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Der Ukrainekrieg

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Das kommt drauf an wie das Ende des Krieges aussieht.
Wird er gestürtz? Wenn ja, von wem? Würden die den ausliefern oder nicht? Wird es eine diplomatische Lösung geben?
Freiwillig wird er das Feld jedenfalls nicht räumen. Entweder einer seiner Lakaien wird das Ruder übernehmen und vielleicht einlenken ihn aber schützen. Oder eine Opposition wird das machen und ihn dann ausliefern oder vielleicht zieht er dann auch Selbstmord vor.
Oder halt es wird am Ende doch irgendwie eine Art Friedensvertrag geben (was ich allerdings am unwahrscheinlichsten halte).

Ich bin ja relativ sicher, dass Russland den Krieg nicht mit konventionellen Mitteln gewinnen können wird. Jedenfalls nicht so lange die Ukraine weiter vom Westen mit Kriegsmaterial versorgt wird. Insofern wird es womöglich irgendwann tatsächlich auf eine Art Putsch hinauslaufen. Ein Selbstmord oder eine Verurteilung Putins wäre wohl ein äußerst starkes Signal.

Weil er das am Ende auch nicht er alleine ist, der da sitzt und einen Knopf drückt. Sondern das eine Befehlskette mit einigen Beteiligten gibt. Und die müssten alle Lust auf Sterben und Weltuntergang haben. Für sich und ihre Familien.

Exakt so ist es. Klar kann man es nie ganz ausschließen, aber auch ich halte ein solches Szenario für ziemlich unwahrscheinlich.
 
Das wär jetzt die Version Hoffnung oder?
Ist ja auch nicht das erste Mal, wir hatten ja schon einen kalten Krieg und auch da in extrem schwierigen Situationen und Entscheidungen dann trotzdem noch besonnene Leute. Klar, wenn Du sagt das ist Prinzip Hoffnung kann ich da nicht widersprechen und das nicht widerlegen, halte ich persönlich aber am wahrscheinlichsten.
 
Man darf halt auch nicht vergessen, dass Atomwaffen vor allem zur Abschreckung existieren. Absolut jedem dürfte klar sein, was ein Atomkrieg bedeuten würde und dass ein Erstschlag blanker Selbstmord wäre. Insofern bin ich da vorsichtig optimistisch.
 
Ich will übrigens gar nicht den Weltuntergang beschwören.

Aber natürlich beschäftigt es auch mich.
Und ja, ich Trau dem Kollektiv nicht viel zu.

Beschäftigen sollte man (bzw die Staaten oder NATO) natürlich auch mit allen Szenarien um auf alles vorbereitet zu sein.
Aber Putins Rhetorik ist ja oftmals Säbelrasseln und Gepolter zur Abschreckung und als Demonstration der Stärke.
 
Du scheinst das mit der "Leidensfähigkeit" genauso falsch einzuschätzen wie ich im ersten Moment. Das ist aber auch verständlich, weil wir "Kinder des Westens" sind. So wie ich das wahrgenommen habe, bezieht er das auf den Zustand der Dauerarmut, die nach westlichen Verhältnisses in der alten Sowjetunion jahrzehntelang vorgeherrscht hat. Ich konnte das selbst sehr gut nachvollziehen, als ich 1992 eine Woche in Moskau war. Das kann man nur schlecht verstehen, wenn man es nicht selbst erlebt hat, weil wir ein anderes(n) Selbstverständnis/Leben/Wohlstand haben. Das meinte er, und das haben auch die meisten tatsächlich gar nicht auf dem Schirm, wie denn auch?! Sicherlich hat sich in der letzten Generation vielleicht etwas getan, aber dennoch konnte ich die Anmerkung mit Blick auf die "UdSSR" sehr gut verstehen. Sooo lange ist das nämlich noch gar nicht her und ist mit der deutschen Leidensfähigkeit in den Kriegs- bzw. Nachkriegsjahren nicht ansatzweise vergleichbar.
Ja, aber wenn eben zu der "Leidensfähigkeit" in Sachen Armut noch die Angst vor dem Armeedienst kommt - für einen nicht wirklich erkennbaren Zweck und ohne definiertes Ziel - dann kann sich das schnell ändern.

Und bei der Masse an Rekruten, bei den ergriffenen Maßnahmen wie die Pflicht jedes wehrfähigen Mannes, sich ohne Genehmigung der Armee NUR am Wohnort aufzuhalten, kommt diese Angst sehr schnell.
UNd dann ist die (zunehmende) Armut ein kleines Problem.

Wobei natürlich auch die Armut der Einwohner von Moskau oder St. Petersburg auch nur noch verhältnismäßig gering ist und die schon Wohlstand zu verlieren haben. Da hat sich seit 1992 viel getan - und jetzt wieder zunichte gemacht.
 
Wenn Putin mit neuem Kanonenfutter auf Zeit spielt, dann werden die Karten der Ukraine meiner Meinung nach von Tag zu Tag schlechter.
Die Ukraine hat deutlich weniger eigene Ressourcen als Russland. Sowohl Kriegsmittel als auch Soldaten.

Nun wissen wir, dass der Angreifer in der Regel deutlich mehr Soldaten als der Verteidiger benötigt, aber sollten diese 300.000 Reservisten tatsächlich im Kriegsgebiet ankommen und auch bereit sein zu kämpfen, dann wird's eng für die Ukrainer. Selbst wenn sie weitere Waffen aus dem Westen bekommen, fehlen ihnen die Soldaten. Und selbst diese Waffenlieferungen sind endlich. Die meisten Länder können nicht mehr viel abgeben, weil sie selber nichts haben. Neuproduktion dauert lange und ist in der aktuellen Situation wahrscheinlich auch kein wirksames Mittel.

Auch wird ja immer darüber geschmunzelt, wie schlecht die Russen vorbereitet und ausgerüstet in den Kampf geschickt werden. Aber machen wir uns nichts vor, die Ukraine hat nicht nur Elite-Soldaten und ein russischer Soldat mit veraltetem Kriegsgerät ist einer mehr als gar keiner auf der Gegenseite.

Wir können eigentlich nur hoffen, dass entweder die russischen Soldaten ihre Waffen niederlegen, das russische Volk in großer Anzahl auf die Straßen geht und oder die russische Regierung einsieht, dass sie sich besser zurückziehen sollten.

An einen Atomkrieg glaube ich zwar auch nicht, aber eine Ausweitung der Kriegsteilnehmer und einen potenziellen dritten Weltkrieg würde ich persönlich nicht mehr ausschließen. Wenn Russland zusammen mit Belarus und Co die Ukraine überrennt, dann kann der Westen nur untätig zuschauen. Ein direktes Eingreifen würde die Grenze überschreiten. Vor allem auch womit noch? Mein letzter Kenntnisstand ist, dass z.B. die deutsche Bundeswehr gar nicht in der Lage wäre ein anderes Land mit vielen Soldaten zu unterstützen geschweige denn das eigene Land auch noch zu verteidigen. Wie viele Soldaten haben wir? 160.000? Hätten die auch alle Ausrüstung und Waffen?
 
Ich bin von Standpunkt bei euch.

Und dennoch, ein in die Ecke getriebener Geist neigt dazu Ratio vermissen zu lassen.
Ich sehe nach wie vor absolut keine Anzeichen, dass Putin oder die Armeeführung einen Atomschlag auch nur in Betracht zieht - schon gar kein Präventivschlag mit strategischen Waffen gegen die NATO.

Wenn das ernst gemeint wäre, sähen die westlichen Geheimdienste starke Aktivitäten an den Abschussbasen, Bewegung in der Flotte der U-Boote und strategischen Bomber. Denn als Vorbereitung müsste die nukleare Triade höchst einsatzbereit gemacht werden. Und bis auf den PR-Stunt der Erhöhung der nuklearen Vorbereitung um eine Stufe (die quasi keine Auswirkungen auf die Armee hatte) ist da nach wie vor nix passiert.
Würde die Variante Atomschlag auch nur ansatzweise in das reale Arsenal geschoben wären, würde ich annehmen, dass es schon längst weitreichende VOrbereitungen in der Hinsicht gäbe und ich gehe auch davon aus, dass Russland zuerst wieder Nukleartests durchführen würde.
Zum einen, um wirklich Zähne zu zeigen, zum anderen aber auch, weil die realistisch denkenden Menschen in der Armee sichergehen wollen würden, dass das auch alles noch klappt.
Und bevor das passiert, würden wieder die strategischen U-Boote und Bomber dauerhaft auf bewaffneter Patrouille sein.


WENN - und selbst das halte ich für quasi ausgeschlossen - würde ich nur einen taktischen Sprengkopf in der Ukraine für denkbar halten. Das würde zu keiner Gegenbombe der NATO führen, aber würde Russland von allen nennenswerten Alliierten abkoppeln. Ich denke, dass weder Indien noch China an der Seite Russlands stehen würden, wenn eine Atomwaffe im Konflikt eingesetzt werden würde.


Aber ich denke, wir werden uns weiter an das Gebell und die Erinnerungen an das nukleare Arsenal Russlands gewöhnen müssen. Sie befinden sich dazu, auf internationaler Bühne zu einem zweiten Nordkorea zu werden. Bei denen gehört das ja auch zum guten Ton, so einmal monatlich mit dem nuklearen Holocaust für irgendwen zu drohen. Die werden ja auch nicht mehr ernst genommen.

Von daher bin ich wirklich so entspannt wie vor dem Krieg, was die Frage nach Atomwaffen angeht. Das theoretische Potenzial der Auslöschung ist da, aber es wird bei der Theorie bleiben.
 
Ich sehe nach wie vor absolut keine Anzeichen, dass Putin oder die Armeeführung einen Atomschlag auch nur in Betracht zieht - schon gar kein Präventivschlag mit strategischen Waffen gegen die NATO.

Wenn das ernst gemeint wäre, sähen die westlichen Geheimdienste starke Aktivitäten an den Abschussbasen, Bewegung in der Flotte der U-Boote und strategischen Bomber. Denn als Vorbereitung müsste die nukleare Triade höchst einsatzbereit gemacht werden. Und bis auf den PR-Stunt der Erhöhung der nuklearen Vorbereitung um eine Stufe (die quasi keine Auswirkungen auf die Armee hatte) ist da nach wie vor nix passiert.
Würde die Variante Atomschlag auch nur ansatzweise in das reale Arsenal geschoben wären, würde ich annehmen, dass es schon längst weitreichende VOrbereitungen in der Hinsicht gäbe und ich gehe auch davon aus, dass Russland zuerst wieder Nukleartests durchführen würde.
Zum einen, um wirklich Zähne zu zeigen, zum anderen aber auch, weil die realistisch denkenden Menschen in der Armee sichergehen wollen würden, dass das auch alles noch klappt.
Und bevor das passiert, würden wieder die strategischen U-Boote und Bomber dauerhaft auf bewaffneter Patrouille sein.


WENN - und selbst das halte ich für quasi ausgeschlossen - würde ich nur einen taktischen Sprengkopf in der Ukraine für denkbar halten. Das würde zu keiner Gegenbombe der NATO führen, aber würde Russland von allen nennenswerten Alliierten abkoppeln. Ich denke, dass weder Indien noch China an der Seite Russlands stehen würden, wenn eine Atomwaffe im Konflikt eingesetzt werden würde.


Aber ich denke, wir werden uns weiter an das Gebell und die Erinnerungen an das nukleare Arsenal Russlands gewöhnen müssen. Sie befinden sich dazu, auf internationaler Bühne zu einem zweiten Nordkorea zu werden. Bei denen gehört das ja auch zum guten Ton, so einmal monatlich mit dem nuklearen Holocaust für irgendwen zu drohen. Die werden ja auch nicht mehr ernst genommen.

Von daher bin ich wirklich so entspannt wie vor dem Krieg, was die Frage nach Atomwaffen angeht. Das theoretische Potenzial der Auslöschung ist da, aber es wird bei der Theorie bleiben.

Alles nachvollziehbar und unterschreibe ich so.

Mein Gedanke kommt aus der Richtung „Worte schaffen Wahrheit“, und at least sprechen wir auf höchster politischer Ebene darüber. Menschen unterhalten sich über einen Vorgang der für ganze Generationen nur ein abstraktes theoretisches Konstrukt war.

Und die Teilmobilisierung ist von allem PR Stunt Facetten ab zumindest das Signal „Das wird länger dauern und weitere Eskalationen werden in Kauf genommen. Oder abgeschwächt formuliert: Man Entfernt sich tendenziell von einer Lösung als das man auf sie zugeht.
 
. Wenn Russland zusammen mit Belarus und Co die Ukraine überrennt, dann kann der Westen nur untätig zuschauen.
Das ist aber doch kein realistisches Szenario mehr...
RUsslan hat zehntausende Soldaten verloren und was noch wichtiger ist: Sehr viel Ausrüstung, sehr viele Waffen. Für die anscheinend noch verfügbaren Weltkriegspanzer können die NATO-Länder noch mehr als genug Javelins etc. liefern. Davon sollten die USA und UK alleine hunderttausende haben - und ohne Probleme in wirtschaftlich prächtig ausgestatteten Rüstungsunternehmen beliebig nachproduzieren können. Und veraltete Panzer bieten gegen moderne Antipanzerwaffen exakt keinen Widerstand.

Natürlich wird es für die Ukraine weiterhin hässlich, wenn Putin jetzt 300.000 Männer in den Fleischwolf jagt.
Aber es ist absolut unrealistisch, dass die riesige Ukraine überrannt wird. Lukaschenko hält sich ja auch auffällig zurück, wenn der all in gehen würde, hätte er als Dissident selbst riesige Sorgen, dass er bald aus nem Fenster fliegt.
Und im Februar/März ist Russland kläglich bei den Versuchen, Kiew einzunehmen und mehr als die Grenzgebiete zu sichern, gescheitert. Und das mit einer frischen Armee, bei noch schlecht ausgestatteten Ukrainern ohne routinierte UNterstützung der NATO auf allen denkbaren Ebenen.
Wie sollen die denn jetzt mit kampfunwilligen, unter Strafandrohung in die Ukraine geschleppten Reservisten und aufgebrauchten Vorräten an auch nur ansatzweise modernem Kampfmaterial (hat schon seinen Grund, dass Russland seit Wochen schon Anti-Luft-Raketen für BOdenziele missbraucht) dieses Wunder vollbringen?
 
Mein Gedanke kommt aus der Richtung „Worte schaffen Wahrheit“, und at least sprechen wir auf höchster politischer Ebene darüber. Menschen unterhalten sich über einen Vorgang der für ganze Generationen nur ein abstraktes theoretisches Konstrukt war.
Absolut. Daher ärgere ich mich auch über die immer wieder kommenden, meist sehr reißerischen Artikel und Berichte über Spekulationen und Horrorvisionen von theoretischen Szenarien.
Denn genau das WILL Putin ja.
 
Wenn Putin mit neuem Kanonenfutter auf Zeit spielt, dann werden die Karten der Ukraine meiner Meinung nach von Tag zu Tag schlechter.
Die Ukraine hat deutlich weniger eigene Ressourcen als Russland. Sowohl Kriegsmittel als auch Soldaten.

Nun wissen wir, dass der Angreifer in der Regel deutlich mehr Soldaten als der Verteidiger benötigt, aber sollten diese 300.000 Reservisten tatsächlich im Kriegsgebiet ankommen und auch bereit sein zu kämpfen, dann wird's eng für die Ukrainer. Selbst wenn sie weitere Waffen aus dem Westen bekommen, fehlen ihnen die Soldaten. Und selbst diese Waffenlieferungen sind endlich. Die meisten Länder können nicht mehr viel abgeben, weil sie selber nichts haben. Neuproduktion dauert lange und ist in der aktuellen Situation wahrscheinlich auch kein wirksames Mittel.

Auch wird ja immer darüber geschmunzelt, wie schlecht die Russen vorbereitet und ausgerüstet in den Kampf geschickt werden. Aber machen wir uns nichts vor, die Ukraine hat nicht nur Elite-Soldaten und ein russischer Soldat mit veraltetem Kriegsgerät ist einer mehr als gar keiner auf der Gegenseite.

Wir können eigentlich nur hoffen, dass entweder die russischen Soldaten ihre Waffen niederlegen, das russische Volk in großer Anzahl auf die Straßen geht und oder die russische Regierung einsieht, dass sie sich besser zurückziehen sollten.

An einen Atomkrieg glaube ich zwar auch nicht, aber eine Ausweitung der Kriegsteilnehmer und einen potenziellen dritten Weltkrieg würde ich persönlich nicht mehr ausschließen. Wenn Russland zusammen mit Belarus und Co die Ukraine überrennt, dann kann der Westen nur untätig zuschauen. Ein direktes Eingreifen würde die Grenze überschreiten. Vor allem auch womit noch? Mein letzter Kenntnisstand ist, dass z.B. die deutsche Bundeswehr gar nicht in der Lage wäre ein anderes Land mit vielen Soldaten zu unterstützen geschweige denn das eigene Land auch noch zu verteidigen. Wie viele Soldaten haben wir? 160.000? Hätten die auch alle Ausrüstung und Waffen?

Die Ukraine hat selbst ein erhebliches Potenzial an Soldaten. Das ist kein Kleinstaat, sondern ein Land mit 44 Mio Einwohnern + eine nicht unerhebliche Diaspora (+ ausländische Freiwillige, auch wenn der Anteil zu vernachlässigen ist). Kiew hat im Februar mobil gemacht, damit darf davon ausgegangen werden, dass mittlerweile viel mehr als 1 Mio Ukrainer unter Waffen stehen. Tendenz steigend, weil mehr und mehr Menschen eingezogen und ausgebildet werden. Wenn die alles zusammenkratzen, können die sicherlich bis zu 10 Mio Soldaten ausheben.

Die 300.000 Soldaten sind da tatsächlich relativ unerheblich. Die russischen Streitkräfte dürften derzeit mit um die 200 bis 400k in der Ukraine stehen - selbst 300.000 Reservisten ändern nichts daran, dass die Russen in der Unterzahl sind. Klar, Putin kann bis zu 25 Mio Soldaten einziehen, aber mit jedem Mann mehr, der in den Krieg ziehen muss, kommt dieser Krieg auch stärker zu Hause an. Für Putin beginnt jetzt ein Balanceakt, der ihn seine Macht kosten kann.

Um das Potenzial der Ukraine, Menschen in den Krieg zu schicken, mal ins Verhältnis zu rücken: Frankreich hatte 1914 eine Bevölkerung von 39 Mio. Das hat auch genügt, um über 4 Jahre hinweg 8,5 Mio Soldaten auszuheben und einzusetzen bei Verlusten von rund 1,5 Mio Soldaten.
 
Ja, aber wenn eben zu der "Leidensfähigkeit" in Sachen Armut noch die Angst vor dem Armeedienst kommt - für einen nicht wirklich erkennbaren Zweck und ohne definiertes Ziel - dann kann sich das schnell ändern.

Und bei der Masse an Rekruten, bei den ergriffenen Maßnahmen wie die Pflicht jedes wehrfähigen Mannes, sich ohne Genehmigung der Armee NUR am Wohnort aufzuhalten, kommt diese Angst sehr schnell.
UNd dann ist die (zunehmende) Armut ein kleines Problem.

Wobei natürlich auch die Armut der Einwohner von Moskau oder St. Petersburg auch nur noch verhältnismäßig gering ist und die schon Wohlstand zu verlieren haben. Da hat sich seit 1992 viel getan - und jetzt wieder zunichte gemacht.
Ich hoffe inständig, dass sich durch die Mobilmachung etwas ändert. Dass sich vereinzelt der Wohlstand geändert hat, ist klar, aber die Mentalität ist stark verankert und teilweise auch schwer zu begreifen.
 
Wenn Putin mit neuem Kanonenfutter auf Zeit spielt, dann werden die Karten der Ukraine meiner Meinung nach von Tag zu Tag schlechter.
Die Ukraine hat deutlich weniger eigene Ressourcen als Russland. Sowohl Kriegsmittel als auch Soldaten.

Nun wissen wir, dass der Angreifer in der Regel deutlich mehr Soldaten als der Verteidiger benötigt, aber sollten diese 300.000 Reservisten tatsächlich im Kriegsgebiet ankommen und auch bereit sein zu kämpfen, dann wird's eng für die Ukrainer. Selbst wenn sie weitere Waffen aus dem Westen bekommen, fehlen ihnen die Soldaten. Und selbst diese Waffenlieferungen sind endlich. Die meisten Länder können nicht mehr viel abgeben, weil sie selber nichts haben. Neuproduktion dauert lange und ist in der aktuellen Situation wahrscheinlich auch kein wirksames Mittel.

Auch wird ja immer darüber geschmunzelt, wie schlecht die Russen vorbereitet und ausgerüstet in den Kampf geschickt werden. Aber machen wir uns nichts vor, die Ukraine hat nicht nur Elite-Soldaten und ein russischer Soldat mit veraltetem Kriegsgerät ist einer mehr als gar keiner auf der Gegenseite.

Wir können eigentlich nur hoffen, dass entweder die russischen Soldaten ihre Waffen niederlegen, das russische Volk in großer Anzahl auf die Straßen geht und oder die russische Regierung einsieht, dass sie sich besser zurückziehen sollten.

An einen Atomkrieg glaube ich zwar auch nicht, aber eine Ausweitung der Kriegsteilnehmer und einen potenziellen dritten Weltkrieg würde ich persönlich nicht mehr ausschließen. Wenn Russland zusammen mit Belarus und Co die Ukraine überrennt, dann kann der Westen nur untätig zuschauen. Ein direktes Eingreifen würde die Grenze überschreiten. Vor allem auch womit noch? Mein letzter Kenntnisstand ist, dass z.B. die deutsche Bundeswehr gar nicht in der Lage wäre ein anderes Land mit vielen Soldaten zu unterstützen geschweige denn das eigene Land auch noch zu verteidigen. Wie viele Soldaten haben wir? 160.000? Hätten die auch alle Ausrüstung und Waffen?

Das sehe ich jetzt gar nicht mal so düster wie du. Aktuell läuft ja ein Beschaffungsprogramm nach Winterausrüstung für ukrainische Soldaten. Man versucht Ausrüstung für 200.000 Soldaten zusammen zu bekommen. Aktuell hat man wohl rund 100K. Das sagt mir zum einen, dass man schon damit rechnen kann, dass das ukrainische Heer an der Front schon bei 200K im Winter steht. Und offensichtlich besser ausgerüstet sein wird wie das russische. In allen Belangen. Wie die 300 K neue Rekruten ausgerüstet und versorgt bekommen wollen, wo sie ja jetzt schon Probleme haben. Zu Beginn des Krieges gab es das ja auch schon, dass massenhaft Russen über Frostbeulen, Erfrierungen etc. geklagt haben und Lebensmittelläden in Massen gestürmt sind. Logistisch kann Russland das nicht vernünftig regeln bei der Masse an Männern.

Dazu wird die Ukraine ja in vielen Belangen deutlich über Kriegsgerät hinaus ja auch unterstützt. Die Tage hatte ich z.B. ein Video gesehen von Krankenflugzeugen mit verwundeten Soldaten die nach Deutschland in Krankenhäusern geflogen wurden. Und das scheint europaweit gemacht zu werden. Wenn man dagegen sieht wie viele Russen einfach zum sterben zurück gelassen werden oder diese Möglichkeit einfach nicht besteht.

Auch finanziell wird die Ukraine ja nicht hängen gelassen. Amerika prüft doch gerade, ob sie das eingefrorene Geld Russlands einfach der Ukraine geben können.

Natürlich macht die Masse an Russen oder Zergs schon auch etwas aus. Aber ich denke die ukrainische Heeresführung wird nicht so borniert sein unbedingt auf Geländegewinnen zu verharren. Sie haben ja schon mehrmals geplante Rückzüge gemacht und dabei dem Gegner empfindlichen Schaden zugefügt.

Aber auch den Verlauf können wir letztlich nicht abschätzen. Wenn man alleine die letzten 7 Monaten sieht - wie wir auch hier Erwartungen hatten die manchmal deutlich in die andere Richtung geschlagen haben. Im Februar dachte jeder die Ukraine ist innerhalb weniger Tage Geschichte. Dann dachte man, dass sie vielleicht ein paar Wochen aushalten kann, aber der Konvoi nach Kiew wird die Lichter ausknipsen. Und dann zerfällt zum ersten Mal ein großer Teil des Heeres. Der Sommer mit den langen, langen Gefechten aber stetigen Geländegewinnen. Dann wird plötzlich das Flagschiff der russischen Schwarzmeerflotte versenkt und die Schlangeninsel zurück erobert. Die überaus überraschende Gegenoffensive um Kharkiv - oder eher deren phänomenalem Erfolg der Putin letztlich zu der Mobilisierung getrieben hat.

Ich sehe da absolut Hoffnung. Und bei Putin könnte ich mir schon vorstellen, dass er durch die Mobilisierung nochmal versucht gewisse Geländegewinne zu erringen um damit in Verhandlungen zu gehen, nach dem Motto, dass man ja eh nur die Referendumgebiete retten wollte und man damit sein Ziel erreicht hätte. In der Hoffnung, dass sowohl die Ukraine wie auch der Westen einlenken.

Denn Gewinner gibt es ja keine bei der Sache. Alle westlichen Ländern haben mit abartiger Inflation zu tun und sich in den nächsten Monaten auch schwierigen Stand gegenüber einem Großteil der Bevölkerung. Die Ukraine hat im besten Fall ihre Freiheit behalten aber viele Menschen und Ressourcen verloren. Und Russland hat sich sowieso nackt gemacht und seinen Status als mächtige Militärnation eingebüßt. Man kann ja auch hier schön verfolgen wie es an Russlands Grenzen überall zu brodeln anfängt.
 
Was man auch nicht übersehen sollte ist, dass Russland demografisch auch ohne Krieg ein Problem hat.
Russland kann es sich eigentlich auch nicht mehr leisten mit Zerg Taktiken die junge Bevölkerung zu verheizen, aber der Kreml hat nur eigene kurzfristige Ziele im Blick. Egal wie es in der Ukraine endet, Russland wird sich langfristig in einer Spirale des Niedergangs befinden und die Führung zerstört langfristig jede Perspektive für ihr Volk.
 
Ukraine - Russland kündigt rasche Annexion der besetzten Gebiete nach „Referenden“ an

Russland hat eine rasche Annexion der besetzten Gebiete in der Ukraine nach dem Ende des sogenannten Referendums angekündigt. Kreml-Sprecher Peskow sagte, sollten die Menschen für einen Anschluss an Russland stimmen, könne das entsprechende Verfahren sehr schnell vonstatten gehen. Zahlreiche Staaten haben bereits erklärt, dass sie die Ergebnisse der Scheinabstimmungen nicht anerkennen werden.


https://www.deutschlandfunk.de/russland-kuendigt-rasche-annexion-der-besetzten-gebiete-nach-referenden-an-100.html

bin
immer noch gespannt wie die Abstimmungen ausgehen :ugly:
 
Je mehr Soldaten Putin in diesen Krieg schickt, desto schwächer wird die Akzeptanz in der eigenen Bevölkerung. Das sind einmal „Brudervölker“ gewesen. Man kennt sich, man ist miteinander verwandt. Es gibt unzählige familiäre Beziehungen zwischen diesen Völkern. Putin hat die Spezialoperation gestartet, um diese Schwestern und Brüder zu befreien. Nun wird auch dem ignorantesten klar, dass das eine Lüge war. Das Putin hier einen Brudermord beabsichtigt. Kein Bock auf Krieg ist eine (nachvollziehbare) Sache, aber diese Umstände machen es den Russen denkbar schwer, motiviert in den Krieg zu ziehen. Die Reaktionen darauf sind ja bereits sichtbar. Es ist wirklich pervers, was Putin da veranstaltet.
 
Ich lese jetzt vermehrt von Russland-Experten, dass sich Putin und Schoigu mit der Ankündigung der Teilmobilmachung einen Bärendienst erwiesen haben.

Punkt 7 des Dekrets wurde als Verschlusssache eingestuft - genau dieser Punkt soll die Anzahl der Einzuziehenden nennen. Schoigu spricht wenig später dann von 300.000, sagt aber gleichzeitig, man könne bis zu 25 Mio einziehen. Gleichzeitig sagt er, es seien erst rund 6.000 russische Soldaten gefallen. Das passt einfach alles hinten und vorne nicht und wird beim ein oder anderen Putin-Fan Zweifel aufkommen lassen. Bei den Leuten bleibt hängen: Mobilmachung trotz nur 6.000 Gefallener und 25 Mio. Daher die Panik, daher die verstopften Grenzübergänge und ausgebuchten Flüge. Jeder Russe zwischen 18-60 hat Angst, einen Brief der zuständigen Militärbehörde im Briefkasten zu finden.

Ich denke, Putin hat die Mobilmachung machen müssen - nicht aus militärischer Sicht, sondern um seine Hardliner zu beruhigen. Die haben es ja seit Wochen gefordert. Im Versuch, die Bevölkerung gleichzeitig nicht zu verunsichern, ist er diesen umständlichen Weg über die Teilmobilmachung gegangen. Da er und Schoigu das maximal schlecht kommuniziert haben, hat er genau das erreicht, was er mit diesem Konstrukt vermeiden wollte.

Putin steht sichtbar unter massivem Druck und begeht einen Fehler nach dem anderen, was man so bis Februar gar nicht von ihm gewohnt war.
 
Flucht wird wohl sehr harsch geahndet. Die Teilmobilisierung ist scheinbar schon länger geplant und wurde gestern zwar erst ausgesprochen, aber es läuft ziemlich organisiert ab. Vor der Teilmobilisierung war ich echt guter Hoffnung, dass das doch noch irgendwie ein "gutes" Ende findet. Aber machen wir uns nichts vor: Russland geht all in - mit allen Konsequenzen.
Der Krieg wird erst enden, wenn es in Russland einen Putsch gibt. Solange Putin oder einer seiner Freunde an der Macht sind, wird sich nix ändern.
 
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