Rock’n’Roll Mercenaries…
Naja, nicht ganz. In Pandemics Sandbox-Action Titel erlebt ihr das Leben eines Mercenaries am eigenen Leib. Ihr habt dabei die Wahl aus eurem Dreierteam einen Merc für euer Abenteuer auszuwählen. Die Auswahl besteht aus der Quotenfrau Jennifer Mui, dem Quotenschwarzen Chris Jacobs und dem Quotenschweden Mattias Nilsson. Nach der Auswahl sprengt ihr im Tutorial ein bisschen was in die Luft, wollt das Geld von eurem Auftraggeber einkassieren, der euch allerdings mit einer Kugel im Gesäßfleisch bezahlt bevor er sich zum Diktator von Venezuela erklärt. Da „jeder bezahlen muss“, machen sich unsere drei edlen Weltverbesserer an die Arbeit, die Schulden einzutreiben.
Ihre Rechnung, bitte
Und damit seid ihr im großen Sandkasten ausgesetzt, den Venezuela darstellt. Aus der Perspektive der dritten Person steuert ihr euren Merc zu Fuß oder in einem der diversen Fahrzeuge durch das südamerikanische Land und reißt dabei alles bis auf die Grundmauern nieder, was euch im Weg steht. Die Story wird hier und da durch Cutszenes voran getrieben, aber keiner der Charaktere hat genug Persönlichkeit, um zu fesseln. Die eigenen Mercs sind bestenfalls Karikaturen, der Antagonist ein schmieriger Schleimbolzen und die restlichen Figuren und Fraktionen allesamt eine Ansammlung von Klischees. Für seine Story wird Mercs 2 eher nicht berühmt werden.
Um an euren ehemaligen Auftraggeber Ramon Salami (oder so) heran zu kommen, müsst ihr zunächst für eure Aufgaben für diversen Fraktionen innerhalb des zerrütteten Landes machen. Diese lauten meist so wie: Töte diese, erobere dies, bring uns jenes! Mit der üblichen Doppesticksteuerung (links Figur, rechts Kamera) und Schießen/Zielen auf den Triggern kommen Shooterfans sofort zurecht. Etwas seltsam aber ist, dass ihr eure Standardwaffe mit RB auswählt, eure Granaten aber mit links auf dem Digipad, da LB die Granate wirft. Auch das Sprinten auf dem linken Stick ist nie wirklich optimal, aber da kann man im Spiel durchaus mit leben. Die hakelige Steuerung beim Zielen ist da schon ärgerlicher. Zumal jeder noch so kleine Wicht ein ganzes Magazin braucht, bis er hops geht. Selbst bei klaren Kopftreffern braucht man schon vier, fünf Schuss. Das Fahren erfolgt mit A und X während ihr aber weiterhin die Kamera mit dem rechten Stick bewegen sollt. Wer da zu den Unglücklichen gehört, die nur einen Daumen haben, hat da ein kleines Problem. Aber wie gesagt nur ein kleines, denn das Game liefert zum Glück noch etliche mehr.
Aua, mein Bein
Das erste wäre, dass ihr erstmal zu euren Auftraggebern hin laufen müsst. Ihr könnt auch fahren, wenn ihr einen Untersatz findet oder euch von eurem Helikopterpiloten transportieren lassen, sowie ihr genug Ölreserven habt, letzteres aber geht nur, wenn ihr den entsprechenden Ort schon einmal besucht habt. Auf Grund der Größe der Karten dauert allein der Anfahrtsweg Ewigkeiten und das Schlimmste: Solltet ihr unterwegs sterben, dürft ihr den gesamten Weg von vorne beginnen. Und unterwegs sterben geht schnell, da die venezuelanische (?) Armee euch an allen Ecken und Enden auflauert und euer Merc bei einem Abstieg eines Hügels, bei dem er ein paar Mal aus 30 Zentimeter Höhe auf den Boden fällt, durchaus 50 % seiner Energie verlieren kann.
Seid ihr endlich angekommen und hofft auf ordentliche Explosionen, wie sie die Trailer halt versprochen haben, stellt ihr fest, dass ihr eine Art Hummer Probe fahren oder ein Checkpunktrennen absolvieren sollt. Ein blöder Stein nach drei Minuten Fahrt kann dabei euer Gefährt entgegen jeglicher Regel von Gravitation und Physik aushebeln und auf den Kopf stellen, sodass ihr von vorne beginnen müsst. Zusätzlich werdet ihr auch hier von allen Seiten beschossen ohne dass ihr euch dagegen wehren könntet.
Später kommen dann endlich Missionen, wo ihr mehr sprengen sollt. Ihr begebt euch zu einem Auftraggeber und erfahrt, dass ihr mehr Munition beziehungsweise mehr Luftangriffe braucht. Ok, wo kriegen wir die? Ach so, am anderen Ende der Karte. Man begibt sich dorthin und bringt genug Geld mit, um die Luftattacken kaufen zu können, wählt den Shop, sucht sich die Raketen aus und erfährt, dass sich der Ladeninhaber weigert, euch die Sachen zu verkaufen. So macht ihr euch auf den Weg zum nächsten Auftraggeber, der den Auftrag vergibt, um diese Sachen freizuschalten und beim Anwählen erscheint erneut die Meldung, dass ihr für diese Mission mehr Firepower benötigt.
Acmeversand?
Wo wir grad davon sprechen: Wer eine Waffe will, der geht in den Laden, bestellt dort seine Waffen und bezahlt diese für gutes Geld, geht anschließend raus, ruft seinen Heli, der, natürlich unter Verbrauch von Öl, ein wenig später die gewünschte Waffe mit bringt. Für den Raketenwerfer sind das dann meist fünf Schuss, von denen ein Panzer allein gut und gerne drei verbraucht. Und ein Panzer kommt selten allein. Ein Glück, dass man die kapern kann. Ein Pech, dass es immer mit ein- und derselben anspruchslosen, aber umso dämlicheren QuickTimeSequenz erfolgt. Ebenfalls ein Pech, dass die Action während dessen weitergeht. In einer Mission sollte man ein Gebäude schützen. Die stationären Geschütze waren schon allesamt verraucht, also musste man die vier Panzer per Hand ausschalten. Nur, während man den ersten Panzer gerade kaperte schossen die anderen drei ohne Probleme die Kirche zu Klump.
Generell ist der Schwierigkeitsgrad unausgewogen. Die eigene Gesundheit regeneriert sich viel zu langsam und wir haben schon mit Mattias gespielt, dessen Gesund sich am schnellsten von den dreien wieder auffüllt. Nur was nützt das, wenn man um die Ecke lugt und man sofort eine Rakete eines Panzers abkriegt, die 98 % der Lebensleiste abzweigt? Es nützt auch nichts, wenn die Raketenwerfertypen in den Häusern solange respawnen, bis man das ganze Gebäude zerlegt hat. Stirbt man, darf man zwar die Mission an der Stelle wieder neu anfangen, sprich die Erfolge innerhalb der Mission nach dem letzten Checkpunkt bleiben gespeichert, aber man startet wieder im Hauptquartier und darf erst wieder eine halbe Stunde zurück zum Einsatzort marschieren. In der Theorie sollte es richtig Spaß machen, mit einem Helikopter zu fliegen, zumal das Spiel laut Aussagen der Entwickler von Anfang an als Helikopterspiel geplant war bevor man es zum Sandbox ausgebaut hatte. Feindliche Zielsuchraketen, die IMMER treffen, sorgen aber dafür, dass man nie lang genug in einem Helikopter sitzt, um sich überhaupt an die Kontrolle der Teile zu gewöhnen, geschweige denn Spaß in ihnen zu haben. Das Kapern derselben ist, wie das Kapern aller Fahrzeuge im Spiel, etwas schwierig. Nicht immer erscheint der rettende Knopf, der euch das Kapern erlaubt. Ihr müsst in einer ganz bestimmten Position zum Gefährt stehen, um es nutzen zu können. Insbesondere bei Booten ist es seltsam. Wir wollten in ein Boot einsteigen, aber das Spiel hat uns nicht gelassen. Also gaben wir irgendwann einfach auf und sind weiter geschwommen. Kaum hatten wir eine gewisse Distanz zwischen uns und das Boot gebracht, erschien auf einmal das Symbol. Aber selbst dann kann es manchmal passieren, dass ihr es nicht betreten könnt. Es ist auch schon passiert, dass zwar das auffordernde Symbol auf dem Bildschirm prangerte, aber unser Merc trotz Hämmerns der entsprechenden Taste seinen Hintern einfach nicht bewegt hat. Wenn man dabei natürlich direkt vor dem Panzer steht, den man haben will, kann das schnell tödlich enden.
Diese Momente sind es, die den geneigten Spieler dazu bewegen, die DVD als Diskus zu verwenden. Schwierige Spiele, fein. Unfaire Spiele, die den Spieler benachteiligen, da hört der Spaß schon langsam auf. Spiele aber, die auf Grund von Bugs und Glitches zum Tod des Spielers führen, sind ein absolutes No-Go.
Putt machen will!
Was die oft aufgeführte, so spektakuläre Zerstörung angeht, die in Trailern und Vorabvideos zelebriert wurde, tja, Pech. Erstmal dauert es fast das halbe Spiel, bis ihr die Werkzeuge dafür habt und dann ist entweder die Munition nicht ausreichend oder euer Ölvorrat. Selbst wenn ihr aber mal so richtig aus Lust und Laune heraus eine Zerstörungsorgie feiern wollt, dann kommt der GTA IV Faktor zum Tragen. Will heißen, ihr könnt zwar machen, was ihr wollt, aber wenn ihr es tatsächlich tut, bestraft euch das Spiel dafür. Ihr erhaltet für Kollateralschäden und getötete Bürger einen herben Malus, sodass ihr sehr schnell jeden Grashalm im Spiel umgehen werdet. Das war irgendwie nicht Sinn des Ganzen, oder? Das Schlimmste hierbei allerdings sind die Passanten auf der Straße, die mehr als einmal wie von Sinnen schreiend vor euer langsam daher zuckelndes Auto springen, was euch jedes Mal Geld kostet. Selbst wenn ihr noch versucht, auszuweichen, schaffen es diese Idioten oft noch, sich so unter eure Räder zu platzieren, dass sie nicht überleben. Merkwürdig…
Merkwürdig aber ist auch, wo eure Panzer Schwachstellen haben. Ihr könnt über Autos walzen oder durch Mauern, aber diese auf dem Boden aufgestellten Barrieren sind unüberwindbar. Ihr könnt problemlos durch LKW hindurch brettern und diese zum Explodieren bringen, aber wenn ihr über einen kleinen Stein im Boden fahrt, nimmt euer Panzer Schaden. Überhaupt sind die Fahrzeuge seltsam. Ein Motorrad wird niemals umfallen, auch nicht, wenn ihr mitten in der Fahrt von ihm abspringt. Das Ding fährt einfach weiter und bleibt dann mit laufendem Motor auf beiden Rädern stehen. Außerdem haben die Dinger einen Rückwärtsgang.
Where’s da glitch?
Auch technisch kann das Spiel eher nicht beeindrucken. Trotz der imposanten Größe und der weiten Flora und Fauna bleiben die negativen Punkte eher im Gedächtnis. Dabei sehen die sich im Rotorsog eines Helikopters wiegenden Palmen noch recht gut aus und auch die nahezu komplette Zerstörbarkeit muss in Betracht gezogen werden. Getan, aber selbst dann fallen einige Dinge auf. Zum einen sind alle Mercenaries ausgesprochen hässlich und das ist keine Frage der Ästhetik. Insbesondere die Dame sieht aus wie Plastik, dazu umgibt die Helden manchmal ein etwas seltsamer Schimmer. Wasser sieht aus wie aus der Augsburger Puppenkiste, die Grafik baut sich immer sichtbar wenige Meter vor den Spielfiguren auf und da haben wir die vielen Bugs und Glitches noch nicht einmal mitgezählt. Oft genug verschwanden wir einfach in irgendwelchen Wänden, Gegner schießen durch selbige hindurch, eure Unterstützungstruppen aus der Luft machen einen Blödsinn nach dem anderen oder verschwinden unmittelbar nachdem ihr sie gerufen habt, nicht ohne natürlich euren Ölvorrat zu leeren. Ein Glitch hielt uns in einem Rennen plötzlich in der Mauer gefangen, ein bodenloser Untergrund verschluckte uns, aber wenigstens sind wir vor den rapportierten Savegamecrahes verschont geblieben.
Zum Test lag die englische UK Version vor, die nur die englische Sprachausgabe bietet. Selten zuvor haben wir uns mit derart dämlichen Sprüchen rumplagen müssen und vor allem werden diese teilweise im Sekundentakt wiederholt. Gut gesprochen ist dabei auch keiner und insbesondere Mattias kann einem gewaltig auf die Nerven gehen. Insgesamt hätte das Game sicherlich noch ein wenig in der Qualitätssicherung verbringen können.
Neben der UK gibt es zwei deutschsprachige Versionen, einmal die deutsche, unverkennbar an dem haushohen USK Logo, die nur die deutsche Sprache bietet und geschnitten ist (was auch immer an dem Spiel zu schneiden war) sowie eine ausländische Fassung für die deutschsprachigen Nachbarn, die neben deutsch noch französisch und italienisch anbietet, jedoch nicht das englische Original. Dafür ist sie ungeschnitten. Wer lieber englisch hat, hat keine andere Wahl als die englische Version zu bestellen.
Fazit: Dann doch lieber ein regulärer Job
Mercenaries 2: World in Flames klingt auf dem Papier fantastisch, aber die Wahrheit sieht eher traurig aus. Viel zu schnell sind euch die Gegner überlegen, eure Waffen zeigen keinerlei Wirkung, die wahre Zerstörungswut könnt ihr mangels Munition überhaupt nicht realisieren und dann wäre da auch die grauenvolle technische Umsetzung. Die elendig langen Anfahrtswege zerren an den Nerven des Spielers, der grad wieder in einer Mission von einem aus dem Nichts spawnenden Raketenwerfer ins Jenseits befördert wurde und überhaupt fällt das Spiel weit hinter den durch Trailer und Videos erweckten Erwartungshaltungen zurück. Normalerweise würden wir sagen, leiht es aus und sprengt ein paar Häuser, aber da ihr das zu Anfang ja noch gar nicht könnt, könnt ihr euch selbst das Geld sparen.
Naja, nicht ganz. In Pandemics Sandbox-Action Titel erlebt ihr das Leben eines Mercenaries am eigenen Leib. Ihr habt dabei die Wahl aus eurem Dreierteam einen Merc für euer Abenteuer auszuwählen. Die Auswahl besteht aus der Quotenfrau Jennifer Mui, dem Quotenschwarzen Chris Jacobs und dem Quotenschweden Mattias Nilsson. Nach der Auswahl sprengt ihr im Tutorial ein bisschen was in die Luft, wollt das Geld von eurem Auftraggeber einkassieren, der euch allerdings mit einer Kugel im Gesäßfleisch bezahlt bevor er sich zum Diktator von Venezuela erklärt. Da „jeder bezahlen muss“, machen sich unsere drei edlen Weltverbesserer an die Arbeit, die Schulden einzutreiben.
Ihre Rechnung, bitte
Und damit seid ihr im großen Sandkasten ausgesetzt, den Venezuela darstellt. Aus der Perspektive der dritten Person steuert ihr euren Merc zu Fuß oder in einem der diversen Fahrzeuge durch das südamerikanische Land und reißt dabei alles bis auf die Grundmauern nieder, was euch im Weg steht. Die Story wird hier und da durch Cutszenes voran getrieben, aber keiner der Charaktere hat genug Persönlichkeit, um zu fesseln. Die eigenen Mercs sind bestenfalls Karikaturen, der Antagonist ein schmieriger Schleimbolzen und die restlichen Figuren und Fraktionen allesamt eine Ansammlung von Klischees. Für seine Story wird Mercs 2 eher nicht berühmt werden.
Um an euren ehemaligen Auftraggeber Ramon Salami (oder so) heran zu kommen, müsst ihr zunächst für eure Aufgaben für diversen Fraktionen innerhalb des zerrütteten Landes machen. Diese lauten meist so wie: Töte diese, erobere dies, bring uns jenes! Mit der üblichen Doppesticksteuerung (links Figur, rechts Kamera) und Schießen/Zielen auf den Triggern kommen Shooterfans sofort zurecht. Etwas seltsam aber ist, dass ihr eure Standardwaffe mit RB auswählt, eure Granaten aber mit links auf dem Digipad, da LB die Granate wirft. Auch das Sprinten auf dem linken Stick ist nie wirklich optimal, aber da kann man im Spiel durchaus mit leben. Die hakelige Steuerung beim Zielen ist da schon ärgerlicher. Zumal jeder noch so kleine Wicht ein ganzes Magazin braucht, bis er hops geht. Selbst bei klaren Kopftreffern braucht man schon vier, fünf Schuss. Das Fahren erfolgt mit A und X während ihr aber weiterhin die Kamera mit dem rechten Stick bewegen sollt. Wer da zu den Unglücklichen gehört, die nur einen Daumen haben, hat da ein kleines Problem. Aber wie gesagt nur ein kleines, denn das Game liefert zum Glück noch etliche mehr.
Aua, mein Bein
Das erste wäre, dass ihr erstmal zu euren Auftraggebern hin laufen müsst. Ihr könnt auch fahren, wenn ihr einen Untersatz findet oder euch von eurem Helikopterpiloten transportieren lassen, sowie ihr genug Ölreserven habt, letzteres aber geht nur, wenn ihr den entsprechenden Ort schon einmal besucht habt. Auf Grund der Größe der Karten dauert allein der Anfahrtsweg Ewigkeiten und das Schlimmste: Solltet ihr unterwegs sterben, dürft ihr den gesamten Weg von vorne beginnen. Und unterwegs sterben geht schnell, da die venezuelanische (?) Armee euch an allen Ecken und Enden auflauert und euer Merc bei einem Abstieg eines Hügels, bei dem er ein paar Mal aus 30 Zentimeter Höhe auf den Boden fällt, durchaus 50 % seiner Energie verlieren kann.
Seid ihr endlich angekommen und hofft auf ordentliche Explosionen, wie sie die Trailer halt versprochen haben, stellt ihr fest, dass ihr eine Art Hummer Probe fahren oder ein Checkpunktrennen absolvieren sollt. Ein blöder Stein nach drei Minuten Fahrt kann dabei euer Gefährt entgegen jeglicher Regel von Gravitation und Physik aushebeln und auf den Kopf stellen, sodass ihr von vorne beginnen müsst. Zusätzlich werdet ihr auch hier von allen Seiten beschossen ohne dass ihr euch dagegen wehren könntet.
Später kommen dann endlich Missionen, wo ihr mehr sprengen sollt. Ihr begebt euch zu einem Auftraggeber und erfahrt, dass ihr mehr Munition beziehungsweise mehr Luftangriffe braucht. Ok, wo kriegen wir die? Ach so, am anderen Ende der Karte. Man begibt sich dorthin und bringt genug Geld mit, um die Luftattacken kaufen zu können, wählt den Shop, sucht sich die Raketen aus und erfährt, dass sich der Ladeninhaber weigert, euch die Sachen zu verkaufen. So macht ihr euch auf den Weg zum nächsten Auftraggeber, der den Auftrag vergibt, um diese Sachen freizuschalten und beim Anwählen erscheint erneut die Meldung, dass ihr für diese Mission mehr Firepower benötigt.
Acmeversand?
Wo wir grad davon sprechen: Wer eine Waffe will, der geht in den Laden, bestellt dort seine Waffen und bezahlt diese für gutes Geld, geht anschließend raus, ruft seinen Heli, der, natürlich unter Verbrauch von Öl, ein wenig später die gewünschte Waffe mit bringt. Für den Raketenwerfer sind das dann meist fünf Schuss, von denen ein Panzer allein gut und gerne drei verbraucht. Und ein Panzer kommt selten allein. Ein Glück, dass man die kapern kann. Ein Pech, dass es immer mit ein- und derselben anspruchslosen, aber umso dämlicheren QuickTimeSequenz erfolgt. Ebenfalls ein Pech, dass die Action während dessen weitergeht. In einer Mission sollte man ein Gebäude schützen. Die stationären Geschütze waren schon allesamt verraucht, also musste man die vier Panzer per Hand ausschalten. Nur, während man den ersten Panzer gerade kaperte schossen die anderen drei ohne Probleme die Kirche zu Klump.
Generell ist der Schwierigkeitsgrad unausgewogen. Die eigene Gesundheit regeneriert sich viel zu langsam und wir haben schon mit Mattias gespielt, dessen Gesund sich am schnellsten von den dreien wieder auffüllt. Nur was nützt das, wenn man um die Ecke lugt und man sofort eine Rakete eines Panzers abkriegt, die 98 % der Lebensleiste abzweigt? Es nützt auch nichts, wenn die Raketenwerfertypen in den Häusern solange respawnen, bis man das ganze Gebäude zerlegt hat. Stirbt man, darf man zwar die Mission an der Stelle wieder neu anfangen, sprich die Erfolge innerhalb der Mission nach dem letzten Checkpunkt bleiben gespeichert, aber man startet wieder im Hauptquartier und darf erst wieder eine halbe Stunde zurück zum Einsatzort marschieren. In der Theorie sollte es richtig Spaß machen, mit einem Helikopter zu fliegen, zumal das Spiel laut Aussagen der Entwickler von Anfang an als Helikopterspiel geplant war bevor man es zum Sandbox ausgebaut hatte. Feindliche Zielsuchraketen, die IMMER treffen, sorgen aber dafür, dass man nie lang genug in einem Helikopter sitzt, um sich überhaupt an die Kontrolle der Teile zu gewöhnen, geschweige denn Spaß in ihnen zu haben. Das Kapern derselben ist, wie das Kapern aller Fahrzeuge im Spiel, etwas schwierig. Nicht immer erscheint der rettende Knopf, der euch das Kapern erlaubt. Ihr müsst in einer ganz bestimmten Position zum Gefährt stehen, um es nutzen zu können. Insbesondere bei Booten ist es seltsam. Wir wollten in ein Boot einsteigen, aber das Spiel hat uns nicht gelassen. Also gaben wir irgendwann einfach auf und sind weiter geschwommen. Kaum hatten wir eine gewisse Distanz zwischen uns und das Boot gebracht, erschien auf einmal das Symbol. Aber selbst dann kann es manchmal passieren, dass ihr es nicht betreten könnt. Es ist auch schon passiert, dass zwar das auffordernde Symbol auf dem Bildschirm prangerte, aber unser Merc trotz Hämmerns der entsprechenden Taste seinen Hintern einfach nicht bewegt hat. Wenn man dabei natürlich direkt vor dem Panzer steht, den man haben will, kann das schnell tödlich enden.
Diese Momente sind es, die den geneigten Spieler dazu bewegen, die DVD als Diskus zu verwenden. Schwierige Spiele, fein. Unfaire Spiele, die den Spieler benachteiligen, da hört der Spaß schon langsam auf. Spiele aber, die auf Grund von Bugs und Glitches zum Tod des Spielers führen, sind ein absolutes No-Go.
Putt machen will!
Was die oft aufgeführte, so spektakuläre Zerstörung angeht, die in Trailern und Vorabvideos zelebriert wurde, tja, Pech. Erstmal dauert es fast das halbe Spiel, bis ihr die Werkzeuge dafür habt und dann ist entweder die Munition nicht ausreichend oder euer Ölvorrat. Selbst wenn ihr aber mal so richtig aus Lust und Laune heraus eine Zerstörungsorgie feiern wollt, dann kommt der GTA IV Faktor zum Tragen. Will heißen, ihr könnt zwar machen, was ihr wollt, aber wenn ihr es tatsächlich tut, bestraft euch das Spiel dafür. Ihr erhaltet für Kollateralschäden und getötete Bürger einen herben Malus, sodass ihr sehr schnell jeden Grashalm im Spiel umgehen werdet. Das war irgendwie nicht Sinn des Ganzen, oder? Das Schlimmste hierbei allerdings sind die Passanten auf der Straße, die mehr als einmal wie von Sinnen schreiend vor euer langsam daher zuckelndes Auto springen, was euch jedes Mal Geld kostet. Selbst wenn ihr noch versucht, auszuweichen, schaffen es diese Idioten oft noch, sich so unter eure Räder zu platzieren, dass sie nicht überleben. Merkwürdig…
Merkwürdig aber ist auch, wo eure Panzer Schwachstellen haben. Ihr könnt über Autos walzen oder durch Mauern, aber diese auf dem Boden aufgestellten Barrieren sind unüberwindbar. Ihr könnt problemlos durch LKW hindurch brettern und diese zum Explodieren bringen, aber wenn ihr über einen kleinen Stein im Boden fahrt, nimmt euer Panzer Schaden. Überhaupt sind die Fahrzeuge seltsam. Ein Motorrad wird niemals umfallen, auch nicht, wenn ihr mitten in der Fahrt von ihm abspringt. Das Ding fährt einfach weiter und bleibt dann mit laufendem Motor auf beiden Rädern stehen. Außerdem haben die Dinger einen Rückwärtsgang.
Where’s da glitch?
Auch technisch kann das Spiel eher nicht beeindrucken. Trotz der imposanten Größe und der weiten Flora und Fauna bleiben die negativen Punkte eher im Gedächtnis. Dabei sehen die sich im Rotorsog eines Helikopters wiegenden Palmen noch recht gut aus und auch die nahezu komplette Zerstörbarkeit muss in Betracht gezogen werden. Getan, aber selbst dann fallen einige Dinge auf. Zum einen sind alle Mercenaries ausgesprochen hässlich und das ist keine Frage der Ästhetik. Insbesondere die Dame sieht aus wie Plastik, dazu umgibt die Helden manchmal ein etwas seltsamer Schimmer. Wasser sieht aus wie aus der Augsburger Puppenkiste, die Grafik baut sich immer sichtbar wenige Meter vor den Spielfiguren auf und da haben wir die vielen Bugs und Glitches noch nicht einmal mitgezählt. Oft genug verschwanden wir einfach in irgendwelchen Wänden, Gegner schießen durch selbige hindurch, eure Unterstützungstruppen aus der Luft machen einen Blödsinn nach dem anderen oder verschwinden unmittelbar nachdem ihr sie gerufen habt, nicht ohne natürlich euren Ölvorrat zu leeren. Ein Glitch hielt uns in einem Rennen plötzlich in der Mauer gefangen, ein bodenloser Untergrund verschluckte uns, aber wenigstens sind wir vor den rapportierten Savegamecrahes verschont geblieben.
Zum Test lag die englische UK Version vor, die nur die englische Sprachausgabe bietet. Selten zuvor haben wir uns mit derart dämlichen Sprüchen rumplagen müssen und vor allem werden diese teilweise im Sekundentakt wiederholt. Gut gesprochen ist dabei auch keiner und insbesondere Mattias kann einem gewaltig auf die Nerven gehen. Insgesamt hätte das Game sicherlich noch ein wenig in der Qualitätssicherung verbringen können.
Neben der UK gibt es zwei deutschsprachige Versionen, einmal die deutsche, unverkennbar an dem haushohen USK Logo, die nur die deutsche Sprache bietet und geschnitten ist (was auch immer an dem Spiel zu schneiden war) sowie eine ausländische Fassung für die deutschsprachigen Nachbarn, die neben deutsch noch französisch und italienisch anbietet, jedoch nicht das englische Original. Dafür ist sie ungeschnitten. Wer lieber englisch hat, hat keine andere Wahl als die englische Version zu bestellen.
Fazit: Dann doch lieber ein regulärer Job
Mercenaries 2: World in Flames klingt auf dem Papier fantastisch, aber die Wahrheit sieht eher traurig aus. Viel zu schnell sind euch die Gegner überlegen, eure Waffen zeigen keinerlei Wirkung, die wahre Zerstörungswut könnt ihr mangels Munition überhaupt nicht realisieren und dann wäre da auch die grauenvolle technische Umsetzung. Die elendig langen Anfahrtswege zerren an den Nerven des Spielers, der grad wieder in einer Mission von einem aus dem Nichts spawnenden Raketenwerfer ins Jenseits befördert wurde und überhaupt fällt das Spiel weit hinter den durch Trailer und Videos erweckten Erwartungshaltungen zurück. Normalerweise würden wir sagen, leiht es aus und sprengt ein paar Häuser, aber da ihr das zu Anfang ja noch gar nicht könnt, könnt ihr euch selbst das Geld sparen.