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REVIEW Review: The Witcher 3: Wild Hunt

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Jeder hat seine Meinung, und im gegensatz zum rest KT nennt der liebe @Bart Wux gründe, wenn auch zu Allgemein

@Edit: Und um es mal klar zu machen Skyirm ist quasi n Walking Simulator. Das schmeckt nicht jedem, und ein Witcher ist dann für solche Spieler viel attraktiver
 
skyrim und walking simulator? wir haben ja schon viele ausreden hier von dir gehört, aber du überrascht uns immer wieder.
 
Oh Mann Bart. Ich finde keine Worte für dieses Review!
Eigentlich kann es gar nicht von dir geschrieben worden sein, bei so vielen Superlativen. :D
Trotzdem hast du in allem Recht was du schreibst.
Das Spiel ist für mich, zumindest im RPG Bereich, für die nächsten Jahre das Maß aller Dinge.
 
Jeder hat seine Meinung, und im gegensatz zum rest KT nennt der liebe @Bart Wux gründe, wenn auch zu Allgemein

@Edit: Und um es mal klar zu machen Skyirm ist quasi n Walking Simulator. Das schmeckt nicht jedem, und ein Witcher ist dann für solche Spieler viel attraktiver

Im ernst?! Ich weiss noch, wie ich vor über sechs, sieben Jahren mal das Wort Wandersimulation nutzte im Zusammenhang mit Oblivion. Keine zehn Minuten später war ich von einem virtuellen Lynchmob umzingelt. Jetzt kommst du und sagst, TES/Skyrim sei quasi ein Walking Simulator. Surreal. :O_o:
 
Anzeige kann man ja ausstellen. Und bastel dir mal ein Set Witcher Gear. Da sind 20.000 aber schnell weg.
Ich lauf immer nur mit kompletten Sets rum, gerade noch das verbesserte Greifenbla ok SChwerter mittlerweile andere Hergestellt aber ich musste mir noch nie Zutaten kaufen, hatte alle selbst im Inventar und konnte sie selbst herstellen.
 
Klopp die alle in die Tonne und hol dir den Witcher. Dying Light und X-Com Bureau kannst du bitte dann noch mal aus der Tonne holen und gleich nochmal reinpfeffern, zur Sicherheit.

Nichts da, Dying Light bin ich gerade dran und es ist GEIL. Klar, die Story ist furchtbar aber solange ich Zombies schlachten kann, verzeihe ich viel. :ulgy:

Muss aber auch ehrlich sagen, daß ich zur Zeit keine Lust auf so ein Mammutprojekt wie Witcher 3 habe.
 
Das mit den bugs ist aber schon ärgerlich, die haben doch extra noch betont sie verschieben liegt über das Spiel, bevor sie es so verbuggt wie units releasen. Schön mit dem Finger auf andere Entwickler zeigen und es dann selbst nicht besser hin bekommen. Manchmal sollten man dann vielleicht doch eher die Klappe halten,aber passt ja zu der ganzen Vorgeschichte.

Ich werde es mir erst holen, wenn ich beim spielen nicht auf bugs aufpass muss
 
Bart hat bereits alles gesagt, was man sagen kann. Wer nach einem professionellen Review zur Kaufentscheidung sucht, wird dort fündig. Mit meinem Review gehe ich einen etwas persönlicheren und oberflächlich spoilerbehafteten Weg. Meine Fantasy-Aversion ist kein Geheimnis, und bis heute hat mich auch kein vollwertiger Versuch in diese Richtung überzeugt. Doch wer wissen will, wie Magie und Monster bei mir in Einklang mit Spaß und 85 Stunden Spielzeit gekommen sind, wird dies nun erfahren. Begeisterung kann hier sogar wörtlich genommen werden.

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Geralt hat's einfach drauf

Der vielleicht wichtigste Faktor des Spiels, der als Dreh- und Angelpunkt für die Stimmigkeit des Gesamtpakets herhalten kann, ist Geralt von Riva höchstpersönlich. Nicht nur optisch ist er mit langer Mähne, über mehrere Spieltage hinweg gereiften Vollbart und prägnanter Narbe ein Mannsbild alter Schule, sondern auch charakterlich und beruflich. Ein Hexer ist ein Profi, nüchtern in seiner Art, autoritär in seiner Erscheinung. Höflich, aber entschieden. Ich bin den Weg des Wohltäters gegangen, wobei einer der Pluspunkte der Dialoge ist, dass es hier keine eindeutigen Entscheidungen gibt: hat der Ahnenkult mehr Berechtigung als die ungläubigen Verwüster? Hat ein Mann, der seine Frau für ein andere verlassen hat, mehr Hilfe nötig, als die Betrogene, die aus Rachelust einen Fluch auf ihn gelegt hat? Geralt ist das gesamte Spiel über mit solchen Situationen konfrontiert, von Nichtigkeiten bis hin zu weitreichenden Konsequenzen ist alles dabei. Als grundsätzliche Tugend habe ich mir aber herausgenommen, bedürftigen Bauern oder Bordellbesitzerinnen meine Belohnung nicht auszahlen zu lassen. Nicht nur, weil ich durch den regelmäßigen Verkauf von allerlei Loot mehr als genug für meine Zwecke in der Tasche hatte, sondern weil ich das so will. Oder ich habe die Konfrontation gleich komplett vermieden, weil ich mein Gegenüber mit Axii willenlos gemacht habe. Geralt ist für mich ein Mann des einfachen Volkes, immer sachlich nachfragend wenn man es will und jederzeit bereit, eine Lage ohne Kampf über Dialoge oder Kompromisse zu lösen.

Besonders gut zur Geltung kommt Geralts Wesen, wenn er sich in Gesellschaft befindet. Mit seinen hübschen Frauen Triss, Yennefer und Ciri an der Seite wird der wuchtige Kerl auch Mal zu Wachs in ihren Händen, Anspielungen oder Seitenhiebe werden meistens gekonnt umschifft. Seine Ziehtochter versucht er sogar aufzumuntern, was er mit einer spontanen Schneeballschlacht oder dem gemeinsamen Verwüsten des Verstecks eines Elfen auch schafft. Dass ich mich aber weder für Triss noch für Yennefer entschieden habe, musste ich gegen Ende bitter bezahlen. Da freut man sich auf einen flotten Dreier und wird dann angekettet am Bett eine Nacht alleine gelassen – es ist unglaublich, wie die Entwickler hier mit Vorfreude und Frust gespielt haben, aber Geralt, der Lustmolch, hat es nicht anders verdient. Dass er auch eine sarkastische, soziale und ironische Ader hat, beweist er in Dialogen und Saufgelagen mit Dikstra oder Zoltan, geschmunzelt und gelacht wird regelmäßig. Man muss ihn nur mal reden hören, wenn er einen Auftraggeber auf Wunsch verarscht, der hören will, dass seine Beobachtung wirklich ein Drache war. Abwertende Kommentare gegenüber dem hässlichen Getier kommen ihm ebenso häufig über die Lippen. Geralt von Riva ist ein genialer Protagonist, dessen Ausarbeitung auch ohne viel Wissen der Vorgänger zu überzeugen weiß. Lieber Max Payne, Michael Townley und John Marston, rutscht zusammen, Geralt braucht einen Platz am Tisch.

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Witchers Vision von Fantasy überzeugt mich

Ein interessanter Hauptcharakter kann aber nicht der alleinige Schlüssel sein. Wie angedeutet, ist es nicht nur Geralts Wesen, das über alle Eigenschaften verfügt, die ich an Spielfiguren liebe, sondern vor allem der Kontext, dem er ausgesetzt ist. Er durchstreift das nördliche Königreich, das von einem politischen Konflikt durchdrungen ist. Die Nilfgaarder aus dem Süden drängen in den Norden, und selbst mit Konzentration auf seinen Beruf kommt man nicht um diplomatischen Zündstoff herum. Dass das Hauptaugenmerk der Weltgestaltung aber nicht nur darauf basiert, sondern das andere Puzzlestück aus Fantasy-Elementen besteht, fühlt sich hier nicht lästig, sondern reizvoll an. Witcher gilt als Low-Fantasy, was ich angesichts der Bilder und Videos nicht nachvollziehen konnte, es nun aber tue.

Die Monster und Kreaturen, die vor langer Zeit durch den Atmosphärenkataklysmus hereingeströmt sind, stellen für praktisch jeden Bewohner ein Dorn im Auge dar. Menschen hatten es lange Zeit nicht einfach, doch trotzdem existiert auch nach der erarbeiteten Überlegenheit Rassismus und gespielter Friede gegenüber Elfen, Zwergen und Magiern. Zum Glück gibt es Hexer, die sich um solche Probleme kümmern. Ausgebildet in der höchsten Stufe des Hexertums und dank Mutation besonders hellhörig und scharfsinnig ist es Geralts Hauptaufgabe, Dörfer von vielseitigen und ekelig designten Monstern zu befreien oder Flüche von scheinbar Unschuldigen zu nehmen.

All das wird herrlich erwachsen und sachlich präsentiert. Diese Formel fühlt sich gut an, keine Sekunde habe ich gedacht, dass ich mich hier inmitten von Fantasy-Klischees befinde. Gesehen habe ich schon viel, gespielt eher weniger, doch Witcher 3 verfolgt eine Fantasy-Vision nach meinem Geschmack, die aber sicherlich nur derartig zündet, weil der Mantel um den Kern passt.

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Velen, Novigrad, Skellige - geht's noch schöner?

Open-World. Ein magisches Wort für mich. Doch lange Zeit im Vorfeld habe ich Witcher 3 als „Landschaftsrollenspiel“ abgetan, das „ich in dieser Form nicht brauche.“ Landschaften mit viel Wald, Wiese und Acker liebe ich, doch wenn eine Spielwelt fast nur daraus besteht, wird es langweilig. Eine Einstellung meinerseits, die das fertige Spiel über Bord geworfen hat und wohl an der Befürchtung gegenüber dem Fantastischen lag. Witcher 3 hat die schönsten Naturbilder, die ich bislang in einem Spiel gesehen habe. Der Wind, der alles in Bewegung hält, die vielen Dörfer, in denen immer etwas los ist, die verschiedenen Atmosphären vor allem bei Mondschein, Regenguss oder Sonnenuntergang sind atemberaubend – es wirkt unfassbar authentisch und trotz seiner Größe abwechslungsreich genug, was an Novigrad, Skellige oder auch besonderen Fixpunkten in der Spielwelt wie dem Vegelbud-Anwesen während einer Maskenfeier liegt.

Mittelalterliche Städte sind nicht neu in Videospielen. Man nenne hier nur Assassin’s Creed, das mit dem alten Italien oder sogar dem noch taufrischen Paris eine Messlatte für mich gelegt hat. In welcher Güteklasse kann also eine Stadt mitspielen, die „nur“ Teil einer Map ist? Antwort: eine große. Auch bei den Ausmaßen. Novigrad ist breit, lang und verwinkelt. Was sich in anderen Rollenspielen häufig als Stadt bezeichnet, aber selbst bei bestem Willen nur als weitläufiges Dorf durchgeht, ist hier wirklich eine wahrhafte altertümliche Metropole. Hunderte Häuser, ein Marktplatz, mehreren protzige Anwesen, Hinterhöfe, ein schiefes Haus, das angeblich durch Tunnelgraben in der Nähe der Vivaldi Bank kippte, ein protziges Bordell, ein Badehaus, ein komplexes Zisternensystem unter der Stadt, ein großes Hafenviertel, zwielichtige Ecken mit eigenen Regeln – hier gibt es alle Zutaten einer Großstadt. Novigrad pulsiert bei Tag und Nacht, Architektur und Häuserdichte sind erschlagende Argumente. Da geht einem als Fan von virtuellen Schmelztiegeln das Herz auf.

Und wenn man glaubt, Velen und Novigrad schon gut zu finden, kommt die Insel Skellige und pulverisiert diesen Umstand beinahe noch. Hier herrscht eine kühle Atmosphäre mit anderer Vegetation, raues Meer samt kleineren Inseln, viel Schneegestöber und eine majestätische Burg hoch oben auf dem Berg. Meine Güte, ist das ein Gefühl von Dimension, ein Gesamtverbund an Schauplätzen, die sich gegenseitig übertrumpfen. Schritttempo und sanfter Trab auf dem Pferd brachten mich gemütlich durch die Welt, Schnellreise und Gerenne waren ein Tabu.

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Präsentation & Spielverlauf - AAA vom allerfeinsten

Es wurde damit eine hervorragende Basis geschaffen, um mit Geralt im nördlichen Königreich auch wirklich was Bedeutendes zu erleben. Und hier fackelt Witcher 3 alles ab, was modernes AAA-Gaming für mich zu dem macht, was es ist. Eine Mainquest, die sich gut und gerne über 60 Stunden hinzieht, wenn man alle wichtigen Story-Nebenquests mitnimmt, ist dabei das Filetstück des Erlebnisses. Geralt ist im Grunde nur auf der Suche nach Ciri, doch diese scheinbar einfache Aufgabe entfaltet sich im Laufe der Geschichte zu einem großen, zusammenhängenden Bogen über alle Arten Aufgaben. Der Baron auf Krähenfels hat angeblich Infos über ihren Aufenthaltsort. Also gehen wir dort hin. Wie geht es nun weiter? Es startet gewiss keine Fetch-Quest, die eine bedingungslose Preisgabe der Info zur Folge hat – man hilft dem Baron, enthüllt sein dreckiges Geheimnis, bohrt immer tiefer. Am Ende findet ein scheinbar geläuterter Herrscher zu seinem wahren Ich, ein weiterer Handlungsstrang mit den Muhmen aus dem Sumpf findet hier seine Wirkung und Hansi, der sympathische Göttling, wird gegen Ende der Mainquest sogar noch eine Rolle spielen – genau wie der „hässlichste Mensch der Welt“, der zum Schluss der Quest völlig deplatzierend wirkend einen kurzen Auftritt hat – das ist Weltklasse. Bis zum Finale.

Und während man all dies erlebt, ist nichts versteift oder künstlich. Genial inszenierte Zwischensequenzen und lebendige Dialoge, die vollständig und angenehm Deutsch synchronisiert sind, sorgen für das nötige AAA-Flair, das auch ein solches Rollenspiel haben sollte. Ruhige Kamerafahrten- und schnitte gehören ebenso dazu wie cineastische und epische Momente vor allem gegen Ende der Mainquest. Auch eingestreute Abschnitte mit Ciri bringen Kontext und Vertiefung des Zwischenmenschlichen. Abgerundet wird es von tollen 3rd-Persn-Animationen sowohl im Kampf als auch beim Gehen und einer leicht trägen Steuerung zu Fuß und auf Pferd – Geralt gibt ein schönes Gefühl des Eigengewichts von sich, und derartiges habe ich sehr gerne. Über das allgemeine Sounddesign und die Mimik muss ich keine Worte mehr verlieren, auf sämtlichen Ebenen der Technik wirkt Witcher 3 poliert und professionell. Ein Lade-Bug über die gesamte Spieldauer gesehen ist unbedeuted.

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Ist das Gameplay-Gerüst Mittel zum Zweck?

Natürlich habe ich das Gameplay an sich nicht vergessen. Das Schwelgen über Geralt, die Spielwelt und die Präsentation machen das Kraut so richtig fett, doch mit nervigem Gameplay wäre das sicherlich nicht so intensiv der Fall gewesen. Grundsätzlich nehme ich es mir raus, das für viele heilige Witcher mit dem profanen AC Unity und Ryse zu vergleichen: altertümlich, Soldaten mit Schwert und Schild, Hexer-Sinne, verstohlene Untergrundorganisationen, Geschnetzeltes, Grad der Gewalt, Triss = Elise – ja, da gibt es viele Parallelen.

Das zugrunde liegende Kampfsystem geht flüssig von der Hand, Geralt kann blocken, ausweichen, zuschlagen und zur Not auch brutale Finisher vollführen, die bei höherem Level einen niederen Banditen schon mal in zwei Hälften teilt. Angereichert wird es durch die Möglichkeit, fünf sogenannte Zeichen nutzen zu können. Mit Feuerstrahl bin ich aktiv am Grillen, mit Schutzschild, Druckwelle und Gedankenmanipulation eher subtil, mit der magischen Falle effektiv gegenüber Geistern und Konsorten. Obendrauf kommen eine sehr elegante Armbrust mit allerlei verschiedenen Bolzen, Absude, Tränke, Bomben und Öle, die auf Knopfdruck Erleichterungen im Kampf generieren oder Gegner mit nur wenigen Schlägen zu Boden fallen lassen. Ich habe Witcher 3 auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad gezockt, da ich mich von der möglichen Komplexität nicht direkt wieder abschrecken lassen wollte – im Nachhinein wäre „Normal“ wohl ebenso gegangen, aber es änderte schließlich nichts Gravierendes. Die Gefechte sind dynamisch, man kann sehr viel Kreativität in Angriffsmuster investieren und wer glaubt, dass ich ohne Tode durchkam, irrt sich, auch ich bin bei dem ein oder anderen Greifen oder Vampir besonders in der ersten Spielhälfte ins Jenseits gegangen.

Looten & Leveln? Ja, ein Spieldesign, mit dem ich tatsächlich nicht so viel anfangen kann. Doch ich betone immer, dass dieses Prinzip neutralisiert wird, wenn das Drumherum passt. So war es bei Fallout der Fall, ebenso bei Mass Effect oder als seichte Nebengerüste in Deus Ex oder Far Cry. Ich möchte als Charakter am liebsten sofort alles können und mich dann auf mein eigenes Geschick verlassen, aber mit Level 35 eigene Schwerpunkte bei den aktiven Angriffen zu bestimmen und immer stärker zu werden, hat auch was für sich. Looten ist eher ein nerviges Muss, doch um mir das eigene Spieleleben nicht unnötig schwer zu machen, schaute ich jede Kiste, jedes Regal und jeden Händler gründlich durch. Es lohnt sich ja, vor allem für spezielle Tränke oder Schemata, die meisterliche Handwerker für hinreißend schicke Schwerter und Rüstungen verwenden können.

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Das Spielgefühl ist etwas Besonderes

Witcher 3 lässt sich super angenehm spielen, es ist über weite Strecken sehr ruhig und gemütlich, wenn man es denn will. Wenig Kampf, viel Dialog, ein Pacing, das man sich selbst machen kann. Alleine mit dem schlichten Reiten oder Segeln durch die Welt und dem Angehen von nebensächlichen Dingen vergeht viel Zeit. Und das viel zu schnell. Immer gibt es was zu tun, immer ein Gespräch zwischen Personen, das hörenswert ist oder Ereignisse aufgreift, oder Random-Events (die anscheinend keine sind, aber sich so anfühlen), die auch etwas zur Immersion beitragen. Dabei sind es häufig die kleinen Dinge, die haften bleiben. Eine alte Frau beschwert sich darüber, dass ein Wolf ihre Hühner stiehlt. Doch es stellt sich heraus, dass es nur Waisenkinder sind, die es mit einem Wolfsfuß so erscheinen lassen. Ich versuchte sie zu überreden, die Kinder bei sich aufzunehmen, um so eine Win-Win-Situation zu schaffen. Einige Spieltage später kam ich zufällig wieder vorbei. Und die Kinder spielten fröhlich im Garten. Oder ich werfe einigen ruppigen Skelligern meine Geschichte mit der Hilfe mit dem Riesen ins Gesicht, schon verließen sie das Bordell freiwillig. Das ist es.

Ein besonderes Lob verdienen die Hexer-Aufträge. Die Essenz dessen, was Geralt neben all dem anderen coolen Zeug eigentlich machen will, soll oder muss. Ein besorgter Bürger wendet sich an mich und gibt Details preis, die auf ein Monster in der Nähe schließen lassen, welches die armen Leute bedroht. Man kann nun bei vielen Aufträgen noch etwas genauer nachfragen, Leichen untersuchen oder sich gleich auf Spurensuche machen. Mit den Hexer-Sinnen, die an Batman oder das Adlerauge erinnern, sieht man Blutspuren, Fußspuren und sogar Gerüche. Ich folge ihnen. Dann findet man entweder verängstigte Opfer oder etwas ganz anderes. Der Verlauf ist immer anders, nicht immer ist ein Monster wirklich der Grund des Unheils, doch wenn es das ist, nimmt man sich nach Erledigung eine Trophäe mit und holt seine Belohnung ab. Hunderte Fragezeichen, Banditenlager, Monsternester, Personen in Not, Faustkämpfe oder Pferderennen, die selbstverständlich auch die ein oder andere merkwürdige Situation bereithalten, sind dabei nur Füllmaterial, das ich aber gerne mitgenommen habe. War ein Geheimnis unter Wasser oder weiter oben, tauchte oder kletterte Geralt auch ohne Weiteres. Durchflutete Höhlen und überwucherte Ruinen würden selbst Lara Croft anlocken.

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Mein Fazit

Ich hätte es in dieser Form nicht für möglich gehalten. Ich habe Witcher 3 immer belächelt und es auch nur zu Release probiert, weil es sonst kein Mailight 2015 gab. Wahrscheinlich war dadurch die Überraschung noch um einiges größer, und nun stehe ich völlig befriedigt in Novigrad rum und schwelge in den Erinnerungen. Das Spiel hat alles an Bord, was ich an heutigen Spiele liebe und zaubert mir als Kirsche auf der Torte eine Blaupause für Fantasy-Konzepte auf den Schirm. Ich schrieb damals in meinem Review zu Skyrim, dass es „ein erlebenswertes Spiel war, ich es aber wegen AC3 letztlich nicht unbedingt gebraucht hätte, da ich alles, was ich in Skyrim gut finde, dort auch finde - minus Fantasy.“ Witcher teilt diesen Spruch in zwei, es ist ein stilprägendes Meisterwerk, das lange Zeit für sich stehen wird und immer als Maßstab für künftige Fantasy-Erlebnisse bei mir herhalten werden wird. Es ist das RDR der Next-Gen für mich und im Zweifel wahrscheinlich GOTY, wenn ich bei Unsicherheit den Überraschungseffekt und den Impact mit einbeziehen muss. Ihr könnt euch die Wertung ausmalen: Witcher 3 bekommt von mir erst als 8. Spiel überhaupt die volle 5.0.

(Screenshots stammen von @MiXeR und @eape - vielen Dank dafür)
 
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