Das Produkt unserer Vorfahren ist auch, dass in den letzten 100 Jahren zwei Weltkriege von deutschem Boden ausgingen. Das Produkt unserer Vorfahren ist auch, dass Millionen und Abermillionen unschuldige Menschen kaltblütig abgeschlachtet wurden. Sind wir dafür auch irgendwie verantwortlich? Oder zumindest für die Folgen und Lehren, die sich aus diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte ergeben? Oder kann man davor getrost die Augen verschließen und sich stattdessen nur die Rosinen rauspicken?
Es widert mich zutiefst an, dass es mittlerweile
common sense ist, sich und seine Generation von den Naziverbrechen strikt abzugrenzen, wenn im selben Atemzug mit einem gewissen Stolz darüber geschwärmt werden kann, was hier in Deutschland Tolles erschaffen und aufgebaut wurde.
Das was hier erschaffen wurde war nur möglich, da die Amis Deutschland als Verbündeten gegen die SU brauchte. Wenn die Alliierten wirklich
alliiert gewesen wären - und zwar über die Zeit nach 45 hinaus - dann hätten wir uns aber schön bedanken können über "das Produkt der Arbeit unserer Vorfahren". Das was hier erschaffen wurde war übrigens auch nur möglich, weil Millionen von Flüchtlingen daran beteiligt waren. Dass aufgrund von 1
2-14 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen (auch interessant, dass man hier mehrheitlich von Vertreibung redet) aus den deutschen Ostgebieten quasi jede deutschen Familie über irgendeinen Verwandtschaftszweig einen "Migrationshintergrund" hat, scheint aber nicht für eine übermäßige Empathie für die Notlage aktuell fliehender Menschen zu sorgen.
Für mich ist das unbegriflich; wie man so viel Zynismus aufbringen kann, um jede Verantwortung für die aktuelle Flüchtlingsproblematik mit der Begründung zur Wahrung des eigenen Wohlstands beiseite zu schieben.
Für all jene eine weitere Meldung der Kategorie "not my cup of tea":
UN befürchtet schlimmste Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer. Bis zu 700 Todesopfer befürchtet
PS: Und das ist nur das augenscheinlichste Beispiel dafür, warum
man gerade Deutschland eine besondere Verantwortung für die Notlage fliehender Menschen besitzt.
Dass andere europäische Länder und die gesamte EU ihrer spezifischen Verantwortung, die sich aus vielerlei Gründen ergibt, ebenfalls nicht gerecht wird, steht dabei noch mal auf einem anderen Papier.
Es gibt kein Land dass in seiner Historie eine weiße Weste behalten hat.
Krieg, ethnische säuberungen, Vertreibungen, Sklaverei. Wer kann sich davon komplett freisprechen?
Du fragst ob wir für die zwei wk verantwortlich sind?
Nein, ich sicherlich nicht und auch die Generation meines Vaters nicht. Ich kann nicht für etwas verantwortlich gemacht werden was vor meiner Lebenszeit passiert ist. Es gibt keine ewig andauernde kollektivschuld.
Es ist wichtig dass wir nicht vergessen und unsere Historie in angemessenerweise reflektieren.
Was aber hier in Deutschland noch immer passiert ist dass man auf Leistungen nicht stolz sein darf, dass Deutschland auf 12 dunkle Jahre beschränkt wird, dass man keine Kritik an Israel äußern darf ohne das der Zentralrat der Juden ausflippt und meint er müsse uns wieder in die Demut zwingen. Grade hier platzt mir die Hutschnur, was in Israel passiert ist ein Genozid unter mit Hilfe der westlichen Welt. Israel ist ein terrorstaat der mit Waffen und Geld unterstützt wird dort Menschen zu schikanieren und in Massen umzubringen. Aber das führt jetzt zu weit.
Sobald man Kritik übt an Ausländerpolitik oder individuelles Fehlverhalten ausländischer Mitbürger zur Sprache bringt wird man als nazi oder zumindest als rechts dargestellt.
Dieser Automechanismus ist den meisten so gut eingeimpft worden dass sie gar nicht In der Lage sind einige Situationen richtig zu reflektieren und einzuschätzen. Die kennen nur die nazi keule Mit der Man hier in Deutschland jede Diskussion im keim Ersticken lassen kann.
Ich habe auch geschrieben, dass wir Hilfe von den Amis bekommen haben. Und trotzdem sage ich, andere Gesellschaften hätten daraus nicht soviel gemacht wie es hier geschehen ist.
Wir können froh sein dass der morgenstern plan nicht durchgesetzt wurde und man uns als Gegenpol zur UdSSR brauchte.
Aber warum kann ich nicht stolz drauf sein was hier indem letzten 70 Jahren entstanden ist? Das wir geschafft haben Wohlstand und eine starke Wirtschaft aufzubauen ?
Es gibt Leute die nur danach trachten sich selbst zu verachten, so kommt mir dein Post vor.
Um es nochmal deutlich zu machen: ich bin nicht stolz Deutscher zu sein. Ich bin froh einer zu sein und hier leben zu dürfen. Was hier aber geschafft wurde macht mich stolz, und das meine Familie ein Teil davon ist.
Die Flüchtlinge aus den deutschen ostgebieten waren aber volkseigene Flüchtlinge. Nach dem Krieg sind sie aus zB Schlesien wie meine Großmutter vor den Russen geflohen. Zurück konnten sie nicht da die Grenzen ja verschoben wurden.
Das sind deutschsprachige Menschen gewesen, die auch der deutschen Kultur angehörten. Das kann man meines Erachtens nicht nicht Menschen aus Afrika vergleichen.
Sie gehörten zu Deutschland und sind innerhalb eines Landes geflohen wegen der Verschiebung der Grenzen.
Ich sehe Deutschland in keiner besonderen Verantwortung.
Wie schon gesagt, ich bin es leid immer wieder auf die Verbrechen der ns zeit reduziert zu werden. Das hat mit mir nichts zu tun. Und heutige politische Entscheidungen dürfen nicht davon bestimmt werden. Man darf nicht vergessen und wie aus allen Verbrechen an der Menschlichkeit muss man seine Lehren daraus ziehen, aber wie leben jetzt in einer komplett anderen Gesellschaft mit anderen Herausforderungen und Politik muss der Gegenwart und der Zukunft gerecht werden. Nicht der Zeit vor 70 Jahren.
Wenn du schon von historischen Verantwortung sprichst, was ich schwachsinnig finde, dann sollten die Kolonialmächte besonders in der Verantwortung stehen. Frankreich, Belgien und England dürften in dem Fall die Hauptakteure sein.
Sorry für den langen Text und das ich zum Teil abgeschweift bin. Das musste jetzt mal raus.