Zerfikka
GOTTKAISER
Ich kann es einfach nicht ertragen, dass es dieser unsägliche ZEIT-Artikel es tatsächlich geschafft hat, dass hier nun wieder eine Debatte darüber entfacht wurde, wer denn nun zu uns kommen dürfte und wer nicht, wie man es schafft "Migration" zu begrenzen und zu lenken. Und so weiter und so fort.
Mir wurde ja von @Cale vorgeworfen meine Empörung wäre unangebracht, weil ich den Inhalt des Pro/Contra-Artikels nicht kennen würde.
Abgesehen davon, dass der Vorwurf nach wie vor ins Leere läuft, fühle ich mich nun fast schon gezwungen doch mal auf den Inhalt des Artikels einzugehen.
Denn wenn schon die bloße Debatte über die private Seenotrettung als Meinungsstück eine Ungeheuerlichkeit ist, dann sind die Positionen von Lau eine Ungeheuerlichkeit im Quadrat.
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Hier werden zwei Kategorien vermischt. Selbstverständlich trägt die Seenotrettung nichts zur Lösung des politischen Problems bei. Die Seenotrettung bewahrt Menschen vor dem Ertrinken, ein Ertrinken dass offensichtlich politisch gewollt oder aber zumindest billigend in Kauf genommen wird.
Die Seenotretter*innen sind nicht da draußen um Politik zu machen, sie sind da draußen um Menschenleben zu retten. Punkt.
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Das ist ein Feigenblatt. Natürlich sollte es es so sein, dass die Rettung staatlich erfolgt. Tut sie aber offensichtlich nicht. Also springen private Retter*innen dort ein, wo die Staaten versagen.
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Der schlimmste und verrohteste Satz, "Ihr Verständnis von Menschenrechten ist absolut kompromisslos". Man muss sich das mal vor Augen halten: hier wird offensichtlich dafür argumentiert, dass Menschenrechte nicht kompromisslos gelten sollten. Wenn wir Menschenrechte nicht mehr für unverhandelbar halten und der Meinung sind, dass man da ja vielleicht doch auch situativ entscheiden muss wieviel Menschenrechte welchen Menschen zu welcher Zeit eingestanden werden sollten, ja dann können wir den Laden hier zumachen!
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und
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Das ist unglaublich perfide: na gut, lassen wir die Menschen mal ersaufen weil die innenpolitische Lage in Italien jetzt vielleicht erst mal wichtiger ist als das Leben dieses Nigerianers oder dieser Äthiopierin.
"Hör mal, wollen wir die Menschen wirklich aus dem Wasser ziehen? Ich kann mir vorstellen, dass wir damit vielleicht die italienische Regierung in Erklärungsnot bringen."
WTF?
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Der Spaziergang durch Rom wäre natürlich viel angenehmer, wenn die Flüchtlinge nicht lebend in den Straßen rumhängen würden sondern tot im Mittelmeer treiben würden. Entschuldigt an diesem Punkt meine Polemik.
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Stellvertretend für die Argumentation am Ende des Artikels, wo wieder der Fehler gemacht wird die Seenotrettung auf einer politischen Ebene zu verhandeln.
Es ist vollkommen witzlos darüber zu fabulieren, wie toll es doch wäre wenn Europa sich doch einfach aussuchen könnte, wer denn nun rein darf und wer nicht.
Selbst wenn dann nur noch die Hälfte der Menschen die Flucht übers Mittelmeer wagen würde wie jetzt: was machen wir mit denen? Können wir die dann endlich reines Gewissens ersaufen lassen weil wir dann ja mit absoluter Sicherheit wissen, dass wir die bei uns ohnehin nicht haben wollen?
Unterm Strich bleibt eine zutiefst menschenverachtende Logik, in der Menschenleben als Mittel zum Zweck behandelt werden. Ekelhaft und der ZEIT absolut unwürdig.
Aber toll, dass sie dafür Platz in ihrer Zeitung bereitstellen. Weil dem Diskurs darf man sich ja nicht verschließen und so.
Edit: Hier gibt es den Text in seiner Gänze.
Volle Zustimmung, bei den Textpassagen kann ich nur mit dem Kopf schütteln und es macht mich echt wütend, wie man so einen Müll von sich geben kann. Ich hoffe inständig, daß eine merkliche Anzahl von Menschen ihr Abo bei der Zeit gekündigt haben. Ich hätte es nach so einem Artikel auf jeden Fall getan.



