GTA-Klon. Lange Zeit war dies der Name für alle Games, die eine offene Spielwelt boten. Dann hieß es „Spider-Man im GTA-Stil“, als sich das offizielle Spiel zum zweiten Film der Spinne dieser Struktur bediente oder „GTA als SuperCop“ in Crackdown. Bald folgten so viele Varianten des Themas, dass das SandboxGenre ein eigenes wurde und die offene Welt eine Struktur, die sich in nahezu jedes Genre einbinden ließ. So bieten Games wie Mercenaries oder zu Teilen auch Alone in the Dark 5 und das Simpsons-Spiel eine offene Spielwelt, dennoch könnten zumindest die letzten beiden kaum weiter von GTA entfernt sein. Damit dürfte man den Begriff GTA-Klon mittlerweile durchaus als überholt ansehen. Wenn es aber dennoch einen Titel gibt, der dem in GTA III erfundenen Prinzip am ehesten nahe kommt, ist dies wahrscheinlich immer noch Saint’s Row. Ihr steuert einen Gangster in einer Großstadt, die von Gangs und Korruption geprägt ist, arbeitet euch durch Missionen und Sidequests mit Waffengewalt und Autodiebstählen zum Kingpin hoch und verjubelt euer Geld im Stripclub. Saint’s Row hatte damals den Vorteil, ohne Next Gen Konkurrenz zu sein, doch mit dem kürzlich erschienen Grand Theft Auto 4 hat sich dies nun geändert. Während Rockstar aber nun im offiziell vierten Teil der Reihe den Weg zu mehr Realismus, einer erwachseneren Story und weg vom Comichaften ging, entschieden sich die Entwickler des zweiten Teils von Saint’s Row zum völligen Gegenteil.
Und das war die beste Entscheidung, die sie treffen konnten. Denn eine 1:1 Kopie von GTA 4 wäre von allen Kritikern gnadenlos verrissen worden bevor sie sie überhaupt gespielt hätten. Unabhängig davon, ob eine solche Kopie überhaupt wünschenswert gewesen wäre. Saint’s Row 2 könnte übertriebener und comichafter kaum dargestellt werden und insbesondere viele der Nebenaktivitäten strotzen vor Humor und Slapstick, sodass selbst die Gewalt im Spiel kaum mehr ernst genommen werden kann. Dennoch: Ihr spielt einen Gangster auf dem Weg an die Spitze in einer Großstadt und klaut Autos, übernehmt Missionen, kloppt euch mit Gangs und feuert Waffen ab. Der Vergleich mit GTA 4 liegt nahe und er wird im Folgenden sehr oft gezogen werden. Aber ohne vorweg greifen zu wollen: Diesen Vergleich muss Saint’s Row 2 zu keiner Sekunde scheuen.
Weil so viel Spaß gemacht, wird’s gleich noch mal gemacht
Die Story von Saint’s Row 2 beginnt da, wo der erste Teil aufgehört hat. Naja, ein paar Jahre später, um genauer zu sein. Nach der Explosion auf dem Boot am Ende von Teil 1 hat es die namensgebenden Saints übel erwischt. Euer Held aus Teil 1 liegt seit Jahren im Koma im Gefängniskrankenhaus von Stillwater und kommt zu sich, als das Spiel beginnt. Mit Hilfe eines Mithäftlings gelingt ihm die Flucht. Nun steht er vor den Scherben seiner ehemaligen Gruppierung und muss die Vase nach und nach wieder zusammen kitten. Im Gegensatz zum Vorgänger, wo er die meiste Zeit über stumm war und eher der Mitläufer, übernimmt er nun eine Führungsstellung und überzeugt als großer Redner. Ihr trefft einige alte Bekannte aus Teil 1 wieder und obwohl die Geschichte stark comichaft und überzogen ist, geizt sie dennoch auch nicht mit dramatischen Momenten, in denen die Charaktere zusammen wachsen. In ihren besten Momenten zieht die Story emotional gesehen mühelos mit GTA 4 gleich, wenn nicht gar vorbei. Im Gegensatz zu unserem stammelnden Mörder aus Osteuropa bleiben die Charaktere durch ihre witzige Art aber meistens sympathisch. Was nicht heißt, dass sie nicht auch durchaus die eine oder andere Aktion bringen, die einen hier und da schwer schlucken lässt. Und ähnlich wie Nico leiden auch unsere Gangster unter selektiver Wahrnehmung. Sie benehmen sich teilweise wie die Helden, wie die Opfer, wenn ihnen vermeintliches Unrecht widerfahren ist, dass sie aber mindestens genauso hart wenn nicht härter mit diesem Krieg angefangen haben, das ignorieren sie freilich.
„Warum haben die unseren Kumpel so übel zugerichtet?“
-„Weiß nicht, vielleicht weil wir das Gesicht ihres Chefs entstellt haben?“
„Ah ok, und warum haben wir das gemacht?“
-„Weil die uns nicht zu 80 % an ihrem illegalen Geschäft beteiligen wollten.“
-„Diese Bastarde!!!“
Hast du was mit deinen Haaren gemacht?
Ihr startet das Spiel damit, euch einen Charakter zu erstellen. Der Editor ist dabei extrem umfangreich und ihr könnt eurer Kreativität freien Lauf lassen. Was ihr da an verrückten Freaks erstellen könnt, spottet jeder Beschreibung. Erstellt einen bärbeißigen, großen, schwarzen Mann und gebt ihm BH und eine Frauenstimme. Baut einen Fettsack und lasst ihn laufen wie ein Supermodel inklusive Hüftschwung. Erstellt euch eine bildschöne, gut gebaute Blondine und gebt ihr das Gehabe und die Stimme eines Profiwrestlers. Alles möglich. Wir sind eher bodenständig und haben uns für eine großen, schwarzen, muskelbepackten Mann mit langer Mähne und Vollbart entschieden, inklusive der passenden Stimme. Wir wollten nicht das restliche Spiel mit einer Witzfigur bestreiten. Ihr habt je drei Stimmen pro Geschlecht zur Auswahl, wobei die der Frauen fast gleich klingen. Beim Mann habt ihr zur Auswahl: Den besoffenen Briten, den Ghetto-Nigga und den Latino. Mit nur drei Klischee-Stimmen kann es passieren, dass ihr nicht die passende Stimme für euren Helden findet, insbesondere wenn ihr einen Asiaten kreiert habt. Andererseits sind ganze sechs Stimmen für nur eine Figur in einem so umfangreichen Spiel schon eine immense Leistung. All dies könnt ihr im Spiel jederzeit wieder umstellen, wenn ihr den örtlichen Chirurgen aufsucht. Wobei es wenig Sinn macht, dass ihr auch nur dort eure Frisur oder sogar euren Kampfstil und die Spottgesten ändern könnt.
SR vs GTA
Anschließend geht es mit eurem neuen Gangsta in der Perspektive der dritten Person ab auf die Straße. Die Steuerung ist dabei nahezu komplett vom Vorgänger übernommen worden. Gesteuert wird wie in einem handelsüblichen ThirdPersonShooter mit den beiden Analogsticks, gezielt wird manuell ohne Autoaim oder Lock-on Features. Per Y Taste greift ihr euch ein Auto und fahrt mit A und X durch die Gegend. Bereits nach den ersten 30 Spielminuten fallen etliche Dinge auf, die Saint’s Row anders und unserer Ansicht nach besser macht als GTA 4.
1: Kein Coversystem
Anstatt sich wie ein feiger Hund hinter Wänden zu verschanzen marschiert ihr in bester Rambomanier durch die Gegend und mäht alles nieder, was sich vor eure Flinte traut. Actionreich und schnell. Wir empfehlen die Shotgun.
2: Kein Autoaim
Das bedeutet, keine lästigen Probleme damit, dass das Autoaim den falschen Gegner anvisiert, keine verzweifelten Versuche, den Computer zu überzeugen, dass der Schütze direkt vor euch das dringendste Ziel ist. Ihr zielt per Fadenkreuz und trefft, was ihr seht.
3: Regenerierende Gesundheitsleiste
Will heißen, es kann nicht passieren, dass ihr gleich zu Beginn einer Mission drei Viertel eurer Energie verliert und erstmal durch die halbe Stadt müsst, um euch wieder auszurüsten.
4: Checkpoints
Was das heißt ist auch klar, oder? Nach einer Niederlage keine erneuten Anfangswege, keine erneuten Cutszenes, keine halbe Stunde in den Sand gesetzt. Kein Frust.
5: Fahrphysik
Die Autos kommen um die Kurve. Was mehr ist als man über einen Großteil des GTA 4 Fuhrparks sagen konnte. So machen Verfolgungsjagden endlich wieder Spaß. Dennoch steuern sich alle Autos unterschiedlich und es gibt auch den einen oder anderen Aushebler durch einen auf der Straße liegenden Kieselstein. Nichtsdestotrotz, wir ziehen die einfache Kontrolle in Saint’s Row den Schaukelkutschen aus GTA IV jederzeit vor.
6: Drive By Shootings
Zum ersten Mal sind die DriveBys gut gelöst. Per Druck auf LB aktiviert ihr die Cruisecontrol (Tempomat) und euer Auto fährt automatisch mit der von euch gewählten Geschwindigkeit. Ihr könnt nun in aller Ruhe mit euren Waffen zielen und anschließend ab durch die Mitte zischen.
7: Euer Gangsta ist nüchtern
Wobei ihr das in der Kneipe eures Vertrauens ändern könnt. Aber ohne euer Zutun steuert er sich präzise und kann die Richtung schneller ändern als ein Panzer, ein Kunststück, das Nico immer Probleme bereitet hat.
8:Handy
Es gibt eines, aber ihr werdet nicht einmal pro Minute von irgendwelchen Parasiten angerufen, die weiß-Gott-wohin eingeladen werden wollen und eingeschnappt sind, wenn man der gerade ablaufenden Mission den Vorrang gibt.
9:Geld
Endlich gibt es was damit zu tun. Ihr könnt Autos kaufen, neue Behausungen, Klamotten sowie ein schönes neues Aussehen. Zudem bringt all dies aktive Gameplayvorteile, denn mit besseren Klamotten erhaltet ihr für vollendete Aufgaben mehr Respektpunkte.
Mission: Totally Possible
Das Spiel an sich ist unterteilt in zwei Bereiche. Das eine wären die Hauptmissionen, die die Story vorantreiben, das andere sie so genannten Diversions (Ablenkungen). Wie im Vorgänger seid ihr gezwungen, letztere zu betreiben, um euer Respektmeter aufzuladen, welches ihr benötigt, um die Hauptmissionen bestreiten zu können. Es handelt sich nach wie vor um eine eher fragwürdige Praxis, sollte es doch eher dem Spieler überlassen sein, wann er welche Art der Missionen in Angriff nimmt oder ob er sich denn nur auf die reine Story konzentrieren und die Nebenaktivitäten auslassen will.
An Nebenaktiviäten gibt es die üblichen Verdächtigen wie Rennen, Attentate, Amokläufe, die aus dem Vorgänger bekannten Versicherungsbetrüge sowie einige neue, teils recht eklige Aufgaben. In einer müsst ihr für eine Show im Stile von Cops eine möglichst gute Darbietung für einen Kameramann abliefern. Kreativ waren die Entwickler allemal. Die Hauptmissionen bestehen ebenfalls aus einem Mix des Altbekannten, wo sich Verfolgungsjagden mit Schießereien abwechseln. Unterteilt sind die Missionen nach verschiedenen Gangs, die jeweils höchst klischeehaft eine bestimmte ethnische Gruppe repräsentieren. Da wären zum Beispiel die Yakuza zu nennen, die ganz in Gelb und immer mit Katana unterwegs sind. Man fühlt sich dabei leicht bis mittelstark an Crackdown erinnert, was nicht mehr verwundert, wenn man feststellt, dass Entwickler Volition an beiden Titeln mitgewirkt hat. Der große Unterschied zu GTA sind wie schon gesagt die Checkpoints in den Missionen, die ein Ableben oder ein Verpassen des Zeitlimits wesentlich weniger schlimm machen als im großen Vorbild. Meist verliert man nur wenige Minuten und hat so kein Problem, das nächste Ziel in Ruhe erneut anzugehen.
Von der Ausgangslage sind die Missionen zwar durchaus abwechslungsreich in dem, was euer Charakter zu tun gedenkt. Das zieht sich aber nicht ins Gameplay rüber. Ihr schießt viel, fahrt viel oder lasst euch fahren während ihr schießt. Einige Probleme bleiben im Genre eben kaum aus. Insbesondere die oft sich ähnelnden Missionsstrukturen können auf Dauer nerven. Ihr kommt zu einem Ziel und sowie ihr angekommen seid, fährt euer Opfer davon und ihr müsst hinterher rasen. Wenn euch dabei zehn Gegner ins Auto fahren, euch abdrängen oder ihr einfach die Kurve einen Tick zu eng nehmen wolltet und ihr euch wieder in den Himmel gedreht habt, dann ist irgendwann auch ein wenig Ärger angesagt. Auch hätten es nicht ganz so viele Missionen mit Zeitlimit sein müssen. Die Checkpoints verhindern größere Wutanfälle (man kann es nicht oft genug betonen!). Man muss außerdem mit den ständigen Anfahrtswegen leben und unendlich nachkommende Gegner nerven in Endgegnerkämpfen. Weitere kleinere Probleme ist beispielsweise die zu lange Animationsphase, wenn euer Held hinfällt und sich wieder aufrappelt. Wenn man in Eile ist, kann das gewaltig nerven. Im Gesamtbild fallen alle diese Makel als eben solche zwar auf ohne aber das Game letztlich zu ruinieren.
Selten so gelacht
Wenn GTA bisher immer für den seinen Humor bekannt war, dann steht dem Saint’s Row nun nicht wirklich in viel nach. Anspielungen und Wortwitze gibt es zuhauf, die Coolness der Charaktere, gerade auch in unpassenden Situationen dumme Sprüche zu reißen, passt gut ins Gesamtbild und lockert die Atmosphäre auf. Es ist einfach saukomisch, wenn Gat den harten Gangsta raushängen lässt, eine Geisel brutal und eiskalt aus PointBlankRange hinrichtet und im Anschluss von seiner Freundin den Besen in die Hand gedrückt bekommt, um das Wohnzimmer sauber zu machen. Diese Situationskomik und der Widerspruch zwischen brutalem Gangsterleben und Comedy ziehen sich wie ein roter Faden durch das Spiel, wodurch ihm Charakter und Eigenständigkeit verliehen werden.
Dazu gehören auch viele kleine Details. Fahrt ihr beispielsweise mit einem CPU-Kollegen durch die Stadt, so kann es passieren, dass der euch einfach das Radio verstellt. Ihr habt dann die Wahl, das Radio so zu lassen oder eurerseits wieder umzustellen, was eine kleine, witzige Diskussion zwischen den Protagonisten auslöst. Ein anderes Mal versuchte unser Mann, den Text von Take on me mit zu singen, mit eher mäßigem Erfolg, dafür umso mehr Enthusiasmus.
Auch abseits von Haupt- und Nebenmissionen gibt es viel zu sehen und entdecken. Ihr könnt essen gehen, gegnerische Festungen einnehmen, Taximinispiele spielen, Geschäfte überfallen, Geiseln nehmen, die Tage sind auf jeden Fall ausgefüllt. Wem das noch nicht reicht, der spielt einfach online, wahlweise gegeneinander mit bis zu (theoretisch) zwölf Mann oder im Coop Mode. Dank teils recht merkwürdiger Künstlicher Intelligenz ist insbesondere letzteres besonders schön. Die KI der Gegner beschränkt sich auf Stehen, Zielen und Schießen. Ansonsten machen sie eher durch dumme Aggressivität denn durch Taktik auf sich aufmerksam. Wenn ihr von einem oder mehreren CPU Buddies begleitet werdet, macht euch darauf gefasst, sie des Öfteren reanimieren zu müssen. Ganz schlimm wird es, wenn sie den Job eures Fahrers übernehmen. Dann schaffen sie es, jedes noch so kleine Hindernis mit zu nehmen. Zum Glück ist das selten spielentscheidend.
2 ist halt weniger als 4
Technisch kann das Spiel nicht ganz mit Grand Theft Auto 4 mithalten. Allerdings ist auch der Stil ein anderer. Recht bunt und überzeichnet präsentiert sich Stillwater. Die Regeneffekte sind gut, aber bei weitem nicht wie in GTA 4. Ebenso sind die Charaktere nicht alle so realistisch und detailliert animiert, wie man das schon gesehen hat. Explosionen und Physikengine sind dafür aber immer wieder für einen Lacher gut und die Stadt ist sehr abwechslungsreich. Dafür ist auch deutlich kleiner als Liberty City. Ruckler gibt es praktisch kaum ebenso wie Tearing, das Genre-übliche Ins-Bild-Ploppen von kleineren und größeren Gegenständen aber konnte beobachtet werden.
Schön ist der Sound, der an erster Stelle mit einer genialen englischen Synchronisation aufwarten kann. So finden sich hier unter anderem Serien-Stars wie Eliza Dushku (Faith aus der TV Serie Buffy), Daniel Dae Kim (bekannt aus Angel, 24), Neil Patrick Harris (How I met your mother) und Michael Dorn (Mr. Worf auf Star Trek) ein, die ihren Job allesamt sehr gut verrichten. Dies sind beileibe noch nicht mal alle bekannten Fernsehstars, die ihren Teil zum tollen Akustikpaket beitragen. Musikalisch bieten die Radiostationen eine Mix aus Klassik, Rock und Pop, wobei der 80er Sender, wie sollte es anders sein, mit Abstand am besten ist. Zu nichts fährt es sich schöner als zu Karma Chameleon oder The Final Countdown. Steigt ihr aus dem Auto gibt es einen schönen Akustikeffekt, wobei es so klingt als stündet ihr wirklich neben einem laufenden Autoradio mit geschlossenen Türen. Die Songs pro Sender sind allerdings zahlenmäßig begrenzt, sodass ihr dieselben Tracks sehr schnell erneut hört. Nach einer dreistündigen Spielsession wollt ihr Take on me nicht mehr hören. Ingame, soll heißen zu Fuß, fehlt es manchmal an musikalischer Untermalung. Die Soundeffekte sind besser als im Vorgänger, aber auch hier könnte die eine oder andere Waffe etwas mehr Rumms vertragen. Die Nachhaltigkeit einer Explosion in Form von Ohrenpfeifen aber wirkt sehr gut rüber gebracht.
Igitt, Käfer
Das vielleicht (nein, doch schon ziemlich sicher) größte Problem des Spiels sind die Bugs und Glitches. Das Spiel wimmelt von ihnen, wobei wir grafische Unzulänglichkeiten wie schwebende Gegenstände, unsichtbare Einrichtungen und in Autos verschwindende Passanten gar nicht mal meinen. Schlimmer sind die Gameplayfehler. Allen voran stürzt das Spiel regelmäßig in Missionen ab und friert ein. Neustart ist vonnöten, was zu erneuten Anfahrtswegen führt, gerade das, was Saint’s Row 2 durch die Checkpoints ja zunächst verhindert hatte. Wir konnten aber auch darüber hinaus zahlreiche Fehler feststellen. In einer Attentatmission fanden wir unser Zielobjekt und töteten es. Keine Aktualisierung unserer Liste. Statt dessen tauchte der Mann unversehrt ein paar Meter die Straße runter wieder auf und musste erneut getötet werden. In einer Mission sollten wir einen Mann in einer Verfolgungsjagd stellen und umlegen, aber der war überhaupt nicht vor Ort. Ein Neustart des letzten Checkpointes war vonnöten. Andernorts waren wir Passagier in einem Helikopter, der sich urplötzlich zwischen zwei Häusern fest hing und im Schneckentempo vorwärts zuckelte, aber nie zurück auf die eigentlich Strecke kam. Gleiches passierte in einem Truck, der ebenfalls automatisch fährt, als er sich auf einem Tisch aufbockte und nur noch die Räder durchdrehen ließ. Außerdem wirken Kopfschüsse gegen Autofahrer nicht immer. Manche Scriptereignisse in den Missionen werden nicht richtig ausgelöst und führen so in eine Sackgasse. In der zweiten Spielhälften allerdings waren kaum noch Fehler auszumachen.
Ein paar Worte noch zur Ausstattung der TestVersion. Es handelt sich um die ungeschnittene, europäische Retail-(Verkaufs-)Fassung ausgezeichnet mit dem PEGI-Logo, die auf Drogen, Gewalt, herbe Sprache sowie Glücksspiel hinweist. Die Sprache auf der Rückseite der Packung ist deutsch und französisch, in beiden liegen auch Anleitungen bei. Die Sprache im Spiel bleibt englisch, bietet aber auf Wunsch deutsche Untertitel. Eine „deutschere“ Version wird es vermutlich auch nicht geben.
Wer hätte das gedacht?
Saint’s Row 2 überrascht auf ganzer Linie. Eine simple und altbekannte Struktur wird interessant verpackt und mit vielen, witzigen Missionen versehen. Die Story ist die klassische Gangster-Aufstiegsstory und vermittelt mit all den Möglichkeiten, Bars und Clubs und ganze Nachbarschaften zu übernehmen richtig das Gefühl, langsam zum Herrscher der Stadt zu werden. Gut inszeniert, hart und gleichzeitig witzig geschrieben wird sie von professionellen Schauspielern klasse rüber gebracht. Eine leichtgängige, präzise Steuerung und faire Checkpoints machen das Game angenehm spielbar. Mit all den Haupt- und Nebenaufgaben plus Online-Coop stimmt auch der Umfang. Macht Saint’s Row 2 also alles besser als GTA 4?
Nun, man kann sicherlich anmerken, dass die Grafik in GTA 4 besser ist. In GTA 4 ist auch mehr los, GTA 4 hat einen Comedyclub und GTA 4 hat das funktionalere Handy. Also noch mal die Frage: Macht Saint’s Row 2 alles besser als GTA 4? Antwort: Nein, nicht alles, aber alles, was zählt.
Und das war die beste Entscheidung, die sie treffen konnten. Denn eine 1:1 Kopie von GTA 4 wäre von allen Kritikern gnadenlos verrissen worden bevor sie sie überhaupt gespielt hätten. Unabhängig davon, ob eine solche Kopie überhaupt wünschenswert gewesen wäre. Saint’s Row 2 könnte übertriebener und comichafter kaum dargestellt werden und insbesondere viele der Nebenaktivitäten strotzen vor Humor und Slapstick, sodass selbst die Gewalt im Spiel kaum mehr ernst genommen werden kann. Dennoch: Ihr spielt einen Gangster auf dem Weg an die Spitze in einer Großstadt und klaut Autos, übernehmt Missionen, kloppt euch mit Gangs und feuert Waffen ab. Der Vergleich mit GTA 4 liegt nahe und er wird im Folgenden sehr oft gezogen werden. Aber ohne vorweg greifen zu wollen: Diesen Vergleich muss Saint’s Row 2 zu keiner Sekunde scheuen.
Weil so viel Spaß gemacht, wird’s gleich noch mal gemacht
Die Story von Saint’s Row 2 beginnt da, wo der erste Teil aufgehört hat. Naja, ein paar Jahre später, um genauer zu sein. Nach der Explosion auf dem Boot am Ende von Teil 1 hat es die namensgebenden Saints übel erwischt. Euer Held aus Teil 1 liegt seit Jahren im Koma im Gefängniskrankenhaus von Stillwater und kommt zu sich, als das Spiel beginnt. Mit Hilfe eines Mithäftlings gelingt ihm die Flucht. Nun steht er vor den Scherben seiner ehemaligen Gruppierung und muss die Vase nach und nach wieder zusammen kitten. Im Gegensatz zum Vorgänger, wo er die meiste Zeit über stumm war und eher der Mitläufer, übernimmt er nun eine Führungsstellung und überzeugt als großer Redner. Ihr trefft einige alte Bekannte aus Teil 1 wieder und obwohl die Geschichte stark comichaft und überzogen ist, geizt sie dennoch auch nicht mit dramatischen Momenten, in denen die Charaktere zusammen wachsen. In ihren besten Momenten zieht die Story emotional gesehen mühelos mit GTA 4 gleich, wenn nicht gar vorbei. Im Gegensatz zu unserem stammelnden Mörder aus Osteuropa bleiben die Charaktere durch ihre witzige Art aber meistens sympathisch. Was nicht heißt, dass sie nicht auch durchaus die eine oder andere Aktion bringen, die einen hier und da schwer schlucken lässt. Und ähnlich wie Nico leiden auch unsere Gangster unter selektiver Wahrnehmung. Sie benehmen sich teilweise wie die Helden, wie die Opfer, wenn ihnen vermeintliches Unrecht widerfahren ist, dass sie aber mindestens genauso hart wenn nicht härter mit diesem Krieg angefangen haben, das ignorieren sie freilich.
„Warum haben die unseren Kumpel so übel zugerichtet?“
-„Weiß nicht, vielleicht weil wir das Gesicht ihres Chefs entstellt haben?“
„Ah ok, und warum haben wir das gemacht?“
-„Weil die uns nicht zu 80 % an ihrem illegalen Geschäft beteiligen wollten.“
-„Diese Bastarde!!!“
Hast du was mit deinen Haaren gemacht?
Ihr startet das Spiel damit, euch einen Charakter zu erstellen. Der Editor ist dabei extrem umfangreich und ihr könnt eurer Kreativität freien Lauf lassen. Was ihr da an verrückten Freaks erstellen könnt, spottet jeder Beschreibung. Erstellt einen bärbeißigen, großen, schwarzen Mann und gebt ihm BH und eine Frauenstimme. Baut einen Fettsack und lasst ihn laufen wie ein Supermodel inklusive Hüftschwung. Erstellt euch eine bildschöne, gut gebaute Blondine und gebt ihr das Gehabe und die Stimme eines Profiwrestlers. Alles möglich. Wir sind eher bodenständig und haben uns für eine großen, schwarzen, muskelbepackten Mann mit langer Mähne und Vollbart entschieden, inklusive der passenden Stimme. Wir wollten nicht das restliche Spiel mit einer Witzfigur bestreiten. Ihr habt je drei Stimmen pro Geschlecht zur Auswahl, wobei die der Frauen fast gleich klingen. Beim Mann habt ihr zur Auswahl: Den besoffenen Briten, den Ghetto-Nigga und den Latino. Mit nur drei Klischee-Stimmen kann es passieren, dass ihr nicht die passende Stimme für euren Helden findet, insbesondere wenn ihr einen Asiaten kreiert habt. Andererseits sind ganze sechs Stimmen für nur eine Figur in einem so umfangreichen Spiel schon eine immense Leistung. All dies könnt ihr im Spiel jederzeit wieder umstellen, wenn ihr den örtlichen Chirurgen aufsucht. Wobei es wenig Sinn macht, dass ihr auch nur dort eure Frisur oder sogar euren Kampfstil und die Spottgesten ändern könnt.
SR vs GTA
Anschließend geht es mit eurem neuen Gangsta in der Perspektive der dritten Person ab auf die Straße. Die Steuerung ist dabei nahezu komplett vom Vorgänger übernommen worden. Gesteuert wird wie in einem handelsüblichen ThirdPersonShooter mit den beiden Analogsticks, gezielt wird manuell ohne Autoaim oder Lock-on Features. Per Y Taste greift ihr euch ein Auto und fahrt mit A und X durch die Gegend. Bereits nach den ersten 30 Spielminuten fallen etliche Dinge auf, die Saint’s Row anders und unserer Ansicht nach besser macht als GTA 4.
1: Kein Coversystem
Anstatt sich wie ein feiger Hund hinter Wänden zu verschanzen marschiert ihr in bester Rambomanier durch die Gegend und mäht alles nieder, was sich vor eure Flinte traut. Actionreich und schnell. Wir empfehlen die Shotgun.
2: Kein Autoaim
Das bedeutet, keine lästigen Probleme damit, dass das Autoaim den falschen Gegner anvisiert, keine verzweifelten Versuche, den Computer zu überzeugen, dass der Schütze direkt vor euch das dringendste Ziel ist. Ihr zielt per Fadenkreuz und trefft, was ihr seht.
3: Regenerierende Gesundheitsleiste
Will heißen, es kann nicht passieren, dass ihr gleich zu Beginn einer Mission drei Viertel eurer Energie verliert und erstmal durch die halbe Stadt müsst, um euch wieder auszurüsten.
4: Checkpoints
Was das heißt ist auch klar, oder? Nach einer Niederlage keine erneuten Anfangswege, keine erneuten Cutszenes, keine halbe Stunde in den Sand gesetzt. Kein Frust.
5: Fahrphysik
Die Autos kommen um die Kurve. Was mehr ist als man über einen Großteil des GTA 4 Fuhrparks sagen konnte. So machen Verfolgungsjagden endlich wieder Spaß. Dennoch steuern sich alle Autos unterschiedlich und es gibt auch den einen oder anderen Aushebler durch einen auf der Straße liegenden Kieselstein. Nichtsdestotrotz, wir ziehen die einfache Kontrolle in Saint’s Row den Schaukelkutschen aus GTA IV jederzeit vor.
6: Drive By Shootings
Zum ersten Mal sind die DriveBys gut gelöst. Per Druck auf LB aktiviert ihr die Cruisecontrol (Tempomat) und euer Auto fährt automatisch mit der von euch gewählten Geschwindigkeit. Ihr könnt nun in aller Ruhe mit euren Waffen zielen und anschließend ab durch die Mitte zischen.
7: Euer Gangsta ist nüchtern
Wobei ihr das in der Kneipe eures Vertrauens ändern könnt. Aber ohne euer Zutun steuert er sich präzise und kann die Richtung schneller ändern als ein Panzer, ein Kunststück, das Nico immer Probleme bereitet hat.
8:Handy
Es gibt eines, aber ihr werdet nicht einmal pro Minute von irgendwelchen Parasiten angerufen, die weiß-Gott-wohin eingeladen werden wollen und eingeschnappt sind, wenn man der gerade ablaufenden Mission den Vorrang gibt.
9:Geld
Endlich gibt es was damit zu tun. Ihr könnt Autos kaufen, neue Behausungen, Klamotten sowie ein schönes neues Aussehen. Zudem bringt all dies aktive Gameplayvorteile, denn mit besseren Klamotten erhaltet ihr für vollendete Aufgaben mehr Respektpunkte.
Mission: Totally Possible
Das Spiel an sich ist unterteilt in zwei Bereiche. Das eine wären die Hauptmissionen, die die Story vorantreiben, das andere sie so genannten Diversions (Ablenkungen). Wie im Vorgänger seid ihr gezwungen, letztere zu betreiben, um euer Respektmeter aufzuladen, welches ihr benötigt, um die Hauptmissionen bestreiten zu können. Es handelt sich nach wie vor um eine eher fragwürdige Praxis, sollte es doch eher dem Spieler überlassen sein, wann er welche Art der Missionen in Angriff nimmt oder ob er sich denn nur auf die reine Story konzentrieren und die Nebenaktivitäten auslassen will.
An Nebenaktiviäten gibt es die üblichen Verdächtigen wie Rennen, Attentate, Amokläufe, die aus dem Vorgänger bekannten Versicherungsbetrüge sowie einige neue, teils recht eklige Aufgaben. In einer müsst ihr für eine Show im Stile von Cops eine möglichst gute Darbietung für einen Kameramann abliefern. Kreativ waren die Entwickler allemal. Die Hauptmissionen bestehen ebenfalls aus einem Mix des Altbekannten, wo sich Verfolgungsjagden mit Schießereien abwechseln. Unterteilt sind die Missionen nach verschiedenen Gangs, die jeweils höchst klischeehaft eine bestimmte ethnische Gruppe repräsentieren. Da wären zum Beispiel die Yakuza zu nennen, die ganz in Gelb und immer mit Katana unterwegs sind. Man fühlt sich dabei leicht bis mittelstark an Crackdown erinnert, was nicht mehr verwundert, wenn man feststellt, dass Entwickler Volition an beiden Titeln mitgewirkt hat. Der große Unterschied zu GTA sind wie schon gesagt die Checkpoints in den Missionen, die ein Ableben oder ein Verpassen des Zeitlimits wesentlich weniger schlimm machen als im großen Vorbild. Meist verliert man nur wenige Minuten und hat so kein Problem, das nächste Ziel in Ruhe erneut anzugehen.
Von der Ausgangslage sind die Missionen zwar durchaus abwechslungsreich in dem, was euer Charakter zu tun gedenkt. Das zieht sich aber nicht ins Gameplay rüber. Ihr schießt viel, fahrt viel oder lasst euch fahren während ihr schießt. Einige Probleme bleiben im Genre eben kaum aus. Insbesondere die oft sich ähnelnden Missionsstrukturen können auf Dauer nerven. Ihr kommt zu einem Ziel und sowie ihr angekommen seid, fährt euer Opfer davon und ihr müsst hinterher rasen. Wenn euch dabei zehn Gegner ins Auto fahren, euch abdrängen oder ihr einfach die Kurve einen Tick zu eng nehmen wolltet und ihr euch wieder in den Himmel gedreht habt, dann ist irgendwann auch ein wenig Ärger angesagt. Auch hätten es nicht ganz so viele Missionen mit Zeitlimit sein müssen. Die Checkpoints verhindern größere Wutanfälle (man kann es nicht oft genug betonen!). Man muss außerdem mit den ständigen Anfahrtswegen leben und unendlich nachkommende Gegner nerven in Endgegnerkämpfen. Weitere kleinere Probleme ist beispielsweise die zu lange Animationsphase, wenn euer Held hinfällt und sich wieder aufrappelt. Wenn man in Eile ist, kann das gewaltig nerven. Im Gesamtbild fallen alle diese Makel als eben solche zwar auf ohne aber das Game letztlich zu ruinieren.
Selten so gelacht
Wenn GTA bisher immer für den seinen Humor bekannt war, dann steht dem Saint’s Row nun nicht wirklich in viel nach. Anspielungen und Wortwitze gibt es zuhauf, die Coolness der Charaktere, gerade auch in unpassenden Situationen dumme Sprüche zu reißen, passt gut ins Gesamtbild und lockert die Atmosphäre auf. Es ist einfach saukomisch, wenn Gat den harten Gangsta raushängen lässt, eine Geisel brutal und eiskalt aus PointBlankRange hinrichtet und im Anschluss von seiner Freundin den Besen in die Hand gedrückt bekommt, um das Wohnzimmer sauber zu machen. Diese Situationskomik und der Widerspruch zwischen brutalem Gangsterleben und Comedy ziehen sich wie ein roter Faden durch das Spiel, wodurch ihm Charakter und Eigenständigkeit verliehen werden.
Dazu gehören auch viele kleine Details. Fahrt ihr beispielsweise mit einem CPU-Kollegen durch die Stadt, so kann es passieren, dass der euch einfach das Radio verstellt. Ihr habt dann die Wahl, das Radio so zu lassen oder eurerseits wieder umzustellen, was eine kleine, witzige Diskussion zwischen den Protagonisten auslöst. Ein anderes Mal versuchte unser Mann, den Text von Take on me mit zu singen, mit eher mäßigem Erfolg, dafür umso mehr Enthusiasmus.
Auch abseits von Haupt- und Nebenmissionen gibt es viel zu sehen und entdecken. Ihr könnt essen gehen, gegnerische Festungen einnehmen, Taximinispiele spielen, Geschäfte überfallen, Geiseln nehmen, die Tage sind auf jeden Fall ausgefüllt. Wem das noch nicht reicht, der spielt einfach online, wahlweise gegeneinander mit bis zu (theoretisch) zwölf Mann oder im Coop Mode. Dank teils recht merkwürdiger Künstlicher Intelligenz ist insbesondere letzteres besonders schön. Die KI der Gegner beschränkt sich auf Stehen, Zielen und Schießen. Ansonsten machen sie eher durch dumme Aggressivität denn durch Taktik auf sich aufmerksam. Wenn ihr von einem oder mehreren CPU Buddies begleitet werdet, macht euch darauf gefasst, sie des Öfteren reanimieren zu müssen. Ganz schlimm wird es, wenn sie den Job eures Fahrers übernehmen. Dann schaffen sie es, jedes noch so kleine Hindernis mit zu nehmen. Zum Glück ist das selten spielentscheidend.
2 ist halt weniger als 4
Technisch kann das Spiel nicht ganz mit Grand Theft Auto 4 mithalten. Allerdings ist auch der Stil ein anderer. Recht bunt und überzeichnet präsentiert sich Stillwater. Die Regeneffekte sind gut, aber bei weitem nicht wie in GTA 4. Ebenso sind die Charaktere nicht alle so realistisch und detailliert animiert, wie man das schon gesehen hat. Explosionen und Physikengine sind dafür aber immer wieder für einen Lacher gut und die Stadt ist sehr abwechslungsreich. Dafür ist auch deutlich kleiner als Liberty City. Ruckler gibt es praktisch kaum ebenso wie Tearing, das Genre-übliche Ins-Bild-Ploppen von kleineren und größeren Gegenständen aber konnte beobachtet werden.
Schön ist der Sound, der an erster Stelle mit einer genialen englischen Synchronisation aufwarten kann. So finden sich hier unter anderem Serien-Stars wie Eliza Dushku (Faith aus der TV Serie Buffy), Daniel Dae Kim (bekannt aus Angel, 24), Neil Patrick Harris (How I met your mother) und Michael Dorn (Mr. Worf auf Star Trek) ein, die ihren Job allesamt sehr gut verrichten. Dies sind beileibe noch nicht mal alle bekannten Fernsehstars, die ihren Teil zum tollen Akustikpaket beitragen. Musikalisch bieten die Radiostationen eine Mix aus Klassik, Rock und Pop, wobei der 80er Sender, wie sollte es anders sein, mit Abstand am besten ist. Zu nichts fährt es sich schöner als zu Karma Chameleon oder The Final Countdown. Steigt ihr aus dem Auto gibt es einen schönen Akustikeffekt, wobei es so klingt als stündet ihr wirklich neben einem laufenden Autoradio mit geschlossenen Türen. Die Songs pro Sender sind allerdings zahlenmäßig begrenzt, sodass ihr dieselben Tracks sehr schnell erneut hört. Nach einer dreistündigen Spielsession wollt ihr Take on me nicht mehr hören. Ingame, soll heißen zu Fuß, fehlt es manchmal an musikalischer Untermalung. Die Soundeffekte sind besser als im Vorgänger, aber auch hier könnte die eine oder andere Waffe etwas mehr Rumms vertragen. Die Nachhaltigkeit einer Explosion in Form von Ohrenpfeifen aber wirkt sehr gut rüber gebracht.
Igitt, Käfer
Das vielleicht (nein, doch schon ziemlich sicher) größte Problem des Spiels sind die Bugs und Glitches. Das Spiel wimmelt von ihnen, wobei wir grafische Unzulänglichkeiten wie schwebende Gegenstände, unsichtbare Einrichtungen und in Autos verschwindende Passanten gar nicht mal meinen. Schlimmer sind die Gameplayfehler. Allen voran stürzt das Spiel regelmäßig in Missionen ab und friert ein. Neustart ist vonnöten, was zu erneuten Anfahrtswegen führt, gerade das, was Saint’s Row 2 durch die Checkpoints ja zunächst verhindert hatte. Wir konnten aber auch darüber hinaus zahlreiche Fehler feststellen. In einer Attentatmission fanden wir unser Zielobjekt und töteten es. Keine Aktualisierung unserer Liste. Statt dessen tauchte der Mann unversehrt ein paar Meter die Straße runter wieder auf und musste erneut getötet werden. In einer Mission sollten wir einen Mann in einer Verfolgungsjagd stellen und umlegen, aber der war überhaupt nicht vor Ort. Ein Neustart des letzten Checkpointes war vonnöten. Andernorts waren wir Passagier in einem Helikopter, der sich urplötzlich zwischen zwei Häusern fest hing und im Schneckentempo vorwärts zuckelte, aber nie zurück auf die eigentlich Strecke kam. Gleiches passierte in einem Truck, der ebenfalls automatisch fährt, als er sich auf einem Tisch aufbockte und nur noch die Räder durchdrehen ließ. Außerdem wirken Kopfschüsse gegen Autofahrer nicht immer. Manche Scriptereignisse in den Missionen werden nicht richtig ausgelöst und führen so in eine Sackgasse. In der zweiten Spielhälften allerdings waren kaum noch Fehler auszumachen.
Ein paar Worte noch zur Ausstattung der TestVersion. Es handelt sich um die ungeschnittene, europäische Retail-(Verkaufs-)Fassung ausgezeichnet mit dem PEGI-Logo, die auf Drogen, Gewalt, herbe Sprache sowie Glücksspiel hinweist. Die Sprache auf der Rückseite der Packung ist deutsch und französisch, in beiden liegen auch Anleitungen bei. Die Sprache im Spiel bleibt englisch, bietet aber auf Wunsch deutsche Untertitel. Eine „deutschere“ Version wird es vermutlich auch nicht geben.
Wer hätte das gedacht?
Saint’s Row 2 überrascht auf ganzer Linie. Eine simple und altbekannte Struktur wird interessant verpackt und mit vielen, witzigen Missionen versehen. Die Story ist die klassische Gangster-Aufstiegsstory und vermittelt mit all den Möglichkeiten, Bars und Clubs und ganze Nachbarschaften zu übernehmen richtig das Gefühl, langsam zum Herrscher der Stadt zu werden. Gut inszeniert, hart und gleichzeitig witzig geschrieben wird sie von professionellen Schauspielern klasse rüber gebracht. Eine leichtgängige, präzise Steuerung und faire Checkpoints machen das Game angenehm spielbar. Mit all den Haupt- und Nebenaufgaben plus Online-Coop stimmt auch der Umfang. Macht Saint’s Row 2 also alles besser als GTA 4?
Nun, man kann sicherlich anmerken, dass die Grafik in GTA 4 besser ist. In GTA 4 ist auch mehr los, GTA 4 hat einen Comedyclub und GTA 4 hat das funktionalere Handy. Also noch mal die Frage: Macht Saint’s Row 2 alles besser als GTA 4? Antwort: Nein, nicht alles, aber alles, was zählt.
. Naja, ich habe dann beide Gruppen niedergemäht
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