@SirHorst
Die einzigen Final Fantasy-Spiele, die so funktioniert haben wie du es beschreibst, waren X und XIII und die hatten jeweils ein offenes Kapitel und sonst eben eine komplett durchinszenierte Story.
Ich glaube zu verstehen, was sich die Entwickler bei dem Spiel gedacht haben. Am Ende wird es deutlich. Und das sind Ambitionen, die ich denen während des Spiels kaum zugetraut hätte.
Der erste, offene Teil fokussiert sich auf die Welt, auf die Charaktere und ganz besonders auf unsere Party. Zumindest muss das die Vorstellung des Studios gewesen sein. Hier soll man das Abenteuer frei gestalten und so die Kerle lieben lernen. Das klappt zum Teil. Die Interaktion zwischen ihnen ist sehr sympathisch. Die Sache scheitert meiner Meinung nur daran, dass Hintergründe fehlen und mehr Interaktionen als zufällig generierte. Letztendlich erlebt man aus meiner Sicht im ersten Teil keinen Roadtrip. Alle anderen Final Fantasy-Spiele waren mehr Roadtrip. Ich bewege mich hier nicht um die Welt und lerne neue Städte, neue Menschen, fremde Kulturen und so kennen, so wie ich es von einem Roadtrip erwarte, so wie JRPGs normalerweise aufgebaut sind. Die NPCs, die nicht nur Schaufensterpuppen sind, lernt man zu Beginn kennen und sie sind offensichtlich nur für eine schlechte, generische Questreihe geschrieben. Wie soll man zu solchen Charakteren eine Beziehung aufbauen? Ansonsten streift man von A nach B und wieder zurück um dann bei C den x-ten Tomb zu untersuchen. Das ist kein Abenteuer.
Der zweiten Teil setzt aber dieses Abenteuer voraus. Im linearen Part beginnt dann die Geschichte oder eigentlich eher das Finale der Geschichte, die man sich selbst schreiben sollte (aber ohne Bleistift und Papier). Dann kommen plötzlich Rückblenden wie man Huntmob XY gekillt hat und wie stark die Freundschaft in der Zeit gewachsen ist. Und ich hatte als Spieler eher das Gefühl, dass ich die Story einfach pausiert habe, um zu leveln. Und da ist nichts gewachsen außer vielleicht mein Hass auf die Art Open World-Gamedesign. Und dadurch fühlt sich das Finale so "leer" an, weil ich die Welt nie kennengelernt habe, weil ich keinen starken Bezug zu den Personen habe und weil ich gar nicht so direkt weiß, worum es eigentlich geht. Das mag Spielern, die sich Kingsglaive, Brotherhood, die minimalistischen, wirr verstreuten, optionalen Büchertexte aus der Open World und Packungsbeilagen angeschaut haben, anders gehen. So hatte ich zumindest Spaß an der optischen Präsentation des Finales mit Dialogen und Szenen, wie man sie von einem Final Fantasy erwartet (nur eben nicht erst nach 40h Ingamezeit), aber es fehlte das Gewicht, das das Spiel hätte über seine Laufzeit aufbauen müssen.
Was sie sich aber beim Kampfsystem gedacht haben, muss jemand anderes erörtern. Ich habe die Enttäuschung gerade für 50€ weiterverkauft.
