Ich hab vorgestern meinen Sohn für die Schule im nächsten Jahr angemeldet.
Es gibt dafür in unserem Bezirk eine Schule, bei der die Anmeldung stattfinden muss und auf der Anmeldung kann man die Wunschschulen innerhalb des eigenen "Sprengels" ankreuzen. Wir haben jedoch eine Grundschule schräg gegenüber von uns, die sich allerdings wiederum in nem anderen Bezirk befindet, also nicht zu unserem Sprengel gehört und der wiederum ein ganz anderes Anmeldeprozedere veranstaltet. Diese Schule schien uns am besten geeignet, weil sie halt den nähsten Schulweg bietet und auch, weil dort das jahrgangsübergreifende Lernen (Jül) abgeschafft wurde, worüber in Berlin kaum jemand etwas Gutes berichtet.
Soweit so gut. Ich musste dafür einen weiteren Antrag stellen, der nicht per Post mitgeschickt, sondern mir von der Anmeldeschule ausgehändigt wurde. Die Anmeldeschule war mir (überraschenderweise) ziemlich gut gefallen. Es war gerade große Pause, die Stimmung war nicht aggressiv, wir trafen zufällig den Sportlehrer, der ein paar Scherze machte und im Sekretariat wirkte alles ziemlich offen und freundlich auf mich. Meinen Sohn hatte ich übrigens dabei, damit er sich gleich mal alles anschauen kann.
Danach sind wir dann mit dem Antrag zur Wunschschule gefahren. Ich hatte schon im Vorfeld mal dort angerufen und nach den Chancen gefragt. Da sagte man mir, die Wahrscheinlichkeit wäre äusserst gering, dass wir dort angenommen werden, da sie jetzt schon mehr Anträge aus ihrem Bezirk hätten, als sie überhaupt an Plätzen anbieten könnten. Auch letztes Jahr hätte man keine Kinder aus unserem Bezirk genommen. Nachdem ich ein wenig rumdruckste, sagte mir die Schulleiterin, ich könne ja trotzdem den Antrag abgeben, "aber bitte persönlich", damit sie sehe, "wer das denn wäre. Man weiß ja nie ..."
Dort angekommen, fühlte ich mich da irgendwie nicht sehr wohl. Es war halt auch ein altes Gebäude, das von aussen ganz gut aussieht und auch von innen renoviert wurde, aber alles ist dort riesig und die Gänge unendlich weit.
Die Schulleitern meinte dann zu mir, ich könne zu 100% davon ausgehen, dass ich ne Ablehnung bekomme und sie würde mir nun einen Tipp geben, den ich aber nicht von ihr habe. Wenn ich nach Ostern die Ablehnung bekäme, dann sollte ich sie nochmal anrufen und dann einen Widerspruch und Konsequenzen mit dem Anwalt androhen sollte. Das würde ihr ermöglichen, uns dann aufzunehmen. Sie freute sich auch, dass unsere Kita etwas weiter weg wäre, dann würden uns andere, interessierte Eltern nicht kennen. Sie möchte ja Kinder aus unserem Bezirk nehmen, aber wenn sie das Tor zu weit öffnen würde, dann hätte sie schnell zu viele Kinder mit Migrationshintergrund. Womit die Sache klar ist: Hier gehts nur um Quoten und unsere Kinder sind Deutsch und blond. Das es in dem Bezirk auch genügend Problemkinder aus deutschen, sozialschwachen Familien kommen, spielt da keine Rolle.
Mit anderen Worten: Um ihren Ausländeranteil gering zu halten, nimmt man also nur deutsche Kinder aus dem "Problembezirk".
Das kotzt mich ehrlich gesagt so an, dass ich mich da am liebsten nicht mehr melden möchte. Aber da es hier nicht nur um mich, sondern um mein Kind geht, muss ich mich erstmal zurückhalten. Wir schauen uns nun die anderen Schulen genauer an, lassen uns individuelle Termine geben, bei denen wir uns die Schulen anschauen.