Es wirkt am Anfang paradox: Warum läuft ein Junge IN die Gefahr, anstatt davon weg? Man wird zunächst den Gedanken haben, dass er in der dystopischen, postapokalyptischen Welt versucht, eine ihm nahe stehende Person aus den Fängen der Organisation zu befreien. Doch, wie wir später wissen, ist dies nicht der Fall. Stattdessen geht er zielgerichtet auf den Blob zu und verschmilzt mit ihm.
Die Theorie besagt nun, dass der Junge von Beginn an ferngesteuert wird, ähnlich wie die anderen Zombies - und zwar vom Blob, der mächtigen "KI", die - so scheint es - das zentrale Machtinstrument ist, das neben den Mind-Control-Fähigkeiten selbst Computer und das Internet befähigen kann (siehe Secret Ending, in dem die Mind-Control-Station von Computern betätigt wird). Der Blob versucht im Geheimen, den Jungen einzuschleusen und mit seiner Hilfe der Organisation zu entkommen.
Die Organisation selbst ist so dystopisch, wie sie dargestellt wird: In einer postapokalyptischen Welt versucht die noch übrig gebliebene Menschheit mit radikalen Methoden, ihr Überleben zu garantieren - indem sie (tote) Menschen umfunktioniert, die für sie arbeiten. Das wird so selbstverständlich, dass selbst den Kindern die bittere Realität vorgeführt wird.
Uns suggeriert das Ende, dass der Blob gewonnen hat. Wir als Spieler und Junge gelangen zum Blob und entkommen scheinbar, gelangen in's "outside".
Nun kommt jedoch der entscheidende Clou: Der Blob entkommt nicht. Es ist nur eine Illusion, der Blob versteht es am Ende sogar, da er regungslos liegen bleibt - konsterniert und antriebslos. Warum?
Die Organisation wusste vom Plan des Blobs. Sie hält die Fäden bis zum Ende in der Hand, für sie war der "Ausreißer" des Blobs nur ein weiterer Test, ein weiteres Experiment. Darauf gibt es dutzende Hinweise: Von Anfang an wird der Junge weit vor den Gebäuden der Organisation erwartet und gesucht. Die Organisation erwartet den Jungen bereits, will ihn - sofern möglich - ausschalten, ehe er den Blob überhaupt erreicht. Schafft er es doch, wartet bereits eine Bühne mitsamt Zuschauern auf den Blob, die ihn zurück in ein Gefängnis stecken wollen. Und sollte der Blob auch diesem entfliehen, so gibt es immer noch das Strand-Gefängnis.
Dass die Organisation ein paar Sachschäden und menschliche Opfer beim scheinbaren Ausbruch in Kauf nimmt, ist ihrem Ziel geschuldet, ihre mächtige KI wieder und wieder zu testen und zu trainieren, bis sie zwar stark genug ist, sich jedoch nicht mehr gegen ihre Schöpfer aufzulehnen versucht. Das muss sie erst verstehen.
Denn: Das am Ende suggerierte Ausbrechen in's "outside" ist nicht die Außenwelt. Der Waldhügel sowie der Strand sind Kulisse. Der Beweis ist ein Miniatur-Modell vorher, durch das man als Blob sogar durchläuft. Es ist bloß eine große Halle, in der die Natur künstlich hergerichtet wurde (zuvor rennt man als Junge bereits durch Hallen der Organisation, in denen Flora und Fauna gezüchtet wird). Der Lichtkegel am Strand ist eine Lampe an der Decke, so wie sie auch im Miniatur-Modell zu sehen ist.
Es gibt keinen Ausbruch, kein Entkommen. Der Blob bleibt "Inside". Das hat der Blob jetzt gelernt. Er gibt auf. Und bleibt liegen.
Das Secret Ending kann daher auch als alternative Version des Aufgebens gedeutet werden: Da der Blob weiß, dass er gegen die Organisation nicht gewinnen kann, wirft er seinen Plan mit dem Jungen über Bord: Er geht in seine geheime Schaltzentrale und schaltet den Jungen ab. Der Junge nimmt die Offline-Position der anderen Zombies ein - und das Spiel endet.
Es gibt kein Happy End. Das Ende ist nur ein weiterer Schlag in die Magengrube und unterstützt damit letztlich das hervorragend dystopische Setting.