßige Aufgabe Euch Etappe für Etappe an den Führenden heranzuarbeiten. Die Position, die Ihr Euch in der einzelnen Etappe erkämpft ist in der nächsten Eure Startposition. Habt Ihr also in den ersten Etappen keine großartigen Erfolge zu verbuchen, wird es später immer schwerer noch realistische Chancen auf einen Gesamtsieg zu haben. So Arcade-lastig, wie das gesamte Spieldesign, ist allerdings auch das Fahrverhalten der Boliden gestaltet. Kurven werden, im richtigen Moment „angebremst“ einfach per Drifting erledigt und grobe Patzer, wie Kollisionen mit der Konkurrenz, ungebremste Ausbrüche in die Streckenbegrenzung, oder Schaltfehler bedeuten noch lange nicht, dass Ihr keine Chance mehr habt. Auch auf ein Schadensmodell wurde vollkommen verzichtet. Je nach Art des Untergrunds variiert zwar der Schwierigkeitsgrad, doch während man anfangs vielleicht noch ein Wenig mit dem Kampf gegen die Uhr und dem Erreichen des nächsten Checkpoints kämpft, meistert man nach etwas Einübung eigentlich jede Hürde, die „Sega Rally 2“ einem stellt. Ein langweiliges nach Hause fahren des ersten Platzes ist aber dennoch nicht gewährleistet, denn die Konkurrenz schläft nicht. Wer irgendwann der Meinung ist das Spiel an seine Grenzen getrieben zu haben, hat außerdem die Wahl zwischen drei Schwierigkeitsgraden.
Im „Arcade Mode“ gilt es, genau wie in der Spielhalle, einfach nur als erster die Ziellinie zu überqueren. Zunächst habt Ihr aber beim Arcade Mode die Möglichkeit Euch zwischen einem Championship-Modus oder einem Practice-Modus zu entscheiden. Letzterer ist aber eigentlich nur dazu da, Strecken noch einmal besonders gründlich zu erkunden. Nur der Championship-Modus bringt Euch von Rundkurs zu Rundkurs. Hier wählt Ihr anfangs aus spärlichen neun Fahrzeugen euren Lieblingsboliden und könnt bis auf manuelle oder automatische Gangschaltung keinerlei Einstellungen an Eurem Fahrzeug vornehmen. Das Spiel gibt Euch nach und nach die Strecken vor, das Prinzip des bereits erörterten „10 Year Championship“ bleibt aber das gleiche. Es ist Euch unmöglich sofort auf Platz eins vorzufahren. Etappe für Etappe kämpft Ihr Euch weiter nach vorne und ein verpasster Checkpoint bedeutet für Euch ein gnadenloses Game Over. Habt Ihr Euch aber wacker gehalten wird Euer Sieg mit einem Fest gefeiert und Euer Bolide erstrahlt im Scheinwerferlicht auf einem Podest direkt an der Riviera. Im „Time Attack“-Modus wählt Ihr frei eine der sechs Grundstrecken und habt dann bei jedem einzelnen Rundkurs die Möglichkeit eine von drei Streckenmodifikationen zu spielen, die sich in Sachen zurückzulegende Distanz und Schwierigkeit noch einmal unterscheiden. Lediglich die Strecke „Riviera“, die in den anderen Spielmodi die finale Etappe darstellt, verfügt über keinerlei Modifkationen. Ihr könnt entweder drei Runden um die Bestzeit buhlen oder es in einem „Free Run“ auf unbestimmte Zeit versuchen.
Nachdem wir uns nun ausführlich mit der Spielmechanik von „Sega Rally 2“ beschäftigt haben, bleibt eigentlich nur noch der Sound übrig: Die Motorengeräusche klingen meines Erachtens ganz gut, was mich allerdings in den Wahnsinn trieb ist das nervige Gedudel, das einem während des Rennens und beim Durchqueren der Spielmenüs wie Sirenengesang verfolgt. Hier empfehle ich den direkten Gang ins Optionsmenü, um der Ohrenvergewaltigung ein kurzes und schmerzloses Ende zu bereiten – Ihr tut Euch damit nur selbst einen Gefallen. Die Steuerung der Fahrzeuge während der Rennen ist sehr gut und genau zum Spielprinzip passend. Ich persönlich war nie ein Freund der Konsolenlenkräder, „Sega Rally 2“ unterstützt sie aber dennoch und gibt Euch die Möglichkeit das analoge Steuerinstrument genau zu kalibrieren. Darüber hinaus kann „Sega Rally 2“ per VGA-Box auch am Monitor betrieben werden und mit dem ebenfalls unterstützten Vibration Pack spürt Ihr jede Kollision oder Bodenwelle am eigenen Leib.
Das im Gesamten recht durchwachsene Gesamtergebnis wird zusätzlich noch durch den anfangs angekündigten, aber dann doch wegrationalisierten Online-Modus getrübt. In Japan war es für bis zu vier Spieler gleichzeitig möglich sich bei „Sega Rally 2“ über das serienmäßige Dreamcast-Modem zu duellieren. So sollte es eigentlich auch in Europa sein, doch es kam anders. Es war mit Dreamcast doch nicht von Anfang an möglich Onlineduelle abzuhalten, es war lediglich möglich Bestzeiten auf einen Sega-Server zu laden. Die Entscheidung, keinen vollwertigen Onlinemodus zu integrieren wurde von Sega erst relativ spät bekannt gegeben. Und zwar so spät, dass selbst das deutsche Offizielle Dreamcast-Magazin in seiner Erstausgabe noch davon sprach, dass Rasereien über die Telefonleitung möglich sind. Auch eine damals von Sega angekündigte erweiterte Online-Version des Titels wurde in unseren Gefilden nie nachgereicht. Die einzige Möglichkeit, die Euch bleibt, ist sich einen menschlichen Gegner zu organisieren und im „2-Player Battle“ gegen ihn anzutreten.
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8/10
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