Far Cry Primal war das letzte Spiel, von dem ich erwartet hätte, dass es mir gefällt. Far Cry 3 hat mir leidlich zugesagt, Far Cry 4 hat mich genervt, bis ich es nach der Hälfte der Story endgültig aufgegeben habe. Wieso also sollte Primal, das sämtliche Waffen entfernt und eine Geschichte über Höhlenmenschen erzählen will, mir gefallen? Schwer zu sagen, aber letztlich gefiel mir Primal mit zunehmender Dauer immer besser. Warum müsste ich mir beim Schreiben erst mal selber erschließen.
Warschta Wenja Wanker (oder so ähnlich)
Es ist schon erstaunlich, dass UbiSoft Far Cry einfach mal 12.000 Jahre zurück versetzen konnte ohne am Gameplay viel ändern zu müssen. Es ist andererseits auch bezeichnend. Offensichtlich fehlen 10.000 BC Schusswaffen und Autos, Granaten und schusssichere Westen, Dronen und Bomben. Dafür gibt es Bogen und Speer, Tiere, Bienen, Felle, Eulen und Fallen. Funktionell hat sich nicht viel geändert.
Ihr spielt im fiktiven Land Oros und übernehmt die Sicht und Rolle von Takkar, Höhlenmensch und Angehöriger des Stammes der Wenja. Nach einer missglückten Jagd ist es an ihm, seinen Stamm wieder zu altem Ruhm zu führen und die Dominanz seines Volkes gegen die nördlichen Udam, geführt vom mächtigen Ull und die Izila, geleitet von Batari, zu behaupten.
Warham, breshtar!
Dies ist die Zusammenfassung und leider auch die gesamte Geschichte. Mehr geschieht nicht. Zu diesem Zwecke rauft ihr allerlei bekloppte Gestalten zusammen, die typisch UbiSoft allesamt reichlich exzentrisch wirken, aber leider nur als Questgeber herhalten. Jeder erhält eine Rolle und bringt Takkar spezielle Fähigkeiten bei, was sich durch das Freischalten von Skills im Upgradetree auswirkt (wie gesagt, neue Namen, gleiches Produkt), aber in der Geschichte wirken sie kaum mit. Sie hampeln vor den Missionen dämlich vor euch herum, das war es aber dann auch schon. Einzig Dah und Urki können sich von der Masse der Irren etwas wohltuend hervor heben. Über Takkar selber wissen wir, dass er einen Bart hat und die Wenja mag, aber damit endet seine Charakterisierung schon. Nun mag dies alles am Setting liegen, dass vielleicht nicht viel mehr an Storyfeinschliff, Wendungen und Twists erlaubt hat, aber ein bisschen mehr hätte ein fähiger und motivierter Autor schon raus holen können. Es fehlt sogar ein richtiges Finale, das Ende kommt etwas verzögert. Nach den letzten beiden Bossen folgten noch zwei kurze Missionen, bis die Credits rollten. Allerdings kann ich nicht ausschließen, dass ich diese Missionen auch vorher hätte machen können. Das Spiel ist nicht zwingend linear und schaltet viele Missionen gleichzeitig frei.
Die Sprache entspricht einer fiktiven Urzeitsprache, die UbiSoft angeblich mit Hilfe zweier (laut Wörterbuch der Collectors sogar fünfer) Linguistikexperten entwickelt hat zur Förderung der Authentizität. Ob man so recht glauben soll, dass ausgerechnet UbiSoft, die ganze Spielserien per Copy-Paste im Dutzend billiger raushauen und mittlerweile kein Spiel mehr veröffentlichen, wenn der Name nicht mindestens eine Reihe von zehn Games in den letzten sechs Jahren umfasst, sich soviel Mühe um die Sprache machen, dass sie sogar den drei Stämmen verschiedene Akzente geben? Sollte es stimmen, muss man die Frage aufwerfen, ob man für das Geld nicht lieber einen zweiten Missionsdesigner hätte einstellen sollen, doch dazu später mehr.
Bawbawda baka... da bang a dang diggy diggy diggy said the boogy said up jump the boogy
Das Gameplay entspricht 1:1 dem von Far Cry 4 und damit 1:1 dem von Far Cry 3. Riesige, offene Welt, gefüllt mit Tieren zum Häuten, Pflanzen zum Pflücken, Außenposten zu erorbern, Zeug zu sammeln, neue Fähigkeiten mit EXP freischalten und Typen den Schädel einzuschlagen. Der größte Unterschied ist freilich der Verzicht auf Schusswaffen. Bis zur AK vergingen noch ein paar Jahre. Was nun wie der größte Einschnitt wirkt, ist in Wahrheit die größte Bereicherung.
Takkar ist keineswegs wehrlos. Er verfügt über bis zu drei Bögen (ich hatte nur zwei, da ich in 23 Stunden dieses blöde weiße Reh nicht gefunden habe, dadurch die Hütte der Jägerin nicht ausbauen konnte und daher das Upgrade für diesen Bogen nicht erhielt), zwei Keulen, einen Speer, Bienen-, Gift- und Feuerbomben, Fallen, eine Steinschleuder, Scherben (gleich Wurfmesser) in mehreren Varianten, tierische Gefährten, die ihm auf Kommando gehorchen und eine Eule, die als Drone fungiert. Er muss sich selbst vor den best ausgerüsteten Protagonisten nicht verstecken. Kämpfe finden daher oftmals in der Nähe statt. Ich empfehle, die Zielhilfe des Spiels zu nutzen, da ansonsten die Schläge mit der Keule oder Stöße mit dem Speer gerne mal ins Leere gehen. Diese Zielhilfe ist manchmal etwas zu übergriffig, aber immer noch besser als die Alternative.
Dantan dantra Udum shartam
Als BeastMaster lernt Takkar früh (nie in der Geschichte wirklich aufgelöst warum), dass er wilde Tiere zähmen kann. Das „Wie“ hat vielerorts für Stirnrunzeln gesorgt, könnte es doch trivialer nicht sein. Ihr schmeißt dem Vieh ein Stück Fleisch hin, geht zu ihm, drückt für ein paar Sekunden eine Taste... und fertig. Fortan könnt ihr das Tierchen jederzeit per Tastendruck zu euch rufen und auf alles hetzen, was ihr gerne zerfleisch haben wollt. Ja, es ist wenig fordernd, aber auf diese Weise kommt ihr schnell zu einem vollen Arsenal verschiedener Tiere, die euch hörig sind. Je nach Situation könnt ihr jederzeit wählen, welcher Begleiter der Situation am ehesten gerecht wird. Jaguar beispielsweise sind perfekte Killer und können Feinde töten ohne das Umfeld zu alarmieren. Löwen markieren eure Feinde, Bären ziehen ihre Attacken auf sich und geben euch Freiraum und Dachse sind so hardcore, dass sie sich von selbst wieder beleben können.
Shawi patasha
Eurer bester Freund allerdings ist die Eule, die feindliche Basen überfliegen, alle Feinde markieren, Bomben abfeuern, euren zweiten Gefährten auf bestimmten Feinde hetzen und mit einem Sturzangriff selbst Gegner ausschalten kann. Das Vieh ist einfach nur badass. Mit der Kombination Eule/Jaguar allein habe ich die Hälfte der Outposts ohne gesehen zu werden geklärt.
Startet das Spiel noch moderat fordernd, wird es später leicht und am Ende trivial. Dahs Upgrades reduzieren erlittenen Schaden auf ein Minimum während die späteren Waffen brachial reinhauen. Wie ein Monster ist mein Takkar in die Schlacht gegangen, hat mit seiner Keule die Feinde links und rechts an die Wand geklatscht und mit seinem Speer die armen Opfer in Shish Kebab verwandet. Selbst legendäre Mammuts und Bosse waren chancenlos. Dies bezieht sich auf den voreingestellten Schwierigkeitsgrad, den mittleren von dreien. Wer ein wenig Wert auf Herausforderung legt, sollte daher den Schwierigkeitsgrad höher stellen.
Wie gesagt war der Schritt weg von Schusswaffen das Beste, was man Far Cry antun konnte. Die einzige Erinnerung, die ich an Far Cry 4 hatte, war die zu verrecken und nachdem ich das Spiel testhalber vor dem Schreiben noch einmal eingelegt hatte, konnte ich dies bestätigen. Völlig egal, wo ich stand, irgendeine Scheißkugel hat mich immer noch getroffen. Während die Gegner die Kugeln Magazin-weise fressen, verreckt Gahle wenn er etwas zu tief einatmet. Vom Stealth ganz zu schweigen. Egal wie gut ich mich vorbereitet hatte, ich wurde von dem einen Gegner erwischt, den ich übersehen hatte. Dies führte in der Regel zu Verstärkung, was wiederum zu meinem Ableben führte. Keinen Meter konnte man in diesem Wald laufen ohne im Kugelhagel zu ersticken. Das manuelle Heilen dauerte dort gefühlt Stunden während Takkars manuelle Heilung fast schon schneller ist als Gahles Syringeheilung. Außerdem kann Takkar bis zu drei von sechs Balken manuell heilen und durch Nahrung sogar vollständig.
Es mag daran liegen, dass Takkar im Vergleich zu Gahle zu mächtig geworden ist und die neuen Gadgets (sprich Eule und Jaguar) zu effektiv, aber was mir in Far Cry 4 selbst im Tutorial nicht gelang, klappte in Primal selbst in Missionen, die als very hard gekennzeichnet waren. Die einzige Ausnahme bildeten Außenposten in Höhlen, da dort die Eule nicht funktioniert, aber selbst diese waren dank Katze und Bogen leichter als alles in Far Cry 4.
Su wan.
Wie es sich für einen Jäger und Sammler gehört, besteht ein großer Teil des Spiels aus... Jagen und Sammeln. Holz, Steine, Felle, Scheiße (kein Witz, in einer Quest sammelt ihr Dung), alles kommt in Takkars Sack. Mit dem gesammelten Zeugs baut er neue Unterkünfte für sein Dorf, wodurch er wiederum neue Fähigkeiten im Upgrade Baum freischalten kann. Auch kann er die Einwohnerzahl vergrößern, was unter anderem zu EXP Boni führt. Massiv abgenervt haben mich nur die seltenen Materialien. Die Karte zeigt zwar, wo was und wer ist, aber um an ein seltenes Tier zu kommen, braucht es schon mehr als Glück. Ich habe mehrfach an verschiedenen Orten nach dem weißen Reh und dem gleichfarbigen Yak gesucht, aber ohne Erfolg. Zumindest jedoch den letzten Bogen hätte ich gern mein eigen genannt.
Oros ist wie immer gigantisch, aber gut designt. Fortbewegung geht leicht von der Hand, Trampelpfade helfen dabei, die vielen Berge zu umschiffen und ein Fasttravel-System verhindert größere Laufarbeit. Der Norden der Karte ist auf Grund seiner Kälte gefährlich, was aber durch das Craften besserer Kleidung oder das Legen von Feuer behoben werden kann.
Die Atmosphäre ist gut gelungen, was nicht zuletzt an den guten Tag-Nacht-Wechseln und dem Sounddesign liegt. Lediglich ein paar mehr Lebewesen, die man nicht auch in den anderen Far Crys gesehen hat, wären wünschenswert gewesen. Die Mammuts sind ja letztlich nur die Elefanten aus Teil 4, sodass im Grunde nur die Säbelzahntiger übrig bleiben. Selbst die Nashörner haben nur ein etwas dickeres Fell.
Jaw shwalda
Zu tun gibt es wie immer reichlich. Der Begriff „Icon-Barf“ dürfte es treffen. Neben unzähligen Jagdplätzen gibt es tertiäre Aufgaben, die in der Welt aufploppen, sekundäre Missionen und dreizehn Storystränge, die wiederum in einzelne Missionen aufgeteilt sind. Die sekundären Missionen umfassen beispielsweise die üblichen „Rette die Geiseln“, „Beschütze diesen Konvoi“, „Jage diese Tiere“, „Töte diese Typen“. Sie sind einfallslos wie immer und offenkundig Füllmaterial, aber gut für Erfahrungspunkte. Mich hat extrem genervt, wie umständlich sie zu beginnen waren. Ihr müsst erst zum Questgeber, der euch sagt, was ihr schon wisst. Dann geht ihr zu einem anderen, meist weit entfernten Punkt auf der Karte, löst noch einmal die Mission aus und begebt euch dann erst zur eigentlichen Mission. Dieser Drei-Schritte-Prozess hätte mit Sicherheit gekürzt werden können.
Mit weitem Abstand am meisten enttäuschen aber die Hauptmissionen. Diese gestalten sich häufig nicht viel spektakulärer als die Nebenmissionen, was giantbombs Jeff Gerstmann auch zu dem passenden Obersatz gebracht hat: „Far Cry: Primal feels like one long, optional side mission.“
Mit wenigen Ausnahmen bestehen auch die Hauptmissionen nur aus „Sammel drei davon, vier hiervon und noch zwei von dem da!“ Nicht nur im Tutorial, sondern zehn Stunden in der Story. Urkis Missionen mögen, was die Cutszenes betrifft, unterhaltsam sein, spielerisch handelt es sich um drittklassiges Füllmaterial. Selbst die beiden Bosse, die ihr in beliebiger Reihenfolge spielen könnt, sind lediglich normale Gegner mit Gesundheitsleisten von hier bis Timbuktu und einem unerschöpflichen Fundus an Minions. Nochmal, das Setting erlaubt sicherlich keine Michael Bay Szenarien, aber entweder man gibt sich Mühe und kreiert trotzdem etwas, das sich zumindest von dem abhebt, was man in Far Cry 3 auf dem Weg zur Mission gemacht hat oder man überlegt sich, ob das Setting nun doch so eine großartige Idee war. Und hört mir auf mit Realismus, ich habe eine Dronen-Eule!
Optisch beeindruckt Primal durch tolle, detaillierte Charaktere und Tiere und erschreckt gleichzeitig durch so manche hässliche Wandtextur. Feuereffekte enttäuschen, obwohl diese einst das Aushängeschild der Reihe waren, dafür gefallen wieder die Lichteffekte bei Nacht. Insgesamt hinterlässt das Spiel einen technisch gemischten Eindruck. Dafür lief es stabil ohne Ruckeln, Einbrüche der Framerate und mit annehmbaren Ladezeiten. Voiceacting ist schwer zu beurteilen, aber es wirkt zumindest, als ob die Sprecher sich redlich Mühe gegeben haben, die künstliche Sprache lebensecht rüber zu bringen. An Emotion fehlt es zumindest nicht.
Histi pracha, Ubi
Far Cry Primal steckt derzeit viel Kritik ein, die ich nicht wirklich vollständig von der Hand weisen oder ausräumen kann. Ja, es ist die identische Formel, die in Far Cry 3 Erfolg hatte, in Blood Dragon wiederholt und in Far Cry 4 neu aufgelegt wurde. Ja, das Jagen und Sammeln hat nun noch einen höheren Stellenwert. Ja, die Karte ist vollgestopft mit Beschäftigungstherapie. Ja, die Missionen lassen allesamt zu wünschen übrig. Ja, das Zähmen der Tiere ist als Mechanik kaum der Rede wert. Was soll ich dazu sagen?
Aber im Gegensatz zum Vorgänger macht es mir Spaß. Schlicht und ergreifend. Kein ständig nervender Pagan Min im Radio, man wird nicht an jeder Ecke von AimBots zu Klump geschossen, der Nahkampf ist phänomenal brutal und wuchtig umgesetzt, das Crafting wirkt nicht aufgesetzt und das Zusammenspiel von Dorf, Mitstreitern und Ausrüstung ist motivierend.
Es geht mir ähnlich wie mit Mad Max. Rein objektiv gesehen könnte man das Spiel in der Luft zerreißen für das Wiederholen ausgelutschter Mechaniken und das Pflastern einer übergroßen, aber leeren Karte mit den immer selben einfallslosen Aufgaben. Aber irgendwo macht das Spiel so viel richtig, dass es am Ende des Tages Spaß macht, sei es durch die Atmosphäre, das gelungene Setting oder das bessere Balancing im Vergleich zu den Vorgängern.
Macht das Far Cry Primal zu einem guten Spiel? Schwer zu sagen. Der Zyniker in mir weigert sich, UbiSofts offensichtliche Masche zu honorieren. Der Gamer in mir sagt, dass dies alles egal ist, solange das Spiel Spaß macht. Und während ich mich noch mit Tränen in den Augen frage, wie diese beiden Männer in meine Wohnung gekommen sind, bastelt UbiSoft schon an Far Cry: The Middelages. Das ist der neue Kreislauf des Lebens.
Warschta Wenja Wanker (oder so ähnlich)
Es ist schon erstaunlich, dass UbiSoft Far Cry einfach mal 12.000 Jahre zurück versetzen konnte ohne am Gameplay viel ändern zu müssen. Es ist andererseits auch bezeichnend. Offensichtlich fehlen 10.000 BC Schusswaffen und Autos, Granaten und schusssichere Westen, Dronen und Bomben. Dafür gibt es Bogen und Speer, Tiere, Bienen, Felle, Eulen und Fallen. Funktionell hat sich nicht viel geändert.
Ihr spielt im fiktiven Land Oros und übernehmt die Sicht und Rolle von Takkar, Höhlenmensch und Angehöriger des Stammes der Wenja. Nach einer missglückten Jagd ist es an ihm, seinen Stamm wieder zu altem Ruhm zu führen und die Dominanz seines Volkes gegen die nördlichen Udam, geführt vom mächtigen Ull und die Izila, geleitet von Batari, zu behaupten.
Warham, breshtar!
Dies ist die Zusammenfassung und leider auch die gesamte Geschichte. Mehr geschieht nicht. Zu diesem Zwecke rauft ihr allerlei bekloppte Gestalten zusammen, die typisch UbiSoft allesamt reichlich exzentrisch wirken, aber leider nur als Questgeber herhalten. Jeder erhält eine Rolle und bringt Takkar spezielle Fähigkeiten bei, was sich durch das Freischalten von Skills im Upgradetree auswirkt (wie gesagt, neue Namen, gleiches Produkt), aber in der Geschichte wirken sie kaum mit. Sie hampeln vor den Missionen dämlich vor euch herum, das war es aber dann auch schon. Einzig Dah und Urki können sich von der Masse der Irren etwas wohltuend hervor heben. Über Takkar selber wissen wir, dass er einen Bart hat und die Wenja mag, aber damit endet seine Charakterisierung schon. Nun mag dies alles am Setting liegen, dass vielleicht nicht viel mehr an Storyfeinschliff, Wendungen und Twists erlaubt hat, aber ein bisschen mehr hätte ein fähiger und motivierter Autor schon raus holen können. Es fehlt sogar ein richtiges Finale, das Ende kommt etwas verzögert. Nach den letzten beiden Bossen folgten noch zwei kurze Missionen, bis die Credits rollten. Allerdings kann ich nicht ausschließen, dass ich diese Missionen auch vorher hätte machen können. Das Spiel ist nicht zwingend linear und schaltet viele Missionen gleichzeitig frei.
Die Sprache entspricht einer fiktiven Urzeitsprache, die UbiSoft angeblich mit Hilfe zweier (laut Wörterbuch der Collectors sogar fünfer) Linguistikexperten entwickelt hat zur Förderung der Authentizität. Ob man so recht glauben soll, dass ausgerechnet UbiSoft, die ganze Spielserien per Copy-Paste im Dutzend billiger raushauen und mittlerweile kein Spiel mehr veröffentlichen, wenn der Name nicht mindestens eine Reihe von zehn Games in den letzten sechs Jahren umfasst, sich soviel Mühe um die Sprache machen, dass sie sogar den drei Stämmen verschiedene Akzente geben? Sollte es stimmen, muss man die Frage aufwerfen, ob man für das Geld nicht lieber einen zweiten Missionsdesigner hätte einstellen sollen, doch dazu später mehr.
Bawbawda baka... da bang a dang diggy diggy diggy said the boogy said up jump the boogy
Das Gameplay entspricht 1:1 dem von Far Cry 4 und damit 1:1 dem von Far Cry 3. Riesige, offene Welt, gefüllt mit Tieren zum Häuten, Pflanzen zum Pflücken, Außenposten zu erorbern, Zeug zu sammeln, neue Fähigkeiten mit EXP freischalten und Typen den Schädel einzuschlagen. Der größte Unterschied ist freilich der Verzicht auf Schusswaffen. Bis zur AK vergingen noch ein paar Jahre. Was nun wie der größte Einschnitt wirkt, ist in Wahrheit die größte Bereicherung.
Takkar ist keineswegs wehrlos. Er verfügt über bis zu drei Bögen (ich hatte nur zwei, da ich in 23 Stunden dieses blöde weiße Reh nicht gefunden habe, dadurch die Hütte der Jägerin nicht ausbauen konnte und daher das Upgrade für diesen Bogen nicht erhielt), zwei Keulen, einen Speer, Bienen-, Gift- und Feuerbomben, Fallen, eine Steinschleuder, Scherben (gleich Wurfmesser) in mehreren Varianten, tierische Gefährten, die ihm auf Kommando gehorchen und eine Eule, die als Drone fungiert. Er muss sich selbst vor den best ausgerüsteten Protagonisten nicht verstecken. Kämpfe finden daher oftmals in der Nähe statt. Ich empfehle, die Zielhilfe des Spiels zu nutzen, da ansonsten die Schläge mit der Keule oder Stöße mit dem Speer gerne mal ins Leere gehen. Diese Zielhilfe ist manchmal etwas zu übergriffig, aber immer noch besser als die Alternative.
Dantan dantra Udum shartam
Als BeastMaster lernt Takkar früh (nie in der Geschichte wirklich aufgelöst warum), dass er wilde Tiere zähmen kann. Das „Wie“ hat vielerorts für Stirnrunzeln gesorgt, könnte es doch trivialer nicht sein. Ihr schmeißt dem Vieh ein Stück Fleisch hin, geht zu ihm, drückt für ein paar Sekunden eine Taste... und fertig. Fortan könnt ihr das Tierchen jederzeit per Tastendruck zu euch rufen und auf alles hetzen, was ihr gerne zerfleisch haben wollt. Ja, es ist wenig fordernd, aber auf diese Weise kommt ihr schnell zu einem vollen Arsenal verschiedener Tiere, die euch hörig sind. Je nach Situation könnt ihr jederzeit wählen, welcher Begleiter der Situation am ehesten gerecht wird. Jaguar beispielsweise sind perfekte Killer und können Feinde töten ohne das Umfeld zu alarmieren. Löwen markieren eure Feinde, Bären ziehen ihre Attacken auf sich und geben euch Freiraum und Dachse sind so hardcore, dass sie sich von selbst wieder beleben können.
Shawi patasha
Eurer bester Freund allerdings ist die Eule, die feindliche Basen überfliegen, alle Feinde markieren, Bomben abfeuern, euren zweiten Gefährten auf bestimmten Feinde hetzen und mit einem Sturzangriff selbst Gegner ausschalten kann. Das Vieh ist einfach nur badass. Mit der Kombination Eule/Jaguar allein habe ich die Hälfte der Outposts ohne gesehen zu werden geklärt.
Startet das Spiel noch moderat fordernd, wird es später leicht und am Ende trivial. Dahs Upgrades reduzieren erlittenen Schaden auf ein Minimum während die späteren Waffen brachial reinhauen. Wie ein Monster ist mein Takkar in die Schlacht gegangen, hat mit seiner Keule die Feinde links und rechts an die Wand geklatscht und mit seinem Speer die armen Opfer in Shish Kebab verwandet. Selbst legendäre Mammuts und Bosse waren chancenlos. Dies bezieht sich auf den voreingestellten Schwierigkeitsgrad, den mittleren von dreien. Wer ein wenig Wert auf Herausforderung legt, sollte daher den Schwierigkeitsgrad höher stellen.
Wie gesagt war der Schritt weg von Schusswaffen das Beste, was man Far Cry antun konnte. Die einzige Erinnerung, die ich an Far Cry 4 hatte, war die zu verrecken und nachdem ich das Spiel testhalber vor dem Schreiben noch einmal eingelegt hatte, konnte ich dies bestätigen. Völlig egal, wo ich stand, irgendeine Scheißkugel hat mich immer noch getroffen. Während die Gegner die Kugeln Magazin-weise fressen, verreckt Gahle wenn er etwas zu tief einatmet. Vom Stealth ganz zu schweigen. Egal wie gut ich mich vorbereitet hatte, ich wurde von dem einen Gegner erwischt, den ich übersehen hatte. Dies führte in der Regel zu Verstärkung, was wiederum zu meinem Ableben führte. Keinen Meter konnte man in diesem Wald laufen ohne im Kugelhagel zu ersticken. Das manuelle Heilen dauerte dort gefühlt Stunden während Takkars manuelle Heilung fast schon schneller ist als Gahles Syringeheilung. Außerdem kann Takkar bis zu drei von sechs Balken manuell heilen und durch Nahrung sogar vollständig.
Es mag daran liegen, dass Takkar im Vergleich zu Gahle zu mächtig geworden ist und die neuen Gadgets (sprich Eule und Jaguar) zu effektiv, aber was mir in Far Cry 4 selbst im Tutorial nicht gelang, klappte in Primal selbst in Missionen, die als very hard gekennzeichnet waren. Die einzige Ausnahme bildeten Außenposten in Höhlen, da dort die Eule nicht funktioniert, aber selbst diese waren dank Katze und Bogen leichter als alles in Far Cry 4.
Su wan.
Wie es sich für einen Jäger und Sammler gehört, besteht ein großer Teil des Spiels aus... Jagen und Sammeln. Holz, Steine, Felle, Scheiße (kein Witz, in einer Quest sammelt ihr Dung), alles kommt in Takkars Sack. Mit dem gesammelten Zeugs baut er neue Unterkünfte für sein Dorf, wodurch er wiederum neue Fähigkeiten im Upgrade Baum freischalten kann. Auch kann er die Einwohnerzahl vergrößern, was unter anderem zu EXP Boni führt. Massiv abgenervt haben mich nur die seltenen Materialien. Die Karte zeigt zwar, wo was und wer ist, aber um an ein seltenes Tier zu kommen, braucht es schon mehr als Glück. Ich habe mehrfach an verschiedenen Orten nach dem weißen Reh und dem gleichfarbigen Yak gesucht, aber ohne Erfolg. Zumindest jedoch den letzten Bogen hätte ich gern mein eigen genannt.
Oros ist wie immer gigantisch, aber gut designt. Fortbewegung geht leicht von der Hand, Trampelpfade helfen dabei, die vielen Berge zu umschiffen und ein Fasttravel-System verhindert größere Laufarbeit. Der Norden der Karte ist auf Grund seiner Kälte gefährlich, was aber durch das Craften besserer Kleidung oder das Legen von Feuer behoben werden kann.
Die Atmosphäre ist gut gelungen, was nicht zuletzt an den guten Tag-Nacht-Wechseln und dem Sounddesign liegt. Lediglich ein paar mehr Lebewesen, die man nicht auch in den anderen Far Crys gesehen hat, wären wünschenswert gewesen. Die Mammuts sind ja letztlich nur die Elefanten aus Teil 4, sodass im Grunde nur die Säbelzahntiger übrig bleiben. Selbst die Nashörner haben nur ein etwas dickeres Fell.
Jaw shwalda
Zu tun gibt es wie immer reichlich. Der Begriff „Icon-Barf“ dürfte es treffen. Neben unzähligen Jagdplätzen gibt es tertiäre Aufgaben, die in der Welt aufploppen, sekundäre Missionen und dreizehn Storystränge, die wiederum in einzelne Missionen aufgeteilt sind. Die sekundären Missionen umfassen beispielsweise die üblichen „Rette die Geiseln“, „Beschütze diesen Konvoi“, „Jage diese Tiere“, „Töte diese Typen“. Sie sind einfallslos wie immer und offenkundig Füllmaterial, aber gut für Erfahrungspunkte. Mich hat extrem genervt, wie umständlich sie zu beginnen waren. Ihr müsst erst zum Questgeber, der euch sagt, was ihr schon wisst. Dann geht ihr zu einem anderen, meist weit entfernten Punkt auf der Karte, löst noch einmal die Mission aus und begebt euch dann erst zur eigentlichen Mission. Dieser Drei-Schritte-Prozess hätte mit Sicherheit gekürzt werden können.
Mit weitem Abstand am meisten enttäuschen aber die Hauptmissionen. Diese gestalten sich häufig nicht viel spektakulärer als die Nebenmissionen, was giantbombs Jeff Gerstmann auch zu dem passenden Obersatz gebracht hat: „Far Cry: Primal feels like one long, optional side mission.“
Mit wenigen Ausnahmen bestehen auch die Hauptmissionen nur aus „Sammel drei davon, vier hiervon und noch zwei von dem da!“ Nicht nur im Tutorial, sondern zehn Stunden in der Story. Urkis Missionen mögen, was die Cutszenes betrifft, unterhaltsam sein, spielerisch handelt es sich um drittklassiges Füllmaterial. Selbst die beiden Bosse, die ihr in beliebiger Reihenfolge spielen könnt, sind lediglich normale Gegner mit Gesundheitsleisten von hier bis Timbuktu und einem unerschöpflichen Fundus an Minions. Nochmal, das Setting erlaubt sicherlich keine Michael Bay Szenarien, aber entweder man gibt sich Mühe und kreiert trotzdem etwas, das sich zumindest von dem abhebt, was man in Far Cry 3 auf dem Weg zur Mission gemacht hat oder man überlegt sich, ob das Setting nun doch so eine großartige Idee war. Und hört mir auf mit Realismus, ich habe eine Dronen-Eule!
Optisch beeindruckt Primal durch tolle, detaillierte Charaktere und Tiere und erschreckt gleichzeitig durch so manche hässliche Wandtextur. Feuereffekte enttäuschen, obwohl diese einst das Aushängeschild der Reihe waren, dafür gefallen wieder die Lichteffekte bei Nacht. Insgesamt hinterlässt das Spiel einen technisch gemischten Eindruck. Dafür lief es stabil ohne Ruckeln, Einbrüche der Framerate und mit annehmbaren Ladezeiten. Voiceacting ist schwer zu beurteilen, aber es wirkt zumindest, als ob die Sprecher sich redlich Mühe gegeben haben, die künstliche Sprache lebensecht rüber zu bringen. An Emotion fehlt es zumindest nicht.
Histi pracha, Ubi
Far Cry Primal steckt derzeit viel Kritik ein, die ich nicht wirklich vollständig von der Hand weisen oder ausräumen kann. Ja, es ist die identische Formel, die in Far Cry 3 Erfolg hatte, in Blood Dragon wiederholt und in Far Cry 4 neu aufgelegt wurde. Ja, das Jagen und Sammeln hat nun noch einen höheren Stellenwert. Ja, die Karte ist vollgestopft mit Beschäftigungstherapie. Ja, die Missionen lassen allesamt zu wünschen übrig. Ja, das Zähmen der Tiere ist als Mechanik kaum der Rede wert. Was soll ich dazu sagen?
Aber im Gegensatz zum Vorgänger macht es mir Spaß. Schlicht und ergreifend. Kein ständig nervender Pagan Min im Radio, man wird nicht an jeder Ecke von AimBots zu Klump geschossen, der Nahkampf ist phänomenal brutal und wuchtig umgesetzt, das Crafting wirkt nicht aufgesetzt und das Zusammenspiel von Dorf, Mitstreitern und Ausrüstung ist motivierend.
Es geht mir ähnlich wie mit Mad Max. Rein objektiv gesehen könnte man das Spiel in der Luft zerreißen für das Wiederholen ausgelutschter Mechaniken und das Pflastern einer übergroßen, aber leeren Karte mit den immer selben einfallslosen Aufgaben. Aber irgendwo macht das Spiel so viel richtig, dass es am Ende des Tages Spaß macht, sei es durch die Atmosphäre, das gelungene Setting oder das bessere Balancing im Vergleich zu den Vorgängern.
Macht das Far Cry Primal zu einem guten Spiel? Schwer zu sagen. Der Zyniker in mir weigert sich, UbiSofts offensichtliche Masche zu honorieren. Der Gamer in mir sagt, dass dies alles egal ist, solange das Spiel Spaß macht. Und während ich mich noch mit Tränen in den Augen frage, wie diese beiden Männer in meine Wohnung gekommen sind, bastelt UbiSoft schon an Far Cry: The Middelages. Das ist der neue Kreislauf des Lebens.
