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Der Ukrainekrieg

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Die ukrainische Artillerie reicht 30, 40 km hinter die Front - überall. Da bildet Lyman keine Ausnahme. Das ist Krieg - beide Seiten beschießen sich stetig. Der Unterschied zum Kessel von Lyman ist der, dass die Ukrainer die letzte verbliebene Straße im direkten Richten unter Feuer nehmen können. Genau da würde eine Entsatztruppe Russlands ja vermutlich ansetzen: Die Straße freikämpfen und den Kontakt nach Lyman wieder herstellen.

Lasst euch nicht in die Irre führen. Der Lyman-Kessel wird von der ukrainischen Propaganda zu mehr aufgeblasen, als er militärisch ist. 3.000 Russen sind nicht nichts, aber es ist alles andere als ein Entscheidungsschlag gegen die russische Armee, wohingegen in Stalingrad 300.000 Achsentruppen eingeschlossen wurden - das waren gut und gerne 10% der Kampftruppen an der Ostfront zu der Zeit.
 
und du verstehst nicht was ich meine, ich rede nur von der Situation der 3000, die werden sehr wahrscheinlich bald eingekesselt sein und Putin wird nicht um einen Korridor bitten. Das wird sehr unschön.
 
Dann ist aber jeder Kessel für jeden Eingekesselten Stalingrad. Das die Situation für die Leute im Kessel beschissen ist, steht außer Frage - für eine so kleine Truppe wie die in Lyman umso mehr, weil denen sicherlich einiges an Versorgern fehlt. Die Truppe in Stalingrad war größer als die Bundeswehr heute ist, ergo hatten die alles mit im Kessel, was man so braucht, um sich eine Zeit lang selbst versorgen zu können, angefangen bei der Bäckereikompanie bis zu den Werkstätten für die verschiedenen Fahrzeuge. Wenn die Truppen in Lyman Pech haben, sind das einfach nur 3.000 Infanteristen ohne jede Versorgung.
 
und du verstehst nicht was ich meine, ich rede nur von der Situation der 3000, die werden sehr wahrscheinlich bald eingekesselt sein und Putin wird nicht um einen Korridor bitten. Das wird sehr unschön.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Putin um Erlaubnis bitten wird, seine Truppen abzuziehen. Aber seine Militärs werden sicherlich versuchen, den Kessel zu entsetzen = Angriff (idealerweise von innen und außen) auf die schwächste Stelle des Umschließungsrings, um die Verbindung wiederherzustellen. Über diese könnte man dann die Truppen aus Lyman evakuieren.

Wen es interessiert: Mich erinnert die Situation in Lyman an den Kessel von Falaise im Sommer 1944 (nicht von der Größenordnung her, aber von der Tatsache, dass der gesamte Kessel nur noch über eine Verbindungsstraße zu erreichen war). Da haben wir auch noch unter heftigstem Feuer der Alliierten einige Truppen evakuieren können.
 
da die Ukrainer aber stetig vorrücken seh ich irgendwie nicht dass die Russen da noch nen Keil reinschlagen könnten bzw. nur unter extrem hohen Verlusten.
 
Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Krieg ist Chaos - und die Ukrainer befinden sich seit August auf einem sehr langsamen Vormarsch - die dürften allmählich auch auf dem Zahnfleisch gehen. Wir wissen also nicht, in welchem Zustand die Truppen sind, die derzeit die Kesselfront halten - geschweige denn, ob diese noch in der Lage sind, weiter vorzurücken und die Front weiter einzudrücken, also weg vom Kessel.
Hinzu kommt, dass der Umschließungsring extrem schmal ist. Bei Stalingrad waren es zunächst 20, 30 km, bald 100 km Durchmesser. Hier sind es, nach allem, was man weiß, vielleicht 2 km. Mal zum Vergleich: Sowohl die Ukrainer als auch die Russen setzen Panzer ein, deren effektive Kampfentfernung über diesen 2 km liegt. Kurz: Die können einmal komplett über die Kesselfront hinwegschießen und Ziele auf der anderen Seite vernichten.
Das ist einfach noch zu früh, um zu sagen, ob der Kessel verloren ist oder nicht.

Kesselschlachten können Wochen dauern. Und wir befinden uns gerade wenige Stunden nach mutmaßlicher Schließung des Kessels.
 
Was ich absolut irre finde: Teile der Gebiete, die Russland angeschlossen hat, befinden sich unter der Kontrolle der Ukrainer.

Ich weiß nicht, ob es für diese Unverschämtheit historische Vorbilder gibt ... da werden Territorien annektiert, die man gar nicht hat erobern können. Ergo konnten auch die "Referenden" gar nicht komplett durchgeführt werden. Es ist einfach alles so absurd.

Das ist, als hätte Hitler nach der verlorenen Schlacht um Moskau eben Moskau annektiert, nachdem er die Bevölkerung in den durch ihn kontrollierten Vororten "befragt" hatte. Irre.

Übrigens ist Lyman aus Moskaus Sicht nun auch Russisch ...
 
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Wem heute bisher noch nicht schlecht war, der kann das jetzt nachholen :hammer:
 
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(outskirts von Lyman)

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Die Rhetorik erinnert mich frappierender Weise an Goebbels...

:skep:
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Also ich finde es nullkommanull problematisch von "der Wehrmacht" zu sprechen wenn "die Wehrmacht" gemeint ist.

edit: "Wir, das damals nationalsozialistische Deutschland", damit führst du mitunter fort, was die Nazis mit ihrer Rassenlehre erreichen wollten: die Millionen von deutschen (!) Jüdinnen und Juden und andere verfolgte Staatsbürger*innen, die nicht länger als Teil des "Volkskörpers" gelten sollten, fallen nämlich nicht unter dieses "Wir". Nein danke, auf das Gemeinmachen mit einer Traditionslinie, die in erster Linie eine "Blutslinie" nachzeichnet, verzichte ich sehr gerne.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ebenso unproblematisch ist es von wir zu sprechen. Das ist weder emotional noch geschichtsvergessen oder gar verehrerisch gemeint.
Ich bin Staatsbürger des Staates, der der offizielle Rechtsnachfolger des Dritten Reichs ist. Daher spreche ich natürlich von wir.

Tatsächlich finde ich es in diesem Kontext umproblematischer von wir zu sprechen als von Der Wehrmacht, da diese Bezeichnung oft unterschlägt, dass die Wehrmacht selten allein kämpfte, sondern meist im Verbund mit SS, Polizei und Verbündeten.
 
Nationalsozialistische Truppen. Was weiß ich, wer in diesem Kessel damals eingeschlossen war.
Und dass die Wehrmacht nicht die saubere Truppe war, zu der sie im Nachhinein gerne gemacht wurde, kommt ja noch dazu.
Ich finde das "wir" in dem Kontext - auch deshalb - total befremdlich.
Aber ihr könnt es anders sehen, an meinem Befremden ändert das nichts.
 
Also ich finde es nullkommanull problematisch von "der Wehrmacht" zu sprechen wenn "die Wehrmacht" gemeint ist.

edit: "Wir, das damals nationalsozialistische Deutschland", damit führst du mitunter fort, was die Nazis mit ihrer Rassenlehre erreichen wollten: die Millionen von deutschen (!) Jüdinnen und Juden und andere verfolgte Staatsbürger*innen, die nicht länger als Teil des "Volkskörpers" gelten sollten, fallen nämlich nicht unter dieses "Wir". Nein danke, auf das Gemeinmachen mit einer Traditionslinie, die in erster Linie eine "Blutslinie" nachzeichnet, verzichte ich sehr gerne.

Ich finde deinen EDIT spannend und durchaus bedenkenswert. Du eröffnest mir eine neue Perspektive damit.

Allerdings ist für mich das Wir in diesem Kontext auch Ausdruck von Verantwortung. Wir können uns die Geschichte nicht aussuchen oder schönreden, wie es der Kreml dieser Tage gern tut. Wenn WIR Fußballweltmeister werden, wenn WIR die besten Autos bauen und wenn WIR eine vergleichsweise gute Gesundheitsversorgung aufgebaut haben, ja dann haben auch WIR Frankreich überfallen und 6 Mio Juden ermordet.

EDIT das ist zumindest der Hintergrund warum ich auf diese Formulierung zurückgreife.
 
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