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REVIEW Risen [Review]

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Dow Jones

ASCEND TO ULTRA
Endlich seit dem 2. Oktober ist es möglich das neuste RPG-Epos von Piranha Bytes für PC und XBOX 360 zu erwerben. Trotz einiger Vorschusslorbeeren für die Rollenspielmeisterwerker stand das Projekt hinter einem längeren Schatten - dem von Gothic 3. Trotz guter Ansätze scheiterte das Mammut-Projekt damals an den vielen Bugs, die sich wie krankes Gewebe durch das Spiel zogen und es deshalb von vielen das Prädikat „unspielbar“ erhielt. Für Manche war es sogar die programmierte Schändung eines RPG-Denkmals.
Der Streit mit Publisher JoWood tat sein übriges, um das Spiel entgültig schlecht in Erinnerung zu behalten. Schafft es das Studio diesmal ein ausgereiftes Produkt auf die Welt zu bringen?


Holprige Anreise...

...denn Ihr landet als Schiffbrüchiger auf einer Insel. Schnell wird klar, dass diese dschungel-schöne Insel, mit Anleihen an das gute alte spanisch/aztekische 15. Jahrhundert, ein gefährlicher Ort ist. Ein Glück stellen euch die Entwickler eine mitabgesoffene Dame an die Seite, die in das Grundlegenste von Risen einweiht und sogar einige Wegvorschläge gibt, damit Ihr nicht sofort den „Neu-Laden“ Knopf suchen müsst. Das Tutorial ist trotzdem schnell überstanden und es wird erklärt, dass Ihr euch möglichst bald einer Fraktion anschließen solltet. Zur Auswahl stehen 3 Gruppierungen: Die Banditen, die Magier und die Inquisition, die jeweils mit unterschiedlichen Aufgaben aufwarten.

Das Kampfsystem...

Nachdem euer Interesse für eine Interessen-Gruppe angeschlagen hat, macht Ihr euch auf den Weg diese auch aufzusuchen. Leichter gesagt als getan, denn spätestens hier stellt sich heraus, dass das Kämpfen in Risen eine knallharte Angelegenheit ist, die durchaus Taktik erfordert. Nur draufzwiebeln wird unweigerlich zum Neuladen führen: Blocken, Ausweichen und Angreifen gilt es zu meistern. Die Gegner werden es ebenfalls (erfolgreich) versuchen. Neben dem klassischen Klick-Angriff könnt ihr mit fortschreitendem Waffen-Skill auch Kombos schlagen und/oder eure Angriffe in der Stärke dosieren. Das Blocken reicht ebenfalls vom einfachen Abwehren bis hin zum Parrieren der gegnerischen Waffe, was schnelle Kontermöglichkeiten erlaubt. Wer die Nahkampfwaffen nicht zu schätzen weiß, kann sich als Magier mit allerhand Zaubersprüchen ebenfalls zur wehr setzen. Es können Skelette beschworen, magische Geschosse abgefeuert, Infernos gezündet und allerhand Verwandlungen durchgeführt werden. Für die Kämpfer stehen unterschiedliche Schwerter, Äxte, Bögen, Stäbe und Armbrüste zur Verfügung. Für Abwechslung ist also gesorgt und das Kampfsystem motiviert bis zum Ende des Spiels.
Ein Kritikpunkt sei hier aber angebracht. Dadurch, dass das Spiel teilweise wirklich starke Gegner aufs Pakett schickt, sind die Kämpfe auch mit Level 25 noch sehr offen und es kann passieren, dass euch 2 Gegner mit 3 Schlägen auf die Bretter schicken, teilweise in wirklichen langen und schwierigen Dungeons, kann das für die weniger Geduldigen schon sehr nervenaufreibend werden. Auch das Anvisieren eines Gegners in einer ganzen Horde von Feinden ist ein wenig fuzzelig, stehen zudem noch lose Verbündete daneben und bekommen etwas auf die Mütze können die das durchaus mal krumm nehmen. Als Fußballer müsste ich sagen, dass ihr das Spiel genau lesen können solltet, damit euch solche taktischen Schnitzer nicht passieren. Zum Glück beschränken sich diese Situationen auf 4-5 Begebenheiten.

Aufleveln für Übersichts-Simplizisten...

Nehmen wir mal an Ihr besitzt das Talent und meistert die ersten Kämpfe, welche Erfahrungspunkte einbringen, dann dauert es nicht mehr lange und ihr stiegt im Level. Pro Level gibt es 10 Punkte. Und mit diesen Punkten entwickelt Ihr euren Charakter. Es gibt 3 Körpereigenschaften. Stärke, Geschicklichkeit und Mana. Mit höherem Stärkewert könnt Ihr auch bessere Waffen tragen und Eure Nahkampfattacken haben mehr Wums hinter der Faust. Geschicklichkeit reguliert die Trefferstärke von Fernwaffen und Mana eben die Zauber. Der Weisheitswert eurer Figur steigert sich durch Tafeln und Bücher lesen. Alles in allem nichts Neues. Zusätzlich zu den Körpereigenschaften könnt ihr jede Waffengattung trainieren, oder für Magier entsprechende Angriffzauber.
Zu diesen Eigenschaften gibt es noch ein paar mehr oder weniger optionale Fähigkeiten, die erworben werden können. Schmieden, Alchemie, Taschendiebstähle, Schlösser knacken oder Akrobatik, damit ihr euch beim Fallen nicht mehr so heftig auf die Fresse packt, können erlernt werden, müssen aber nicht erlernt werden, um das Spiel zu schaffen.

Bei Risen gibt es eigentlich nur eins zu beachten, wenn Ihr euch für eine Waffengattung entschieden habt, dann skillt die auch bis zum Ende durch. Jemand der so halb mit dem Schwert umgehen kann und nebenher in seiner Freizeit noch ein wenig mit dem Bogen jagen geht, wird es sehr schwer haben das Spiel zu schaffen. Es gibt zwar mehr Lernpunkte, als Ihr braucht (zum Vergleich, ich habe das Spiel auf Level 25 durchgespielt und hatte noch 50 Lernpunkte über) aber Ihr müsst konsequent sein, um überhaupt einen Überschuss zu erwirtschaften. Beachtet Ihr diesen Hinweis, ist es fast unmöglich in diesem Spiel zu versagen. Wer sich deshalb ein tieferes und kompliziertes System wünscht, wird in Risen davon nichts finden.



Story...

Der grobe Plott, der hier nicht mal Ansatzweise verraten wird, wird sehr dicht erzählt. Allerdings wird die Geschichte erst nach der Hälfte des Spiels wirklich vorangetrieben. Die ersten beiden Kapitel beschäftigen sich größtenteils mit der Fraktionssuche und dem Zurechtfinden auf der Insel. Ich habe in der Zeit wahnsinnig viel entdeckt, denn überall gibt es was zu sehen. So wird das Spiel nie langweilig, auch wenn ihr erstmal gar nicht wisst, worum es eigentlich geht. Schnell wird klar, dass es was mit den Tempeln zu tun hat, die wie Pilze aus dem Boden schießen, dass reicht aber an der Stelle auch.
Was ich persönlich schade fand ist, dass man VOR dem letzten Drittel des Spiels alle Nebenmissionen, die nicht mit dem töten spezieller Gegner zu tun haben, fertig machen kann und teilweise auch muss. Ich lenke mich gerne mal von der Hauptmission ab, das geht in Risen ab einem bestimmten Punkt nicht mehr so gut, wie am Anfang. Ist aber etwas Spielweise-Bedingtes.
Die Dialoge und die Präsentation sind über allen Zweifel erhaben. Es geht hier richtig schön derb zur Sache. Es ist eben doch das raue Mittelalter. Wie oft das Wort „Scheiße“ eigentlich fiel, weiß ich nicht, aber das Wort „oft“ ist schmeichelhaft. Dazu noch fiese Sprüche und unterschiedliche Charaktäre. Spontanes Loslachen garantiert.
Eine Kleinigkeit gibt es leider doch zu bemängeln: Wer sich leicht Stimmen merken kann, so wie ich es tue, wird feststellen, dass relativ wenige makante Sprecher alle Rollen querbeet übernehmen. Das ist manchmal etwas irritierend. Hier hätte mehr abwechslung gut getan, möglicherweise hätte auch das Sprecherfeld weiter ausfallen können.

Rosige Aussichten?

In Punkto Grafik ist Risen ein zweischneidiges Schwert. Es gibt viele Dinge, die unglaublich toll aussehen und eine wahnsinnig dichte Atmosphäre erzeugen und dann wiederum gewisse Punkte, die einfach nich so toll sind. Aber gehen wir mal etwas ins Detail.
An der Organisation und der Lebendigkeit der Spielwelt gibt es absolut nichts auszusetzen. Überall stehen schöne Bäume und Sträucher, dichte Wälder, es gibt Klippen, Berge, Strände, Sümpfe, Städte, Höhlen, noch kleinere Inseln an Eurer Insel - Fantastisch. Es gibt wenige Rollenspiele, die da mithalten können. Die Insel-Atmosphäre des Spiels ist eines seiner größten Stärken. Die Wetterwechsel sind schön mit anzusehen und der Tag/Nacht-Wechsel ist ebenfalls sehr cremig und detailreich abgestuft. Ihr könnt sehen, wie die Sonne durch die Äste blinzelt, während Ihr einem Gnom den Kopf eindrescht. Großes Kino.
Die Charaktermodelle gehen insgesamt in Ordnung, kommen aber was die Gesichter angeht, häufiger vor, als es sein muss. Vor allem bei Frauen fällt das stark auf. Was da schon häufiger stört sind die Teils holzernen Animationen, wenn euer Held, einen Vorsprung erklimmt, aus einem Wasserfass trinkt, oder etwas ausbuddelt. Hier legt man mit Absicht viel Wert auf Details, die manchmal leider fehlen. Einige Texturen könnten ebenfalls schärfer sein und in der Ferne bauen sich schon einige unschöne Ungetüme auf, dennoch ist das hier alles Jammern auf hohem Niveau. Mir hat das gar nichts ausgemacht und ich erfreute mich oft an der schönen und lebendigen Welt von Risen.

Bugs?

Erfreulicherweise gibt es keine, die Euch am Beenden des Spiels stören. Die Quests haben sich bei mir alle lösen lassen. Das Spiel ist bei mir 2 mal abgestützt, was aber bei 40h Spielzeit doch zu verschmerzen ist. Ein paar kleine Schnitzer sind aber dabei: Die Kollisionsabfrage stimmt nicht immer, es gibt ein paar Glitches und ab und zu, wenn man sich in einem 2 Stockwerke hohen Haus befindet, wird man in die erste Etage katapultiert, wenn man durchs Erdgeschoss raus will. Das ist mir aber nur 2 im gesamten Spiel passiert.
Bugfrei ist das Spiel nicht, aber mit einem Desater von Gothic 3 nicht zu vergleichen. Keine Gefahr an der Technikfront.


Fazit:


Grafik: 8/10
Sound: 10/10
Gameplay 9/10
Präsentation: 9/10
Story: 7/10

Wer Gothic mag, wird Risen mögen. Risen ist ein Gothic. Grafikfanatiker werden manchmal mit den Augen rollen und Literatur-Sachverständige können sich beschweren, dass die Story zu spät in Fahrt kommt. Zocker, die gute Rollenspiele mögen, werden ihren Spaß dran haben.
 
Selbiges gilt übrigens auch für die 360 Version, allerdings ist jene, aufgrund der unterdurchschnittlichen Technik (das liebevolles Design der Welt, ist nach wie vor top), eher etwas für die hard RPG und vor allem Gothic Fans. Wer mit Two Worlds leben konnte, den wird die Technik an Risen auch nicht stören, da Risen deutlich stabiler läuft, als Two Worlds.
Die PC Version ist natürlich vorzuziehen, aber der echte Gothic Fan, ohne einem ordentlichen Rechner, wird auch die 360 Version lieben lernen. ;)

Grafik Huren sollten einen weiten Bogen um das Spiel (zumindest die 360 Version) machen. Das Spiel lebt von seinen inneren Werten und bietet optisch, bis auf eine liebevoll gestaltete Welt absolut gar nichts...könnte sogar aus der vergangenen Gen stammen.
 
eiti schrieb:
Hat die PC-Version eigentlich auch Achievements?

Ja, das nennt sich dann Erfolge. Erinnert sehr stark an die Achievements oder Trophies, die man so kennt. Man bekommt für das Erreichen einige wenige Erfahrungspunkte und ein Bildchen.

@Trayal
Ja, das mag stimmen. Danke für die Anmerkung. Im Test bezog ich mich nur auf die PC-Version. Da ich die XBOX-Variante weder auf Bildern, noch Videos gar selbst habe spielen können.
 
Ich bin eigentlich riesiger Gothic Fan, mit hat bisher nur abgeschreckt, dass die Story ziemlich fade sein muss. Zumindest stand das so in der Gamestar, die haben 87% vergeben. Für Weihnachten ist das Game bestimmt klasse, mal schaun
 
nofix schrieb:
Ich bin eigentlich riesiger Gothic Fan, mit hat bisher nur abgeschreckt, dass die Story ziemlich fade sein muss. Zumindest stand das so in der Gamestar, die haben 87% vergeben. Für Weihnachten ist das Game bestimmt klasse, mal schaun

Das war bis jetzt bei jedem Teil so.
Gothic ist ja auch kein Baldurs Gate oder noch schlimmer, ein Final Fantasy, welches auf seiner Hauptquest basiert. Es baut viel mehr auf dieser wundervoll gestalteten Welt und der Fülle an Aufgaben auf. Klar, eine gute Story wäre natürlich wünschenswert gewesen, aber mMn auch nicht zwingend notwendig.
 
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